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Test: Xils Lab, PolyKB II

23. März 2011

Vintage mit alles

Wie viele Moog-simulierende Plug-ins gibt es eigentlich auf dem Markt? Gefühlt so an die 20? Wer auf der Suche nach etwas wirklich Besonderem ist, sollte die Ohren spitzen, denn der hier getestete holzbackene Vintagesynth-Bursche namens PolyKB ist real eine absolute Rarität und auch virtuell (noch) ein Unikat. Beim analogen Vorbild handelt es sich mit dem legendären RSF Polykobol um einen französischen Analogsynthesizer, von dem gerade mal sage und schreibe 30 Exemplare gebaut wurden. Die französische Softwareschmiede Xils Lab hatte den Dino aus den frühen 80ern trotzdem auf der Pfanne und schon vor einiger Zeit sorgsam nachprogrammiert. Und spätestens mit der aktuellen Version II verfügt der PolyKB über diverse Features, die weit über das hinausgehen, was der fast 30 Jahre alte Holzkasten damals konnte.

Hübsch und holzbacken: Der PolyKBII

Hübsch und holzbacken: Der PolyKBII

Installation

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Beginnen wir mit der Installation. Hier will sich der PolyKBII-Sockelprogrammteil nicht im üblichen Programm-Ordner installieren, sondern irgendwo jenseits von „Documents and Settings“, ein Ordner, der aus der englischsprachigen Windows-Version stammt. Wer es lieber ordentlich mag, sollte den Pfad folglich eigenhändig korrigieren. Danach wird noch einmal gesondert nach dem Installationsort des Plug-ins gefragt. Verweigerer von Kopierschutz-Dongles haben hier keine guten Karten. Der PolyKB lässt sich nur wahlweise mit e-Licenser- oder iLok-Lizenz verwenden. Das ist bei Synthesizer-Plug-ins recht ungewöhnlich. Unterstützt werden Win XP, Vista und Win 7 (leider nur 32-Bit-Versionen ) sowie Mac OSX (ab 10.3.9)

Erscheinungsbild

Auch die zweite Begegnung hakt etwas. In der Basis-Auflösung passt das PolyKBII-Panel nicht vollständig auf einen (immerhin) 1280x1024er Bildschirm und wird abgeschnitten, ups. Zum Glück gibt es oben rechts angekaut in der Ecke ein Feldchen  „Opt..“ („Options“), und siehe da – dort lässt sich das Panel auf 1200 oder 1000 Pixel Breite reduzieren. Dafür muss der Synth allerdings neu geladen werden. Natürlich hat das Plug-in eine schöne fotorealistische Oberfläche und sieht weitgehend so aus wie das Original. Aus der Rolle tanzen lediglich eine Effektsektion unten rechts sowie ein Multifunktions-Panel am linken Rand des PolyKBII, an dem später wohl auch jene Tonis austoben können, die sich sonst nicht allzu viel aus fotografierter Holzbäckchen-Folie machen.

Klangerzeugung, Architektur

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Oszillatoren

Zwei Oszillatoren verfügen über die Wellenformen Triange, Saw, Doublesaw, Square und Pulse (variabel). Zwischen jeweils zwei Wellenformen kann stufenlos übergeblendet werden. Oszillator 2 kann Oszillator 1 synchronisieren und schön fies kreischen lassen. Die Aktivierung und Lautstärkeeinstellung von Oszillator 1 erfolgt über zwei „Volume“-Tasten. Ja genau, Tasten! Beide aus, links an, rechts an, beide an – auf diesem Wege sind drei unterschiedliche Lautstärken möglich. Der benachbarte „Volume“-Regler kümmert sich zum Glück allein um die Lautstärke von Oszillator 2 – und zwar stufenlos, hurra. Außerdem gibt es einen „Noise“-Generator – und zwar wieder mit drei festen Ausgangspegeln, zwischen denen man sich entscheiden muss. Es beginnt also tatsächlich ein bisschen, sagen wir, schwurbelig.

Die Oszillator-Sektion

Die Oszillator-Sektion

Filter, Hüllkurven und LFO

Beim Filter handelt es sich um ein resonanzfähiges 4-Pol-Tiefpass-Modul (24dB/Oktave) mit einer Verzerrerstufe, die vor oder hinter das Filter geschaltet werden kann. Der PolyKBII verfügt über zwei ADSR-Hüllkurven, die fest mit Amplitude und Filter verdrahtet sind. Hüllkurve 2 kann in einen Loop-Modus versetzt werden und zirkuliert dann zwischen Attack und Release, ohne beim Sustain-Level zu verharren. Der Hüllkurven-Einfluss kann bei der neuen PolyKB-Version II auch multipliziert werden (x2, x3 und x4). Es gibt zwei LFOs, aber jeweils nur einer ist sichtbar. Sonst wäre das Teil noch dicker geworden. Darüber hinaus kann Oszillator 2 in einen Low-Frequency-Modus geschaltet werden. Die LFOs kennen die Wellenformen Square, SAW UP, SAW Down, Noise (S&H) und eine Annährung an einen Sinus. Mit dem Erscheinen des Polykobol II sind bei den Hüllkurven und bei den LFOs auch negative Modulations-Amounts möglich.

Das Filter und die Hüllkurven

Das Filter und die Hüllkurven

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Klangzaun

    Noch ein Tipp für alle Interessierten:

    Es gibt derzeit eine abgespeckte Player Version von dem Poly KB II. Diese kostet derzeit noch € 25,-. Ein Upgrade auf die Vollversion kostet € 79,-.

    Also schnell ‚mal nachrechnen, da die Aktion mit dem player begrenzt ist. ;-)

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ja, der hat was an sich! Er macht es einem nicht ganz leicht, lädt aber zum Erforschen und Arbeiten ein. Bin von der Demo schlichtweg begeistert. Außer dem Ressourcenbedarf hätt‘ ich nichts auszusetzen. Das Rechenbeispiel von Superwaldi macht auch Freude.

  3. Profilbild
    Robo-2k

    Für mich ist der PolyKB II musikalisch mit weitem, weitem Abstand das beste Plugin, das es im Moment zu kaufen gibt. Doch das hat seinen Preis: in diesem Fall ist ein muskulöser Rechner gefragt, ein Notebook kann man getrost vergessen.
    Das Bedienfeld mag überladen und ein wenig kompliziert scheinen, aber selbst wenn man sich auf wenige Parameter beschränkt (OSC, LFO, Filter, Hüllkurven) kann man Ergebnisse erzielen, die einen total umhauen. Und das kann man nun wirklich nicht von vielen Plugins behaupten.
    Ich hoffe die Jungs trauen irgendwann einmal sich an den Synthex, das Zeug dazu haben sie allemal.

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