Test: the t.bone MB 7 Beta, Broadcast-Studiomikrofon

18. September 2020

Broadcast-Premiere im "Beta"-Test

the tbone mb beta 7 test

the t.bone MB 7 Beta, Broadcast-Studiomikrofon

Mikrofone von „the t.bone“ gibt es inzwischen mehr als reichlich, gefühlt dürften es einige hundert sein. Mit dem the t.bone MB 7 Beta betritt Thomanns Hausmarke nun ein neues Segment, denn bei den Broadcast-Mikrofonen war man bisher noch nicht vertreten. Eigentlich erstaunlich, wo doch die Nachfrage durch die extrem gestiegene Beliebtheit von Podcasts rasant gestiegen ist.

Bisher hatte sich da besonders Rode (Broadcaster, Procaster, PodMic, Reporter, Podcaster) engagiert, aber auch Neumann (BCM 705, BCM 104), Audio Technica (BP40) oder Shure mit seinem SM 7 B sind da vertreten. Bei Letzterem fällt die Namensähnlichkeit ins Auge: „MB 7 Beta“ und „SM 7 B“ – das ist wohl kaum ein Zufall. Nun ist das Shure allerdings mit einem Preis von rund 400,- Euro gut 4x so teuer wie das the t.bone MB 7 Beta. Ist es damit auch 4x besser? Was bietet das MB 7 Beta zu dem kleinen Preis?

tbone mb 7 beta test

Ausgepackt und angeschaut

In dem zweckmäßig schmucklosen Karton (da könnten auch Kinderschuhe drin sein, wäre da nicht wenigstens eine Risszeichnung eines Mikrofons auf dem Deckel) finden wir – sicher verpackt – das MB 7 Beta, das bereits mit zwei Schrauben auf der U-förmigen Halterung montiert ist. Die lassen sich leicht von Hand ohne Werkzeug lösen, so dass die Ausrichtung des Mikros bei Bedarf schnell verstellt werden kann. Einmal festgezogen halten sie das the t.bone MB 7 Beta fest in Position, da rührt sich dann nichts mehr – so muss das sein. Die Schwenkhalterung mündet unten in ein 5/8 Gewinde zur Montage auf einem Stativ; ein Reduziergewinde auf 3/8 liegt bei. Das ist es dann aber auch schon wieder mit den Beigaben, sieht man von einem DIN-A4 Datenblatt und einem kleinen, mehrsprachigen Heftchen (Microphone Guide aka Mikros für Einsteiger) ab.

tbone mb 7 beta test

Das Mikro macht mit seinem Metallkorpus einen sehr stabilen Eindruck. Der Kapselkäfig ist zusätzlich noch durch einen Metallrahmen gesichert, da kann auch bei einem Sturz eigentlich nichts passieren. Der Käfig selber ist ebenfalls stabil und lässt sich nicht eindrücken. Die mattschwarze Lackierung sieht edel aus, ist aber halt etwas empfindlich bei Fingerabdrücken. Insgesamt kommt das MB 7 Beta durchaus wertig rüber, optisch sieht man dem Broadcast-Mikrofon seinen günstigen Preis nicht an. Im Vergleich zum Shure ist das the t.bone mit 450 g (Shure: 766 g) und einer Größe von 140 x 50 x 50 mm ohne Bügel (Shure: 190 x 64 x 96 mm) deutlich leichter und kompakter.

Anders als beim Shure SM 7 B, wo die XLR-Buchse auf dem Haltebügel sitzt und das Kabel von dort aus unten seitlich ins Mikro geführt wird, befindet sich der XLR-Anschluss beim the t.bone auf der Unterseite direkt am Mikrofon. Ist das Kabel eingestöpselt, lässt sich das Mikrofon nicht mehr frei am unteren Bügelende vorbeibewegen, wenn man es in die andere Richtung kippen will, da der Platz da zu knapp ist. Zudem bringt ein Kabel ja auch zusätzliches Gewicht auf das Ende des Mikrofons und könnte es unter Umständen in der Position verändern – da ist die Shure-Lösung insgesamt doch etwas praktikabler.

Zusätzliche Schalter – wie etwa Bass-Roll-off (Low-Cut) oder Mid-Boost wie beim Shure – gibt es keine. Ein Windschutz wird nicht mitgeliefert, dafür hat das MB 7 Beta einen eingebauten Popfilter plus einen Shockmount zur Reduzierung von Vibrationsgeräuschen. Wie weit die dann wirklich funktionieren, werden wir später testen. Regelmäßige Leser hier kennen vermutlich mittlerweile meine Skepsis, was ins Mikrofon integrierte Popfilter angeht: Bis heute habe ich kaum einen gefunden, der da wirklich zuverlässig arbeitet (Ausnahme: Neumann BCM 104. Aber hey, es ist ein Neumann). Aber ich lasse mich da gerne überraschen.

the t.bone MB 7 Beta

Die XLR-Buchse sitzt am unteren Ende

Technische Daten

Das the t.bone MB 7 Beta ist ein dynamisches Broadcast-Mikrofon mit Nieren-Charakteristik. Den Frequenzbereich gibt der Hersteller mit 20 bis 20.000 Hz an, die Empfindlichkeit mit -57 dB und die Ausgangsimpedanz mit 320 Ohm. Angaben zu  Eigenrauschen oder Grenzschalldruckpegel gibt es keine, auch nicht im technischen Datenblatt auf der Produktseite. Da das MB 7 Beta dynamisch ist, benötigt es keine Phantomspannung.

the t.bone MB 7 Beta

Gehäuse und Käfig sind extrem stabil

Intermezzo: Was ist ein Broadcast-Mikrofon überhaupt?

