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Workshop: Akkorde auf dem Bass

Wer braucht schon einen Gitarristen in der Band?

19. Mai 2024

Akkorde auf dem BassAkkorde auf dem Bass zu spielen, ist nicht gerade das, was ein Bassist gleich zu Beginn seiner Musikerkarriere lernt. Viele lernen es sogar nie, dabei ist es eine so wundervolle Spieltechnik, die das klangliche Repertoire eines Bassisten extrem erweitern kann.

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Ich bin aber weniger der Theorie-Hase, als vielmehr ein Praktiker und möchte diesen Artikel als einen Denkanstoß verstanden wissen, der dem einen oder anderen vielleicht einen kleinen Schubs in eine neue Richtung geben kann. Also, wer Lust hat, sich einmal aus seiner Komfortzone herauszubewegen, dem sei folgendes Wagnis wärmstens empfohlen.

Warum Akkorde auf dem Bass spannend sein können

Dass der Verzicht auf einen Bass in einer Band ziemlich öde enden kann, habe ich ja bereits in meiner Liebeserklärung an den Bass deutlich gemacht. Dennoch gibt es gibt einige bekannte Bands, die ohne einen Bassisten auskommen. The White Stripes oder The Black Keys verzichten recht erfolgreich auf den Puls dieses Rhythmusgebers.

Es bedarf schon viel musikalisches Geschick, das Fehlen eines Bass-Grooves in einer Band zu kompensieren. Gleichzeitig ist aber auch die Gitarre nicht so unverzichtbar, wie man annehmen mag. Denn nicht nur Gitarristen können sich selbst oder andere auf ihrem Instrument mit Akkorden begleiten, auch Bassisten können das. Mit ein bisschen Übung kann man als Bassist ganze Arrangements spielen und damit jeden Gitarristen aus der Band verbannen. Sicher, auch hier gehört viel Geschick dazu, aber Mike Kerr von Royal Blood beweist, dass man auch mit einem Gretsch G2220 Electromatic Junior Jet Bass II (oder einem Fender Starcaster Bass und dem limitierten Mike Kerr Fender Jaguar), einigen Effektpedalen und viel Können Songs kreieren kann, die niemanden eine Gitarre vermissen lassen. Der gewiefte Brite splittet das Signal mit einem Boss LS-2 Line Selector und verwendet einen Palmer Triage Amplifier-Selector. Um das gesplittete Signal zu bearbeiten, nutzt er dann gleich zwei Electro-Harmonix POG2. Dazu gibt nimmt er dann noch den Boss PS-6 Harmonist Pitch Shifter und für ordentlich Verzerrung sorgen wahlweise seine Signature-Pedale von Cog Effects wie das CRB005 und das CBR006 Custom Fuzz Mike Kerr oder das ZVex Vextron Series Mastotron Fuzz und ein Electro-Harmonix Germanium 4 Big Muff Pi. Abgerundet wird das Ganze klanglich dann mit dem Strymon Flint Tremolo & Reverb-Pedal. Eine ganz einfache Geschichte also. Aber der Aufwand scheint sich zu lohnen, denn 2015 wurden Royal Blood sogar mit einem BRIT Award ausgezeichnet.

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Warum viele Bassisten bisher auf Akkorde verzichten

Ein Grund dafür, dass auf dem Bass weniger Akkorde gespielt werden, ist der, dass Akkorde in den tiefen Tönen sehr schnell matschig und damit nicht so richtig attraktiv klingen. Hinzu kommt, dass die Akkorde auf dem Bass im Bandkontext meist einfach klanglich etwas „zu viel“ des Guten sind. Wenn der Gitarrist dem Bassisten jedoch etwas Raum lässt oder man wie die Jungs von Royal Blood einfach komplett auf einen Gitarristen verzichtet, bieten sich für den gewieften Bassisten ungeahnte Möglichkeiten.

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In der Musiktheorie wird ein Akkord als das gleichzeitige oder in kurzer zeitlicher Abfolge aufeinander folgende Erklingen von mehreren unterschiedlichen Tönen beschrieben. Der Klassiker unter den Akkorden sind die Dreiklänge. Sie setzen sich aus Grundton, Terz und Quinte zusammen. Wie bei allen Akkorden, stehen die Töne also in einer harmonischen Beziehung zueinander. Das Tongeschlecht, sprich der klangliche Charakter eines Akkords, wird dann durch den Abstand der gespielten Terzen zum Grundton bestimmt. Im Moll-Akkord verwendet man die kleine Terz, die drei Halbtonschritte vom Grundton entfernt liegt, während der Dur-Akkord mit einer großen Terz erklingt. Die große Terz liegt vier Halbtonschritte vom Grundton entfernt auf dem Griffbrett.

