Test: Valeton Dapper Bass Effect Strip, Effektgerät für Bass

12. Dezember 2017

Analoge FX-Power zum Kampfpreis

Nachdem sich digitale Multieffektgeräte auch bei Bassisten schon seit geraumer Zeit einer gewissen Beliebtheit erfreuen, wächst in letzter Zeit auch wieder das Angebot an analogen Lösungen. In den 1980er bis in die frühen 1990er Jahre erschienen immer wieder solche Geräte, mit dem Aufkommen programmierbarer Digitaltechnik verschwanden diese allerdings zunächst, bis letztes Jahr das Sansamp Bass Fly Rig (hier der Link zum Testbericht) in diese Lücke stoßen konnte.

Der Kandidat dieses Tests, der Valeton Dapper Bass Effect Strip, weist bereits auf den ersten Blick teilweise frappierende Ähnlichkeiten zum Fly Rig auf, der Begriff „Inspiration“ scheint da etwas zu kurz gegriffen, hier wurde doch eher gnadenlos abgekupfert … Man darf gespannt sein, ob das mit einem Ladenpreis von 189,- Euro nur etwas mehr als die Hälfte des Originals kostende, erwartungsgemäß aus China stammende Gerät seinem Vorbild das Wasser reichen kann.

Valeton Dapper Bass Effect Strip Front

Facts & Features

Die Abmessungen von 65 x 320 x 42 mm entsprechen schon mal weitestgehend dem Fly Rig, lediglich in der Höhe trägt es 1 cm mehr auf. Auch das Gewicht ist mit 650 Gramm nur etwa 70 Gramm höher. Bei dem Gehäuse handelt es sich um ein zweiteiliges Metallgehäuse, bei dem die Front nebst Vorder- und Rückseite mit einer grün schimmernden Metalliclackierung überzogen ist, während die Flanken und der Boden schwarz gehalten sind. Die Beschriftungen auf der Oberseite sowie das dezente Firmenlogo werden ebenfalls mit schwarzem Lack verwirklicht. Auf dem Boden sorgen 8 Gummifüße für sicheren Stand, wie überhaupt die gesamte Gehäusekonstruktion einen sehr soliden Eindruck hinterlässt.

Ebenfalls solide kommen die 5 Fußschalter, ein Minischalter, die insgesamt 5 Klinkenbuchsen in der Rückseite und der linksseitig eingelassene DI-Out im XLR-Format nebst Ground-Schalter daher. Ein kleines Fragezeichen in Sachen Stabilität hinterlassen bei mir die 13 Minipotis zum Einstellen der Effektparameter, sind diese doch offensichtlich nicht mit dem Gehäuse verschraubt. Da kann ein versehentlicher Tritt mit solidem Schuhwerk schon einiges an Schaden anrichten, wobei die sinnvolle Anordnung der Fußschalter am vorderen Rand diese Gefahr minimiert. Kleinere Details, wie die nicht versenkten Köpfe der Gehäuseschrauben, lassen dann doch die günstige Preisklasse erkennen, fallen aber funktional nicht ins Gewicht.

Das erste Modul im Effektangebot des Valeton Dapper Bass Effect Strips wird mit „Boost Comp“ bezeichnet und kombiniert einen  Booster und einen Kompressor, die nur gemeinsam über einen Fußschalter aktiviert werden können. Zwei Potis stehen zur Parametersteuerung zur Verfügung: „Gain“ steuert die Pegelanhebung des Boosters, „Comp“ den Grad der Kompression. Hält man den „Boost Comp“ Fußschalter gedrückt, wird der Valeton Dapper Bass Effect Strip stummgeschaltet und das integrierte chromatische Stimmgerät aktiviert. Dabei zeigt ein kleines Display den Notennamen an, während drei LEDs über die Tonhöhe informieren. Das Ganze funktioniert in der Praxis allerdings nicht gerade sehr zufriedenstellend. Obwohl bei allen Saiten nur noch die mittlere, grüne LED leuchtete, waren D- und G-Saite leicht verstimmt, so nützt halt ein Stimmgerät nichts. Auch ist das Stimmen recht mühsam, da die LEDs zunächst sehr träge reagieren, um dann im engen Bereich des Zieltons hektisch zu flackern.

