Test: Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker

1. März 2020

Jammen und lauschen mit dem Superkäfer

Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker

Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker

Es ist noch gar nicht so lange her, da berichtete mein geschätzter Kollege Johannes Krayer in einem Artikel über den VOX Mini Super Beetle und die darin verbaute NuTube-Technologie, die dem kleinen Stack Gehör verschafft. Lange hat es nicht gedauert, bis sich der englische Hersteller dazu entschloss, den nächsten „Superkäfer“ auf den Weg zu schicken. Die Mission ist diesmal allerdings eine etwas andere, denn der neue Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker soll primär den Wunsch nach einem guten HiFi-Sound befriedigen. Aber keine Sorge: Auch für die Session zwischendurch kann man die E-Gitarre anschließen, sodass sich vielleicht ein interessantes Gesamtpaket für Fans des britischen Kultherstellers ergibt. Ob und wie sich der Klanggenuss entfaltet, ist Gegenstand des nun folgenden Testberichts.

Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker

Der Vox Mini Superbeetle Audio – Facts & Features

Klein und kompakt ist er geblieben, die Maße des zweiteiligen Superbeetle-Mini-Stacks betragen 323 x 180 x 896 mm bei einem Gewicht von rund 9,1 kg. Unser Testmodell kommt ganz in Schwarz, erhältlich ist der Amp zudem in Elfenbeinfarben („Ivory“) mit der unverkennbaren, rötlichen Frontbespannung für Top und Box. Technisch und im Preis sind beide Ausführungen ansonsten identisch. Die Endstufe des Topteils leistet 50 Watt an 4 Ohm, aber das leider nur in mono, was natürlich einen faden Beigeschmack hinterlässt, denn wer möchte schon gerne seine Lieblings-Tracks auf diese Weise hören bzw. genießen? Und dazu soll ja auch noch das Gitarrensignal seinen Platz im Signal finden.

Kleine Schönheitsfehler an Top und Box

Die Box besitzt einen 6,5″ Speaker sowie einen 1″ großen Hochtöner im Innern und steht wie gehabt sicher auf einem angeschraubten Metallgestell. Die Verarbeitung des Stacks ist soweit gut gelungen, lediglich an der Unterseite der Front von Top und Box wurde der weiße Kederband nicht ganz sauber zusammengeführt. Vielleicht hätte man diese „Schnittstelle“ besser in einer der Ecken des Gehäuses untergebracht, denn schließlich soll der Superbeetle ja auch im Wohnzimmer optisch etwas hermachen. Nichts zu meckern gibt es jedoch beim Schutz der zwei  Speaker, denn die Frontbespannung wirkt sehr robust und auf die Bühne schleppen wird man den kleinen Kerl ja vermutlich ohnehin nicht!

Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker

Kleiner Schönheitsfehler in der Verarbeitung – hier am Topteil des Vox Mini Superbeetle Audio

Mini Superbeetle Audio – das Top

Ganz nach alter VOX-Tradition ist auch hier wieder das Bedienpanel von oben zu erreichen. Neben einer Dreiband-Klangregelung für Bässe, Mitten und Höhen gibt es weiterhin einen Sub-Bass-Regler, der bei geringer Lautstärke für ein ordentliches Bassfundament sorgen soll – in etwa zu vergleichen mit der Loudness-Taste, die wir ja von vielen HiFi-Verstärkern her kennen. Neben der drahtlosen Verbindung via Bluetooth ist es mit der AUX-In-Buchse möglich, auch über ein Kabel die gewünschte Musik in den Amp zu bekommen. Direkt darunter befindet sich ein Kopfhöreranschluss, dessen Signal jedoch auch nur in Mono ausgegeben wird. Den Abschluss auf dem Panel bildet der Mastervolume-Regler, der, wie alle anderen Regler auch, mit stilechten Chickenhead-Knöpfen bestückt wurde. Alle Regler sind von guter Qualität, sie wurden fest mit dem Gehäuse verschraubt, wackeln also nicht und bieten zudem einen optimalen Drehwiderstand.

