Was gehört in einen Technical Rider?
Inhaltsverzeichnis
Touring und gute Kommunikation sind zwei Themen, die untrennbar miteinander verbunden sein sollten. Egal ob wir von zwei Terminen am Wochenende sprechen oder drei Wochen non-stop und selbst Einzelshows müssen ordentlich geplant und durchgeführt werden, sodass alles klappt und die Veranstalter, Locals, Band und Besucher am Ende des Tages glücklich und zufrieden nach Hause gehen können.
Bei der Kommunikation im Vorfeld des Konzertes und während dessen Durchführung helfen sogenannte Technical Rider, oft auch nur „Rider“ genannt, also Pläne mit den entsprechenden Informationen. Es gibt Rider für Backstage, Catering, Licht-, Tontechnik etc. Heute schauen wir uns mal aus der Sicht der Band an, was auf einem Technical Rider nicht fehlen darf und was nicht darauf gehört, wie man diesen aufbaut und was es dabei zu beachten gibt. Viel Spaß beim Workshop! Lasst gern eure Erfahrungen in den Kommentaren da.
Umfang eines Technical Riders für Bands
Was kommt alles auf welchen Rider und wie lange/umfangreich sollte dieser sein?
Faustregel: je größer die Produktion, umso größer der/die Rider, je kleiner die Produktion, desto kleiner der/die Rider.
Eine Newcomer-Band, die ihre ersten kleinen Gigs in kleinen Clubs oder Festivals spielt, kommt meist mit ein bis zwei A4 Seiten locker aus. Bei großen Produktionen können Rider über 20 Seiten umfassen. Aber auch hier gilt immer: So viel wie nötig, so wenig wie möglich, um alles klar und verständlich aufzuzeigen ohne unnötig rumzuschwafeln. Niemand liest im stressigen Touralltag gern unnötige Infos oder alles doppelt in neuen Worten!
Welche Infos kommen auf den Technical Rider?
Um diese Frage zu beantworten und die Kommunikation zu beschleunigen, gilt immer die oberste Frage: Wer braucht welche Infos und welche Infos nicht? Niemand möchte endlose Dokumente und Seiten mit Wissen durchforsten, das einen nicht betrifft. Drum gibt es ja unterschiedliche Rider für Technik, Licht, Backstage etc. Hier mal eine Übersicht (variiert natürlich je nach Produktion/Band):
Welche Infos sind für die Locals/Ton Techs vor Ort wichtig?
- Ansprechpartner der Band (im Vorfeld UND am Showtag, wenn sich das unterscheiden sollte!)
- Mangement der Band (für gegebenenfalls Rücksprachen)
- Musiker/Crew, wer ist auf/neben/vor der Bühne dabei (Band, Crew etc.)
- Bühnenaufbau (z. B. wer steht wo, was wird benötigt, Backdrop etc.)
- Zeitplan (am Veranstaltungstag)
- Sound (was wird benötigt an PA, Pult, Leitungen etc.)
- Frequenzmanagement (nutzt ihr Sendeanlagen)
- Strom (was zieht ihr an Leistung und wo benötigt ihr diese?)
- Backline (Was steht auf der Bühne, was wird. gegebenenfalls benötigt?)
- (Local) Crew (wen bringt ihr mit, wen benötigt ihr gegebenenfalls vor Ort?)
- Soundcheck (wie lange braucht ihr für Aufbau, Soundcheck etc.)
Grundsätzlich solltet ihr darauf achten, dass der Technical Rider übersichtlich, vollständig (aber nicht zu ausführlich) und eindeutig ist. Im Verlauf einer Veranstaltung gibt es immer unerwartete Schwierigkeiten, darum sollte man darauf achten, dass alle vermeidbaren Missverständnisse etc. im Vorfeld beseitigt werden. Achtet also auf eine saubere Formatierung, klare, verständliche Formulierungen und vermeidet unnötige Details oder Witze (die haben in Ridern nichts verloren: Hier ist Business angesagt!).
Ihr könnt euch auch immer fragen: Was würde mir fehlen oder mich nerven, wenn ich dieses Dokument von jemand anderes geschickt bekommen würde?
WICHTIG: Gebt eurem Technical Rider eine Versionsnummer und ein „zuletzt aktualisiert“-Datum. Spielt ihr beispielsweise erneut in einem Club, der Tech hat zufällig noch den alten Rider und euer Rider hat sich verändert, können so Verwechselungen vermieden werden!!!
Der Technical Rider im Detail
Gehen wir die einzelnen Unterpunkte einmal durch:
Ansprechpartner der Band
Wie schon gesagt: Gute Kommunikation ist das Wichtigste in der Zusammenarbeit. Deshalb ist es unglaublich wichtig, dass klar ist, mit wem als erster Ansprechpartner gesprochen werden muss (in unserem Beispiel für technische Fragen). Schreibt also in den Technical Rider euren Tourmanager (wenn vorhanden) oder das Bandmitglied, das sich bereit erklärt, die technische Kommunikation, Organisation vor Ort zu übernehmen. Es sollte jemand sein, der/die sich mit der Materie auskennt und gute kommunikative Skills mitbringt und auch in stressigen Situationen die Ruhe behalten kann!
