Workshop: Mikrofonierung / Aufnahme eines Chors

19. Mai 2019

So werden Chorkonzerte zum Erfolg

Workshop: 7 Tipps für die Mikrofonierung eines Chors

Workshop: 7 Tipps für die Mikrofonierung eines Chors

Chöre stellen Tontechniker oft vor ungewöhnliche Probleme, die eine perfekte Mischung beim Chorgesang schwierig erscheinen lassen. Die Gründe liegen zum Einen im Klangkörper, zum Anderen in den besonderen Anforderungen, die eine Beschallungssituation an die Mikrofonierung der Schallquelle stellt. In diesem Workshop versuche ich, aus meiner langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Chören, einige Tipps abzuleiten, die euch hoffentlich helfen, in ähnlichen Situationen trotz aller Widrigkeiten einen guten Sound zu bekommen. Nun kommen 7 Tipps für die Mikrofonierung eines Chors.

Tipp 1: Die Musik bestimmt die Beschallungssituation

Bevor ihr zur Tat schreitet, informiert euch über die Art des Chorgesangs, um Entscheidungen zur Aufstellung und Auswahl der Mikrofone treffen zu können. Während bei der Beschallung von Rock-Bands die Unterschiede hinsichtlich des Equipments und seines Aufbaus nur marginal sind und es einen „kleinsten gemeinsamen Nenner“ gibt, ist die Situation bei Chören immer anders. Die Chorliteratur teilt sich nicht nur im weitesten Sinne in klassisch und Pop/Jazz/Gospel, sondern die Arrangements können sehr vielfältig sein und zuweilen sogar die Komplexität einer Orchesterpartitur erreichen. Es macht deshalb Sinn, sich im Vorfeld intensiv damit zu beschäftigen. Es gibt zahlreiche Besetzungen: Im einfachsten Fall teilen sich die Stimmen in Sopran, Alt, Tenor und Bass (SATB). Im Pop und Gospel wird häufig auf den Bass verzichtet und gesungen wird in SAT Besetzung. Frauenchöre singen in SSA oder SAA Besetzung. Manche Arrangements erfordern SSATB, SAATB oder sogar SSAATTB Besetzungen. Das führt uns zu Tipp Nummer zwei.

Workshop Chorgesang

Tipps für die Mikrofonierung eines Chors: Ein großer Chor, eine große Kirche, sechs Mikrofone in geringem Abstand zu den Sängern und großem Abstand zur PA.

Tipp 2: Die Choraufstellung kennen

Sprecht mit dem Chorleiter im Vorfeld nicht nur ab, welche Besetzung zu erwarten ist, sondern, ganz wichtig, wie der Chor hinsichtlich dieser Besetzung steht. Wo ist welche Stimmgruppen (kurz: Stimme) zu finden? Gibt es Arrangements mit wechselnder Besetzung, zum Beispiel, weil einige Stücke in SATB und andere zum Beispiel in SAATB oder SSAATB-Besetzung gesungen werden. Wo sind diese Stimmen auf der Bühne zu finden? Dies hat unter Umständen wichtige Auswirkungen auf Mikrofonierung und Mischung.

Tipp 3: Die Partitur kennen

Das Partiturlesen gehört im Studium zum Toningenieur oder Tonmeister für das Tonstudio nach wie vor zum Bestandteil der Ausbildung. Leider können zu viele Veranstaltungstechniker keine Noten lesen, geschweige denn eine Partitur verfolgen. Doch je nach Chor und Arrangement ist genau das wichtig für die Beschallung. Ist man des Noten- und Partiturlesens mächtig, sollte diese vom Chorleiter angefordert werden, um sie zuvor zu studieren oder auch am Veranstaltungstag dabei zu haben. Ansonsten helfen Gespräche mit dem Chorleiter, der Besuch einer Probe und viele Notizen während der Generalprobe. Ist der Chorsatz homophon (Akkordsatz mit führender Melodiestimme) oder polyphon (jede Stimme melodisch wie rhythmisch gleichberechtigt)? Welche Stimme singt bei homophonen Chorsätzen die Melodie? Ändert sich das während des Stücks? Soll diese leicht hervorgehoben werden oder zählt der homophone Zusammenklang als Akkord? Gibt es Stücke, die in anderer Besetzung gesungen werden? Werden Werke mit mehreren Sätzen aufgeführt? Wird ausschließlich acapella gesungen oder zur Instrumentalbegleitung?

