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Test: VOX Clubman 60, Verstärker für E-Gitarre

Klein, leicht und mit NuTube-Technologie - der ideale Jazz-Verstärker?

31. Oktober 2023

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VOX Clubman 60 – Facts & Features

Der neue VOX Clubman 60 ist ein ausgesprochen kompakter und leichter Comboverstärker. Der in Vietnam hergestellte Combo-Verstärker bringt gerade mal 4,6 kg auf die Waage. Die Frage, wie dies möglich ist, beantwortet sich schnell, wenn man sich den Amp mal etwas genauer anschaut. Hier kommt nämlich kein Holz zum Einsatz, der Verstärker besitzt ein Gehäuse aus Kunststoff. Die Frage, ob das überhaupt gut klingen kann, klärt sich im Verlauf dieses Tests. Auch bei der Auswahl der Bauteile geht VOX seit einiger Zeit neue Wege. Ist man gewohnt, in den meisten Verstärkern bzw. Multieffektpedalen des legendären Herstellers eine Röhre vorzufinden, wird man eines Besseren belehrt, denn der Glaskolben (üblicherweise eine ECC83 bzw. 12AX7) wurde durch eine sogenannte NuTube (Nutube 6P1) ersetzt. Das vor einigen Jahren entwickelte und patentierte Bauteil soll einer Röhre klanglich und dynamisch in nichts nachstehen. Der Energieverbrauch gestaltet sich somit geringer, da bei einer Röhre, welche stets mit 6,3 Volt „beheizt“ werden will, ein Großteil der benötigten Energie einfach nur in Wärme umgewandelt (verheizt) wird. Vermutlich kommt beim Clubman 60 die Technik aus den seit einigen Jahren bekannten, ausgesprochen kleinen Verstärker-Tops zum Einsatz und wurde dann noch mit digitalen Effekten (Chorus und Reverb), einem Gehäuse und einem 8-Zoll-Lautsprecher bestückt.

Natürlich zeigt sich unser heutiges Testobjekt im typischen VOX-Design, welches wir seit den 60er-Jahren kennen (karierte Frontbespannung, Chickenhead-Knöpfe etc.). Die Leistung der verbauten Class-D-Endstufe beläuft sich auf 50 Watt (also nicht etwa auf 60 Watt, wie man laut seinem Namen vermuten dürfte). Die Abmessungen des Leichtgewichts betragen gerade mal (B x T x H): 354 x 208 x 313 mm. Das passende Netzteil (optisch ähnlich eines PC-Netzteils) ist im Lieferumfang enthalten. Der verbaute VOX-8″-Lautsprecher mit Hochtöner (2-Wege koaxial) bringt das Signal dann zu Gehör. Auch der Griff des kleinen Zwergs ist aus Kunststoff gefertigt, damit lässt sich das Leichtgewicht aber bequem transportieren. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dies aber schon.

Die Rückansicht des Kunststoffgehäuses, etwas gewöhnungsbedürftig

Der Clubman 60 besitzt zwei unabhängige Kanäle bzw. Eingänge. Kanal 1 erzeugt einen ausschließlich cleanen Sound, Kanal 2 bietet auch Overdrive-Sounds oder kann bei Bedarf mittels eines kleinen Schiebeschalters (Drive) auch klar gespielt werden. Wünschenswert wäre natürlich auch eine Kanalumschaltung, welche gerade im Bühnenbetrieb willkommen ist, um nicht nur einen Sound am Start zu haben. Auf die Möglichkeit zum Speichern von Sounds bzw. Presets wurde hier verzichtet.

Abgesehen von den zwei Eingängen für das Instrumentenkabel finden wir auch einen AUX-Eingang (Stereo-Miniklinke), mit dem bei Bedarf Musik eines Smartphones, Tablets oder sonstiger Zuspielers hinzumischen kann. Die Lautstärke des Playbacks muss dann am Zuspieler eingestellt werden, da kein separater Lautstärkeregler für das AUX-Signal vorhanden ist. Beim Üben ist ein solcher AUX-Eingang stets willkommen. Der unsymmetrische Line-Ausgang (6,3 mm Klinke) gibt das hinter der Vorstufe abgegriffene Signal aus, welches einem Mischpult (P. A.), Audiointerface (Recording) etc. zugeführt werden kann. Möchte man leise üben, kann der Sound über einen Kopfhörer (Stereo-Miniklinke) ausgegeben werden, der Lautsprecher ist dann natürlich abgeschaltet.