Valeton Dapper Bass Effect Strip 2

Der eingebaute Tuner kann nicht überzeugen

„Dirty Q“ lautet die Bezeichnung für die nächste Sektion, hier haben wir es mit einem Envelope-Filter zu tun, also einem Filter, das durch die Anschlagstärke gesteuert wird. Darüber hinaus kann man per Minischalter einen Fuzz-Effekt dazuschalten. „Sens“ regelt die Empfindlichkeit des Filters, mit „Vol“ lässt sich die Lautstärke des Effektes anpassen.

Ganze 5 Regler umfasst der „Bass Amp“-Effekt, bei dem es sich um eine vollwertige Vorstufe mit Gain, Volume und einer klassischen 3-Band-Klangregelung handelt. Neben klaren Sounds liegt hier der Fokus auf der Vorstufenübersteuerung, die bereits recht früh einsetzt.

Den Abschluss des Effektreigens bilden zwei der beliebtesten Basseffekte: Der Oktaver („Octave“), der zwei regelbare Oktaven nach unten und den regelbaren unbearbeiteten Ton („Dry“) anbietet, sowie einen Chorus. Letzterer muss sich mit einem einzigen Poti „Depth“ begnügen, der die Tiefe des Choruseffektes beeinflusst.

Sobald man einen Effekt per Fußschalter aktiviert, leuchten alle zugehörigen Minipotis einheitlich in jeweils einer Farbe auf. Das erhöht die Übersicht und sieht ungemein schick aus. Man kennt das so bereits vom Original …

Die Rückseite des Valeton Dapper Bass Effect Strips gehört den Anschlussmöglichkeiten. Neben dem Eingang für das erfreulicherweise mitgelieferte 9-Volt-Netzteil befindet sich hier der Eingang für den Bass, ein mit „Thru“ beschrifteter Ausgang, der das Eingangssignal unbearbeitet wieder ausgibt, ein aus „Send“ und „Return“ bestehender Effektweg und die Ausgangsbuchse, alle hier beschriebenen Anschlüsse sind wie allgemein üblich im Klinkenformat ausgeführt. Ein kleiner Schiebeschalter für den Groundlift des seitlichen XLR-Ausgangs befindet sich ebenfalls auf der Rückseite und kann dabei helfen, Brummschleifen vermeiden.

valeton bass dapper 03 top

Reichhaltig ist die Auswahl an Anschlussmöglichkeiten auf der Rückseite des Valeton Dapper Bass Effect Strips

Die Reihenfolge der Effekte ist fest vorgegeben, der Signalfluss entspricht hierbei der Reihenfolge, in der die Effekte im Valeton Dapper Bass Effect Strip verbaut sind. Der Effektweg liegt dabei zwischen Bass Amp und Octaver.

Entgegen meiner anfänglichen Befürchtung lassen sich die Minipotis recht gut bedienen und laufen praxisgerecht schwergängig, so dass ein versehentliches Verstellen kaum zu befürchten ist. Das Ganze ist auch recht gut ablesbar, insbesondere wenn die Effekte und damit die Beleuchtung der Potis aktiviert ist.

In der Gesamtbetrachtung wirkt der Valeton Dapper Bass Effect Strip, abgesehen von den oben angesprochenen Punkten, robust und hochwertig verarbeitet. In Sachen Anschlussperipherie hat er mit „Thru“- Ausgang und Effektschleife sogar mehr zu bieten als das Vorbild.