Schreibt auch klar auf den Technical Rider, ob die Person auch im Vorfeld oder nur am Showtag zuständig und vor Ort ist! Sollten das zwei unterschiedliche Personen tun, beide Kontakte angeben mit Hinweis, wer wann zuständig ist. An Informationen zu dieser Person reicht es folgendes anzugeben:
Vorname Nachname, Funktion/Job, Mobilfunknummer, E-Mail-Adresse
Management der Band
Habt ihr ein Management, das an der Organisation von Veranstaltungen beteiligt ist, empfiehlt es sich auch dieses kurz zu nennen. Auch hier in der Form Vorname, Nachname, Funktion/Job, Mobilfunknummer, E-Mail-Adresse
Musiker & Crew
Unter diesem Punkt nennt ihr die Namen aller Personen, die auf/vor/neben der Bühne tätig sind und mit euch reisen. Hierzu zählen alle Musiker und Musikerinnen, Techs, wie FoH- & Monitormischer, Backliner, Tourmanager. Wichtig: Nennt die Namen immer mit Funktion auf Tour! Handelt es sich um einen Tech Rider und es gibt beispielsweise einen gesonderten Rider für Merch, gehören auf den Rider für die Ton-Tech nur die Leute, die mit ihm interagieren! Wichtig: Hier keine Kontaktdaten wie Handynummern oder Mails angeben, da sonst zu viele Kommunikationswege geöffnet werden.
Diese Liste dient dazu, dass die Locals einfacher wissen, wer das alles eigentlich ist, die da auf ihrer Bühne unterwegs sind und ggf. auch Leute mit Namen ansprechen können.
Bühnenaufbau
Dieser Punkt umfasst Aspekte wie mindeste Bühnengröße (bitte realistisch bleiben!), braucht ihr ggf. Riser (für Drums, Keyboards etc., Anzahl und genaue Größe angeben), hängt ihr ein Backdrop auf (wenn ja, welche Größe hat es), wo stehen die Musiker auf der Bühne, wo stehen die Backliner, braucht ihr Mojos, Wellenbrecher etc.?
Bei Outdoor-Veranstaltungen sollte man darauf schreiben, dass die Bühne wetterfest und sicher sein muss. (Ist an sich logisch, aber man erlebt immer wieder Dinge).
Um den Aufbau auf der Bühne aufzuzeigen, hilft eine 2D-Skizze aus der Vogelperspektive. Diese sollte möglichst einfach zeigen, wo wer steht, was die Person macht und was dort benötigt wird:
Nutzt ihr Abkürzungen (wie im Beispiel), fügt unbedingt eine Legende dafür an, zum Beispiel:
IE = In Ear Monitoring
LV = Lead Vocals
etc.
Benennt die Seiten der Bühne eindeutig. Zum Beispiel: Stage right – left oder House left – right. „Stage“ benennt dabei die Sicht von der Bühne ins Publikum, während „House“ die Ansicht von Seiten des Publikums auf die Bühne benennt.
Zeitplan
Der Zeitplan des Showtages kann, muss aber nicht Teil des Technical Riders sein. Es hilft aber, die Zeiten gesammelt an einem Ort zu haben, wenn sie schon ausgemacht sind. Hierzu zählen Punkte wie:
- Get in Crew (wann kommt die Crew an)
- Load in (wann wird ausgeladen)
- Setup (wann wird aufgebaut)
- Soundcheck (wann wird gecheckt)
- Lunch/Dinner (wann gibt es etwas zu essen, was ist wichtig, weil dann der Soundcheck beendet sein muss)
- Doors/Einlass (wichtig, weil dann der Soundcheck beendet sein muss)
- ggf. Change over (Umbauzeiten zwischen verschiedenen Bands auf der gleichen Bühne, zum Beispiel bei Festivals)
- Showtime (wann geht es los?)
- Pause
- Showende
- Abbau
- Load out (Bus laden)
- Curfew (da müssen alle aus der Venue raus!)
Sound
Unter diesem Punkt muss klar genannt werden, was die Band an Sound-Technik vor Ort benötigt. Also zum Beispiel eine PA, Monitorboxen/Wedges, CAT-Leitung für Digitalpult, Mischpult etc.
Bringt ihr eigene Pulte mit (FoH & Monitor), nennt das hier! Braucht ihr eine oder mehrere CAT-Leitung(en) für eigene Pulte, schreibt die maximale Länge rein (z. B. Behringer, Midas Pulte haben ab 50 Meter zum Teil ohne Verstärker Probleme) und wo ihr die Leitung auf der Bühne benötigt (sprich: Wo steht die digitale Stagebox?).