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Tipps für die Mikrofonierung eines Chors: Bei der Probe sollte sich der Techniker viele Notizen zu den Chorarrangements machen.

Tipp 4: Den für die Stilistik erforderlichen Chorklang kennen

Auch beim Chorgesang gilt: Klassik klingt anders als Pop/Rock/Jazz/Gospel. Bei klassischen Chören ist es oftmals erforderlich, den Klangkörper Chor in seiner Gesamtheit zu übertragen. Der Klang ist breit und warm. Wie beim Orchester ist dazu ein Hauptmikrofonsystem notwendig, das gegebenenfalls, sollte die Partitur ein Hervorheben von einzelne Stimmgruppen erfordern, durch Stützmikrofone ergänzt wird. Ganz anders bei moderner Chorliteratur, zum Beispiel aus dem Pop oder Gospel-Bereich: Hier soll der Chorgesang möglichst kompakt und direkt klingen. Da die Begleitung oftmals auch durch eine Band geschieht, ist eine direkte Mikrofonierung in geringem Abstand angesagt. Hört euch im Vorfeld Aufnahmen des Chores (sofern vorhanden) oder ähnlicher Chöre an und macht euch mit dem Klang vertraut.

Tipp 5: Mikrofonpositionen für die perfekte Aufstellung beim Chorgesang

Diese leiten sich direkt aus dem gewünschten Chorklang (Tipp 4) ab. Bei klassischer Chorliteratur ist ein Hauptmikrofonsystem im größeren Abstand zur Schallquelle angesagt. Oft greift man dafür auf ein Stereomikrofonverfahren wie ORTF oder XY zurück. Wichtig ist, dass der Chor in seiner gesamten Breite erfasst wird. Ein Kopfhörer und der AB-Vergleich bei ein- und ausgeschalteten Mikrofonen auf der PA sind hilfreich. Durch das Nutzen einer Mikrofonschiene und eines einzelnen Stativs lässt sich dieses schnell vor- und zurückbewegen. Bei klassischer Chorliteratur dürfen auch die Stützmikrofone einen etwas größeren Abstand haben. Entweder werden sie von der Decke abgehängt oder sie stehen auf Stativen und befinden sich leicht oberhalb der Köpfe der ersten Chorreihen.

Geht es um Popularmusik, darf gerne nah mikrofoniert werden. Anders ist der dort vorherrschende direkte Chorklang nicht zu erreichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei naher Mikrofonierung weniger Sänger pro Mikrofon übertragen werden als bei einer entfernteren Mikrofonposition. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl angebracht, damit später auf der PA nicht nur einzelne Sänger anstelle eines großen Chores zu hören sind. Als Richtcharakteristik bietet sich die Niere oder Kugel an. Im Falle der Kugelcharakteristik ist etwas Vorsicht vor Rückkopplungen geboten. Superniere oder gar Hyperniere sind zu stark richtend für diesen Zweck.

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Tipps für die Mikrofonierung eines Chors: Bei moderner Musik und Band-Begleitung ist manchmal ein geringerer Mikrofonabstand als sonst üblich notwendig.

