Test: SPL Transient Designer 4, Dynamik Prozessor

4. Mai 2004

Den Punch im Griff

Vorwort der Redaktion

Da steht man nun, ist Herausgeber eines Online-Magazins für Audioprodukte, und dachte man hat wirklich schon alles gehört! Hochmut kommt vor dem Fall – und dieser Fall kam fast einem Hörsturz gleich.

Musikmesse 2004, Halle 4.1, SPL Stand, Vorführung: Transient-Designer.

Es gibt Hörerlebnisse die sich in Worten nicht beschreiben lassen. Der Transient-Designer erzeugt genau solche. Darüber hinaus muss man den SPL-Transient Designer aber mit den eigenen Händen bedient haben, um die volle Wucht dieses Kraftpakets zu spüren.

Warum ich so kräftig auf die Pauke haue?
Ganz einfach, ich hatte im Juni 2002 den folgenden Test von Hagen Waechter gelesen und danach den SPL-Transient Designer in die Schublade “interessant aber nicht unbedingt notwendig” gesteckt. Fast zwei Jahre später konnte ich durch Zufall das Gerät zum ersten Mal selbst zum Einsatz bringen und war restlos begeistert.

Ich gebe es nur ungerne zu, aber der einzige Test der Ihnen die Qualitäten des SPL Transient-Designer vermitteln kann, steht nicht auf Amazona.de, sondern findet live im Laden statt.

Mit diesem Vorwort möchte ich ihnen nahelegen, dass Sie bei Ihrem nächsten Besuch im Musikladen, sich fünf Minuten Zeit gönnen und den SPL Transient Designer testen. Ob Drums oder Loops, dieses Produkt wird Sie süchtig machen. Und ganz nebenbei, ich habe noch nie ein Plug-In gehört, dass auch nur annähernd diesen Effekt erzeugt.

Schicken Sie uns doch ein paar Zeilen wenn Sie diesen Test live durchgeführt haben, die interessantesten Stories werden wir, mit einem Link zu ihrer Webseite, veröffentlichen:

Viel Spaß beim nun folgenden Test,

Peter Grandl / 2004

Wer nicht lange lesen will, der kann nach diesem Absatz den Rechner wieder ausmachen, denn dieses Gerät ist eine Dynamikwaffe, die jeder haben sollte, der mit Loops, Drums oder auch anderen separaten Instrumentenspuren arbeitet. Damit ist eigentlich alles wesentliche gesagt…
…aber trotzdem noch einige Sätze für diejenigen, die immer „Warum?“ fragen.

Ein Blick auf den SPL Transit Designer

Wenn man den Transient Designer auspackt, hat man erst einmal nicht den Eindruck, daß es sich hier um ein sonderlich spektakuläres Highendgerät handelt. Aber Vorsicht, denn der Transient Designer ist wirklich das, was man landläufig den Wolf im Schafsfell nennt.
Mit seiner schwarzblau gemusterten Blende und den gerade einmal zwei Reglern pro Kanal macht er einen ziemlich simplen Eindruck. Und genau das ist er auch und hier liegt seine große Stärke.

Zum Testen standen mir sowohl der zwei- als auch der vierkanalige Transient Designer zur Verfügung. Jedoch macht es keinen großen Unterschied, welches der beiden Modelle man gerade vor sich hat.
Pro Kanal findet man einen Attack- und einen Sustain-Regler. Beide Modelle verfügen auf der Rückseite über einen Groundlift, und hier finden sich dann auch die einzigen Unterschiede. Ist das zweikanalige Modell mit symmetrischen Klinken ausgestattet, so verfügt der vierkanalige Transient Designer über XLR Ins und Outs. Je zwei Kanale lassen sich immer linken. Das erklärt sich bei zwei oder vier Kanälen dann wohl von selber. Die Bearbeitung aber erfolgt lediglich über besagte zwei Regler:

Attack und Sustain

Anders als bei herkömmlichen Kompressoren oder Noisegates und deren Attack und Release sind Attack und Sustain beim Transient Designer keine „fest einstellbaren“ Größen. Es geht nicht nur darum eine Ansprech- oder Ausklingzeit in Millisekunden einzustellen. Beim Transient Designer hat man einen direkten Zugriff auf die Wellenform des anliegenden Audiosignals.

