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Test: Spectrasonics Omnisphere – Teil 2

16. November 2008

Omnisphere - Teil 2

Nachdem wir im ersten Teil des Omnisphere-Tests hauptsächlich die Library und die Play-Modes beleuchtet haben, wollen wir diesmal die darunter liegenden Ebenen unter die Lupe nehmen – und das ist wörtlich gemeint, denn mit dem Lupen-Symbol navigiert man durch die omnispherischen Tiefen.

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I’m a Synthesizer, but that’s ok

Bei all dem Wirbel um brennende Klaviere, klingende Leuchtkörper und sonstig abstruse Samples könnte ein Aspekt von Omnisphere fast übersehen werden: es ist ein Synthesizer. So mit richtig „echten“ VA-Oszillatoren und was noch alles dazu gehört – aber schön der Reihe nach.

Ein Omnisphere-Patch besteht aus einem oder zwei Layern, die nahezu unabhängig voneinander arbeiten. Nur der Playmode, eine gesonderte Effektsektion und der Arpeggiator sind für beiden Layer gemeinsam zuständig. Außerdem können die Funktionen der Layer verlinkt werden, um etwa das Editieren von Hüllkurven und Tuning zu vereinfachen. Jeder Layer besitzt einen Oszillator, ein Dual-Multimodefilter, je sechs Hüllkurven und LFOs, eine Modulationsmatrix sowie vier Effekte.

Die Layer-Ebene präsentiert sich als erstes mit dem Main-Screen. Hier finden sich eine Reihe Controller zu unkomplizierten Editierung eines Patches. Mit Level, Panorama, Tuning und Masterfilter lässt sich ein Patch schnell modifizieren und mit Solo, Glide, Velocitykurve und Arpegiator On/Off kann der Playmode angepasst werden. Will man tiefer in die Editierung hinabsteigen, wechselt man zu Edit. Auf dieser Ebene befinden sich die wichtigsten, aber noch nicht alle Parameter eines Layers. In mehreren Abteilungen gelangt man durch einen Klick auf das Lupen-Symbol jeweils auf eine Subpage, die dann die letzten Geheimnisse von Omnisphere preisgibt.

 

Die Editpage zeigt die wichtigsten Parameter von Oszillator, Filter und Modulatoren. Über die Lupen-Symbole gelangt man in die unteren Ebenen.

Die Editpage zeigt die wichtigsten Parameter von Oszillator, Filter und Modulatoren. Über die Lupen-Symbole gelangt man in die unteren Ebenen.

 

Oszillator

Zentral gelagert ist der Oszillator, der zwischen Synth und Sample umgeschaltet werden kann. Während es für die (Multi)-Samples einen Browser ähnlich dem Patch-Browser (s. Omnisphere-Test Teil 1) gibt, bietet der Synth lediglich vier Wellenformen und Noise zur Auswahl. Das wirkt erst einmal recht bescheiden, aber es gibt eine Reihe von Funktionen, die das wieder ausgleichen. Zunächst können mit Shape und Symmetry zahlreiche Abwandlungen der Grundwellenformen entstehen, und diese Parameter sind, wie fast alle anderen auch, modulierbar. Des weiteren steht Hardsync zur Verfügung, obwohl es doch nur einen Oszillator im Layer gibt. Ein interner Hilfsoszillator macht es möglich. Darüber hinaus kann die Phasenlage und eine analoge Drift eingestellt werden. Übrigens arbeiten Shape, Symmetry und Hardsync auch mit dem Noise, steuern hier jedoch verschiedene Filterungen.

Zur weiteren Klanggestaltung stehen FM, Ringmodulation und Waveshaping zur Verfügung. FM und Ringmodulation arbeiten ebenfalls mit internen Hilfsoszillatoren und sind funktional identisch ausgestattet. Man hat die Wahl zwischen drei Wellenformen oder Noise, kann Frequenz und Modulationstiefe des Oszillators justieren und bei Bedarf das Keytracking abschalten. Natürlich ist Omnisphere damit kein FM-Spezialist à la FM8 (ja noch nicht einmal ein TX81Z), aber das Wellenformspektrum lässt sich hier deutlich erweitern, insbesondere bei dynamischer Steuerung der Parameter.