Als Alternative zur ausschließlichen Mikrofonierung der Stimmgruppen ist im Popbereich auch eine Mikrofonierung von einzelnen Sängerinnen und Sängern üblich. Der Gesamtklang setzt sich dann zusammen aus den Mikrofonen für die Stimmgruppen und diversen Einzelmikrofonen, die von den Sängerinnen und Sängern entweder in der Hand gehalten werden oder auf einem Stativ direkt vor ihnen stehen. Der Vorteil dieser Methode ist eine sehr hohe Direktheit und die extrem gute Sprachverständlichkeit. Der Nachteil ist, dass die betreffenden Sängerinnen und Sänger zweimal übertragen werden: Einmal direkt über ihr Einzelmikrofon und einmal über das Mikrofon ihrer Stimmgruppe. Durch die verschiedene Laufzeit des Schalls zu beiden Mikrofonen ergeben sich unter Umständen Kammfiltereffekte. Um diese zu vermeiden ist es sinnvoll, die betreffenden Sängerinnen in eine Reihe vor der ersten Chorreihe zu stellen, damit diese außer Reichweite der Mikrofonen der Stimmgruppen stehen.

Kammfiltereffekte treten leider auch aufgrund der Aufstellung der Stimmgruppenmikrofone auf. Bei Aufnahmen ist es ratsam, die 3:1-Regel zu beachten. Der Abstand der Mikrofone untereinander sollte dreimal größer sein als der Abstand des einzelnen Mikrofons zu den Sängerinnen und Sängern. Leider lässt sich diese Regel in der Beschallungspraxis oftmals nicht exakt umsetzen, weil die Choraufstellung sie einfach nicht erlaubt. Hier hilft dann nur das Reduzieren von Mikrofonen.

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3:1-Regel? Geht nicht immer. Die Alt-Sängerinnen direkt vor dem Altar mussten mit zwei Mikrofonen auf einer Stereoschiene gemeinsam mit den Sopranmikrofonen abgenommen werden, da auf den Podesten kein Stativ gestellt werden konnte. Das kritische Abhören mit dem Kopfhörer zeigte aber, dass keine störenden Kammfilter zu hören waren.

Tipp 6: Mikrofone

Kleinmembran-Condenser? Großmembran-Condenser? Dynamische Mikrofone? Es gibt viele Möglichkeiten, einen Chor zu mikrofonieren. Häufig sieht man Kleinmembran Kondensatormikrofone. Diese bieten einen ausgezeichneten Klang  und sind hinsichtlich ihrer Größe unauffällig. Wird das Konzert auch im Fernsehen übertragen, sind sie gut zu verstecken und manchmal kaum zu entdecken, wenn es sich nicht gerade um ein Kamerabild in Nahaufnahme handelt. Bei der Übertragung klassischer Chorwerke lassen sich Kleinmembran-Mikrofone als Hauptmikrofonsystem unauffällig in größerem Abstand positionieren und stören somit das Bild nicht weiter. Ob als „Stäbchen“ oder im Miniaturformat, Kleinmembran-Kondensatormikrofone gehören zu den Allzweckwaffen in der Übertragung von Chorgesang. Es müssen dabei keine teuren Mikrofone von Neumann sein: Oktava MK012, Røde NT-5 oder günstige Beyerdynamic MCE 530 machen auf der Bühne einen guten Job.

Doch auch Großmembranmikrofone haben ihre Berechtigung. Insbesondere Kandidaten mit Doppelmembran haben einige Vorteile. Zum Einen wäre die umschaltbare Richtcharakteristik zu nennen, zum Anderen das leicht bessere Rauschverhalten, was gerade in Konzertsälen mit guter Akustik und bei klassischer Musik in Verbindung mit einem großen Mikrofonabstand zum Tragen kommt. Aufgrund ihrer Größe sind sie nicht ganz so unauffällig zu platzieren wie ihre kleinmembranigen Kollegen. Selbst mit günstigen Vertretern wie dem sE Electronics X1S konnte ich gute Ergebnisse erzielen.