Akkorde auf dem Bass: Mehr Abstand für einen klareren Sound

Ich habe zuvor ja bereits auf das Problem verwiesen, dass Akkorde, wenn man sie im klassischen Sinne nutzt, in den tiefen Lagen ziemlich schnell matschig klingen. Das liegt einfach daran, dass man bei Akkorden für gewöhnlich die Töne so wählt, dass sie einen möglichst geringen Abstand zueinander haben. Durch das Klangspektrum eines Basses führt diese Praxis aber dazu, dass die Töne sich einfach nur „einmatschen“. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, bei Akkorden auf dem Bass immer, die Töne mit einem möglichst großen Abstand zueinander zu wählen. Wir nutzen also auf dem Bass nicht die nächstgelegene Terz, sondern einfach die oktavierte Terz.

Wer Akkorde auf dem Bass spielen möchte, findet im Internet unzählige Tutorials, die diese Technik ganz wunderbar erklären. Insbesondere für diejenigen, die erst damit beginnen, Akkorde auf dem Bass zu spielen, gibt es zudem noch einen wunderbaren Kniff, der ohne klangliche Einbußen den Einstieg in das Spielen von Akkorden auf dem Bass erleichtert. Denn auch Zweiklänge, die in harmonischer Beziehung zueinanderstehen, können klanglich schon vollkommen neue Welten erschließen. In der Regel wird hierzu meist einfach die Quinte weggelassen. Auf dem Bass funktioniert das deswegen so gut, weil die Quinte bereits im natürlichen Obertonspektrum des Zweiklangs vorkommt. Gitarristen nutzen häufig Zweiklänge, in denen die Terz weggelassen wird. Diese sogenannten Powerchords verzichten dann auf die Terz und sind somit keinem Tongeschlecht mehr zuzuordnen.

Ich persönlich fand den Weg über die Zweiklänge für den Einstieg in das Spielen von Akkorden auf dem Bass sehr viel einfacher als über die klassischen Drei- oder sogar Vierklänge.

Akkorde auf dem Bass Lemmy Klimister

Lemmy Kilmister zeigte der Welt, dass auch Bassisten singen können, während sie in die Saiten greifen

In der Regel spielen die meisten Bassisten, wenn sie Akkorde oder Zweiklänge spielen, diese als Arpeggios, sprich, die einzelnen Noten des Akkords oder Zweiklangs werden nacheinander gespielt. Es gibt aber selbstverständlich auch für die Freunde der dicken Saiten die Möglichkeit, die Töne der Zweiklänge oder Akkorde auf dem Bass gleichzeitig zu spielen. Und natürlich können wir durch das Greifen ganzer Akkorde auch die Möglichkeit, einfach mal so richtig zu „schrammeln“ und alle Saiten gleichzeitig anzuschlagen.

Spielt man Akkorde auf dem Bass in den oberen Lagen, macht es auch Spaß, diese mit Effekten zu verfremden. Wenn man beispielsweise mit einem einfachen Volume-Pedal oder einem Effekt wie dem Boss Slow Gear die Akkorde langsam einfaded. Wenn man lange Finger hat, könnte man es auch mit dem sonst so selten genutzten Volume-Poti versuchen. Dann klingt der Bass fast wie ein Cello. Das kann natürlich auch noch mit einem dezenten Delay, Tremolo oder sogar einem Reverb und ein wenig Verzerrung kombiniert werden und prompt wird aus dem wuchtigen Bass ein verstecktes Ambient-Monster. Natürlich müssen auch hier die anderen Instrumente, wie meist im Arrangement, genug Platz für diesen tollen Sound lassen. Aber schon mit einem einfachen Dur/Moll- Akkordwechsel lassen sich wirklich spannende Sounds erzeugen.

Wenn man dann etwas geübter ist, kann man dann ganze Arrangements auf dem Bass spielen. TommyLeeDepp zeigt und in diesem Video mal, wie das Ganze aussehen kann, wenn man es richtig draufhat (zumindest in meinen Augen).

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Akkorde auf dem Bass und Gesang – es kann funktionieren

Für gewöhnlich tun Bassisten sich ja zudem ein bisschen schwer mit dem Gesang, was vor allem daran liegt, dass wir meist Rhythmen spielen, die im Widerspruch zum Gesang stehen. Selbstverständlich bewies Lemmy Kilmister uns, dass auch Bassisten singen können, während sie ihr Instrument spielen. Aber auch Sir Paul McCartney oder Sting dürfen wir gerne nennen, wenn es darum geht zu belegen, dass auch Bassisten dieses Multi-Tasking bewerkstelligen können. Es bedarf auch einfach nur wieder etwas Übung.

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Insbesondere melodiöse Arrangements machen es aber leichter, zum Bass zu singen, auch wenn die Anforderungen an die Hand-Augen-Koordination natürlich nochmals deutlich gestiegen sind. Dennoch fällt es mir leichter, zu meinen Bass-Sounds zu singen, wenn sich die Melodie von Bass und Gesang gleichen.