Weiter geht es mit Anschlüssen und Buchsen auf der Rückseite. Hier finden wir den Anschluss für die Box, den für das mitgelieferte Netzteil sowie eine kleine Sektion, mit der man dem Amp eine Gitarre zuführen kann, um mit den eingeflogenen Tracks zu jammen. Die Möglichkeiten halten sich allerdings in überschaubaren Grenzen, denn es stehen hier lediglich ein Gain-Poti, eine Klangblende und ein Lautstärkeregler in Miniaturausführung zur Verfügung. Wer einen der VOX AmPlug Kopfhörerverstärker besitzt, der kann diesen hier über eine eigene Buchse anschließen und auf Wunsch das Signal mit der Return-Buchse auch wieder zurückführen. Einen ausführlichen Test über die verschiedenen Modelle AmPlug-Serie findet ihr übrigens HIER.

Vox Mini Superbeetle Audio Rückseite

Der Vox Mini Superbeetle Audio in der Praxis

Das Koppeln des Amps via Bluetooth klappt auf Anhieb, der Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker erscheint innerhalb weniger Sekunden unter dem Namen MSB-50 Audio im Menü des verbundenen Gerätes. In meinem Fall war dies ein iPhone X, ein iPad sowie ein iMac, mit denen ich den kleinen Briten getestet habe. Das hat also schon mal gut geklappt, eher enttäuschend ist hingegen die Stabilität bzw. die Reichweite der Verbindung, die schon nach wenigen Metern ins Stottern gerät und dann abbricht. Somit sollte man sich mit der Klangquelle stets in unmittelbarer Sichtweite zum Superbeetle aufhalten, um Systemausfälle bzw. ein neues Anmelden zu vermeiden.

Die Klangqualität insgesamt reißt keine Bäume aus, der Grundsound ist eher mittig ausgefallen, das kann aber mit dem beherzt zugreifenden Dreiband-EQ und dem Sub-Bass-Regler recht gut ausgeglichen werden. Insbesondere der Sub-Bass-Regler kann gefallen, bietet er doch bei niedrigen Lautstärken ein sattes Bassfundament, das man auch zwei Zimmer weiter noch deutlich wahrnehmen kann. Echt schade ist jedoch die Tatsache, dass hier alles nur in Mono abläuft, was die Klangqualität doch deutlich einschränkt. Klar, zwei übereinander liegende Lautsprecher in einer Box wäre jetzt in puncto Stereobreite auch nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen, jedoch könnte man die Box ja auch auf eine ihrer Seiten legen – das Top passt ja dann trotzdem noch zwischen die verchromten Stahlrohre. Oder man nimmt eine ganz andere Box dafür, da fehlt es aber schlicht und ergreifend an einer Stereoendstufe im Top des Stacks. Trotzdem hat der Klang ein ordentliches Fundament beim Bass und steht der Yamaha THR-Reihe nicht wirklich in was nach.

Keine Probleme hingegen gibt es bei der erzeugten Lautstärke und dem Schalldruck, den der kleine VOX-Stack zu leisten imstande ist. Selbst kleinere Partys können mit dem Teilchen mühelos beschallt werden. Und das mit allen möglichen Stilistiken: Egal, ob nun Metal, Techno, Klassik oder Blues – der Klang ist stets druckvoll und differenziert zugleich und kann mit dem wirkungsvollen EQ schnell und effektiv bearbeitet werden.

Vox Mini Superbeetle Audio Verstärker

Nicht ganz so rosig sieht das Bild jedoch mit einer angeschlossenen Gitarre aus. Der Klang des internen Preamps bietet zum einen durch seine rudimentäre Ausstattung mit lediglich einem Tone-Poti und dem Gain-Regler nicht viele Optionen, zum anderen klingt es doch sehr nach Transistor-Sound, sodass man hier doch besser einen der kleinen AmPlugs einsetzt oder gleich einen kompletten Preamp davorschaltet. Das Gitarrensignal und die eingespielte Musik sind aber gut voneinander getrennt im Signal wahrnehmbar und kommen sich nur selten in die Quere. Klar, bei Deathmetal und voll aufgedrehtem Gain des internen Preamps kann es schon mal eng in der Kiste werden, bei allem anderen aber kann das Jammen schon eine Menge Spaß machen.

Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele wurde vor der Box des Vox Mini Superbeetle Audio ein AKG C3000 Mikrofon platziert, als Gitarre habe ich eine Music Man Silhouette Special benutzt. Effekte wurden keine eingesetzt, einen Effektweg besitzt der Superbeetle ja ohnehin nicht.