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Weniger ist manchmal mehr: Mit zwei Großmembran-Condensern für den Chorgesang wurde in einer kleinen Kirche aus dem 11. Jahrhundert ein Chor in SAT-Besetzung mikrofoniert. Das Übersprechen der Band in die Mikrofone hielt sich durch den Abstand und die professionellen und chorerfahrenen Musiker in Grenzen.

Dynamische Mikrofone sieht man sehr selten, was jedoch kaum berechtigt ist. Es gibt durchaus Kandidaten, die einen sehr guten Job bei der Übertragung von Chorgesang verrichten. Zu nennen sind hier beispielsweise die beiden Mikrofone Sennheiser MD441 und MD421. Letzteres zeichnet sich durch seine Nierencharakteristik, einen sehr weiten Übertragungsbereich, hohe Rückkopplungsfestigkeit und den fünfstufigen Bassschalter aus. Der transparente Klang macht es nicht nur vor Instrumenten zu einem hervorragenden Mikrofon. Seinen Kollegen, das MD441, sieht man häufig an Sprechstellen. Aufgrund der Supernieren-Charakteristik ist ein höherer Abstand zur Schallquelle erforderlich, um nicht nur einzelne Sängerinnen und Sänger zu übertragen, sondern mehr vom gesamten Klangkörper. Wie auch das MD421 ist die Rückkopplungsfestigkeit beeindruckend. Mit Bass- und Brillanzschalter sowie einem weiten Frequenzgang von 30 Hz bis hinauf zu 20 kHz macht es den Kondensator-Kollegen ordentlich Konkurrenz.

Für die direkte Übertragung von einzelnen Sängerinnen und Sänger eigenen sich ebenfalls dynamische Mikrofone: Ein Shure SM58 oder Sennheiser e835 sind günstige Möglichkeiten, dem Pop-Chor zu mehr Schub und Sprachverständlichkeit auf der PA zu verhelfen.

Tipp 7: Monitoring für den Chorgesang

Ein schwieriges Thema ist das Monitoring. Aufgrund der oben beschriebenen Mikrofontechniken ist das Übersprechen der Monitore in die Chormikrofone ein großes Thema. Während klassische Chöre kein Monitoring benötigen, sind Pop-Chöre viel eher darauf angewiesen. Anders als bei einem einzelnen Sänger ist es jedoch nicht der eigene Gesang, der benötigt wird, sondern ein Instrument oder eine Instrumentengruppe. In der Regel benötigen Chorsänger aus der Pop-Sparte ein Harmonieinstrument wie das Klavier zur Intonation. Für das Chormonitoring kommen Wedges und/oder Sidefills in Frage. Meistens trifft man auf eine Kombination aus beidem. Die ersten Reihen werden mit Wedges beschallt, die hinteren Reihen mit Sidefills. Wichtig ist, dass diese nur so laut gedreht werden, wie der Chor es zur Orientierung und Intonation benötigt, da ansonsten das Übersprechen in die Chormikrofone das Mischen derselben unmöglich macht. Das Übersprechen gilt nicht nur für den Schall, der von den Monitoren übertragen wird, sondern leider für jeglichen Schall im Raum. Insbesondere das Schlagzeug und der Bass machen sich gerne in den Chormikrofonen „breit“. Ein Low Cut ist bei meinen Chormikrofonen immer gesetzt. In den Stimmgruppen ist dieser sogar recht hoch bei 150 Hertz angelegt. Der Rest ist Verhandlungsgeschick. Es gibt Musiker, die können mit Chören arbeiten, und Musiker, die können es nicht. Der Chor ist das schwächste Glied in der Kette und steht über den Instrumenten. Wer als Schlagzeuger nur durch „Prügelei“ einen guten Sound erzeugen kann, hat in der Begleit-Band eines Chores nichts zu suchen. Gleiches gilt für Bassisten und Gitarristen. Ich arbeite deshalb seit einiger Zeit nur noch mit chorerfahrenen Profis zusammen, darunter Schlagzeuger, die selbst bei leisem Spiel einen vollen Sound erzeugen können. Im Vordergrund steht der Chorgesang, nicht die Band.

