Vergleichstest: Wind- und Pop-Schutz für Mikrofone

22. Mai 2017

Die kleinen, treuen Helferlein

Vergleichstest: Wind- und Pop-Schutz für Mikrofone

Vergleichstest: Wind- und Pop-Schutz für Mikrofone

Heute widmen wir uns einem anscheinend unspektakulären Helfer im Studioalltag, dem Pop Filter. Für Gesangsaufnahmen ist er ein unabdingbares Utensil. Dieser Filter verhindert auf rein mechanische Weise durch eine Membran, dass zu starke Luftströme, wie sie beim Artikulieren vorwiegend von „P“- und „B“-Lauten auftreten, ungebremst auf die Kapsel des Mikros treffen und dort ein lautes Ploppen erzeugen. Wer sich der Problematik nicht bewusst ist, hält nun einfach mal eine Hand nahe vor den Mund und sagt: „P“. Ein zweiter positiver Aspekt des Pop Filters ist das Fernhalten von Feuchtigkeit, die durchaus den Mund des Vokalisten verlassen kann. Das teure Mikro weiß Trockenheit zu schätzen.

Üblicherweise besteht der Pop Filter aus einem feinen, nylonartigen Stoff, der zweilagig auf einen runden Rahmen aufgespannt ist und mittels eines Schwanenhalses am Mikrofonständer befestigt wird. Inzwischen haben sich aber auch einige alternative Bauweisen etabliert.

Zum Test haben sich nun sieben verschiedene Modelle quer durch alle Preisbereiche eingefunden. Neben der Eignung für den Einsatzzweck werden wir auch die mechanische Funktionalität überprüfen und auch ein waches Ohr für etwaige Klangveränderungen haben.

Die Pop-Schutz-Kandidaten

……

K&M Popkiller 23956

K&M Popkiller 23956

Los geht es mit dem Klassiker an sich, dem Popkiller des deutschen Herstellers König & Meyer. Der Filter ist zweilagig, die beiden Nylonschirme sind in einen schwarzen Kunststoffrahmen mit 13 cm Durchmesser eingespannt. Der Schwanenhals hat eine Länge von 32 cm und lässt so genug Spielraum für die optimale Platzierung. Eine Schraubklemmung erlaubt die Anbringung des Filters an Rohre bis zu 30 mm Durchmesser. Mit knapp 20,- Euro wird der Popkiller 23956 recht günstig angeboten.

K&M Popkiller 23966

K&M Popkiller 23966

Mit dem 23966 hat K&M noch einen zweiten Filter zum Test geschickt. Aufbau und Materialen entsprechen dem 23956, allein der Schirmdurchmesser hat sich hier auf 20 cm vergrößert. Dafür wird ein kleiner Aufpreis fällig, für 29,- Euro wird der XL Popkiller verkauft.

Aspen Pittman Model PFM+

Aspen Pittman Model PFM+

Einen etwas anderen Weg geht der amerikanische Hersteller Aspen Pittman Designs mit seinem PFM+. Hier wurde ein Metallgitter verwendet, das durch seine Struktur den Luftstrom um 35° nach unten lenkt. Die Grundfläche ist leicht gewölbt, 85 mm breit und ca. 115 mm hoch. Das Metall wird von einer Gummilippe abgeschlossen.

Befestigt wird der Ploppschutz mit zwei Magneten, die an einem kleinen Metallwinkel aufgeklebt sind, direkt an der Mikrofonspinne. Das klappt natürlich nur mit einer Metallspinne und evtl. lässt sich auch da nicht die optimale Position finden. Für diesen Fall hat Aspen Pittman dem Paket noch einen 32 cm langen Schwanenhals beigelegt, zwischen dessen beiden Rädelmuttern sich der Filter einklemmen oder einfach mit den Magneten anklippen lässt. Am anderen Ende wird dann der große Metallausleger an den Mikroständer angeschraubt. Der PFL+ wird im Moment für günstige 29,- Euro verkauft, wer auf die alternative Befestigung verzichten kann, bekommt das reine Filtermodul ohne „+“ 5,- Euro günstiger.