Natürlich lassen sich so ziemlich alle Mikrofone (irgendwie) auch zum Broad-/Podcasten einsetzen. Und so manches Mikro, das heutzutage da gerne genutzt wird, hat ursprünglich auch gar nicht das Etikett „Broadcast“ getragen. Es gibt aber einige Features, die sich besonders gut für diesen Bereich eignen.

Das englische Wort Broadcast steht für Übertragung, Sendung, Ausstrahlung oder Rundfunk und meint im Zusammenhang mit Mikrofonen dann Mikrofone, die speziell für Sprachaufnahmen entwickelt werden. Die decken aber mittlerweile nicht den (überschaubar großen) Rundfunkbereich ab, sondern haben vor allem auch Podcaster, Gamer und YouTuber als Zielgruppe für sich entdeckt. Wobei man dann zwischen stationären Mikrofonen in einem Studio und den Reporter-Mikros für den Außeneinsatz unterscheiden muss: Während bei ersteren Mikrofone mit Nierencharakteristik zum Einsatz kommen (nur ein Sprecher direkt vor dem Mikrofon) werden draußen – etwa für Interviews – lieber Mikrofone mit Kugelcharakteristik genutzt, da die Signale da ja von mehreren Seiten kommen (und Interviewte erfahrungsgemäß gerne schon anfangen zu reden, bevor man das Mikro auf sie ausgerichtet hat.

tbone mb 7 beta test

Bei der Nierencharakteristik wird der Schall von vorne aufgenommen, während von der Seite recht wenig und von hinten dann fast gar nichts ankommt – das minimiert Störgeräusche. Von der Bauart her kommen bei den Broadcast-Mikrofonen sowohl dynamische Mikrofone (wie hier das the t.bone MB 7 Beta, Neumann BCM 705 oder das zum Soundvergleich herangezogenen Audio Technica BP40) als auch Großmembranmikrofone mit Kondensatorkapsel zum Einsatz (wie in den Klangbeispielen das Rode Broadcaster).

Dynamische Mikrofone sind vergleichsweise einfach konstruiert, daher mechanisch robust und werden auch mit hohen Schalldrücken fertig, ohne gleich zu verzerren. Da sie etwas träger in der Auflösung sind, kommt auch nicht gleich jedes Störgeräusch mit auf die Aufnahme. Was aber auch bedeutet, dass man bei der Aufnahme die Regler schon ordentlich aufdrehen muss, um einen vernünftigen Pegel zu bekommen. Wie wir gleich hören werden.

Broadcast-Mikrofone werden meist von oben besprochen (Rode Broadcaster, Audio Technica BP40, the t.bone MB 7 Beta, Shure SM 7B), andere – wie das Neumann BCM 104 – lassen sich auch gern mal von der Seite anquatschen. Nachdem wir das nun geklärt haben, hören wir mal rein, wie sich das the t.bone schlägt.

the t.bone MB 7 Beta

Das MB 7 Beta und die beiden Vergleichskandidaten

Ausprobiert: Der Testaufbau

Zum Testaufbau: Die (frontalen) Sprachaufnahmen habe ich jeweils aus 5, 10 und 20 cm Entfernung aufgenommen, einmal mit, einmal ohne Popschutz. Zum direkten Vergleich habe ich auch zwei weitere Mikrofone herangezogen: Mit dem dynamischen Großmembranmikrofon Audio Technica BP40 einen erklärten Broadcast-Spezialisten mit Hypernieren-Charakteristik (ein ausführlicher Test dazu folgt demnächst), der mit 333,- Euro rund 3x so viel kostet das the t.bone MB 7 Beta und das Rode Broadcaster (Großmembran-Kondensatormikrofon für ca. 360,- Euro), das – wie der Name schon sagt – ebenfalls auf Broad- und Podcasts spezialisiert ist.

Die Mikrofone waren direkt mit einem Mackie 802 VLZ Mixer verbunden, dessen Onyx-Preamps das Signal verstärkten und über ein Audio 8 DJ-Interface an den PC schickten, wo es mit Soundforge aufgezeichnet wurde. Bearbeitet wurde am Ende nur die Lautstärke, um da ein in etwa identisches Abhörerlebnis zu bekommen, ansonsten wurde nichts geschönt.

the t.bone MB 7 Beta

Ohne zusätzlichen Popschutz geht es kaum

So klingt das the t.bone MB 7 Beta im Vergleich

Erster Test: Mal schauen, wie das the t.bone im absoluten Nahbereich klingt, um in den Genuss eines eventuell vorhandenen Nahbesprechung-Effektes zu kommen. Antwort: Gar nicht mal schlecht, allerdings fehlt es mir da ein wenig an Brillanz in den Höhen. Der integrierte Popschutz ist aus der Entfernung klar überfordert. Das Audio Technica BP40 und das Rode Broadcaster – ebenfalls mit eingebautem Popschutz – machen da schon eine etwas bessere Figur und klingen nach oben hin auch etwas differenzierter. Der Trittschallfilter des BP40 blieb dabei ausgeschaltet.

