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Workshop: Band-Recording im Proberaum – Editing, Gitarren-Aufnahmen

Erstes Editing der Proberaum-Aufnahmen

19. September 2022
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Workshop: Band-Recording im Proberaum – Editing, Gitarren-Aufnahmen

Im ersten Teil unseres Band-Recording Workshops habt ihr alles zu den Vorbereitungen sowie der Aufnahme von Schlagzeug, Bass und Gitarre erfahren. Im nun folgenden zweiten Teil geht es um das erste Editing des Mixes sowie weitere Aufnahmen der Gitarren.

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Hier die Übersicht und die Links zu den anderen Teilen des Workshops:

Editing des Band-Recordings in Pro Tools

Nach den ersten Aufnahmen war die Entscheidung schnell getroffen: Die Produktion wird komplett und entgegen aller Natur glattgebügelt. Per Overdub-Verfahren ist es einfach schwierig, eine Band im natürlichen Zusammenspiel mit Anziehen und Bremsen einzufangen, deswegen entscheide ich mich für ein Editing, das zwar komplette „Schnibbelei“ ist, aber trotzdem irgendwo noch natürlich klingen wird.

Zunächst einmal nehme ich mir das Schlagzeug vor. Ich erstelle für dieses eine Editgruppe und kompiliere Region für Region die besten Takes zu einem „perfekten“, an dem ich fortan editiere.

Recording Workshop

Schnipp, schnapp: Pro Tools Editing

Das Tool „Beat Detective“ aus Pro Tools ist dazu in der Lage, sämtliche relevanten Transienten der jeweils markierten Spuren zu erkennen und an diesen Schnitte durchzuführen.

Hiermit verfahre ich wie folgt: Ich markiere mir die Kick-, Snare- und HiHat-Spuren und lasse Pro Tools darauf basierend das Material analysieren. Sobald Pro Tools alle Transienten innerhalb dieses Materials entdeckt hat, nehme ich ebenfalls die Overhead-Spuren in meine Selektion mit auf, sodass diese ebenfalls basierend auf den Informationen der Kick-, Snare- und HiHat-Spuren zerschnitten werden. Per Klick auf „Separate“ klamüsert mir Pro Tools das komplette Schlagzeug in kleine Clips auseinander, sodass ich ein Alignment-bündiges Editing vollführen kann.

Recording Workshop

Beat Detective: Schlagzeug Editing leicht gemacht

Da Pro Tools bei aktivierten Edit-Gruppen mit sämtlichen Regions dasselbe macht, kann ich einfach nach Lust und Laune Clips und Regions verschieben, ohne dass irgendetwas nicht mehr sitzt. Also ein extrem gerades und genaues, aber noch nicht sehr ausgereiftes Zeitachsen-Editing vollführt, bis alles fast perfekt auf der Grid sitzt.

Als nächstes ein paar Snares und Kicks austauschen, die nicht komplett gesessen haben. Dann: Strip Silence auf Kick und Snare. Ein weiteres Tool innerhalb des Programms, mit dem man basierend auf dem Schallpegel der zu bearbeitenden Spur Stille entfernen und sich so die relevanten Informationen freischneiden kann. Das Übersprechen und das „Bleed“ von Kick und Snare kann ich somit fast vollständig minimieren.

Aufgrund der Tatsache, dass Strip Silence mir vor jedem Transienten nach meiner Einstellung dessen vor jedem Transienten noch 15 Millisekunden Raum pro Clip gibt, kann ich per Selektierung aller entsprechenden Clips und dem Tastenkürzel Command + F „Batch Fades“, also automatisierte Fade-Ins und Outs für alle Clips erzeugen, ohne Transienten einbüßen zu müssen.

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Kein Klicken mehr weit und breit und im Handumdrehen stehen Bass-Drum und Snare-Drum. Beim Zeitachsen-Editing mit der Drums-Mixgruppe werden, um die Phasenstabilität beizubehalten, alle betreffenden Schlagzeug-Audioclips gleichzeitig verschoben, weshalb die Overheads, obwohl wir sie bisher gar nicht beachtet haben, komplett mit angeglichen wurden.