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Tipps für die Mikrofonierung eines Chors: Professionelle Musiker mit viel Chorerfahrung vereinfachen die ohnehin schon schwierige Beschallungssituation. Einige SängerInnen mit Einzelmikrofonen helfen dabei, den Chor über die Band zu heben und eine sehr gute  Sprachverständlichkeit herzustellen.

Im Monitorweg des Chores sind diese Instrumente dennoch selten zu finden oder höchstens in recht großen Räumen, in denen der Abstand zwischen Chor und Band zu groß ist, um ohne Monitoring aufgrund der „natürlichen Latenz“ rhythmische Genauigkeit zwischen beiden Sektionen zu erreichen.

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Tipps für die Mikrofonierung eines Chors: Der Kinderchor auf dem Seitenausleger wurde mit nur einem einzelnen Großmembran-Mikrofon mit Nierencharakteristik mikrofoniert. Auf dem Chormonitor lagen nur die Keyboards.

 

Fazit

Chorgesang zu übertragen ist die Paradedisziplin eines jeden Tontechnikers. Mit einem Chor auf einer Open Air Bühne zu singen (zum Beispiel bei Stadtfesten) ist die Horrorvorstellung für viele Chorleiter. Die Bühnen bieten in der Regel nur Platz für kleine Mikrofonabstände, was einem ausgewogenen Chorklang entgegen steht. Die fehlende Raumakustik macht es dem Tontechniker darüber hinaus schwer, aus den Einzelsignalen so etwas wie einen guten Gesamtklang zu zaubern. In solchen Situationen ist es dann oftmals besser, ein einzelnes Mikrofon am Bühnenrand in so großem Abstand wie möglich zum Chor aufzustellen und ein Monosignal zu nutzen und dem „natürlichen“ Chorklang beizumischen. Handelt es sich um einen Chor aus der Sparte Pop, Rock, Soul, Jazz, Gospel sieht es besser aus. In Absprache mit dem Chorleiter sollten zusätzlich Einzelmikrofone verteilt werden, um einen direkten und rückkopplungsfreien Klang zu ermöglichen. Kommunikation ist alles! Das gilt für jede Art der Zusammenarbeit von Technikern mit Chorleitern und Chören. Chöre sind Technik in der Regel nicht gewohnt. Je mehr Technik man ihnen aufbürdet, desto unsicherer werden die Sängerinnen und Sänger. Das Beschränken auf das Notwendige ist angesagt und oftmals klanglich auch besser (weniger Übersprechen, weniger Kammfilter). Repertoire-Kenntnisse sind Pflicht!

Wer sich gut mit der Chorbeschallung auskennt, ist meistens gut gebucht. Die Chorlandschaft in Deutschland ist sehr vielfältig und es gibt nicht viele Techniker, die einen guten Chorklang zaubern können, der Chorleiter, Chor und Publikum gleichermaßen zufriedenstellt. Wer das gut hinbekommt, wird in der Regel schnell weiter empfohlen und auch gerne als Techniker für Auftritte  gebucht, bei denen die Technik anderweitig gestellt wird. Was man mit ein wenig Sachverstand, Kenntnis der Chorthematik und einigen günstigen Mikrofonen zaubern kann, ist immer wieder beeindruckend. Genauso beeindruckend ist leider auch, wie schnell man mit zu vielen teuren Mikrofonen und wenig Sachverstand ein Chorkonzert zerstören kann. Übung macht den Meister!