Sound & Praxis

Betrachten wir nun die Effektmodule im Einzelnen:

Das „Boost Comp“-Modul, eine Kombination aus Booster und Kompressor, bildet das erste Glied der Effektkette und kann klanglich schon mal überzeugen. Es wird eine stufenlos regelbare  Pegelanhebung um bis zu 12 dB mit einer leichten Anhebung von Höhen und Bässen geboten, die in der Praxis auch sehr gut und rauschfrei funktioniert. Auch der Kompressor mit seiner Einknopfregelung klingt gut und lässt von hörbarer Komprimierung bis zu deutlicher Sustain-Verlängerung und auffälligem Pumpen allerlei Variationen zu. Lediglich komplett unauffällige Pegelglättung gelingt dem Valeton Dapper Bass Effect Strip mit seinem „Boost Comp“-Modul nicht wirklich, es handelt sich wortwörtlich um einen Kompressoreffekt.

Hier ein Hörbeispiel mit minimaler Kompression und ordentlichem BoostValeton Dapper Bass Effect Strip 4

Hier kann man den Kompressor arbeiten hören: ein Slapriff zunächst clean, dann mit minimaler und zum Abschluss mit maximaler Kompression.

Auch der „Dirty Q“ hält, was er verspricht, wobei das Filter recht speziell und eigenständig klingt. Die typischen „Bootsy“ Funksounds konnte ich nicht einstellen, vielmehr klingt das Ganze eher nach Synthesizer, einer Art „Vowel“ Sound. Die Steuerung der Anschlagempfindlichkeit mit dem „Sens“-Regler funktioniert ordentlich, bei höheren Werten erzeugt das Modul teilweise recht laute Pegelspitzen, die man möglicherweise mit einem Kompressor etwas glätten könnte. Allerdings liegt das Kompressormodul ja vor dem „Dirty Q“… So richtig dirty wird das Modul noch durch Zuschalten des Fuzz-Effekts. Insgesamt ein eigenständiges und gut klingendes Modul, wenn auch nicht gerade nebengeräuscharm.

Die folgenden beiden Hörbeispiele bringen den „Dirty Q“ zunächst ohne, dann mit zugeschaltetem Fuzz zu Gehör.

Der „Bass Amp“ soll als vollwertige Vorstufe funktionieren, vom Funktionsumfang her betrachtet ist das auch der Fall. Klanglich hingegen bleiben einige Fragen offen. Bereits in cleaner und neutraler Einstellung färbt und komprimiert der Ton spürbar, ein deutlicher Rauschteppich legt sich über das Signal, wie im folgenden Hörbeispiel, ein Achtelriff zunächst ohne Effekt, dann mit neutral eingestelltem „Bass Amp“, zu hören ist.Valeton Dapper Bass Effect Strip 5

Dazu passt, dass bereits bei der Stellung des Gain-Reglers von ca. 10 Uhr eine Sättigung einsetzt, die sich problemlos zu einem heftigen Zerrbrett steigern lässt. Das gilt wohlgemerkt für meinen relativ pegelschwachen passiven Jazzbass – mit aktiven Humbuckern etwa ist dann schon fast kein cleaner Ton mehr möglich. Insgesamt klingt das Modul schön warm und voll, die Klangregelung ist hingegen für cleane Sounds kaum zu gebrauchen. Der Bassregler tendiert bereits bei geringen Pegeln zu dröhnender Undifferenziertheit. Nervende, hochmittige Frequenzen, garniert mit reichlich Nebengeräuschen, bringt der Treble-Regler zu Gehör, während der Mittenregler den Growl meines Jazzbasses mit leicht aggressiver Note herausarbeitet. Als eine Art Effekt-Equalizer, gerade bei den verzerrten Sounds funktioniert das gar nicht mal schlecht, allerdings handelt es sich hier keineswegs um eine vollwertige Vorstufe, wie z.B. ein Sans Amp eine ist. Eher muss man hier von einem recht flexiblen Verzerrer reden, bei dem man allerdings gerade im Bassbereich aufpassen muss, dass es nicht zu schwammig klingt.