Ich mache mir eine Overhead-Editgruppe. Zwischen den Regions sind durch das Verschieben der Clips kleine Pausen im Arrange entstanden, die ich durch manuelles Aufziehen der Clips wieder fülle. Danach auch für die Overheads wieder „Batch Fades“ erstellt, die ich danach noch Region für Region manuell anpasse.

Recording Workshop

Batch Fades: Per Command F auf einer markierten Region lassen sich normalisierte Fades mit aller Einfachheit auf so viele Clips, wie man möchte, mit einem Mausklick einfügen – Timesaver

Danach mische ich die Toms drüber, das klingt und funktioniert absolut tadellos. Mit den Overheads passen sie einfach schon gut in den Mix.

Recording Workshop Tipp am Rande: Das zeitgenaue Editieren von mehreren Spuren gleichzeitig ist mittlerweile in vielen DAWs möglich, dafür braucht es kein Pro Tools mehr, sogar DAWs wie Ableton Live beherrschen dieses Handwerk mittlerweile.

Während des Editings entsteht auch gleich der erste Roughmix. Ich packe ein Gate auf meine Kick, hier und da ein kleines bisschen Peak-Kompression und einen Standard 7-Band-Equalizer pro Spur. Ein weicher Cut der Tiefen in den hart gepannten Overheads, ansonsten einfach ein paar Frequenzen ziehen. Bei den Overheads kann ich es einfach nicht lassen und packe schon einen Pultec drauf, der mir bei 12 kHz etwas Glanz auf den Becken schenkt sowie die Plugins Soothe und Spiff von Oeksound, die mir einige inharmonische Obertöne abnehmen sowie etwas weichere Transienten unten herum geben. Auf Kick und Snare kommen erst mal 1176er, ob die bleiben, weiß ich noch nicht.

Am Bass muss ich fast überhaupt nichts editieren, ich mische mir mein DI- und Amp-Signal zusammen, schiebe ein paar Regionen hin und her – das war es schon. Hier verliere ich mich etwas im Mix und entscheide mich dafür, das DI-Signal hart bei rund 500 Hz zu cutten und mit etwas Overdrive und Kompression zu versehen, unüblicherweise das Amp-Signal für den Bass an sich zu verwenden. Ich mache mir einen Bus mit beiden Signalen, equalize und komprimiere rudimentär noch etwas herum.

Als nächstes ist Marcels Hi-Gain Engl Gitarre an der Reihe. Ganze sechs Dopplungen stelle ich mir hierfür vor. Ich kompiliere erst mal wieder meine Takes, danach nehme ich mir eine Spur per manuellem Editing vor, auf derer basierend ich dann alle anderen angleiche. Etwas frickelig, weil hier keine besonders aussagekräftigen Transienten in der Waveform zu erkennen sind. Funktioniert, dauert nur.

Marcel spielt die wichtigsten Rhythmus-Parts, es muss also in den unteren Mitten richtig schön drücken, soll aber gleichzeitig oben herum richtig schön Stereo machen. Ich mische also erst mal die drei Gitarrenpärchen zu jeweils 100, 70 und 50 Prozent an die Seiten. Damit sie generell etwas mehr Bauch und weniger fiese Höhen bekommt, packe ich auf die sechs extrem trockenen Spuren eine Cabinet-Simulation.

Weiterer Tipp am Rande: Von Lancaster Audio gibt es eine Freeware, in die man sich Impulsantworten von Cabinets laden kann. Die dafür nötigen Impulsantworten findet man zuhauf im Internet. Besonders zu empfehlen: Das Freeware „Allure Pack“ von Line 6.

Recording Workshop

Empfehlenswerte Freeware: Der IR Loader von Lancaster Audio

Bei den vier am seitlichsten liegenden Spuren cutte ich etwas die Tiefen weg, bei den beiden am mittigsten liegenden pushe ich diese dafür etwas. Direkt hört man den Unterschied: Viel mehr Druck, dafür weniger Dreck an den Seiten. Mit dem 7-Band-EQ von Pro Tools ziehe ich dann erst mal noch auf allen Gitarren die stehenden Wellen.

Kleiner Tipp am Rande: Beim Frequenzen Ziehen und Sweepen auf die Signalanteile achten, die, obwohl unterschiedliche Frequenzen gespielt werden, gleich laut bleiben. Diese je nach Gusto rausziehen.