Das Waveshaping kann wahlweise beim Oszillator, Filter oder Amp ansetzen. Es gibt vier nicht näher bezeichnete Waves, und neben der Tiefe lässt sich der Grad der harmonischen Verzerrung noch mit Mix und Gain beeinflussen.

Die Priorität dieser Funktionen liegt bei musikalisch sinnvoller Einsetzbarkeit und nicht bei Klangzerstörung. Der Tuningbereich des Hilfsoszillators für Sync und FM hat eine klare Grenze, die digitale Fehlfunktionen erst im allerletzten Bereich entstehen lässt. Auch Aliasing ist so gut wie gar nicht zu vernehmen. Ebenso ist der Shaper eher zum Erzeugen einer neuen Obertonstruktur geeignet, denn als fieser Distortion.

Die letzte Sektion des Oszillators heißt schlicht Multi und hat im Synth-Mode zwei alternative Möglichkeiten. Entweder agiert hier ein klassischer Unison mit symmetrischem Coarse/Fine-Detune, Depth, Panorama-Spread und Phasenlage. Oder man aktiviert mit Harmonia bis zu vier weitere Oszillatoren, die eigene Synth-Wellenformen inklusive Shape und Symmetry erzeugen können und mit individuell justierbarem Tune von +/- zwei Okatven, Detune, Level und Panorama versehen sind. Schöpft man Harmonia bei beiden Layern voll aus, rumoren 10 Oszillatoren im Patch. Das geht natürlich zu Lasten der CPU-Power.

 

Die OSC-Funktionen sind für Synth und Samples nutzbar.

Die OSC-Funktionen sind für Synth und Samples nutzbar.

 

Nun kommt aber der Clou an der Sache. Die Oszillatorfunktionen können nicht nur mit dem Synth-Modell, sondern auch mit den Samples genutzt werden. Es gibt hier nur an zwei Stellen Unterschiede. Anstelle von Shape, Symmetry und Hardsync treten Timbre, Samplestart und -fade. Timbre kann entweder als Kombination aus Bitcrusher und Hoch-/Tiefpassfilter die Samples in bekannter Manier malträtieren oder mit Shift die Transponierung des Multisamples versetzen, bei gleichzeitig entgegen gesetztem Pitchshifting, was, abhängig vom Sample, eine leichte bis drastische Änderung der Obertonstruktur zur Folge hat. Diese Parameter sind zwar modulierbar, jedoch ist die neue Einstellung erst beim nächsten Tastenanschlag hörbar. Ergo sind es gute Kandidaten für Velocity-abhängige Steuerung.

Die zweite Sektion, die es nur für Samples gibt, steckt in Multi. Hier erscheint jetzt eine dritte Option: Granular. Allerdings arbeitet diese Funktion anders als man es von Elastic Audio her kennt. Vielmehr erinnert es mich an den GRM-Tools Shuffler. Dieser Mode entnimmt dem Sample kleine Schnipsel und gibt sie transponiert und im Panorama versetzt parallel zum eigentlichen Sample wieder aus. Dabei lässt sich die Stärke des Effektes mit mehreren Parametern abstimmen.

 

Die drei Multi-Funktionen des Oszillators.

Die drei Multi-Funktionen des Oszillators.

 

Noch einmal kurz zu den Samples. Neben den bereits erwähnten Akustikklängen finden sich auch zahlreiche Waveforms und Synths aus Atmosphere, die man anstelle des VA-Oszillators verwenden kann. Speziell die Digitalwaves geben eine große Farbpallette ab. In der Traditional-Abteilung stehen außerdem viele Saiteninstrumente zur Verfügung, die man mit versetztem Startpunkt und den OSC-Funktionen schnell in Synth-ähnliche Waves verwandelt kann. Der gesamte Samplepool ist so groß, dass man sicherlich noch nach Wochen „Neues“ zutage fördern wird.

