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Test: Sterling by Music Man Sabre, E-Gitarre

Multiflexibles Rockwerkzeug

12. Dezember 2023
Sterling by Music Man Sabre

Sterling by Music Man Sabre

Die Sabre ist eine weitere feine E-Gitarre des amerikanischen Herstellers Music Man, die quasi ihren zweiten Frühling erlebt. Es gab sie nämlich schon einmal, genauer gesagt waren es die Jahre 1978 bis 1980, in denen das gemeinsam von Leo Fender und George Fullerton entwickelte Instrument den Markt belebte. Dann war es gut vierzig Jahre still um die Sabre, ehe Music Man eine Replika ihres Klassikers präsentierte, die sich nun fest im Sortiment des Premiumherstellers aus San Luis Obispo befindet. Ich hatte bereits die Gelegenheit, diese Gitarre ausgiebig zu testen, mit einem KLICK HIER gelangt man direkt zum Artikel. Die Sterling by Music Man Sabre ist eine Kopie des US-Modells aus indonesischer Fertigung und deutlich günstiger, auch wenn man nicht gerade von einem Schnäppchen reden kann. Wir haben uns ein Testmodell im „Cobra Burst“ Finish zukommen lassen, das wir nun genau betrachten werden.

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Sterling by Music Man Sabre

Sterling by Music Man Sabre – Facts & Features

Zugegeben, auf den ersten Blick scheint zwischen dem Original und unserer Sterling kein großer Unterschied zu liegen. Beim Betrachten der Spezifikationen beider Instrumente klärt sich das Bild jedoch schnell auf und zeigt in so gut wie allen Bereichen Abweichungen – irgendwie muss der um mehr als die Hälfte reduzierte Preis ja seinen Ursprung haben. Die Differenzen beginnen beim Korpus, der bei unserer Sterling im Gegensatz zur US-Version aus Nyatoh anstatt aus Okoume hergestellt wurde. Gut, selbst Okoume klingt jetzt nicht ganz so vertraut wie etwa die Bezeichnungen der klassischen Tonhölzer Mahagoni, Ahorn oder Esche. Es zeigt aber, dass man bei Music Man durchaus bereit ist, nach Alternativen Ausschau zu halten, um somit im Endeffekt ressourcenschonender produzieren zu können. Natürlich bei gleichbleibend hoher Qualität.

Nyatoh ist also das Holz der Wahl für den Korpus unserer Sterling-Sabre und während man beim US-Modell auf eine Riegelahorndecke in Premiumqualität blicken darf, muss man bei der Sterling mit einem Furnier auskommen. Die Illusion einer „echten“ Decke ist dennoch gut gelungen und man muss wirklich schon ganz genau hinschauen, um hier den Unterschied zu entdecken. Die Rückseite des Korpus wurde schlicht schwarz lackiert, dort befinden sich zudem die Abdeckungen für das Vibrato, die Elektronik sowie ein Batteriefach, das die für den Betrieb der Fishman-Pickups nötige 9 V Batterie aufnimmt. Sowohl die zwei Kunststoffabdeckungen als auch das Batteriefach wurden leider nicht versenkt eingesetzt, somit kann es an der einen oder anderen Stelle dann und wann vielleicht mal etwas klemmen oder haken.

Roasted Maple Neck & Griffbrett

Music Man gilt als Pionier in der Wärmebehandlung von Ahornhälsen, die im Fachjargon als „Roasted Maple Neck“ bezeichnet werden. Mittlerweile ist dieses Feature selbst in den untersten Preisregionen vieler Hersteller angekommen. Mal heißt es „Caramelized“, mal wird es „Baked“ genannt, gemeint ist aber immer dasselbe Verfahren, mit dem das Holz durch Wärme seine kaffeebraune Färbung annimmt und zugleich an Stabilität und Resonanzverhalten gewinnen soll. Auch an unserer Sterling by Music Man Sabre finden wir einen solchen Hals, der mit fünf Schrauben im Korpus verankert wurde. Aufgeleimt wurde ein ebenfalls wärmebehandeltes Stück Ahorn als Griffbrett, in dem 22 absolut sauber verarbeitete Stainless-Steel-Bünde Platz genommen haben. Das Halsprofil präsentiert sich als typisch Music Man: Mit einem 12″ Radius zwar recht stark gewölbt, aber dennoch traumhaft komfortabel bespielbar. Das liegt auch an der matten Satinlackierung auf der Oberfläche, mit der der Greifhand ein sehr natürliches Spielgefühl ohne die Gefahr des Anklebens bei Feuchtigkeit vermittelt wird.

Sterling by Music Man Sabre Griffbrett Fretboard

Sterling by Music Man Sabre Griffbrett

Fishman Fluence Pickups

Neben gerösteten Ahornhälsen scheinen die Fluence-Pickups von Fishman aktuell voll im Trend zu liegen. Nicht nur unsere Sterling wurde mit diesem Set aus zwei Humbuckern bestückt, auch andere namhafte Hersteller setzen diese Pickups in die Decke ihrer Instrumente ein. Darunter ESP/LTD, Cort und sogar Ibanez, die ja selbst viel Zeit und Geld in die Produktion eigener Tonabnehmer investieren. Und da ist was dran, auch ich durfte mich bereits bei einigen Testinstrumenten mit diesen aktiven Pickups beschäftigen und die Resultate waren immer sehr positiv und zum Teil mehr als überraschend. Denn mit ihren zwei per Push-Pull-Potis schaltbaren Voicings bieten die beiden Doppelspuler neben einer Menge Druck ein extrem ausgeglichenes Frequenzspektrum, das sich gut durchzusetzen weiß und faktisch frei von Nebengeräuschen seinen Raum erhält. Und wenn so etwas bei wesentlich günstigeren Gitarren schon so gut funktioniert, dann sollte es doch auch im Bauch der Sterling by Music Man Sabre ebenso möglich sein – oder? Ist es, dazu aber später mehr. Ausgewählt werden die Fishmans über einen Dreiwegeschalter und besagte Push-Pull-Potis, die grundsätzlich die Lautstärke und die Klangfarbe steuern.