Außerdem schaffe ich mit dem EQ noch etwas mehr Platz, indem ich jeweils links und rechts gegensätzlich tiefe und hohe Frequenzanteile je Stereopaar gegensätzlich betone oder absenke. Jetzt hat die Gitarre schon einmal etwas mehr Luft zum Atmen. Auch für die Gitarre erstelle ich schon einen Bus, auf den ich das Plugin Soothe packe, das mir ebenfalls wieder die inharmonischen Obertöne etwas herauszieht.

Die tiefen Frequenzen mache ich ab ca. 100 Hz mono, danach noch eine leichte Peak-Kompression und EQing mit einem SSL E Channelstrip-Plugin. Im 3 bis 5 kHz Bereich befindet sich das kratzige Übel, hier cutte ich eine Menge mit breiter Kurve, den dadurch verlorenen Präsenzanteil hole ich mir per Kuhschwanz ab 9 – 10 kHz wieder zurück. Klingt schon super und im Mix ist noch genug Platz für die Gitarren, die hier noch drüber gemischt werden müssen. Da die Gitarre schön an der Seite liegt, bleibt in der Mitte noch ordentlich Platz für Sänger und wichtigere Gitarren-Events.

Zunächst hegte ich den Plan, sämtliche anderen Gitarren mit einem komplett mittigen Signal und zwei links und recht daneben befindlichen Seitensignalen in den Mix zu integrieren, ich entscheide mich nach etwas Ausprobieren und viel Editing und Anpassung jedoch dazu, ganz normale Stereopärchen zu machen. Diese mische ich sofort gegen Marcels Gitarre, weshalb sie etwas weniger Tiefen, dafür mehr Höhen bekommen, damit sie sich vernünftig ergänzen können. Lediglich bei den cleanen Picking-Parts im Refrain entscheide ich mich für das zuvor genannte Prinzip, diese stehen alleine und ertönen lediglich, während Marcels Gitarre ruht. Dadurch entsteht bereits ohne Effektierung ein schön kitschiger, kontrastierender Chorus-artiger Sound.

Genereller Konsens bis zu diesem Punkt: Oeksounds Soothe ist ein absoluter Lebensretter und macht aus Aufnahmen, die „in Ordnung“ sind, absolutes Gold. Fieses Oberton-Editing adé.

Konsens Numero 2: So ein Projekt steht und fällt mit dem Editing und da das mit der DAW Pro Tools mittlerweile so was von schnell und einfach geht, vergisst man oft die Musikalität. Es gilt, einen Kompromiss zwischen Tightness und Musikalität und Zusammenspiel zu finden, Kein leichtes Unterfangen bei so einer Overdub-Geschichte.

So langsam steht alles, bei Weitem noch nicht perfekt, aber weiter möchte ich auch noch nicht gehen, bevor Sänger und Lead-Parts noch nicht im Kasten sind. Zudem wollen wir die Clean-Parts noch mit einer Akustikgitarre doppeln und somit vielleicht die eine oder andere Harmonie hinzufügen.

Zweiter Aufnahmetag des Band-Recordings

Es folgt Recording Tag 2. Setzten wir uns im ersten Teil des Workshops noch mit dem Grundgerüst auseinander und haben danach das erste Editing vorgenommen, so widmen wir uns nun einigen ausstehenden Gitarren-Overdubs und, natürlich am wichtigsten, dem Vocal-Recording für unsere Produktion.

Den ersten Rough-Mix konntet ihr bereits hören, diesen habe ich noch etwas mehr ausgearbeitet, „fetter“ gemacht, ausgespielt und in einer neuen Session als Guide-Track angelegt. Als die Jungs den Guide im Raum hören, gibt es zunächst ein großes Hallo – Begeisterung macht sich breit.

Somit ergeben sich perfekte Vorraussetzungen für das geplante Overdub-Recording, schon alleine aus dem Grund, dass ein guter Vibe und ein gewisser Enthusiasmus um ein Vielfaches wichtiger sind als ein guter Raum oder tolle Mikrofone. Etwas Rundes, an dem man sich festhalten kann, ist das Beste für Musiker bei der Aufnahme – gerade bei der Aufnahme des Gesangs.

Recording Workshop

Verstärkerwand – die Zweite

Gitarren-Aufnahme im Proberaum

Zunächst nehmen wir eine weitere Gitarre auf: Ein Picking von Julius über gewisse Parts des Songs, welches diesen harmonisch anreichern soll. Die Gitarre soll so wirken, als würde sie über den anderen stehen und sich mit einem Cleansound abheben.