Pop Audio Pop Filter Studio Edition

Pop Audio Pop Filter Studio Edition

Der Name ist Programm bei der englischen Firma aus Cambridge, sie stellen lediglich Pop Filter her. Bei der Studio Edition werden drei verschiedene Filter aus zwei Lagen Nylon, Schaum und doppellagigem Metallgitter mitgeliefert. Jede der Scheiben hat einen Durchmesser von 16,5 cm. Der Schwanenhals aus Kugelgelenken wird mit einer Klemmklammer am Stativ befestigt und ist ca. 38 cm lang. Die einzelnen Filter können durch einen Bajonettverschluss blitzschnell gewechselt werden. 79,- Euro möchte Pop Audio für ihr Produkt haben.

JZ Microphones Pop Filter

JZ Microphones Pop Filter

Auch die Mikrofonmanufaktur aus Lettland hat einen eigenen Pop Filter entworfen. Die zwei Lagen aus dünnmaschigem Metallgeflecht haben hierbei eine wellenförmige Struktur erhalten. Der Filter ist mit einem Durchmesser von 10 cm relativ klein. Der Schwanenhals ist hingegen mit 42 cm recht lang ausgefallen. Am Stativ gehalten wird der Pop Filter mit einer Schraubklemme. Mit 119,- Euro lässt sich JZ Microphones ihren Beitrag zum Thema nicht gerade günstig bezahlen.

Rycote InVision Studio Kit

Rycote InVision Studio Kit

Noch etwas preisintensiver ist mit 129,- Euro das Rycote Kit. Hier wird allerdings die USM Universal Spinne mitgeliefert, die für sich alleine schon mit 109,- Euro zu Buche schlägt. Somit verbleiben auf den InVision Universal Pop Filter gerade mal 20,- Euro. Der Filter separat gekauft kommt auf 49,- Euro. Der Filter besteht aus offenporigem Schaum, der in einem ovalen Rahmen aus Kunststoff mit den Maßen 13 x 15,5 cm eingelegt ist. So ist der Filter leicht zu tauschen oder zum Reinigen zu entnehmen. Ein Ersatzfilter liegt übrigens schon bei. Der Filter wird direkt an den äußeren Ring der USM Spinne geschraubt. Die Spinne ist für Mikrofone von 18 – 55 mm Durchmesser konzipiert. Das Mikro wird durch vier Drehschrauben gehalten. Auch eckige Mikros, wie z.B. das AKG 414, lassen sich so sicher einspannen. Die Verbindung zwischen innerem und äußerem Ring wird durch elastische Kunststoffelemente realisiert. Für amerikanische Mikrofonständer liegt noch ein entsprechender Gewindeadapter bei.

Pauly SuperScreen P120 – T30 + C

Pauly SuperScreen P120 – T30 + C

Der SuperScreen wird von Tontechniker und Erfinder Hilmar Pauly in Gießen gefertigt. „All Parts made in Germany“ steht deshalb nicht ohne Stolz auf der Pappverpackung. Die zwei Gewebelagen sind in einen gelochten Aluminiumring mit 12 cm Durchmesser eingespannt. Dabei wurden Spannung und Laufrichtung der beiden Lagen variiert. Ein 30 cm langer Schwanenhals befestigt den Filter vor dem Mikro. Dabei wird die Befestigung einfach vor der Mikrofonspinne auf den Mikroständer aufgeschraubt. Eine zweite Befestigungsplatte für amerikanische 5/8 Zoll Gewinde liegt bei. Alternativ kann der Pop Filter auch mit dem beiliegenden Adapterkegel auf einen separaten Mikroständer aufgeschraubt werden. So erklärt sich auch der etwas kryptische Produktname, P120 (Durchmesser Filter), T30 (Länge Schwanenhals) +C (inklusive Adapter-Cone). Durch seine Materialien und Konstruktion ist der Filter superleicht, sehr edel wirkt der mattgraue Strukturlack. So viel Liebe zum Detail und perfekte Verarbeitung haben ihren Preis. 165,- Euro kostet der Spaß.

Wie testen?