Frequenzmanagement
Sehr wichtiger und oft vergessender Punkt! Heutzutage nutzen immer mehr Bands Wireless-Systeme für In Ear, Mikrofone oder Instrumente. Gerade Sänger, Gitarristen und Bassisten spielen lieber ohne Kabel am Instrument oder Mikrofon, um sich freier bewegen zu können.
Auch wenn eure Frequenzen im jeweiligen Land zugelassen sind (bei Auslandstouren IMMER checken!) kann es sein, dass die Venue oder das Festival diese schon anderweitig verwendet. Schreibt also auf den Technical Rider, mit welchen Frequenzen/Frequenzbändern ihr senden wollt. So hat der Tech vor Ort eine Chance, verschiedene Frequenzen von euch mit denen vor Ort abzugleichen und ggf. Änderungen bei euch oder bei sich anzuleiern!
Strom
Was benötigt ihr an Strom? Hier sollte aufgeschrieben sein, welche Leistung benötigt wird und in welcher Steckerart diese übergeben werden sollte. Also z. B. Schuko (Schutzkontakt).
Rechnet immer einen Puffer ein und geht nicht an die Grenze! Gegebenenfalls getrennte Stromkreise für Licht angeben (Ausnahme, dass Licht im Ton Rider auftaucht)!
Markiert die Stellen der Stromübergabe auf dem Stageplan (s.o.) im Technical Rider.
Backline
Schreibt hier auf, ob ihr Backline-Sharing zum Beispiel auf Festivals mitmacht oder nicht. Wenn ihr etwas braucht, wie etwa Gitarrencabinets oder Keyboardständer, dann schreibt das hier rein!
Solltet ihr keinen eigenen Tontechniker/FoH dabei haben und auf den örtlichen Mitarbeiter angewiesen sein, schreibt hier unbedingt genau auf, was ihr alles mitbringt, damit man weiß, was an Arbeit für Verkabelung und Mikrofonie ansteht. Dazu gehört zum Beispiel auch die Anzahl der Schlagzeuginstrumente (1x Kick, 2x Snare, 3x Tom, 1x Hat, 6x Cymbal, 1x Cajon). Gleiches gilt für alle anderen Instrumenten- und Gesangsgruppen! Mikrofoniert ihr selbst oder braucht ihr die Mikros vom Haus? Auch das gehört in den Ton-Rider!
Habt ihr einen oder mehrere Backliner, Guitar Techs dabei, schreibt im Technical Rider auf, wo diese stehen und wie viel Platz sie dort benötigen!
(Local) Crew
Schreibt hier auf, wen ihr an Crew dabei habt bzw. benötigt. Also beispielsweise „FoH benötigt“. Auch wenn ihr zwar eine Crew dabei habt, aber Aus-/Einladehelfer („Hands“) braucht, notiert das hier.
Soundcheck
Nennt die realistische Zeit, die ihr zum Aufbauen und Soundchecken braucht (ggf. überflüssig, wenn schon ein Zeitplan erstellt wurde und unter „Timetable“ abgehandelt wurde).
Ich hoffe, ich konnte ich mit diesem kleinen Auszug helfen. Diese Punkte und viele weitere sind sehr wichtig, um einen möglichst reibungslosen Ablauf von Veranstaltungen, wie Konzerten oder Festivalgigs zu gewährleisten.




































Sehr guter und ausführlicher Artikel.
Nur ein kleiner Fehler: Der Tourmanager ist nicht für den technischen Aspekt einer Veranstaltung verantwortlich, das macht der Productionmanager.
Der Tourmanager ist der Vertreter des Managements auf Tournee und kümmert sich hauptsächlich um Bandbelange, gerne auch in Absprache mit dem Produktionsleiter. Vielleicht muss der Soundcheck etwas verschoben werden, da es technische Probleme gab z.B.
Ansonsten reist er mit der Band und sorgt dafür, dass seine Schäfchen rechtzeitig bei Terminen landen. Dazu gehören Interviews, Meet-n-Greet, Flüge etc.
Die wichtigste und oft vollkommen unterschätzte Voraussetzung für einen TR ist, dass die Zielpersonen ihn lesen und verstehen. Bei Club-Auftritten ist es mir mehr als einmal passiert, dass der TR vollkommen ignoriert wurde, weil man sowas noch nie gesehen hatte und überhauptnichts damit anzufangen wusste. Irgendwie konnten wir die Konzerte immer spielen aber einmal hätten wir beinahe wieder abreisen müssen, weil so exotische Dinge wie PA-Boxen, Mischpult und Tontechniker nicht vorort waren.
@Mac Abre Dass Leute nicht mehr lesen, ist leider ein allgemeines Problem.
Aber was kann man daran nicht verstehen, wenn man schon mal ein paar Tage in einer Event-Location verbracht hat? Da stehen schließlich keine Formeln aus der Elektrotechnik drin, sondern direkt nachvollziehbare Anforderungen.