Test: Two Notes, Torpedo VB101, Lautsprechersimulator für Gitarren- und Bassverstärker

16. Dezember 2011

Torpedo VB101

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Hier haben wir mal etwas ganz besonders Ausgefallenes zum Test: das Two Notes Torpedo VB101. Two Notes ist ein junger französischer Hersteller von Ampsimulatoren, die sowohl als Hardware wie als Software angeboten werden. Das vorliegende Gerät ist ein Lautsprecher- und Endstufensimulator. Genauer gesagt eine DI-Box für einen Gitarren- oder Bassverstärker, der sich im Groben aus drei Teilen zusammensetzt: Erstens eine Loadbox, das ist ein Abschlusswiderstand, meist ein kräftiger Drahtwiderstand, der anstelle eines Lautsprechers an den Verstärkerausgang angeschlossen wird, damit dieser beim Betrieb ohne diesen keinen Schaden nimmt. Zweitens ein Lautsprechersimulator, der die einschlägigen Boxenkombinationen anbietet und drittens eine Post-FX-Abteilung, die die nötigen Werkzeuge beinhaltet, die man zur Aufnahme benötigt. Dazu gehören ein Low-Cut-Filter, ein 5-Band-EQ, ein Exciter und ein Kompressor.

Das Besondere an dem Gerät ist, dass das Ausgangssignal eines Verstärkers abgegriffen wird. Das hat den Vorteil, dass man den Amp schön weit aufdrehen kann, um den Kompressions- oder Verzerrungseffekt der Endstufenröhren auch bei geringeren Lautstärken nutzbar zu machen. In der Vergangenheit hat man dazu gerne sogenannte Power-Soaks benutzt. Diese hatten jedoch den Nachteil, dass sie den Sound mehr oder minder dämpften. Mit einem einfachen Drahtwiderstand an dieser Stelle, der die Leistung einfach verheizt, ist es leider nicht getan. Mal schauen, wie der Torpedo sich hier schlägt. Die Positionierung des Gerätes in der Signalkette nimmt ebenso die Nichtlinearitäten, die an einem Ausgangstrafo eines Röhrenverstärkers entstehen, mit. Das ist schön, denn diese sind schwierig nachzubilden. Die Thematik ist äußerst komplex. Da wäre zunächst der Pegelabfall am oberen und unteren Ende des Übertragungsbandes zu nennen, der von der Beschaffenheit des Eisenkerns, des Kupfers und der Windungsart und des gesamten Herstellungsprozesses abhängt. Inhärente Verzerrungen, die von den magnetischen Eigenschaften und den Impedanzen vor und hinter dem Trafo abhängen, sogar die Kopplung der Windungen untereinander beeinflussen den Klang, aber das sei nur nebenbei erwähnt.

Lautsprecher- und Mikrofonsimulationen sind nicht minder komplex. Die Übertragungsfunktion muss Parameter wie Laufzeitverzerrungen, Klirrverzerrungen, Dopplereffekte, Richtwirkung und Gehäuseresonanzen frequenzabhängig berücksichtigen. Das wird in diesem Fall von einem DSP erledigt, der eine Impulsantwort des zu simulierenden Lautsprechers samt Gehäuse mit dem Eingagsignal faltet. Man umgeht dadurch langwieriges, algorithmisches Programmieren. Dem Prinzip der Faltung wird oft vorgeworfen, zwar sehr genau zu arbeiten, aber etwas statisch zu sein. Für die Faltung in Echtzeit wird viel Rechenleistung benötigt, die jedoch schon seit einiger Zeit angemessen zur Verfügung steht. Dennoch arbeiten die Konkurrenten von Line6, IK Multimedia und Native Instruments meines Wissens nach, nach wie vor mit Delay-Lines, also gewöhnlichen digitalen Filterschaltungen.

Mit der von Two Notes selbst entwickelten Faltungstechnik werden unterschiedliche Lautsprechercharakteristiken unter Berücksichtigung verschiedener verwendeter Mikrofone, Mikrofonpositionen und Raumsituationen wiedergeben. Genauer gesagt können 32 unterschiedliche Boxen und 8 Mikrofone kombiniert werden. Intern wird das Signal mit 32 Bit und 96 kHz verarbeitet.

Forum
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      m.muenster  AHU

      Ui! Scheint in der Tat ein sehr spannendes Gerät zu sein, kenne es selbst nicht. Direkt vergleichbar ist es nicht, da das Konzept ein anderes ist. Aber:
      Danke für den Hinweis!

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