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Test: Spectrasonics Omnisphere – Teil 2, VST Synthesizer Plug-in

Der geniale Synthesizer im Detail

16. November 2008

Nachdem wir im ersten Teil des Omnisphere-Tests hauptsächlich die Library und die Play-Modes beleuchtet haben, wollen wir diesmal die darunter liegenden Ebenen unter die Lupe nehmen – und das ist wörtlich gemeint, denn mit dem Lupen-Symbol navigiert man durch die omnispherischen Tiefen.

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I’m a Synthesizer, but that’s ok

Bei all dem Wirbel um brennende Klaviere, klingende Leuchtkörper und sonstig abstruse Samples könnte ein Aspekt von Omnisphere fast übersehen werden: es ist ein Synthesizer. So mit richtig „echten“ VA-Oszillatoren und was noch alles dazu gehört – aber schön der Reihe nach.

Ein Omnisphere-Patch besteht aus einem oder zwei Layern, die nahezu unabhängig voneinander arbeiten. Nur der Playmode, eine gesonderte Effektsektion und der Arpeggiator sind für beiden Layer gemeinsam zuständig. Außerdem können die Funktionen der Layer verlinkt werden, um etwa das Editieren von Hüllkurven und Tuning zu vereinfachen. Jeder Layer besitzt einen Oszillator, ein Dual-Multimodefilter, je sechs Hüllkurven und LFOs, eine Modulationsmatrix sowie vier Effekte.

Die Layer-Ebene präsentiert sich als erstes mit dem Main-Screen. Hier finden sich eine Reihe Controller zu unkomplizierten Editierung eines Patches. Mit Level, Panorama, Tuning und Masterfilter lässt sich ein Patch schnell modifizieren und mit Solo, Glide, Velocitykurve und Arpegiator On/Off kann der Playmode angepasst werden. Will man tiefer in die Editierung hinabsteigen, wechselt man zu Edit. Auf dieser Ebene befinden sich die wichtigsten, aber noch nicht alle Parameter eines Layers. In mehreren Abteilungen gelangt man durch einen Klick auf das Lupen-Symbol jeweils auf eine Subpage, die dann die letzten Geheimnisse von Omnisphere preisgibt.

Die Editpage zeigt die wichtigsten Parameter von Oszillator, Filter und Modulatoren. Über die Lupen-Symbole gelangt man in die unteren Ebenen.

Die Editpage zeigt die wichtigsten Parameter von Oszillator, Filter und Modulatoren. Über die Lupen-Symbole gelangt man in die unteren Ebenen.

Oszillator

Zentral gelagert ist der Oszillator, der zwischen Synth und Sample umgeschaltet werden kann. Während es für die (Multi)-Samples einen Browser ähnlich dem Patch-Browser (s. Omnisphere-Test Teil 1) gibt, bietet der Synth lediglich vier Wellenformen und Noise zur Auswahl. Das wirkt erst einmal recht bescheiden, aber es gibt eine Reihe von Funktionen, die das wieder ausgleichen. Zunächst können mit Shape und Symmetry zahlreiche Abwandlungen der Grundwellenformen entstehen, und diese Parameter sind, wie fast alle anderen auch, modulierbar. Des weiteren steht Hardsync zur Verfügung, obwohl es doch nur einen Oszillator im Layer gibt. Ein interner Hilfsoszillator macht es möglich. Darüber hinaus kann die Phasenlage und eine analoge Drift eingestellt werden. Übrigens arbeiten Shape, Symmetry und Hardsync auch mit dem Noise, steuern hier jedoch verschiedene Filterungen.

Zur weiteren Klanggestaltung stehen FM, Ringmodulation und Waveshaping zur Verfügung. FM und Ringmodulation arbeiten ebenfalls mit internen Hilfsoszillatoren und sind funktional identisch ausgestattet. Man hat die Wahl zwischen drei Wellenformen oder Noise, kann Frequenz und Modulationstiefe des Oszillators justieren und bei Bedarf das Keytracking abschalten. Natürlich ist Omnisphere damit kein FM-Spezialist à la FM8 (ja noch nicht einmal ein TX81Z), aber das Wellenformspektrum lässt sich hier deutlich erweitern, insbesondere bei dynamischer Steuerung der Parameter.

Das Waveshaping kann wahlweise beim Oszillator, Filter oder Amp ansetzen. Es gibt vier nicht näher bezeichnete Waves, und neben der Tiefe lässt sich der Grad der harmonischen Verzerrung noch mit Mix und Gain beeinflussen.

