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Test: SPL Transient Designer 4 Mk2, Dynamikprozessor

Ein Klassiker im neuen Gewand

28. Juli 2023
spl transient designer 4 mk2 test

SPL Transient Designer 4 Mk2, Dynamikprozessor

Der SPL Transient Designer 4 MK2 ist die überarbeitete Version des bekannten und erfolgreichen SPL Dynamikprozessors, der schon seit vielen Jahren fester Bestandteil im Portfolio des deutschen Unternehmens Sound Performance Labs mit Sitz in Niederkrüchten nahe der niederländischen Grenze ist. Den Transienten Designer von SPL gibt es schon seit Anfang der 2000er-Jahre – und 2004 hatten wir die Urversion sogar schon einmal in einem A;MAZONA.de Test. Das Upgrade auf die MK-2 Version ist doch ein schöner Anlass, sich das Gerät mal wieder anzusehen!

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SPL Transient Designer 4 MK2: Worum geht es?

Nun, es geht um Transienten – des Toningenieurs liebstes Kind. Warum? Wenn man sich diverse Berichte von Tonstudios und berühmten Tontechnikern ansieht, dann wird dieser Begriff „Transiente“ sehr oft als Beurteilungsmaßstab für die Qualität von Geräten herangezogen. D/A-Wandler, Mikrofone, Lautsprecher, Preamps – wenn das Studiogerät eine saubere und klare Wiedergabe der Transienten hat, dann ist das schon mal ein guter Anfang.

Aber was sind diese „Transienten“ eigentlich?

Transienten – oder auch Attack genannt – sind die kurzen, perkussiven Einschwingvorgänge eines Klangs. Ein klassisches Beispiel ist die Trommel: Der Klang, wenn der Schlägel das Fell trifft, ist die Transiente. Bei der Gitarre ist es der Klang des Pleks auf der Saite oder bei einer Trompete das Anblasgeräusch. Die Nachklingphase des Impulses, wie das Ausschwingen des Fells einer Trommel, wird Sustain genannt.

SPL_TD4-MK2-Kurven

Auf unser Gehör hat die Transiente einen großen Effekt: Laute, klare Transienten verbessern die Verständlichkeit und lassen ein Schallereignis transparenter klingen. Durch das Betonen der Transiente wird der Klang akustisch in der Vordergrund gebracht. Langsame, leise Transienten machen den Klang weicher und harmonischer.

Wie wird das Spiel mit den Transienten im Mix oder Mastering eingesetzt?

Habe ich einen sehr dichten Mix mit vielen Instrumenten, so kann ich mit der Betonung des Attacks beispielsweise die Gitarre in den Vordergrund schieben. An der Snaredrum kann ich so die Ghostnotes hervorheben. Beim Flügel kann ich den Klang perkussiver machen und die Eigengeräusche des Instruments betonen.

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Ein guter Toningenieur überlegt sich genau, was im Track dominanter klingen soll, denn nur durch eine gezielte Betonung einzelner Spuren kann man vermeiden, dass der Mix nicht zu „unübersichtlich“ klingt und den Hörer überfordert. Andererseits kann man so schöne Akzente setzen und das Ergebnis interessanter machen. Es gilt also, nicht zu viele Instrumente mit dem Attack nach vorne zu schieben

Das alles geht doch auch mit einem Kompressor oder De-Esser?

Jein – wie immer in der Musik gilt: Viele Wege führen nach Rom. Der Kompressor hat zunächst einmal einen ähnlichen Detektor, wie der Transienten-Designer – der Unterschied liegt darin, dass der Kompressor abhängig vom eingestellten Threshold arbeitet und der Transient Shaper das Signal unabhängig vom Schwellwert bearbeiten kann. Dadurch ist dieser ein echter Spezialist für die Balance zwischen Attack und Sustain und im Kontrast dazu soll der Kompressor den Klang (primär) nicht verändern, sondern nur nach vorne bringen.

spl deesser mk2

SPL DeEsser Mk2

Der De-Esser wiederum arbeitet frequenzabhängig und sucht sich die Zischlaute (Sibilanten) heraus, um diese – üblicherweise – zu reduzieren. De-Esser werden fast ausschließlich auf den Gesangsspuren verwendet, während Transient Shaper und Kompressor für alle Tracks geeignet sind.

Die Ausstattung des SPL Transient Designer 4 MK2

Der Transient Designer 4 Mk2 hat eine 4 mm dicke, schwarz eloxierte Aluminium-Frontplatte und massive, aus dem Vollen gefräste Aluminium-Knöpfe. Das Gehäuse ist aus hochwertigem Stahl gefertigt und in edlem Schwarz pulverbeschichtet. Das Gerät ist im 19 Zoll Rackmount-Format mit einer Höheneinheit und wiegt 3,3 kg.

