Test: Thomann DP-26, Digitalpiano

17. Juni 2015

Der Preis ist (wieder) heiß

Die Digitalpianos des Musikhauses Thomann sind schon lange vor allem für eines bekannt, nämlich preislich extrem attraktiv zu sein. Obwohl die letzten Testgeräte uns nie zu 100% überzeugen konnten, war dennoch ein starker Trend hin zu besserer Qualität erkennbar. Jetzt kommt eine neue Generation auf den Markt, das Thomann DP-26. Wie die Vorgänger auch, lässt das Digitalpiano zunächst aufgrund des geringen Preises aufhorchen. Doch was steckt wirklich im neuen DP-26?

Thomann DP-26

Thomann DP-26

Aufbau und Verarbeitung

Beim Thomann DP-26 handelt es sich um ein sowohl im Wohnzimmer als auch auf der Bühne einsetzbares Digitalpiano. Es wird zwar ohne Unterbau bzw. Keyboardständer geliefert, dieser ist jedoch gegen einen Aufpreis von 75,- Euro separat erhältlich und beinhaltet auch gleich eine passende 3-fache Pedaleinheit. Zum Lieferumfang gehört neben dem eigentlichen Piano ein aufsteckbarer Notenständer, ein Handbuch (deutsch/englisch), ein externes Netzteil sowie ein Haltepedal.

Optisch ist das DP-26 sicherlich kein absoluter Bringer, eben ein klassisches Digitalpiano im dezenten Schwarz/Grau. Das Gehäuse besteht komplett aus Kunststoff, so dass es das Digitalpiano auch nur auf 13 kg Gewicht bringt. Der Rücken freut sich. Allerdings leidet unter dem recht einfachen Gehäusematerial die Verarbeitungsqualität, denn schaut man etwas genauer hin, erkennt man relativ schnell, wo u.a. der günstige Preis des DP-26 herrührt. Das fängt bei den sehr einfach gehaltenen Tasten und Bedienelementen an und hört beim Gehäuse auf. Drückt man an den richtigen Stellen, verzieht sich das Gehäuse recht schnell. Dauernd transportiert werden möchte das DP-26 somit nicht, aber wer es zu Hause an einem festen Ort positioniert und dazu den passenden Ständer benutzt, sollte dennoch lange Freude am DP-26 haben.

Die Bedienoberfläche wirkt aufgeräumt

Die Bedienoberfläche wirkt aufgeräumt

Die Oberfläche des DP-26 ist für ein Einstiegsgerät mit sehr vielen Bedienelementen besetzt. Entgegen des ansonsten vorherrschenden Trends alles per Function-Taste und Klaviatur anzuwählen, geht Thomann hier einen anderen Weg, sehr schön. Mittig prangt zunächst ein 3-stelliges LED-Display, rechts davon 8 Tasten für Transposition, Songs, Duett, Pattern etc. Ein Stückchen weiter und man trifft auf 10 Tasten zum Anwählen der internen Sounds. Die Tasten sind doppelt belegt, d.h. durch nochmaliges Drücken wird der jeweils andere Sound aktiviert, macht also insgesamt 20 Sounds.

Links vom Display befinden sich die Steuerungstasten der internen Begleitautomatik sowie die Möglichkeit, Tempo/Metronom zu regeln und die Demo-Songs des DP-26 abzuspielen. Auch diese 8 Tasten sind doppelt belegt, dazu später aber noch mehr. Abgeschlossen wird die Bedienoberfläche mit einem Netzschalter, einem Lautstärkeregler und ganz links neben der Tastatur hat der Hersteller sogar ein Pitch Bend-Rad untergebracht.

Tastatur und Anschlüsse

Schon beim ersten Anspielen des DP-26 bin ich positiv überrascht. Im Laufe meines Tester-Lebens habe ich ja bereits einige Tastaturen unter meinen Fingern gehabt und um ehrlich zu sein, waren die Tastaturen der Thomann Pianos bisher nicht unter, sagen wir mal, den Top Ten zu finden. Ok, auch das DP-26 landet nicht unter den besten 10, aber für ein Digitalpiano dieser Preisklasse ist die Tastatur erstaunlich schwer gewichtet und bietet dazu einen ordentlichen Anschlag. Das Repetitionsverhalten ist ebenfalls gut. Die Anschlagsdynamik lässt sich in drei Stufen einstellen, die Verarbeitung ist entgegen dem Gehäuse gut, so dass die einzelnen Tasten sicher befestigt sind und nicht sonderlich viel Spiel zu den Seiten haben. Insgesamt eine deutliche Steigerung zum Vorgänger DP-25.

Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse des Pianos. Neben dem Anschluss für das externe Netzteil findet man hier einen Stereo Aus- und Eingang (jeweils 6,3 mm Klinke), Haltepedalanschluss, MIDI Out und einen USB-to-host Port. Schön wäre es gewesen, wenn man den Eingangspegel des Aux In hätte regeln können, denn dieser wird dem Signal des DP-26 so 1:1 zugemischt. Auf der Vorderseite befinden sich noch zwei Kopfhöreranschlüsse, wovon einer die internen Lautsprecher des DP-26 verstummen lässt, während diese nach Einstecken des Kopfhörers am zweiten Anschluss weiter aktiv bleiben, schön.

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Sounds

Wie bereits erwähnt bietet das DP-26 insgesamt 20 interne Sounds. Los geht es wie immer mit den A-Pianos, wovon das DP-26 genau 2 zu bieten hat. Klanglich gefallen mir beide gut, wobei der eine Sound etwas klassischer und zurückhaltender ist, während das zweite Preset etwas aggressiver und durchsetzungsfähiger daher kommt. Auch hier bin ich wieder positiv überrascht, denn für rund 300,- Euro bekommt man beim DP-26 in dieser Hinsicht schon ordentlich etwas geboten. Schön ist dazu, dass man beiden Pianos optional auch ein Saitenresonanz-Sample hinzu schalten kann, was den Klang noch mal realistischer erscheinen lässt.

Ab Preset Sound Nummer 3 starten dann die E-Pianos. Hier sind drei mit von der Partie, leider können diese aber nicht mit den guten A-Pianos mithalten. Ehrlich gesagt erinnern die nur sehr wenig an die echten Pendants Rhodes und Wurlitzer. Dazu sind alle drei mit starken Effekten belegt, die sich dazu nicht abschalten lassen. Auch die restlichen Sounds wie Orgel, Strings, Gitarren, Bass und Vibraphon fallen in der Qualität stark ab. Alles in allem bekommt man soundtechnisch beim DP-26 somit zwei brauchbare Pianos geliefert, alles andere ist Füllmaterial.

Schön ist wiederum, dass man die Tastatur des DP-26 sowohl splitten als auch layern kann, d.h. zwei Sounds können gleichzeitig übereinander gelegt werden. Auf Wunsch lässt sich die Tastatur auch in zwei Bereiche aufteilen, d.h. maximal möglich sind zwei Sounds als Layer für die rechte Hand, ein Sound als Split für die linke Hand. Zusätzlich gibt es noch die Twinova-Funktion, die die Tastatur in zwei gleiche Teile aufteilt, praktisch für das vierhändige Spiel oder den Einsatz im Unterricht.

Insgesamt können nur die beiden A-Pianos klanglich überzeugen

Insgesamt können nur die beiden A-Pianos klanglich überzeugen

Begleitung und Lautsprecher

Wer sich zu Hause gerne selbst begleiten möchte, greift normalerweise zu einem Arranger- oder Entertainer-Keyboard, da diese neben Sounds auch eine ausgereifte Begleitautomatik bieten. Das Thomann DP-26 bietet ebenfalls eine Begleitautomatik, allerdings in einer stark abgespeckten Version. Insgesamt 50 Begleitpatterns hat das DP-26 unter der Haube, wobei es sich hierbei um reine Klavierbegleitungen handelt ohne das sonst übliche Schlagzeug oder die Instrumente Bass, Gitarre, Bläser etc. Die Patterns sind nach unterschiedlichen Stilen geordnet und bieten größtenteils wirklich schöne Begleitmotive.

Etwas anders gestaltet ist die Duett-Funktion. Hierbei werden ja nach dem in der linken Hand gegriffenen Akkord unterschiedliche Begleitmotive abgespielt. Auch hier sind wieder ein paar schöne Patterns enthalten, allerdings klingt das je nach Song und dessen Melodie teilweise sehr unbedacht und unpassend. Da muss man schon Glück haben, um das passenden Begleitmuster für den Lieblingssong zu finden.