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Die Priorität dieser Funktionen liegt bei musikalisch sinnvoller Einsetzbarkeit und nicht bei Klangzerstörung. Der Tuningbereich des Hilfsoszillators für Sync und FM hat eine klare Grenze, die digitale Fehlfunktionen erst im allerletzten Bereich entstehen lässt. Auch Aliasing ist so gut wie gar nicht zu vernehmen. Ebenso ist der Shaper eher zum Erzeugen einer neuen Obertonstruktur geeignet, denn als fieser Distortion.

Die letzte Sektion des Oszillators heißt schlicht Multi und hat im Synth-Mode zwei alternative Möglichkeiten. Entweder agiert hier ein klassischer Unison mit symmetrischem Coarse/Fine-Detune, Depth, Panorama-Spread und Phasenlage. Oder man aktiviert mit Harmonia bis zu vier weitere Oszillatoren, die eigene Synth-Wellenformen inklusive Shape und Symmetry erzeugen können und mit individuell justierbarem Tune von +/- zwei Okatven, Detune, Level und Panorama versehen sind. Schöpft man Harmonia bei beiden Layern voll aus, rumoren 10 Oszillatoren im Patch. Das geht natürlich zu Lasten der CPU-Power.

Die OSC-Funktionen sind für Synth und Samples nutzbar.

Die OSC-Funktionen sind für Synth und Samples nutzbar.

Nun kommt aber der Clou an der Sache. Die Oszillatorfunktionen können nicht nur mit dem Synth-Modell, sondern auch mit den Samples genutzt werden. Es gibt hier nur an zwei Stellen Unterschiede. Anstelle von Shape, Symmetry und Hardsync treten Timbre, Samplestart und -fade. Timbre kann entweder als Kombination aus Bitcrusher und Hoch-/Tiefpassfilter die Samples in bekannter Manier malträtieren oder mit Shift die Transponierung des Multisamples versetzen, bei gleichzeitig entgegen gesetztem Pitchshifting, was, abhängig vom Sample, eine leichte bis drastische Änderung der Obertonstruktur zur Folge hat. Diese Parameter sind zwar modulierbar, jedoch ist die neue Einstellung erst beim nächsten Tastenanschlag hörbar. Ergo sind es gute Kandidaten für Velocity-abhängige Steuerung.

Die zweite Sektion, die es nur für Samples gibt, steckt in Multi. Hier erscheint jetzt eine dritte Option: Granular. Allerdings arbeitet diese Funktion anders als man es von Elastic Audio her kennt. Vielmehr erinnert es mich an den GRM-Tools Shuffler. Dieser Mode entnimmt dem Sample kleine Schnipsel und gibt sie transponiert und im Panorama versetzt parallel zum eigentlichen Sample wieder aus. Dabei lässt sich die Stärke des Effektes mit mehreren Parametern abstimmen.

Die drei Multi-Funktionen des Oszillators.

Die drei Multi-Funktionen des Oszillators.

Noch einmal kurz zu den Samples. Neben den bereits erwähnten Akustikklängen finden sich auch zahlreiche Waveforms und Synths aus Atmosphere, die man anstelle des VA-Oszillators verwenden kann. Speziell die Digitalwaves geben eine große Farbpallette ab. In der Traditional-Abteilung stehen außerdem viele Saiteninstrumente zur Verfügung, die man mit versetztem Startpunkt und den OSC-Funktionen schnell in Synth-ähnliche Waves verwandelt kann. Der gesamte Samplepool ist so groß, dass man sicherlich noch nach Wochen „Neues“ zutage fördern wird.

Auf der anderen Seite lassen sich die Samples mit den OSC-Funktionen nicht nur zu „Synths“ verfremden, sondern auch lebendiger gestalten. Der Schlüssel hierfür liegt in der maßvollen Dosierung der Modulation, sowie der dynamischen Steuerung der Parameter.