SPL_TD4-MK2_Front-gallery

Es bietet die Transientenbearbeitung für vier Kanäle – jeder davon hat auf der Front einen Attack- und einen Sustain-Regler. Im Attack lässt sich die Einschwingphase um ±15 dB einstellen und der Sustain kann um 24 dB verstärkt oder abgesenkt werden. Mit dem beleuchteten „ON“-Schalter wird der Kanal aktiviert: Eine Relais-Hard-Bypass-Schaltung verhindert das Knacken der Lautsprecher beim Schaltvorgang. Über dem ON-Schalter ist eine Signal-LED, die anzeigt, wenn der Eingangspegel über -20 dB liegt.

Für den Einsatz im Stereobetrieb lassen sich die Kanäle 1&2 und 3&4 verlinken.

SPL_TD4-MK2_Link

Rückseitig ist das Ganze ebenso übersichtlich: Je ein Pärchen symmetrischer XLR-Buchsen pro Kanal, ein Groundlift-Schalter und die Kaltgerätbuchse. Leider ist auch bei diesem Gerät der Netz-Schalter ausschließlich auf der Rückseite zu finden.

SPL_TD4-MK2_Rear_galleryt

Die Verarbeitung ist – SPL typisch – auf allerhöchstem Niveau. Das Gehäuse, die Regler und Schalter: alles von bester Qualität, ebenso wie die doppelt verschraubten XLR-Buchsen. Das neue, sehr attraktive Design fügt sich sehr gut in ein modernes Tonstudio ein.

SPL_TD4-Mk2_SPL6632-2048x1152

Hier noch ein Blick auf die wichtigsten technischen Daten des Transient Designer 4 Mk2, die (natürlich) allesamt ohne jeglichen Makel sind:

  • maximaler Eingangspegel 21 dBu
  • Eingangsimpedanz 22 kOhm
  • maximaler Ausgangspegel 21 dBu
  • Ausgangsimpedanz 100 Ohm
  • Gleichtaktunterdrückung (1 kHz) 80 dB
  • Frequenzgang (-3 dB) 10 Hz – 100 kHz
  • THD + N (0 dBu, 10 Hz – 22 kHz) -90 dB
  • Rauschen (A-bewertet) -97 dB
  • Dynamikumfang 118 dB
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SPL Transient Designer 4 Mk2
SPL Transient Designer 4 Mk2 Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Was gibt es am Transient Designer zu kritisieren?

Leider ist die MK2 Version genau genommen nur ein Design-Update und man hätte die Gelegenheit nutzen können, ein paar kleine, aber feine Optimierungen zu machen. Die API 500 Version TDx von SPL hat beispielsweise einen MIX-Regler, für eine Art „Paralleltransientenshaping“. Auch einen Output-Regler sucht man vergebens, was ich aber bei dieser Gerätekategorie verschmerzen kann.

SPL TDx API 500

Und liebe Hersteller, hört meinen Apell: Auch oder insbesonders (!) ein 19 Zoll Gerät sollte einen Netzschalter auf der Front haben. Der Umwelt zuliebe könnte ich so nicht genutzte Geräte einfach ausschalten. Einzeln schaltbare Steckerleisten sind zwar eine Lösung, aber sie nehmen entweder einen Steckplatz weg oder Nerven auf dem Studiotisch.

SPL_TD4-MK2_Enclosure

Der Klang des SPL Transient Designer 4 MK2

Für die Klangbeispiele habe ich den SPL zwischen meinen SSL SiX Audiomixer und das Universal Audio Apollo X6 geschaltet. Am SiX sind das Lewitt LCT 640 TS Kondensermikrofon und das gute, alte Shure SM58 angeschlossen.

Sprache

Für den Voice-Test habe ich nur mit dem Lewitt-eigenen Poppschutz gearbeitet, der zwar nicht so wirksam ist wie ein Nylonfilter, aber dafür die Transienten besser durchlässt. Das Shure ist als dynamisches, sehr unempfindliches Gesangsmikrofon ohnehin grausam zu den Transienten. Deswegen schauen wir nach, wie man die Transienten des sehr transparenten Lewitt Mikros ein wenig dämpfen und beim Shure wollen wir diese nach vorne bringen:

Zuerst wurde der Text ohne SPL und dann mit aktiviertem Transienten Designer gesprochen. Die zu erwartenden Effekte sind sehr äugen…ohrenfällig. Das Klicken zwischen den Aufnahmen ist jeweils die Aktivierung der Effektes in den Insert des SSL SiX Mixers.

Musik

Im zweiten Beispiel habe ich eine Keyboardfläche mit meinem Roland Juno-X gemacht und ein paar Gitarrenakkorde darüber gespielt – aufgenommen mit dem Lewitt LCT140 Air Kleinkondensatormikrofon. Während der Tests war die Air-Funktion, also die leichte Anhebung der obersten Höhen aktiviert, um in den Beispielen die Hörbarkeit der Effekte zu verbessern. In den drei Durchgängen habe ich a) den SPL Transient Designer 4 MK2 einmal deaktiviert (bypass), die Transienten b) betont und c) reduziert.

Die Ergebnisse der Klangbeispiele sind sehr eindeutig hörbar: Es ist überzeugend, wie der TD 4 MK2 die Sprachverständlichkeit steigert oder zurücknimmt und wie sehr sich die Gitarre im sehr dichten Padsound des Roland durchsetzt oder integriert.