Sterling by Music Man Sabre Cobra Burst B-Stock
Sterling by Music Man Sabre Cobra Burst B-Stock Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Modern Tremolo & Locking Tuner

Die komplette Hardware wurde schwarz lackiert, was den „holzigen“ Look der Gitarre um stimmige Akzente ergänzt. Ein auf zwei Bolzen ruhendes und vom Hersteller schlicht als „Modern Tremolo“ bezeichnetes Vibratosystem im Vintage-Style übernimmt die Aufnahme der Saiten, die über einen 42 mm schlanken Sattel zu den sechs Klemmmechaniken an der Kopfplatte geführt werden. Der Vibratoblock liegt plan auf der Decke auf, insofern sind nur Bewegungen des Hebels nach vorne möglich. Das ist schade, schränkt es doch die Performance gegenüber einem schwebenden System deutlich ein. Aber vielleicht ist es auch besser so, denn schon bei dezentem Einsatz des Hebels, obwohl das Wort „dezent“ bei den fast bis zum Anschlag gespannten Federn im Vibratofach vielleicht etwas untertrieben klingt, zeigen sich deutliche Verstimmungen und der Griff zu den Mechaniken wird danach eher früher als später nötig. Die sechs Klemmmechaniken laufen leider etwas zäh und nicht ganz frei von Spiel auf ihren Achsen und sind damit sicherlich ein Teil dieses Problems. Das ist sehr schade, überzeugte die Sterling by Music Man Sabre bis hier hin doch als solide gefertigte und gut ausgestattete Gitarre in einem attraktiven Gewand. Aber mal schauen, ob die Sterling-Sabre beim Klang wieder Boden gutmachen kann.

Sterling by Music Man Sabre Mechaniken Tuner

Könnte besser laufen – Klemmmechaniken an der Kopfplatte

Sterling by Music Man Sabre – in der Praxis

Die Kombination aus Nyatoh Korpus und dem „überbackenen“ Ahornhals scheint gut zu funktionieren, so bietet die Sterling by Music Man Sabre bereits im unverstärkten Zustand ein knackiges, drahtiges Klangbild mit einem guten Attack sowie einem ausgewogenen Sustain. Das Fishman-Fluence-Duo verrichtet auch an dieser Stelle wieder einen herausragenden Job. Eigentlich kaum zu glauben, dass ein Hersteller, der eigentlich für seine Akustik-Pickups bekannt ist, ein dermaßen überzeugendes Produkt für elektrische Gitarren auf den Markt wirft. Das Repertoire der beiden Humbucker reicht von glasigen und glockigen Cleansounds, über dynamischen Crunch, bis hin zu präzise gestaffelten und differenzierten Riff-Orgien mit viel Gain auf dem Steg-Humbucker. Dabei sorgt die aktive Elektronik für ein enorm niedriges Rauschspektrum und dafür, dass bei Absenken des Volume-Potis keinerlei Verluste in puncto Klangfülle oder Dynamik hingenommen werden müssen. Und das freut ganz besonders die Saitenzupfer unter uns, die gerne mit einem guten Röhren-Amp am anderen Ende des Kabels interagieren möchten.

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Sterling by Music Man Sabre – Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele wurde ein Mesa/Boogie Studio 22+ Combo sowie ein AKG C3000 Mikrofon zur Aufnahme verwendet.

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Fazit

Schon verrückt, dass die Fishman Fluence-Pickups auch im Bauch der Sterling by Music Man Sabre so gut funktionieren und die Gitarre so mit einem Klangspektrum ausrüsten, das sich vom Funk- oder Blues-Gig bis hin zur Metal-Schlacht erstreckt. Der Rest ist aber auch nicht ohne und man bemerkt schon, dass das Mutterhaus in San Luis Obispo genau ein Auge darauf wirft, wer oder bzw. was den Namen „Music Man“ tragen darf. Wäre nicht der Fauxpas mit der Hardware, dann würde die Bewertung sicher besser ausfallen.

Plus

  • flexibler Klang dank Fishman Fluence Pickups
  • insgesamt gute Verarbeitung
  • komfortables Spielgefühl
  • attraktive Optik

Minus

  • Qualität Hardware

Preis

  • 1.799,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Sven Blau AHU

    Bei Kritkpunkten zum Thema „Stimmstabilität Vibrato“ frage ich mich immer, ob sich der Tester die Mühe gemacht hat, das Vibrato bzw die Gitarre einzustellen.

    Ich kenne kein Vibratosystem, was ohne Setup verstimmungsfrei funktioniert (maximal ein gutes Bigsby, wenn der Sattel und der Steg ordentlich sind), und ich hatte auch noch nie eine Gitarre die vom Werk kam in den Händen, wo das sofort verstimmungsfrei eingestellt war.

    Insofern wäre es für einen Testbericht IMO neutraler, wenn man schreibt:

    „Das Vibrato an sich ist funktionsfähig, die Hardware wertig. Dennoch benötigt das System definitiv Setup, damit es zur Spielweise des Nutzers passt und verstimmungsfrei im Rahmen seiner Konstruktion funktioniert.“

    Das man nicht mit jedem Vibrato bauartbedingt Divebombs machen kann, sollte klar sein.. aber dennoch..

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