Filter

Beim Filter sind auf der Edit-Page zunächst nur die wichtigsten Parameter zugängig. Über das Lupen-Symbol erreicht man die gesamte Filtersektion. Die beiden Multimodefilter, mit Seriell- oder Parallelbetrieb, werden über gemeinsame Cutoff- und Resonanzregler gesteuert, können aber über separate Offsets relativ zueinander verändert werden. Es gibt 17 verschiedene Modes, darunter Tiefpässe von 6 bis 24 dB, Band- und Hochpässe, Notch, einen Allpass und zwei recht harsch klingende Metal Pipe-Modes. Es finden sich auch mehrere UVI-Filter aus dem Atmosphere darunter, die zum einen für die originalgetreue Wiedergabe der Atmosphere-Patches zuständig sind, aber auch als Klangalternative zu den restlichen Modes genutzt werden können.

Praktischerweise besteht die Möglichkeit, Konfigurationen der gesamten Filtersektion separat abzuspeichern und in anderen Patches aufzurufen.

Den Klang der Filter kann man als rund und warm bezeichnen, jedoch sind auch hier keine Extremsounds zu erreichen. Es wird weder ein eigenwilliger Eigenklang à la Wasp-Filter, noch eine Sherman-Destruktion erreicht. Das ist aber auch gar nicht die Intention von Omnisphere. Hier geht es vorrangig um schönzeichnende, doch durchaus markante Soundeingriffe, die auch einen gewissen Biss nicht vermissen lassen und diese gelingen nicht zuletzt aufgrund der ausgewogenen Resonanz hervorragend. Richtigen Filter-„Dreck“ erreicht man nur mit dem beiden Metal Pipe-Modes, die aber recht digital klingen.

Auf der Filter-Subpage kann man die beiden Multimodefilter detalliert editieren.

Auf der Filter-Subpage kann man die beiden Multimodefilter detalliert editieren.

Envelopes

Die Hüllkurven sind sicherlich eines der Highlights von Omnisphere. Pro Layer sind sechs vorhanden, wovon zwei fest Filter und Amp zugewiesen sind, die restlichen vier stehen als Mod-Envelopes frei zur Verfügung. Zunächst arbeiten die Hüllkurven als gewöhnliche ADSR-Modelle, haben jedoch Besonderheiten.

Für Attack, Decay und Release lassen sich verschiedene Shapes aufrufen. Vom einfachen linearen Verlauf über Curves mit frei veränderbarer Logarithmik bis hin zu speziellen Abläufen. Darunter fallen Bump, mit einem Buckel in der Kurve, Spike, eine Pegelspitze mit schnellem Abfall oder 3 bzw. 4 Pulses, die rhythmische Verläufe auf diesem Teilstück ermöglichen. Auch bei diesen speziellen Kurven bleibt das Decay was es ist, nämlich nur eine Phase der Hüllkurve, die mit dem dazugehörigen Regler nach wie vor gesteuert werden kann.

Da juckt es natürlich in den Fingern, die Hüllkurven noch mehr auszureizen, und selbstverständlich lassen sich weitere Breakpoints hinzufügen. Die Hüllkurve wandelt sich damit in den Komplex-Mode und kann bei entsprechender Programmierung sogar wie ein Stepsequenzer agieren, da jede Phase frei definierbar ist und die Hüllkurve geloopt sowie zum Hosttempo synchronisiert werden kann. Für die vier Mod-Envelopes gibt es sogar noch drei Triggervarianten, per Note, Legato oder orientiert an der Song Position, was besonders bei sehr langen Modulationsverläufen sinnvoll ist.

Und selbst damit haben sich die Hüllkurven noch nicht erschöpft. Omnisphere bietet mit Chaos hier ein Feature, das ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Chaos variiert die einzelnen Phasen der Hüllkurve bei jedem Durchlauf neu, ob bei erneutem Tastenanschlag oder im Loop-Mode. Dabei kann die Intensität für Curves und Level von leichter Variation bis zum radikalen Umkrempeln separat dosiert werden. Das betrifft jedoch nicht die Zeitpunkte der Phasen, die Rhythmik der Hüllkurve bleibt von Chaos unberührt.

Nicht nur einfach eine Hüllkurve ...

Nicht nur einfach eine Hüllkurve …

LFO

Neben den innovativen Hüllkurven wirken die LFOs nahezu altbacken, aber oft braucht man halt nur eine simple zyklische Schwingung. Die Wellenformen, neun an der Zahl, lassen sich leider nicht direkt oder per Menü anwählen sondern nur nacheinander durchklicken – das hätte ich gern etwas komfortabler. Selbstredend lassen sich die LFOs synchronisieren und in der Startphase verändern, außerdem gibt es eine Einsatzverzögerung. Die Geschwindigkeit beträgt im Sync von 32 Takten bis 96tel, einschließlich triolischer Werte, im Freilauf von 0 Hz bis 48 Hz. Die LFOs sind für Standardaufgaben gedacht, spezielle Verläufe realisiert man bei Bedarf mit den loopbaren Hüllkurven.