Bei allen Tests war die Bedienung des SPL eine Freude. Mit ein wenig Gewöhnung stellt man sich Attack und Sustain ein, wie bei einem Kameraobjektiv: Mehr Details oder mehr Harmonie.

Abschließend habe ich die Roh-Aufnahmen ohne SPL noch mit dem Universal Audio SPL Transient Designer Plug-in bearbeitet. Das Ergebnis überrascht nicht, denn klanglich liegen zwischen der Hardware und dem Plug-in nur Nuancen. Hier die Aufnahme im Vergleich: Nur Gitarre, mit Hardware ASPL und mit Plug-in:

Andererseits hat man mit der Maus nicht dieses „Fokusgefühl“ wie bei der Hardware. Am echten Regler überdreht man instinktiv den gewünschten Klang, um dann langsam und gefühlvoll zurückzunehmen, bis es passt. Bei der Mausbedienung klicke ich eher auf bestimmte Werte und horche, ob das Ergebnis überzeugt. Ohne eine DAW-Bedienkonsole (wie das SSL UC1 oder Softube) verändert man nacheinander den Attack und den Sustain, während man an der Hardware diese Parameter gleichzeitig verstellen und anpassen kann, was bei einem Transienten Designer sehr gut funktioniert.

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Fazit

Man hätte den SPL Transient Designer 4 MK2 im Rahmen des neuen SPL Design mit neuen Funktionen erweitern können und ich finde es auch etwas schade, dass man diese Chance nicht genutzt hat. Aber auch „nur“ im neuen Gewand ist und bleibt der Transienten Shaper von SPL ein exzellentes Gerät, welches in jedem Mix einiges an Möglichkeiten hinzufügt. Die Verarbeitung, die Bedienung und der Klang sind SPL-typisch über jeden Zweifel erhaben und so kann ich die neue MK2-Version des SPL Transienten Designer 4 jedem, der so ein Gerät noch nicht verwendet hat, wärmstens empfehlen: Gut!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • sehr hilfreich im Mixing
  • messtechnisch und klanglich top
  • einfache Bedienung

Minus

  • leider nur ein Design-Update
  • ON/OFF-Schalter auf der Rückseite

Preis

  • 1.149,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    xmario

    toll… besser wäre es anstatt mk2 versionen neue produkte zu bringen die eben zb auf dem alten aufsetzen. dann würden die vorgänger versionen gebrauchtmarkt preislich nicht entwertet werden.

    danke für garnichts spl..

    • Profilbild
      ollo AHU

      @xmario Wenn neue Produkte auf dem Alten aufsetzen, ist das doch auch dann quasi eine neue Version, macht also nach deiner Logik keinen Unterschied.

      Da sich dem Test nach aber ehh nur die Optik geändert hat, ist das ja Alles eher irrelevant.

      • Profilbild
        xmario

        @ollo glaub du hast nicht ganz verstanden worums mir geht und zwar generell.

        nochmal zum mitschreiben:
        setzt man wo mk2 drauf oder v2 verliert v1 sofort massivst an wert…!

        • Profilbild
          dflt

          @xmario aber hast du dir mk1 gekauft, weil du genau gesucht hast, was das gerät kann und es dementsprechend genutzt oder hast du es als wertanlage gekauft und ärgerst dich nun?
          so ganz verstehe ich dein problem nicht. im ersten fall kannst du es doch problemlos weiternutzen. im zweiten fall muss man halt einfach sagen, pech gehabt…

        • Profilbild
          network southwest

          @xmario Man kauft sich Equipment doch eigentlich, um eine bestimmte Soundvorstellung umzusetzen und im günstigsten Fall damit Spaß zu haben. Ich verstehe das Problem beim besten Willen nicht.

        • Profilbild
          xmario

          @xmario ja manche geräte verkaufe ich vielleicht wieder, manche sind auch gleichzeitig ne wertanlage. machen viele ganz genau so.

          jetzt als spl nen reinen facelift zu machen. das ding dann mk2 zu nennen und obendrein noch fett den preis zu erhöhen ist aus der perspektive unter aller sau.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Was Hardware-Enthusiasten entzückt, könnte Nutzer von VST-Plugins verwirrend zurücklassen. All das Geld, das für die Hardware und all ihre Nachteile ausgegeben wird, lässt sie sich fragen, ob sie mit ihren kosteneffizienten SPL-Softwarepaketen nicht einen cleveren Deal gemacht haben. Was soll ein „In-the-Box“-Musiker denken, wenn er das Plugin fünffach in seinem Projekt nutzt, alles einfach als Datei speichert und bei Bedarf schnell wieder lädt? Dies ist mit Hardware nicht umsetzbar. Aber warum existiert dann diese Hardware immer noch? Ist sie tatsächlich besser oder dient sie nur als Statussymbol für diejenigen, die sich leisten können, sie wie Bling-Bling in ihr Rack zu schrauben? Ist sie etwa das Goldkettchen des modernen Produzenten?

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