Einen Pop Filter habe ich noch nicht für Amazona getestet, weshalb mir hier auch keine bewährten Testroutinen zur Verfügung stehen. Und dann auch noch ein Vergleich, bei dem keines der Modelle benachteiligt werden sollte. Wie ist das am Besten zu bewerkstelligen?

Nun, das Wichtigste am Pop Filter ist die Unterdrückung der Pop Geräusche. Das werde ich an einem Beispielsatz überprüfen:„Peter Pan probt Bungee Springen im Piratenkostüm“ kommt mir da spontan zugeflogen.

Der nächste Punkt ist eine etwaige Klangverfälschung der verschiedenen Filter. Um hier eine möglichst objektive Beurteilung vornehmen zu können, werde ich zwei Gesangspassagen, einmal weiblich, einmal männlich, über einen Studiomonitor zuspielen. Eine weitere Überprüfung wird mit weißem Rauschen geschehen.

Poptest

Ich habe zunächst beim Rycote Paket den Abstand Mikro – Filter abgemessen, da er hier festliegt. Für einen direkten Vergleich versuche ich das auch bei den anderen Kandidaten so einzuhalten. Auch der Abstand Filter – Sprecher sollte natürlich möglichst gleich bleiben.

Das erste Soundfile nehme ich ohne Pop Filter auf, als Mikrofon kommt das SPL Nugget zum Einsatz, ein Derivat des bekannten und beliebten Audio Technica AT4040.

Hier wird sehr deutlich die Problematik aufgezeigt: Die „P“-Laute machen sich durch lautes Ploppen bemerkbar, die Aufnahme ist so komplett unbrauchbar. Auch wird unheimlich viel Pegel verschenkt, da diese Signalspitzen ca. 4x lauter sind als der Rest des Signals.

Wellenform ohne Filter

Da wollen wir doch mal schauen, wieviel Verbesserungspotential unsere Filter ermöglichen. Ich beginne mit dem K&M 23956.

K&M 23956

Schon optisch zeigt die Datei an, dass die Peaks komplett verschwunden sind.

Wellenform K&M 23956

Auch akustisch sind keine Spitzen mehr wahrzunehmen.

Das hört man auch, die Aufnahme hört sich wie zu stark komprimiert an, die Dynamik geht dadurch etwas verloren. Die eigentliche Aufgabe wird vom K&M Filter aber wunderbar bewältigt.

Eine ganz ähnliche Charakteristik liefert der größere K&M Filter 23966:

K&M 23966

Hier werden die Transienten aber nicht so rigoros gekappt, die Aufnahme klingt lebendiger. Auch bleibt etwas mehr vom Gesamtpegel erhalten.

Wellenform K&M 23966

Somit darf der große K&M Pop Killer durchaus als die minimal musikalischere Alternative zum Standardfilter angesehen werden.

Mit dem Aspen Pittman PFM+ hören wir den ersten Metall-Filter im Test.

Aspen Pittman PFM+

Das einlagige Gitter lässt den Klang gut passieren, die Sprache klingt etwas offener als bei den vorherigen Beispielen. Allerdings werden die Pegelspitzen der P-Laute weniger gekappt, problematisch erscheint das hier aber nicht.

Wellenform Aspen Pittman PFM+

Auch der nächste Filter ist aus feinmaschigem Metallgitter, diesmal zweilagig aufgebaut.

Pop Audio Metal Filter

Der Pop Audio Metall-Filter unterdrückt wirkungsvoll die Poplaute, erhält trotzdem gut die Dynamik, klingt allerdings recht höhenreich und damit etwas metallisch.

Wellenform Pop Audio Metal Filter

Das macht der Pop Audio Foam Filter aus einer dicken, offenporigen Schaumschicht besser.

Pop Audio Foam Filter

Die Pegelspitzen werden hier zwar etwas weniger eingebremst, insgesamt klingt die Aufnahme aber im Frequenzgang stimmiger. Die Dynamik bleibt in beiden Alternativen ähnlich gut erhalten.

Wellenform Pop Audio Foam Filter

Pop Audio liefert in der Studio Edition aber noch einen dritten Filterrahmen mit, den Fabric Filter, klassisch mit zweilagigem Gewebe bespannt.