Modulation & Matrix

Möchte man in Omnisphere einen Parameter mit einem Modulator verbinden, gibt es mehrere Wege dies zu bewerkstelligen. Die schnellste Art ist eine direkte Verknüpfung vom Zielregler aus. Man bewegt die Mouse zum gewünschten Regler, öffnet mit Rechtsklick ein Menü und wählt eine Modulationsquelle aus. Diese Verbindung wird in dem separaten Modulationsfeld links oben auf der Edit-Page angezeigt. Dort könnte man die Verbindung ebenfalls routen, muss die Parameter aber aus Listen rauspicken. Modulationstiefe, Invertierung und Mute (sehr praktisch!) lassen sich hier direkt einstellen. Hat man mehrere Verbindungen in einem Layer geknüpft, muss man zwischen den Routings wechseln. Übersichtlicher ist es, wenn man wiederum über das Lupen-Symbol die Subpage öffnet. Hier werden 12 Modulationsverbindungen auf einer Seite dargestellt, zwei Seiten, sprich 24 Routings, gibt es insgesamt. Zusätzlich gibt es hier auch noch einen Smooth-Parameter pro Modulationsverbindung, mit dem sich sprunghafte Verläufe glätten lassen.

Nicht alle Parameter können von den Modulatoren gesteuert werden, so bleiben z.B. die Hüllkurvenphasen außen vor. Jedoch lassen sich alle Funktionen mit MIDI-Controllern fernsteuern. Die Anbindung erfolgt über Learn im gleichen Menü wie die direkten Modulationsverknüpfungen.

Die Modulationsmatrix erlaubt 24 Verbindungen.

Die Modulationsmatrix erlaubt 24 Verbindungen.

Effekte

Die FX-Abteilung wurde von Stylus RMX entlehnt und erweitert. Pro Layer lassen sich bis zu vier Effekte aufrufen, die stets seriell angeordnet sind. Andere Konfigurationen, etwa mit paralleler Verschaltung, sind leider nicht vorhanden. Aber es gibt ein drittes Rack namens Common, dessen Effekte für beide Layer gelten. Somit lassen sich pro Patch maximal 12 Effekte aufrufen – sofern es sinnvoll ist und die CPU-Power hergibt.

Die Effekte sind in mehreren Gruppen organisiert und decken die Bereiche Delay, EQ, Dynamics, LoFi, Filter, Chorus, Flanger/Phaser und Hall ab. Die Darstellung ähnelt herkömmlichen Rackgeräten, man hat also keine Parametergräber vor sich. Meist gibt es zwei Displayseiten, über welche die Effekte effektiv editiert werden können. Eine Besonderheit haben die Layer-Effekte vorzuweisen, deren Parameter können nämlich von LFOs, Hüllkurven usw. moduliert werden. Bei den Common-Effekten ist nur eine Steuerung über MIDI-CC möglich.

Die Qualität der Effekte allgemein ist außerordentlich gut, besonders die Delays und Dynamics gefallen mir ausnehmend gut. Ein richtiges Highlight ist das neu Pro-Verb, das einen sehr dichten Hall erzeugt, der sich mit spezialisierten Effekten der Oberklasse messen kann. Dieses Reverb langt aber dafür auch bei der CPU-Last zu. Deswegen gibt es einen Qualitätsregler, mit dem die CPU-Belastung verringert wird. Bei starker Reduzierung mutiert das Pro-Verb dann zum Effekthall.

Ähnlich wie bei der Filtersektion lassen sich auch bei den Effekten ganze Settings separat abspeichern, um sie in anderen Patches fertig aufrufen zu können. Eine Auswahl an sinnvollen Kombinationen ist bereits vorhanden.

Drei Racks à vier Effekte stehen pro Patch zur Verfügung.

Drei Racks à vier Effekte stehen pro Patch zur Verfügung.