Wir gehen auf den Bridge-Pickup und stellen einen Sound am Verstärker ein, der sich irgendwo zwischen Clean und Crunch bewegt, entscheiden uns für einen kleinen Blackstar 5 Watt Amp in Kombination mit Julius‘ 4x12er Cabinet. Diesmal spannen wir allerdings kein SM57, sondern ein AKG C1000 vor, das fängt etwas mehr Präsenz und Höhen der Gitarre ein und arbeitet gegen das dumpfe Cab. Gesagt, getan, ein paar Durchgänge und alles ist schnell im Kasten. Diese Gitarre soll nicht gedoppelt werden, sondern alleine stehen und im Mixdown eventuell mit einer Effektierung versehen werden.

Sich über die Staffelung angestrebte Wirkungsweise und Zweck der einzelnen Instrumente im Vorhinein klar zu sein, ist unabdinglich. Und über das „eigene Bild im Kopf“, kann man sich logisch herleiten, wie man in welcher Situation vorgehen möchte.

Das Aufnahme-Setup gleicht in etwa dem aus Workshop Teil 1. Da wir lieber mit künstlichen Räumen im Nachhinein arbeiten möchten, versuchen wir, das Ganze so trocken wie möglich einzufangen – also bauen wir uns wieder unsere Verstärkerwand, die wir zur Wand richten – die mit Decken und Molton „präpariert“ wurde.

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Marcel spielt – ich höre zu

Gitarren-Amp bei der Band-Aufnahme

Als nächstes ist Marcel mit seiner Charvel an der Reihe, er soll eine ähnliche Harmonie aufnehmen, die ebenfalls in einem Part alleine, in einem anderen Part gedoppelt werden soll. Hierfür entscheiden wir uns für einen Crunch-Sound, den wir für den zweiten Part als Steigerung noch etwas anzerren. Hier arbeiten wir mit den rudimentärsten Mitteln, ein Gain-Pedal, Settings am Verstärker – that’s it. Das C1000 bleibt wo es ist und nach ein paar Takes sind wir durch.

Danach folgt die wichtigere Aufgabe für Marcel: Das Einspielen seines Solo-Parts. Hierfür greifen wir uns Marcels Engl mitsamt seines Cabinets, eine Zusammensetzung, die an Präsenz und Höhenlast praktisch nicht zu überbieten ist. Auch hier wird wieder das C1000 vorgespannt, allerdings in etwas größerem Abstand zum Verstärker, um etwas mehr „Luft“ einfangen zu können. Etwa eineinhalb Handbreit von der Membran entfernt positioniere ich es mittig vor dieser und drehe noch etwas Höhen am Topteil heraus. Marcel spielt es dreimal – alle drei Takes sitzen sehr gut. Ein Dopplungseffekt im Solo kann also später in der Post ebenfalls ausprobiert werden.

Recording Workshop

Ein bisschen Abstand tut auch mal gut: Mikro-Position

Wichtig: Gerade bei der Arbeit ohne externe Regie steht und fällt eine solche Produktion mit den Probe-Takes. Es ist das absolute A und O, mit verschiedenen Mikrofonpositionierungen und Verstärker-Settings herumzuspielen, bis man an sein persönliches Ziel kommt – falls das mal eine Stunde dauert, ist das in dieser Umgebung auch nicht schlimm.

Das, worum es in dieser Situation geht, ist, wie es auf der Aufnahme klingt und nicht, ob der Gitarrensound gerade im Raum gut klingt. Gerade was die Zerre angeht gilt: Weniger ist mehr im Produktionskontext – es sei denn, man hat einen toll klingenden Aufnahmeraum und kann ordentlich Luft mit einfangen – was man aber in diesem Genrekontext ebenfalls eher seltener machen würde.

Im dritten Teil unseres Workshops kümmern wir uns um die Aufnahme des Gesangs sowie das weitere Editing in Pro Tools.

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Forum
  1. Profilbild
    VerMona74

    Schöne Workshop Reihe.
    Auch ohne ProTools zu besitzen, gibt es doch den ein oder anderen Tipp fürs Setting.
    Mir gefällt es..

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