In diesem Klangbeispiel ist ein angezerrter Ton zu hören:

Hier der höchste Verzerrungsgrad, der mit einem passiven Jazzbass machbar ist:

Natürlich kann man das „Boost Comp“-Modul nutzen, um den „Bass Amp“ noch mehr in die Verzerrung zu fahren …

Der bei Bassisten beliebte Oktaver darf natürlich auch nicht fehlen, das im Valeton Dapper Bass Effect Strip verbaute Modul ist für mich ein Highlight des Geräts. Reaktionsschnell im Tracking und fett im Ton liefert er ein überaus positives Bild ab.

Auch der Chorus kann punkten. Warm schwebend mir klarem, nebengeräuscharmem Klangbild weiß er in jeder Einstellung des Depth-Potis voll zu überzeugen, hier geht der Daumen steil nach oben.

Hier noch einige Effektkombinationen, zunächst der „Boost Comp“, der den „Bass Amp“ schön „anpustet“, um dann im „Octave“-Modul zu landen:

Synthesizer-mäßig kommt die Variante mit „Boost Comp“, „Dirty Q“ und „Octave“ daher:
Valeton Dapper Bass Effect Strip 6

Auch beliebt ist die Verwendung von Kompressor, Octaver und Chorus, wobei hier üblicherweise der Kompressor an letzter Stelle steht, was beim Valeton Dapper Bass Effect Strip ja nicht möglich ist. Trotzdem klingt diese Kombination hier brauchbar:

Fazit

Der Valeton Dapper Bass Effect Strip überzeugt als preisgünstiges, analoges Multieffektgerät. Obwohl nicht alle Effektmodule auf gleich hohem Niveau sind, gibt es Module wie den Octaver, die Kombination aus Booster und Kompressor oder den Chorus, die klanglich und vom Nebengeräuschverhalten her schon recht professionell sind.

Andere wie der „DirtyQ“ sind etwas zu speziell und/oder haben ein problematisches Nebengeräuschverhalten, was etwa auf den „Bass Amp“ zutrifft. Letzterer ist eher für allerlei angezerrte und verzerrte Sounds zu gebrauchen, weniger als Vorstufe. Aus diesem Grund kann ich nicht dazu raten, den Valeton Dapper Bass Effect Strip als Direct-Out-Lösung zum Gig mitzubringen, wozu er rein von der Ausstattung mit Stimmgerät und XLR-Out ja prädestiniert scheint. Im Gegensatz zu der Verwendung beispielsweise eines Sansamp wird die positive Reaktion des Tontechnikers hier eher sparsam bleiben.

Gelobt werden müssen unbedingt noch die zahlreichen Anschlüsse, die solide Verarbeitung und das aus meiner Sicht gelungene Design, das geringen Platzbedarf mit Funktionsvielfalt, Übersichtlichkeit und noch recht komfortabler Bedienbarkeit vereint. Abstriche muss man bei der Parametrisierung einiger Effekte machen, so müssen Chorus und Kompressor mit nur einem Poti zur Klangbeeinflussung auskommen. Einen Tadel verdient sich das unbrauchbare Stimmgerät.

Wer die Vorteile analoger Technik, wie den typischen warmen Analogsound mit viel Punch, geringen Stromverbrauch, übersichtliche Bedienung oder absolute Latenzfreiheit zu schätzen weiß und ein Multieffektgerät für Bass sucht, könnte beim Valeton Dapper Bass Effect Strip durchaus fündig werden. Das Gerät bietet einen hohen Spaßfaktor zum fairen Preis.

Plus

  • Sound und Nebengeräuschverhalten von "Boost Comp", "Octave" und "Chorus"
  • Verarbeitung, robuste Bauweise
  • Netzteil im Lieferumfang enthalten
  • umfangreiche Ausstattung mit Tuner, Effektloop, XLR-Out und Thru-Out
  • guter Kompromiss aus Kompaktheit und Bedienbarkeit

Minus

  • Sound und Nebengeräuschverhalten von "Bass Amp" bei cleanen Sounds
  • Nebengeräuschverhalten des "Dirty Q"
  • Funktionalität des Tuners unzureichend

Preis

  • Ladenpreis: 189,- Euro
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