Am besten läßt sich dies anhand eines einzelnen Instrumentensignals, beispielweise einer Bassdrum beschreiben. Komprimiert man eine solche nur mit einem guten Kompressor, dann wird das gesamte Signal gestaucht und in seiner Ganzheit angehoben. Das bedeutet, daß das Pegelabstand von Anschlag und Ausklang eher kleiner wird. Die Bassdrum wird insgesamt größer. Durch direkten Zugriff auf Höhen oder hohe Mitten läßt sich jetzt zwar durchaus der gewünschte Kick hinbekommen, aber die Bassdrum muß mittels eines Noisegates künstlich beschnitten werden, wenn man sich durch das Komprimieren zuviel des Ausklingsvorgangs mit hoch gezogen hat.
Mit dem Attack-Reglers des Transient Designers kann man hingegen ganz gezielt die schnellen Anteile des Bassdrumsignals bearbeiten. Hierdurch erhält man die Möglichkeit den (die) Anschlag (-sdynamik) der Bassdrum (oder auch eines beliebigen anderen Signals) zu kontrollieren, ohne die Klangregelung oder einen anderen Prozessor nutzen zu müssen.
Der Sustain Regler funktioniert schließlich nach dem gleichen Prinzip. Nur das mit ihm nicht die schnellen, sondern die langsamen Anteile bzw. das Ausschwingverhalten des Signals bearbeitet werden. Man bekommt also die Möglichkeit eines direkten Zugriffs auf das Sustain, das Ausschwingverhaltens eines Signals.

Soviel kurz und grob zur Theorie. Nun zur:

Der Transit Designer in der Praxis

Ich habe den Transient Designer anhand verschiedener Schlagzeugspuren, Gitarren, Gesang sowohl vor und nach der Aufnahme und anhand einiger Sub- und Endmixe ausprobiert. Abgehört wurde das ganze über ein Mackie 1604 VLZ und Yamaha NS 10 Studio.
Zunächst, da schon angesprochen, die Bearbeitung einer Bassdrum mit dem Transient Designers. Ich habe hier keine hochgezüchtete Metal-Bassdrum als Grundlage benutzt, sondern lediglich eine einfache Rockbassdrum mit einem durchschnittlichen Kick und einem dementsprechenden Ausschwingverhalten.
Über den Attack-Regler, der auf zwölf Uhr seine Grund- oder Nulleinstellung hat, läßt sich diese Bassdrum nun ohne Probleme in eben jene kickbetonte, harte und schnelle, heavy Bassdrum verwandeln. Ohne das großartig an einer Klangregelung herumgedreht werden muß. Hierbei muß der Pegel allerdings stets ein wenig im Auge behalten werden, weil die Bearbeitung des anliegenden Signals durch den Transient Designer bei starker Bearbeitung eine deutliche Pegelveränderung mit sich bringen kann und bringt.

Dreht man den Attack-Regler gegen den Uhrzeigersinn in den Negativbereich, nimmt man der Bassdrum den Anschlag, was klanglich in Richtung einer Subbaß geht. Über den Sustain-Regler findet der Attack hier eine optimale Ergänzung. Bei Hinzugabe von Sustain wird die Bassdrum länger und klanglich runder und je nach Nutzung des Attack auch voller. Ohne die Nutzung eines künstlichen Hallsraums. Es wird lediglich das anliegende Signal selber genutzt. Dreht man jedoch Sustain raus, unterstützt dies einen positiven Attackwert zusätzlich. Die Bassdrum wird noch schneller und anschlagsbetonter.
Einer während der Aufnahmen zu stark gegateten Snare kann man mittels eines hohen Sustainwertes auch wieder Klang verleihen. Ähnlich dem „Pling“ einer nicht gegateten Funk-Snare.
Für Gesang und Gitarre sind die Ergebnisse , die mit dem Transient Designer zu erzielen sind ähnlich.