Bedienelemente

Kanal 1 besitzt eine dreibandige Klangregelung (Bass, Mitten, Höhen), wobei Kanal 2 nur jeweils einen Bass- und Höhenregler besitzt. Dafür kann Kanal 2 auch verzerrte Sounds liefern, indem man den kleinen DRIVE-Schiebeschalter auf die rechte Position schiebt. Man sollte sich seitens des Herstellers Gedanken machen, Kanal 2 gleichfalls einen Mittenregler zu spendieren, da man dann auch auf die bei verzerrten Sounds so wichtigen Mittenfrequenzen einwirken könnte.

Die Ausgangslautstärke bestimmt der Main-Volume-Regler. Um das gewünschte Lautstärkeverhältnis zwischen beiden Kanälen einzustellen, besitzen beide Kanäle jeweils einen separaten Volume-Regler. Wäre der Eingangspegel zu hoch, zeigte dies die kleine rote Clip-LED an.

Intuitive Bedienung, übersichtliches Panel

Kanal 1

bleibt auch bei voll aufgerissenen Volume-Regler (Gain) komplett clean. Letzterer dient vermutlich eher der Lautstärkeanpassung verhältnismäßig zu Kanal 2, welcher ja auch einen etwas „schmutzigeren Ton“ hervorbringen kann. Am besten, man beginnt mit einer Einstellung, in der sich alle drei Regler der Klangregelung auf der 12 h Stellung befinden und versucht dann, den gewünschten Klang über kleine Veränderungen herzustellen. Spielt man „clean“, empfiehlt es sich, etwas Reverb hinzuzufügen, um den Klang etwas räumlicher zu gestalten.

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Kanal 2

bietet bei voll aufgerissenem Gain-Regler (und aktivierten Drive-Switch) eine maximale Verzerrung im „Crunch-Bereich“. Da „der Jazzer“, welcher meist eine „semi-hollow“ bzw. „hollow“ Gitarre bevorzugen wird, vorwiegend clean agiert, wäre mehr „Zerre“ vermutlich auch gar nicht erwünscht. Bei Bedarf könnte man sich ja noch ein Verzerrerpedal (bzw. weitere Pedale) davorspannen.

Integrierte Effekte des Vox Clubman 60

Die Sounds beider Kanäle können bei Bedarf jeweils unabhängig mit einem beliebigen Anteil bzw. einer Kombination aus Reverb und Chorus bestückt werden. Beide Effekte sind bei Jazz-Gitarristen beliebt. Durch Experimentieren mit dem Effektregler kommt man schnell zum gewünschten Ergebnis.

Anbei das Video des Herstellers:

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Sound

Laut Hersteller wird der kleine Combo-Verstärker besonders für halbakustische bzw. „hohle“ Gitarrenmodele (ES175 etc.) empfohlen, deswegen wurde für die Klangbeispiele eine Gibson ES335 bemüht. Klanglich lässt sich nicht feststellen, dass das Plastikgehäuse den Klang negativ beeinflusst. Der erste Eindruck ist positiv.

Im ersten Klangbeispiel hören wir den Halstonabnehmer meiner Gibson ES335 mit einem dezenten Anteil des integrierten Halls. Alle Regler der Klangregelung stehen auf 12 h. Auch bei ganz aufgedrehtem Gain-Regler bleibt der Sound vollkommen clean, wie man hier hören kann. Zur Abnahme wurde ein Sennheiser e609 etwas seitlich der Kalotte platziert, das Signal ging direkt in ein MOTU M4 Audiointerface und wurde ohne weitere Effekte (EQ, Kompressor etc.) in Logic aufgenommen.

Das kann sich hören lassen, der Klang ist ausgewogen und warm. Dass hier ein Plastikgehäuse am Start ist, ist nicht wahrzunehmen.