Fazit

Die Idee bzw. der Sinn ist durchaus gut gelungen, in der Praxis zeigen sich jedoch beim Vox Mini Superbeetle Audio einige Schwächen, die den Spaß deutlich einbremsen können. Auch nach erneutem Review bleibt klar: Schwächen gibt es, dem guten Preis-Leistungsverhältnis zum Trotz. Das fängt an mit dem nur in Mono verfügbaren Audiosignal, geht weiter über die instabile Bluetooth-Verbindung und endet schließlich mit dem Sound des internen Preamps, dessen Klang und Dynamikverhalten mich persönlich an die Transistor-Amps der 80er und 90er Jahre erinnert. Fans der Amps von Vox werden sich davon vermutlich nicht abschrecken lassen, für alle anderen könnte sich aber der Blick über den Tellerrand, hin zur Konkurrenz von Marshall etwa, mehr lohnen.

Plus

  • erstaunlich viel Power
  • beherzt zugreifender Vierband-EQ mit Sub-Bass
  • witzige Optik
  • insgesamt gute Verarbeitung
  • angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • nur mono
  • Bluetooth-Stabilität
  • Klang internen Gitarren-Preamps

Preis

  • 419,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dubsetter  

    also preislich ist das dafür gebotene zu wenig,
    man bekommmt ein gute bluetooth box schon für 150,-

    wer braucht so etwas??

    • Profilbild
      Hein Bloed  

      Die gleichen Leute, die auch Kopfhörer von Marshall tragen. Den Herstellern von Gitarrenequipment bleibt seit jahren nicht viel anderes übrig, um die Marktverluste gegenüber Synth-Soft-/Hardware auszugleichen, die haben jetzt alle diesen überteuerten China-Kram im Angebot.

      • Profilbild
        El Pony

        Hersteller von Gitarrenequipment verlieren Marktanteile an Synth-Soft-/Hardware? Ist das so?

        Und… verkaufen sie wirklich deswegen „überteuerten China-Kram“ oder weil ein potentieller Markt/ eine Zielgruppe dafür vermutet wird?
        Mit Marshall, Fender & Vox verbinden schließlich auch viele nicht Musiker etwas.

        • Profilbild
          Hein Bloed  

          In den letzten 10 jahren sind die Verkäufe ungefähr um 1/3 gesunken.

          https://orange.handelsblatt.com/artikel/30084

          Gitarren gelten bei vielen als uncool. Hier bei Amazona schlägt sich das auch nieder, man muss nur einmal die unterschiedliche Anzahl an Kommentaren ansehen, die sich jeweils bei Gitarren-Tests oder Synth-Reviews finden lassen.
          Ich amüsiere mich mit beiden Spielzeugen, das scheinen aber wohl nicht soviele zu machen.

  2. Profilbild
    El Pony

    Klar… die Verkaufszahlen der großen amerikanischen Gitarrenhersteller sind gesunken. Aber es gibt immer mehr kleinere Hersteller, es gibt etliche neue Billiganbieter, er gibt Firmen, die wieder Gitarren bauen, der Gebrauchtmarkt ist immens gewachsen etc.

    Daraus alleine würde ich nicht schließen, dass die Leute lieber zum Synth greifen. In dem Artikel steht ja auch, dass die Gitarre in deutschen Musikschulen nach wie vor das zweit beliebteste Instrument ist.

    Das mit den Kommentaren fällt mir allerdings auch auf: Ein weiterer Klon eines Synthesizers kommt leicht auf Kommentare im dreistelligen Bereich. Bei Pedals oder Gitarren (oder Bass) ist das eher einstellig.

    Woran das liegt, würde mich interessieren.
    Vielleicht ist Amazona einfach nicht die erste Anlaufstelle für Gitarristen/innen. Vielleicht ist man als Gitarrist/in auch einfach weniger an einem Austausch übers Internet interessiert.
    Will sagen… die Gründe dafür können mannigfaltig sein und die Anzahl der Kommentare bedeutet nicht zwangsweise, dass Gitarren als uncool gelten.

    Ich halte das übrigens genauso wie du und nutze Synthesizer und Gitarren plus dazugehörige Peripherie ;-)

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