Interessant ist in erster Linie eine Wegnahme von Attack bei Hinzufügen von Sustain. Gerade die Stimme klingt anschließend gleichmäßiger und ausgeglichener. Kleine Unsauberkeiten in der Dynamik des Gesangs, die sich sofort in unerfreulichen Pegelspitzen bemerkbar machen, verschwinden. Vergleichbar ist das vielleicht mit einer leichten Komprimierung des Signals. Allerdings arbeitet der Transient Designer subtiler, unauffälliger, für mein Ohr feiner. Findet dann natürlich auch schneller seine Grenzen. Aber es handelt sich ja auch nicht um einen Kompressor oder gar Limiter.

Man kann zwar auch einmal den umgekehrten Weg gehen, Attack rein- und Sustain rausdrehen. Eine Gitarre, und besonders eine verzerrte, läßt sich in Maßen dadurch noch etwas schärfer zeichnen. Besonders was Anschlag betrifft. Beim Gesang werden jedoch zunehmend Explosivlaute wie T, P, etc. überbetont. Und das in einer gar nicht musikalischen Art und Weise. Das Ergebnis klingt holperig und unharmonisch.
Für etwas kompaktere Signale wie Drumloops oder Signalkombinationen lassen sich im Grunde gar keine allgemein gültigen Aussagen treffen. Hier gilt es auszuprobieren. Gerade auch Stereosignale können durch unterschiedliche Bearbeitung der linken und rechten Seite mittels des Transient Designers wirklich interessant verändert werden.
Lediglich für Summenmix oder Mastering eignet sich der Transient Designer überhaupt nicht. Dieses Gerät ist wirklich für perkussive oder einfach zu verarbeitende Signale konstruiert. Im Mastering einer typischen Rockballade wäre die Einstellung des Transient Designer mindestens in einer Passage des Songs immer verkehrt. Und dann auch noch einmal innerhalb dieser Passage. Es ist einfach nicht möglich die Attack und Sustain Zeiten einem so komplexen Signal vernünftig und effektiv anzupassen.

Der Klang des SPL Transient Designer

Gemessen an Rauschverhalten und unerwünschter Signalverfremdung gibt es am Transient Designers rein gar nicht auszusetzen! Und man hat auch zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, daß sich der Sound negativ verändert, wenn man den Transient Designer mal intensivst nutzt. Anders als das manchmal bei exzessiver Nutzung von Noisegates der Fall ist.
Natürlich verändert der Transient Designer bei extremen Einstellungen den Klang eines Signals. Dann jedoch in einer Art und Weise, die erwünscht und der Musik oder sonstigem Audiomaterial dienlich ist.

Das Haar in der Suppe ?

Gibt es beim Transient Designer nicht.

Es sei denn man wertet es als negative Eigenschaft, daß man immer mindestens einen Kanalzug dieses Gerätes zu wenig hat.
Einzig eine Sache wäre schön, wenn auch purer Luxus gewesen. Böte der Transient Designer die Möglichkeit oder die Option einer Automation via MIDI etc., so wäre dies ein zweites i-Tüpfelchen gewesen.
Man könnte dann Beispielsweise eine einfache aber solide aufgenommene Snaredrum in verschiedenen Passagen eines Songs zunächst in ein Jazzsnare und weiter in eine Rocksnare verwandeln. Und das alles mit einem Minimum an Prozessoraufwand und ohne PC.

Fazit

Kaufen. Leasen. Mieten. Was auch immer; aber ausprobieren.

Ein tolles Gerät, mit dem man sowohl Leben und Dynamik in Aufnahmen bringt als auch interessante klangliche Facetten eines Instruments oder einer anderen beliebigen Klangquelle ans Licht bringen kann.

Plus

  • Gute Verarbeitung und Design
  • Einfache Bedienbarkeit
  • erstklassige klangliche Resultate
  • erstklassig für Dynamikbearbeitung
  • kreativ und kreativitätsfördernd
  • gutes Bedien-Manual

Preis

  • 945,-€ (4-kanalige Version)
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