Arpeggiator

Die letzte Abteilung eines Patches ist der frei programmierbare Arpeggiator. Mit bis zu 32 Steps mit individueller Velocitiy, 1 bis 4 Oktaven, gebundenen Steps, Mutes, Length und Swing sind die Arpeggios ohnehin schon recht vielseitig. Für das richtige Feeling hat Omnisphere allerdings noch ein echtes Bonbon parat, nämlich Groove Lock. Damit wird das Arpeggio an die Quantisierung eines MIDI-Files angepasst. Optimaler Partner hierfür ist natürlich Stylus RMX. Man zieht einfach das MIDI-File eines Slice-Grooves hinüber zum Omnisphere-Arpeggiator, der dann perfekt mit diesem Beat zusammenspielt, einfacher geht es nicht! Insbesondere bei handgetrommelten Grooves wirkt das Wunder, man muss sich nicht mehr mit schrägen Swing-Einstellung oder anderen Kunstgriffen behelfen. Direkt aus dem Cubase-Arrangefenster lassen sich die Pattern jedoch nicht auf Groove Lock ziehen. Hierfür muss man den kleinen Umweg über MIDI-File Export gehen und selbiges File in Omnisphere wieder importieren.

Über Groove Lock kann der Arpeggiator zu beliebigen MIDI-Grooves quantisiert werden.

Über Groove Lock kann der Arpeggiator zu beliebigen MIDI-Grooves quantisiert werden.

Eine Zusammenfassung

Für diesen Testbericht habe ich deutlich länger gebraucht als sonst, und doch habe ich in diesen beiden Teilen nicht alles beschrieben, was Omnisphere kann oder hat. Es soll ja aber auch keine Bedienungsanleitung sein, sondern in erster Linie die Möglichkeiten aufzeigen. Und was halte ich nun von dem Teil? Ich scheue mich nicht hier die Höchstwertung zu zücken. Die Begründung scheint dabei zunächst etwas kurios: ich habe auch noch ein paar Wochen noch nicht die wahren Tiefen von Omnisphere ausgelotet. Zwar sind alle Funktionen klar und der Samplepool weitestgehend gesichtet, jedoch wird man die wirklichen Stärken erst nach längerer Auseinandersetzung im Arbeitsalltag herauskitzeln. Und hier greift dann auch der sehr gelungene Workflow. Die Bedienung ist meiner Ansicht nach außerordentlich gut gelungen. Mann kann sowohl auf den Main-, Edit- oder Subpage-Ebenen gleichermaßen flüssig wie effektiv Patches modifizieren wie auch von Grund auf neu entwickeln. Seien es die schnellen Modulaionsverknüpfungen mit dem praktischen Mute, die flexiblen Hüllkurven, das effektive Dualfilter oder die hochwertigen Effekt, das Arbeiten mit Omnisphere macht einfach Spaß. Ich freue mich darauf, dass ich auch noch erst in einigen Monaten mir bis dahin verborgen gebliebene Tricks und Kniffe entdecke. Mir ist es wesentlich lieber so, als einen Synthesizer schon nach wenigen Tagen völlig durch zu haben.

Aber das ist nur eine Seite, die andere ist der Sound. Und hiermit kommen wir zum Fazit:

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Fazit

Der Klang ist einfach klasse, das betrifft sowohl die einzelnen Komponenten Oszillatoren, Samples, Filter und Effekte gleichermaßen wie der daraus resultierende Gesamtklang. Aber auch die Sounds, spricht Presets sind, wenngleich unter subjektiver Prämisse, gehören zum Besten was es am Markt gibt. Hier profitiert Spectrasonics sicherlich von einem Vertrauensvorschuss, den sie sich nicht nur meiner Meinung nach redlich verdient haben. In den vergangenen Jahren habe ich Atmosphere, Trilogy und vor allem Stylus RMX in vielen Produktionen und bei verschiedenen Studioprojekten eingesetzt. Die Sounds funktionierten eigentlich immer, sofern man sich nicht in allzu wilden Gefilden bewegt. Harter Undergound-Techno, Grunge, Death Metal oder Noise-Industrial sind wahrlich nicht die geeigneten Stile für Spectrasonics-Plugins. Aber in den Bereichen Chillout, Ambient, Dub, Drum’n’Bass, Ethno-Crossover, Downbeat, Leftfield – und wie sie alle heißen – kommt man mit Omnisphere sehr weit und wird sicherlich eine Weile brauchen das Potential auszuschöpfen. Da ich weiß, wie lange mir Atmosphere treue Dienst geleistet hat, kann ich erahnen, wie nützlich der um so Vieles potentere Nachfolger sein wird.