Pop Audio Fabric Filter

Dieser reiht sich ziemlich genau zwischen seine beiden Alternativen ein. Die Poplaute werden ähnlich gut unterdrückt, wie es der Metall-Filter macht, akustisch ist er näher am Foam Filter. Dabei klingt er etwas heller als dieser, gleichzeitig aber auch etwas komprimierter.

Wellenform Pop Audio Fabric Filter

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    SACKLZEMENT!!

    Mensch, Armin……. Da hast Du Dich ja wieder mal mächtig in´s Zeug gelegt. So einen ausführlicher Test dieser unentbehrlichen Helferlein habe ich ja noch nirgendwo gelesen.

    Deine Aussagen bezüglich der K & M Anti-Popper kann ich unterschreiben: Absolut praxistauglich. Hab 6 Stück von der kleineren Ausführung seit Jahren im Studioeinsatz. Sind super langlebig, günstig in der Anschaffung und „Made in Germany“!

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Hi Sigi,

    danke dir mal wieder für das Lob.
    War schon ne recht ausufernde Arbeit, aber du weisst ja, wie es ist, man weiss manchmal halt nicht auf was man sich einlässt…
    Hat aber Spaß gemacht, weil ich selbst nicht wusste was dabei heraus kommt und es mal wieder gezeigt hat, dass es sinnvoll ist auch so „Kleinigkeiten“ im Studio Aufmerksamkeit zu widmen.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wer auch immer dieses Titelbild zu dieser Headline ausgesucht hat: Danke! Ich hab Tränen gelacht :D :D den Artikel muss ich später mal in Ruhe lesen :)

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    Franz Walsch  AHU

    Grandioser unterhaltsamer Test. Volle Punkte! Ich freue mich darüber, das auch mal »kleine Dinge« den Weg ins Teststudio finden. Davon gerne mehr.
    Eine Frage: Kann man die Schwanenhälse der K&M-Pops austauschen?
    Es gibt diese Teile ja auch separat zu kaufen.
    Ein Test steht aber noch aus: Wie schlägt sich der gebogende Drahtkleider-Damenstrump- Popschutz (bekannt aus den Videos zu »We are the World«) im Vergleich?

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      Armin Bauer  RED

      Du wirst es nicht glauben, habe ich mir überlegt. Hatte ich ja früher (ganz früher) auch, Drahtkleiderbügel, Mama´s Strumpfhose hautfarben, die Geschichte mit Gaffa am Mikroständer befestigt.
      Das um die 20,- für den K&M zu sparen? Der Gedanke zum Selbstbau ist ja immer verlockend, aber da gibt es lohnendere Objekte.

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    lena  

    „Its A Mans World“..
    aber ich habe trotzdem ziemlich lachen müssen !!! Wer denkt sich bei Euch so etwas aus?

  6. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Ach übrigens, nur mal so interessehalber: Wo sind denn die Kollegen, die neulich wieder so vehement Soundbeispiele eingefordert haben?
    Hier sind welche dabei, hier machen sie nach meiner Auffassung Sinn. Ein Feedback wäre hilfreich.

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    AMAZONA Archiv

    Ich musste erstmal schauen was denn ein popfilter ist, dachte dann, ok ist doch nicht aus Gummi…. Popp und plopp Filter. Früher mit Omas Strumpfhosen, heute gibt es ja alles zu kaufen.

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    AMAZONA Archiv

    Tester doch mal verschiedene Netz entstör Filter alla Furman und co

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      Armin Bauer  RED

      Gute Idee, ich habe einen Furman seit Ewigkeiten in meinem Live-Rack, was genau er macht weiss ich immer noch nicht. Solange es gut geht ist das ja auch nicht von Interesse.

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        nativeVS  

        Netzfilter sind aber jetzt auch langsam eine aussterbende gattung weil immer mehr audiowege digital werden; im profibereich seh ich heut nur noch ein UPS pro rack das aber natürlich auch filtert.
        Wäre aber sicher interessant zu sehen wie stark ich die fahrstuhlgeräusche damit eliminieren könnte (ich kann mittlerweile 4{!} verschiedene am brummen identifizieren)

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