Auf der anderen Seite lassen sich die Samples mit den OSC-Funktionen nicht nur zu „Synths“ verfremden, sondern auch lebendiger gestalten. Der Schlüssel hierfür liegt in der maßvollen Dosierung der Modulation, sowie der dynamischen Steuerung der Parameter.

 

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Aus dem Cubase Arrangefenster ist es schon möglich ein Midifile aus Sytlus ins Groovelockfenster zu ziehen. In den Videos auf der Spectrasonicsseite demonstriert das Eric Persing recht eindrucksvoll. Nur habe ich das in Cubase bis dato auch noch nicht hinbekommen. In der Keys wird zwar erwähnt das es funktioniert, nur leider nicht wie. Die Anleitung schweigt sich dazu auch aus. Ansonsten ist Omnisphere, meiner Meinung nach,einfach nur der Kracher.

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      der jim  RED

      In Kürze soll ein Update erscheinen, das u.a. den vollständigen Referenzquide enthält. Schaun wir dann nochmal …

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    AMAZONA Archiv

    Danke für den feinen Bericht.Gibt es bzw. wird es ein (ausführliches) deutsches Manual geben?

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      AMAZONA Archiv

      Diese Info kam von Spectrasonic auf meine Nachfrage nach einer Deutschen Anleitung.
      Hi Piet,

      All of the instructions for Omnisphere are currently in English exclusively.
      Can I help you with something in particular?

      Please let us know if we can assist you further.

      Best Regards,

      Adam Hawk
      Director of Communications
      info@spectrasonics.net
      http://www.spectrasonics.net

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      der jim  RED

      Hi – also ein deutsches Manual wird es wohl nicht geben, Spectrasonics hatte sowas bislang jedenfalls noch nicht. Zum einen gibt es ausführliche Video-Tutorials, die man erreicht wenn man registriert ist, zum anderen ist der Referenzguide direkt über das Plugin aufrufbar, eine Sprachauswahl erscheint mir da wenig wahrscheinlich.
      Da man in den Videos alles sehr gut demonstriert bekommt, brauchte ich für Stylus RMX nie irgendwo etwas nachlesen. Für Omnisphere stehen allerdings, wie erwähnt, noch einige Kapitel aus. Ich hoffe die werden schnell nachgereicht.

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        Ja. Ich muß mich da aber auch an der eigenen Nase packen. Schließlich hatte ich 40 Jahre Zeit der Englischen Sprache mächtig zu werden. Die Tutorials sind aber gut gemacht und es sollen ja noch weitere folgen.

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    Bei „Atmosphere“ gab es definitiv auch ein deutsches Manual !!! Das darf man nicht vergessen!
    Ab Stylus und Trilogy dann allerdings nicht mehr, was sehr schade ist.

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    AMAZONA Archiv

    Nach nun einiger Zeit mit dem Omnisphere ist mir eines sehr Negativ aufgefallen. Nach einigen, leider selbstverschuldeten Crashes, habe ich innerhalb von 3 Wochen Omnisphere 4 mal neu aktivieren müßen und schon kam der Hinweise ich würde zu oft aktivieren und man wollte wissen warum. Erst nach einer Antwort von mir und 4 Tagen Wartezeit war man so gnädig und gab mir noch eine Chance. Ich finde als ehrlicher Käufer wird man durch so eine Geschäftspolitik ja fast dazu gezwungen sich nach keygens umzuschauen. Ich kann Spectrasonic ja auf der einen Seite verstehen das man sein Produkt schützen will aber die Art der Aktivierung für ein teuer bezahltes Produkt ist lästig. XP läßt grüßen.

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    AMAZONA Archiv

    @FischerZ: danke für den Hinweis: etwas ähnliches ist mir bei Stylus RMX passiert. Ich musste Spectrasonics auch erst erklären, warum ich das dritte Mal freigeschaltet habe. Das hält mich eigentlich davon ab, die knapp 400 € auszugeben, egal wie gut Omnisphere ist.

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