Plus

  • hohe Klangqualität
  • übersichtliche Bedienung, schnelle Editierung
  • OSC-Funktionen auch auf Samples anwendbar
  • sehr große Library mit hohem Gebrauchswert
  • bis zu 12 Effekte pro Patch
  • sehr gute Effektqualität
  • frei definierbare Stacks und Splitzonen
  • Live-Mode mit 8 direkt umschaltbaren Patches
  • flexible Filtersektion
  • komplexe Hüllkurven-Features (Loop, Curves, Chaos)
  • 24-fache Modulationsmatrix mit Mute-, Invert- & Smooth-Funktionen
  • Arpeggiator mit Groove Lock

Minus

  • keine Stand Alone-Version
  • Multimode erfordert leistungsstarken Rechner (Dual Core)
  • Videotutorial und Referenzguide noch nicht ganz vollständig

Preis

  • 379,-€
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Aus dem Cubase Arrangefenster ist es schon möglich ein Midifile aus Sytlus ins Groovelockfenster zu ziehen. In den Videos auf der Spectrasonicsseite demonstriert das Eric Persing recht eindrucksvoll. Nur habe ich das in Cubase bis dato auch noch nicht hinbekommen. In der Keys wird zwar erwähnt das es funktioniert, nur leider nicht wie. Die Anleitung schweigt sich dazu auch aus. Ansonsten ist Omnisphere, meiner Meinung nach,einfach nur der Kracher.

    • Profilbild
      der jim RED

      In Kürze soll ein Update erscheinen, das u.a. den vollständigen Referenzquide enthält. Schaun wir dann nochmal …

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Danke für den feinen Bericht.Gibt es bzw. wird es ein (ausführliches) deutsches Manual geben?

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Diese Info kam von Spectrasonic auf meine Nachfrage nach einer Deutschen Anleitung.
      Hi Piet,

      All of the instructions for Omnisphere are currently in English exclusively.
      Can I help you with something in particular?

      Please let us know if we can assist you further.

      Best Regards,

      Adam Hawk
      Director of Communications
      info@spectrasonics.net
      http://www.spectrasonics.net

    • Profilbild
      der jim RED

      Hi – also ein deutsches Manual wird es wohl nicht geben, Spectrasonics hatte sowas bislang jedenfalls noch nicht. Zum einen gibt es ausführliche Video-Tutorials, die man erreicht wenn man registriert ist, zum anderen ist der Referenzguide direkt über das Plugin aufrufbar, eine Sprachauswahl erscheint mir da wenig wahrscheinlich.
      Da man in den Videos alles sehr gut demonstriert bekommt, brauchte ich für Stylus RMX nie irgendwo etwas nachlesen. Für Omnisphere stehen allerdings, wie erwähnt, noch einige Kapitel aus. Ich hoffe die werden schnell nachgereicht.

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Ja. Ich muß mich da aber auch an der eigenen Nase packen. Schließlich hatte ich 40 Jahre Zeit der Englischen Sprache mächtig zu werden. Die Tutorials sind aber gut gemacht und es sollen ja noch weitere folgen.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Bei „Atmosphere“ gab es definitiv auch ein deutsches Manual !!! Das darf man nicht vergessen!
    Ab Stylus und Trilogy dann allerdings nicht mehr, was sehr schade ist.

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Nach nun einiger Zeit mit dem Omnisphere ist mir eines sehr Negativ aufgefallen. Nach einigen, leider selbstverschuldeten Crashes, habe ich innerhalb von 3 Wochen Omnisphere 4 mal neu aktivieren müßen und schon kam der Hinweise ich würde zu oft aktivieren und man wollte wissen warum. Erst nach einer Antwort von mir und 4 Tagen Wartezeit war man so gnädig und gab mir noch eine Chance. Ich finde als ehrlicher Käufer wird man durch so eine Geschäftspolitik ja fast dazu gezwungen sich nach keygens umzuschauen. Ich kann Spectrasonic ja auf der einen Seite verstehen das man sein Produkt schützen will aber die Art der Aktivierung für ein teuer bezahltes Produkt ist lästig. XP läßt grüßen.

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    @FischerZ: danke für den Hinweis: etwas ähnliches ist mir bei Stylus RMX passiert. Ich musste Spectrasonics auch erst erklären, warum ich das dritte Mal freigeschaltet habe. Das hält mich eigentlich davon ab, die knapp 400 € auszugeben, egal wie gut Omnisphere ist.

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