Das DP-26 verfügt über ein internes Lautsprechersystem mit einer Leistung von 2x 10 Watt. Die beiden unter grauem Stoff verborgenen Lautsprecher bieten einen recht ausgewogenen Klang, der zwar etwas scharf ist, aber selbst bei voller Lautstärke nicht verzerrt. Insgesamt ist das Klangbild zwar etwas flach, aber dennoch für diese Preisklasse erstaunlich gut.

Unter dem grauen Stoffbezug versteckt sich der Lautsprecher, ein Pitch Bend-Rad bietet das DP-26 auch

Unter dem grauen Stoffbezug versteckt sich der Lautsprecher, ein Pitch Bend-Rad bietet das DP-26 ebenfalls

Extras

Wie bei den meisten Digitalpianos üblich, lässt sich auch beim DP-26 das eigene Klavierspiel aufzeichnen. Fünf Speicherplätze stehen hierfür zur Verfügung, das ist in dieser Preisklasse schon Luxus. Leider gibt es pro Song jedoch nur eine Spur, so dass man linke/rechte Hand nicht getrennt voneinander einspielen bzw. üben kann. Dies gilt auch für die Begleitautomatik, die zwar mit aufgenommen werden kann, aber ebenfalls nur zusammen mit dem eigenen Spiel gespeichert wird, nicht separat.

Dient auch als MIDI-Kommandozentrale

Dient auch als MIDI-Kommandozentrale

Auch eine kleine Effektsektion hat das DP-26 zu bieten. Zur Auswahl stehen hier fünf Reverb- und fünf Chorus-Presets. Bearbeiten lassen sich die Effekte nicht, es kann nur das gewünschte Preset ausgewählt werden. Auch ein Rotary-Effekt ist unter den Presets dabei, wobei der klanglich nicht viel hinzufügen oder verbessern kann. Auch die anderen Presets sind zwar für den Heimgebrauch ganz nett, aber nicht wirklich anspruchsvoll einsetzbar.

Eingangs erwähnte ich bereits die Doppelbelegung der Tasten für Metronom, Tempo etc. Hiermit lassen sich zumindest einfache MIDI-Kommandos ausgeben, so dass das DP-26 auch als eine Art Masterkeyboard genutzt werden kann. USB- und MIDI-Ausgang sind ja beide vorhanden, somit ist die Steuerung eines Computers und externer MIDI-Geräte möglich. Drei Tasten stehen zur Verfügung, die man zum Abfeuern von MIDI-Controller-Daten heranziehen kann. Hierfür lassen sich jeweils eine Control Change Nummer und ein fester Wert programmieren. Aufwendige Setups sind damit natürlich nicht möglich und auf Grund fehlender Fader o.ä. kann man auch keine Parameterfahrten bewerkstelligen, aber zumindest lässt sich mal ein externes MIDI-Gerät umschalten. Eine nette Zugabe, mehr aber auch nicht.

Foto 3

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Fazit

Das Thomann DP-26 ist ein extrem günstiges Digitalpiano, das vor allem für Einsteiger interessant ist. Überzeugen kann nicht nur die Tastatur, sondern auch die zwei A-Piano Sounds und die Piano-Begleitautomatik. Die restlichen Sounds fallen leider in der Qualität stark ab, ebenso die kleine Effektsektion. Insgesamt ist die Verarbeitung des DP-26 für den Heimgebrauch in Ordnung, ständiges Transportieren gefällt dem Piano aber sicherlich nicht. Schön ist, dass sowohl Split-, Layer- als auch Twin-Funktion an Bord sind und man das eigene Klavierspiel aufzeichnen kann.

Wieder mal eine schöne Qualitätssteigerung bei den Thomann Digitalpianos, aber weiterhin gibt es viele Punkte, die die Konkurrenz besser kann. Der Preisvorteil liegt aber ganz klar bei Thomann.

Plus

  • Preis
  • A-Pianos
  • Recorder
  • Lautsprechersystem

Minus

  • sonstigen Sounds
  • Verarbeitung

Preis

  • DP-26: 319,- Euro
  • Ständer: 75,- Euro
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