Forum
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    Stephan Merk  RED 1

    Moin Markus, spannendes Thema in sofern, als dass ich kürzlich unseren Posaunenchor mitgeschnitten habe. Diesbezüglich frage ich mich auch immer, ob eine aufwendige Mikrofonierung grundsätzlich sinnvoll wäre. In unserer kleinen Kirche mit Chorraum genügte allerdings mein Sony PCM-D100 auf 1,70 Meter Höhe bei einem Abstand zum Ensemble von vielleicht fünf Metern. Bei 120 Grad klingt das Ergebnis sehr weit und räumlich, vor Allem auch ziemlich authentisch. Ähnlicher Effekt, die Klaiss-Orgel der Elisabethkirche zu Marburg wurde professionell auf CD gebannt, allerdings klingt meine Aufzeichnung mit einem Olympus LS-P2 und dem Ohrwurm 3 als binaurale Aufnahme für uns wesentlich direkter, räumlicher und kraftvoller. Wahrscheinlich ist in der Praxis auch wichtig, was man im Ergebnis für ein Ziel vor Augen hat. Diesbezüglich vielleicht eine ganz kleine Kritik am Rande, mir war zu Anfang gar nicht klar gewesen, ob es jetzt um Beschallung, Recording oder andere Aufgaben ging. Der letzte Satz trifft es aber mal wieder wie so oft bei Medienschaffenden, die meinen, das teuerste Mikro im Bild gäbe auch die beste Performance ab. ;) Vielleicht kaufe ich mir irgendwann mal einen Satz Mikrofone.

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      Markus Galla  RED

      Hallo Stephan,
      tatsächlich machen oftmals auch günstige Mikrofone einen guten Job. Zumindest in der Beschallungssituation fallen nämlich viele Feinheiten gar nicht weiter auf. Dass Aufnahmen mit einem Stereomikrofon oft zu besseren Ergebnissen führen, hat vor allem mit der leichteren Handhabung zu tun. Die Fehlerquellen sind nicht so groß wie bei der Nutzung von Einzelmikrofonen oder Hauptmikrofon plus Stützmikrofonen. Die größere Natürlichkeit hat damit zu tun, dass beigemischte Einzelmikrofone diese schnell zerstören können. Sie müssen mit viel Fingerspitzengefühl wieder in den Stereomix des Hauptmikrofons eingefügt werden. Das ist manchmal nicht so einfach wie es sich zunächst anhört.

      In der Tat geht es in diesem Artikel um Beschallung und nicht um das Recording. Für das Recording würde ich komplett anders vorgehen. Leider ist eine diesbezüglich eindeutigere Headline der SEO zum Opfer gefallen.

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    JM4  

    Nicht zu vernachlässigen ist der Einfluss, den ein guter Soundgestalter auf die Chorpsyche hat. Für viele Chöre ist das Singen mit Verstärkung eine ungewohnte Situation. Wer hier seine Technik nicht im Griff und seine Ohren nicht gespitzt hat, wird den Chor verunsichern.

    Und beim angesprochenen Problemthema Monitoring ist Feingefühl beim Erklären angesagt, wenn aus dem Chor Fragen kommen wie „kann ich bitte den Alt lauter haben und mich selbst auch.“

    Ein schneller und geschmeidiger Soundcheck ist auch sehr willkommen. Ich habe erlebt, wie während des Einsingens die Mikros positioniert und eingepegelt wurden. Als der Chorleiter sagte „Wir können dann soundchecken“ war alles schon erledigt.

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      Markus Galla  RED

      Ganz genau. Für den Chor muss die Technik Nebensache bleiben. Viele sind verunsichert, wenn sie plötzlich ein Mikrofon vor der Nase haben. Mikrofoneinstellungen mache ich grundsätzlich immer beim Einsingen oder kurz und schmerzlos mit einem Lied. Die Grundpegel habe ich aufgrund von Erfahrungswerten mit den Mikrofonen vorher schon eingestellt, so dass in der Regel keine großen Änderungen mehr erfolgen. Ich kenne meine Chöre aber auch und weiß, wie sie singen. Ich mache die Mikros auch nicht abrupt an, sondern fahre langsam die Fader hoch, so dass die Chöre meistens gar nicht merken, dass sich etwas verändert hat.

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