Gitarren Tutorial: Hybridpicking lernen (Chicken picking)

25. Februar 2018

Plektron nutzen für Hybridpicking

In diesem Gitarren-Workshop wollen wir euch eine Anschlagstechnik näher bringen, die enorme Vorteile in Flexibilität, Sound und Geschwindigkeit ermöglicht. Für das sogenannte Hybrid-Picking benötigen wir das Pick und die Finger der rechten (bei Linkshändern linke) Hand. Wir erzeugen gleichfalls neue und lebendige Klangfarben in unserem Spiel, da die Finger einen anderen Sound als das Pick generieren.

„Chicken picking“ – mit Plektron spielen

Hybridpicking oder ursprünglcih „Chicken picking“ genannt, ist eine Spieltechnik bei der ein Plektrum zum härteren Anschlag von Melodien und Bassnoten verwendet wird.

Durch cleveren Einsatz des Hybridpickings können wir die Saiten schneller anschlagen, als es mit dem Pick möglich wäre und auch schnell vom Strumming in das Spielen von Single Note Lines zu wechseln, weil das Plektrum ja in der ursprünglichen Position bleibt. Theoretisch wäre natürlich alles auch mit dem Plektrum spielbar, aber der Aufwand an Bewegung wäre höher und damit das Risiko größer, unexakt zu werden.

Praktisch erweist sich der Einsatz der Hybridtechnik immer wieder als großer Vorteil, da die Anschlagshand stets relativ ruhig bleibt. Ich persönlich bin ein Jünger dieser Technik und lernte diese bereits früh, um in einer professionellen Countryband authentisch zu klingen. Klanglich ist die Hybridvariante für meinen persönlichen Geschmack, dem ausschließlichen Gebrauch von abwechselndem Auf- und Abschlag (Alternate-Picking) vorzuziehen. Auch bei nur gelegentlichem Einsatz hebt sie das Spiel auf höheres Niveau. Aber dies müsst ihr natürlich nach eurem persönlichen Geschmack selbst entscheiden, nachdem ihr euch damit auseinandergesetzt habt.

Am besten, wir fackeln nicht lange und fangen einfach an, dann wird schnell klar, wie die Geschichte funktioniert und klingt. Das kleine i steht für Index-, also Zeigefinger, m bedeutet Mittelfinger, ansonsten verwenden wir die bekannten Symbole für Ab- und Aufschlag. In den Audiodateien könnt ihr euch alle Licks sowohl erst langsam, als auch schnell gespielt in Ruhe anhören.

Eine gute Übung, sich mit der Technik erst mal vertraut zu machen, ist die folgende:

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Hierbei muss unbedingt auf eine gute Notentrennung geachtet werden. Die Noten sollten legato, d.h. gebunden abgearbeitet werden. Ein gleichzeitiges Erklingen von mehr als einer Note ist (in diesen Beispielen zunächst) zu vermeiden. Demzufolge müsst ihr beim Saitenwechsel immer wieder mit dem Pick bzw. den Fingern an die Saite zurückkehren und diese damit muten. Somit entsteht eine stets abwechselnde Bewegung zwischen Pick und Mittelfinger. Es können natürlich je nach Situation auch durchaus mehrere Finger zum Einsatz kommen.

Spielen mit dem Plektron und den Fingern

Diese soeben beschriebene Bewegung ist der Kern dieser Technik, kehrt ständig wieder und muss sauber beherrscht werden, damit der richtige Flow in das Spiel kommt. Da es sich für den einen oder anderen vielleicht um eine gänzlich neue Spieltechnik handelt, übt man die Beispiele idealerweise im Schneckentempo zum Metronom. So langsam, dass man dabei noch die nachfolgende Bewegung vorausdenken kann. Dabei kann man ganz in Ruhe die Feinheiten des Spiels kontrollieren und ggf. optimieren.

Schneller zu spielen als zu denken führt, von gelegentlich sehr glücklichen Ausnahmen einmal abgesehen, ins Chaos und ist der Feind eines bewussten und exakten Spiels. Dieser Hinweis ist zweifellos nicht neu, aber dennoch zutreffend. „Fuddeln“ ist letztendlich Zeitverschwendung und sollte mit einer Einzahlung in eine „Fuddelkasse“ bestraft werden! Dann käme am Jahresende sicherlich ein schöner Betrag zustande, von dem man sich dann z.B. neues Equipment zu Weihnachten schenken könnte.

Anbei Lick 1 mit Auftakt:

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Wie ihr sicherlich bereits festgestellt habt, sind auch gelegentlich auftretende Hammer-Ons und Pull-Offs integriert, die die Licks noch etwas flüssiger machen.

Ein weiteres Lick über einen E7 bzw. Em7 Akkord.

Lick 2

— Lick 2 – über E7 oder Em7 —

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Das folgende Lick startet genau wie das vorige, da wir aber nach G auflösen, eignet es sich in einem Countrykontext über G-Dur. Die Note b, bzw. engl. Bb (also die kleine Terz, b3 von G), auf die Zählzeit „2 und 3 und“ schafft gewollt einen kurzen Moment der Verwirrung, löst sich dann aber unmittelbar in die Durterz auf. Das erzeugt ein Bluesfeeling und macht das Lick erst interessant. Schön ist hier die Reibung der kleinen und großen Terz von G, die auf verschiedenen Saiten gespielt werden.

Lick 2 neu

— Lick 3 – tricky —

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Hier wieder ein bluesiges Lick mit der verminderten Quinte (b5). Auch hier kommt die alternierende Bewegung zwischen Plektrum und Mittelfinger wieder schön zum Einsatz:

Blues E7

— Lick 4 —

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Zum Schluss ein extrem ausgefuchster Countrylick, bei dem neben dem Pick sowohl der Zeige- (i), als auch der Mittelfinger (m) involviert ist. Diese frech und witzig klingende Phrase empfiehlt sich als Schlusslick in einem Country- bzw. Blueskontext über E7.

Lick 5 neu

— Lick 5 – extrem ausgefuchst —

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Hierbei macht es Sinn, die Noten sogar etwas ineinanderfließen zu lassen, also nicht strikt zu trennen.

Wir hoffen, dass euch der Workshop gefallen hat. Es wäre schön, wenn wir das Interesse für das Hybridpicking wecken bzw. intensivieren konnten und wünschen nun viel Spaß beim Üben!

Hybrid Picking Tutorials on YouTube

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Danny Who  AHU

    Danke für die innovative Technik. Aber wäre es nicht statt nur der vielen trockenen Worte besser, diese auch in einem kleinen Video zu veranschaulichen? Das hielte ich didaktisch viel effektiver. Kollege Benno Sattler hat das bspw. für die Drums immer sehr toll gemacht.

  2. Profilbild
    janschneider  

    Öh… warum gibt es ausgerechnet zur Übung 1, die die Grundlage der Technik vermitteln soll, keine Tabs oder Noten? Natürlich kann ich mir das auch raushören, aber so rein didaktisch bringt das keinen Sinn…zumal alle anderen Beispiel mit Tabs versehen sind.

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