Wer sich jetzt nach ein bisschen Theorie zum Thema sehnt, dem sei die Bass-Workshop-Reihe von Matthias Ziegenhain ans Herz gelegt. Er erklärt in seinen Workshops alles, was man in der Theorie über die Harmonielehre auf dem Bass wissen sollte. Egal ob Harmonielehre, Intervalle und Akkorde, die Pentatoniken in Moll und Dur, das Harmonisieren von Tonleitern oder Akkordbrechungen und Arpeggios, hier findet sich die Theorie, die man braucht, um dann den Praxisanreiz aus diesem Artikel in die Tat umzusetzen.

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Fazit

Akkorde auf dem Bass können das Repertoire eines Bassisten enorm erweitern. Wer noch eine Schippe drauflegen möchte, kann auch gleich ganze Arrangements auf dem Bass spielen und dadurch dem Gitarristen mal eine Pause gönnen. Wichtig ist hier jedoch, dass wir das richtige Maß einhalten, denn wenn alle Bandmitglieder an den Saiteninstrumenten ihre ganz große Show abziehen, wird daraus letztlich nur ein Klang-Gewirr, das keine wirkliche Freude mehr für die Ohren ist. Dank zahlreicher Tutorials, die im Internet herumschwirren, findet sicherlich auch jeder Bassist die passende Art, sich an diese Spielweise heranzutasten. Einen Versuch ist es in meinen Augen und Ohren definitiv wert.

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Forum
  1. Profilbild
    CDRowell AHU

    Wir alle brauchen mehr davon, von Schlagwerkern, Bassisten (ind wenn es Les Claypool ist, um so mehr) und Misikmachenden in einer Band!✌

  2. Profilbild
    MartinM.

    Schöner, interessanter Artikel! Bislang hätte ich doch glatt vermutet, Akkorde würden auf einem Bass so fürchterlich klingen, dass sie niemand ernsthaft verwendet, nicht nur wegen der Dicke der Saiten, vielleicht auch wegen der Tonabnehmer. (Habe natürlich selber keine Bassgitarre, sonst hätte ich es wohl schon rausgefunden.)
    Wie sind denn die zusätzlichen Saiten eines fünf- oder gar sechssaitigen Basses gestimmt? (Sechssaitig kenne ich tatsächlich nur aus dem Softwarebass „Modo Bass“, Bei einer Band habe ich einen solchen noch nie gesehen.) Wenn die zusätzliche(n) Saite(n) nicht noch tiefer liegen als bei einem viersaitigen Bass, um z.B. so eine Art Subbass zu spielen, was sollen die Saiten dann überhaupt? Akkorde spielen, wäre vielleicht die Antwort.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      @MartinM. Beim 6 Saiter 1 Saite in jede Richtung geschenkt, also im Gegensatz zum 4 Saiter. 1x tiefer 5 halbtöne und 1x höher 5 halbtöne. Der 4 Saiter ist am einfachsten zu spielen. Manche bauen deshalb auch den 4 Saiter um und dann sind alle Saiten jeweils 5 halbtöne tiefer und man hat trotzdem noch einen bequemen 4 Saiter.

      Zum Thema Akkorde, da bin ich ehrlich, spiele ich nur selten und nur als schmuckes Beiwerk mal wenn der Rest der Band es zulässt. Denn das wichtigste ist doch im Bandkontext zu bleiben und keine Soloshow abzuziehen. Aber wenn man ganz alleine spielt, dann kann man auch solieren und Akkorde dudeln nach Herzenslust. Aber im Prinzip ist das für deine Band nicht lebensnotwendig.
      Was sich immer lohnt ist das auflösen von Akkorden in Arpeggios, dadurch gibt es keinen Matsch, aber auch hier muss man immer aufpassen, ob man der Band damit was Gutes tut.

    • Profilbild
      Aljen AHU

      @MartinM. Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch sechssaitige Bässe in der Machart von Fender VI (wo römisch VI für „six“ steht). Diese Shortscale-Bässe sind grundsätzlich wie Gitarren gestimmt, also EADGHE, nur eben eine Oktave tiefer. (Nicht mit Baritongitarren zu verwechseln!)

      Die gewohnte Stimmung und meist auch ein im Vergleich zu typischen Bässen schlankeres Griffbrett mit dünneren Saiten können Gitarristen den Umstieg bzw. das Ausprobieren erleichtern. Ist auf jeden Fall einen Versuch wert!

      Damit gehen Akkorde recht gut, wobei das mit dem Auslassen der Quinte ein Tipp ist, den ich Amateur noch nicht kannte. Ich werde es probieren! Danke.

      Die fünf- und sechsseitigen Bässe kamen AFAIK dem Wunsch vieler Musiker entgegen, am Bass ähnlich tiefe Basslinien wie auf den Synths ab 1980er Jahre spielen zu können. Da reichte die normale 4-saitige Stimmung nicht mehr. Die sechste Saite „nach oben“ war nur noch logische Weiterentwicklung und findet, sofern ich weiß, meist in metallurgischen Betrieben mit Progressionsvorbehalt Verwendung.

      Grüße von einem Nicht-Bassisten mit einer Ibanez SCR-6 (es war Liebe auf den ersten Blick!) – leider wird der schöne Shortscale nicht mehr gebaut.

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