In folgendem Beispiel steht der Effekt-Regler auf „Reverb+Chorus“. Der Klang erinnert dann etwas an Mike Stern oder auch Pat Metheny:

Wird der Reverb-Regler weiter aufgedreht, entsteht ein angenehm räumlicher Ton. Der eingebaute Hall klingt mehr als brauchbar:

Nun gehen wir in Kanal 2. Der Drive-Switch ist aktiviert, der Gain-Regler am Anschlag. Wir erhalten mit dem Steg-Tonabnehmer eine „bluesige Zerre“ im Crunch-Bereich:

Die patentierte NuTube-Technologie klingt überzeugend, aber einen Röhrensound, wie ihn „echte Glaskolben“ erzeugen, wird damit nicht gänzlich erreicht, dennoch ist das klangliche Ergebnis voll überzeugend. In den Höhen kann man feststellen, dass, verglichen mit einem Vollröhrenverstärker, die letzte gewisse Weichheit fehlt. Das könnte auch an den verbauten Lautsprechern mit den zusätzlichen Hochtönern liegen. Da viele Jazz-Gitarristen über viele Jahre auch gerne mal einen Polytone Mini Brute zur Verstärkung bevorzugten, welcher ja auch kein Vollröhrenverstärker ist, könnte man den Clubman 60 als leichte und gut klingende Alternative oder gar seinen Nachfolger einsetzen.

Schließen mochte ich mit einigen Anmerkungen zu Vollröhrenverstärkern und deren Alternativen:

Nach meiner Erfahrung aus einigen Testobjekten mit der von Korg entwickelten NuTube-Technologie kann ich persönlich sagen, dass die klanglichen Ergebnisse im Allgemeinen überzeugen. Beim Vergleich mit einer ECC83 sind nur marginale klangliche Unterschiede auszumachen. Entscheidend für den Gesamtsound eines Verstärkers sind abgesehen von den Komponenten der Vorstufe (Röhre, NuTube, Transistor, Operationsverstärker etc.) das Zusammenspiel sämtlicher Komponenten (Endstufe, Lautsprecher, Boxenmaße) wichtig. Wer es letztlich genau wissen möchte, kann dies nur mithilfe eines individuellen Vergleichstests herausfinden. Nimmt man vergleichsweise gar keinen Unterschied im Sound oder Spielgefühl wahr, spricht eigentlich nichts dafür, zu einer Vollröhrenvariante zu greifen, da diese nicht zuletzt aufgrund der benötigten Trafos etc. stets mehr Gewicht erfordern wird. Auch eine Class-D-Endstufe ist vergleichsweise deutlich leichter, kleiner und kostengünstiger herzustellen. Die resultierende Lautstärke einer Röhrenendstufe ist vergleichsweise deutlich höher, als sie mit einer Class-D-Endstufe gleicher Leistung zu erreichen wäre. Für einen „Röhren-Purist“ werden Alternativen zu einem Glaskolben vermutlich gar nicht interessant sein, obwohl die Entwicklung im Gitarrenverstärker-Bereich ständig voranschreitet und „neue“ Innovationen wie Impulsantworten (IR) absolut überzeugende Ergebnisse erzielen.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment erstellt:

Gibson ES335 – VOX Clubman 60 – Sennheiser e609 – MOTU M4 – Mac mit Logic.

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Fazit

Der VOX Clubman 60 empfiehlt sich laut Hersteller besonders dem Jazz-Gitarristen, welcher als Instrument der Wahl gerne eine halbakustische Gitarre einsetzt. Selbstredend kann man den Amp auch mit einer gewöhnlichen Solidbody-Gitarre betreiben. Das sehr geringe Gewicht, die gut klingenden Effekte und der überzeugende Crunch-Sound machen den Clubman 60 zu einem effektiven Werkzeug, welches auch auf kleinen Bühnen gerade noch laut genug sein dürfte, um sich durchzusetzen.

 

 

 

Plus

  • Sound
  • Gewicht

Minus

  • keine Kanalumschaltung

Preis

  • 364,- Euro
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