Auch aus 10 cm Entfernung hat der Popschutz des the t.bone noch so seine Probleme. Hinzu kommt, dass die Aufnahme dann auch eine Ecke dünner klingt, im Keller wird da langsam das Licht gedimmt. Aber das geht den anderen Vergleichs-Mikrofonen ähnlich. Der Popschutz des Audio Technica BP 40 und des Rode Broadcasters machen da aber eine ungleich bessere Figur und klingen in meinen Ohren auch etwas runder.

Gut, dann vergrößern wir die Distanz zum Mikro mal auf 20 cm. Gerade Studiogäste neigen ja dazu, sich auch mal zurückzulehnen beim Sprechen oder die Sweetspot anderweitig zu verlassen. Und hier zeigt sich, dass das die „Wohlfühldistanz“ des the t.bone MB 7 Beta ist, wenn kein zusätzlicher Popschutz installiert wurde. Klanglich macht sich die verdoppelte Entfernung weniger bemerkbar, auch stören jetzt keine Zisch- und Plosivlaute die Aufnahme. Das (wie gesagt 3x so teure) BP40 hat aber auch in dieser Entfernung mehr Bauch in Präsenz; beim Broadcaster wird dagegen deutlich, dass es für die Nahbesprechung gemacht ist – 20 cm sind (ohne extra Mikro-Preamp) fast schon zu viel des Guten.

Das heißt: Ohne Popschutz sollte man das the t.bone MB 7 Beta erst ab 15-20 cm Entfernung aufwärts einsetzen, muss dann aber auch mit einem etwas mittigerem Klangbild leben. Was bewirkt da ein zusätzlich aufgesetzter Popschutz? Hören wir mal rein:

Viel besser: Klanglich unverändert, aber jetzt ohne Störgeräusche – so kann man dann auch den Nahbesprechungseffekt des MB 7 Beta gut nutzen. Der Vollständigkeit halber hier dann auch noch die Versuche aus 10 cm …

… bzw. 20 cm Distanz.

Was mir bei den Tests (wie schon erwähnt) aufgefallen war: Das the t.bone braucht eine satte Verstärkung am Pult/Preamp, um auf einen vorzeigbaren Pegel zu kommen. Wie man hier auch deutlich an den Wellenformen sieht.

the t.bone MB 7 Beta

Der Aufnahmepegel im Vergleich

Hier mal die drei Mikrofone mit identischen Einstellungen im Direktvergleich, ohne Nachbehandlung der Kurve. Dass da das Broadcaster mit seiner 48er Phantomspeisung die Nase vorn hat (-6 dB), ist klar. Das dynamische Audio Technica hat da noch einen Ticken mehr drauf als das the t.bone (-19 dB gegenüber -23 dB) was aber auch an einer eventuell unterschiedlichen Einsprech-Lautstärke liegen mag.

Da sollte man in jedem Fall auch mittelfristig einen Mikro-Preamp einplanen. Das muss ja nun nicht gleich ein Neumann V 402 sein – auch ein DBX 286 s für 150 Euro wertet das Signal des the t.bone MB 7 Beta spürbar auf und bringt Power ins Geschehen:

Das the t.bone MB 7 Beta ist recht empfindlich, was Handgeräusche oder Trittschall angeht; anscheinend ist da die Kapsel wohl nicht entkoppelt. Man sollte es also tunlichst vermeiden, das Mikrofongehäuse bei laufender Aufnahme anzufassen oder das Stativ zu verschieben.

Fazit

the t.bones ersten Ausflug in den Broadcast-Bereich darf man – auch angesichts des günstigen Preises – als gelungen bezeichnen. Die Verarbeitung ist äußerst solide, das Design sehr ansprechend und am wichtigsten natürlich: Auch die Klangeigenschaften sind ordentlich. Natürlich liefern die höherpreisigen Vergleichsgeräte wie das Rode Broadcaster oder das Audio Technica BP40 ein Plus an Differenziertheit, Auflösung und Klarheit, aber mit den richtigen Einstellungen am Mixer wird das schon; und wer dann auch noch mal bereit ist, 150 Euro für einen Preamp draufzulegen (den man sowieso irgendwann benötigt), der kommt mit dem the t.bone MB 7 Beta zu durchaus ansprechenden Ergebnissen.

Plus

  • massives Gehäuse
  • ansprechendes Design
  • für den Preis sehr solider Klang
  • gutes Preis/Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Qualität Popfilter

Preis

  • 98,- Euro
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