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Test: SPL Gain Station 1 AD Mikrofonpreamp

28. November 2019

Dieses Gold bringt Mikrofone zum Glänzen

Mit Sinn und Verstand zum Mikrofonvorverstärker

Also gut, ich oute mich! Auch ich war unwissend, nahezu dumm!

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Zeit Anfang Zwanzig, seiner Zeit noch als reiner Instrumentalist zugange, wo mir verschiedene Toningenieure mit ihrem „Outgear-Knie-Nieder-Gefasel“ ganz mächtig auf den Geist gingen.

Was wurde damals nicht alles über einen entsprechenden Eingangskanal und die damit einhergehende Signalführung gesabbelt und diskutiert. Meiner damaligen Einschätzung nach war jenes 19-Zoll-Geschwätz völlig überzogen, ich widmete mich lieber meiner Gitarre und schwelgte im Gegenzug mit einem völlig überzogenen Geschwätz in Sachen Schwingungsverhalten eines einteiligen oder zweiteiligen Mahagoni-Korpus. Wie gesagt, ich hatte keine Ahnung …

Erst als ich im Laufe der Jahre erstmals den verantwortungsvollen Produzentensessel besetzte und mir des Öfteren die Funktion des Tonmeisters übertragen wurde, erkannte ich die wahrlich extrem wichtige Schaltstelle der ersten Signalstufe. Es ist tatsächlich so, was du in der ersten Aufnahmestufe nicht perfekt aufgearbeitet oder gar versaut hast, wirst du in den nachfolgenden Stufen mit EQ, Dynamics oder Mix nicht einmal mehr ansatzweise retten können.

Von daher ergibt es in der Tat Sinn, sich einen Vorverstärker zuzulegen, dessen einzige Funktion eine optimale Aufholverstärkung ist. Die weitere Signalkette wird es dir danken.

Eine jener Puristen ist die SPL Gain Station, die zudem mit ihrer parallelen Transistor- und Röhrenkonzeption dem ewigen Streit zwischen Halbleiter und Vakuumfläschchen mit einer zusätzlichen Auswahlmöglichkeit entgegenwirkt.

Die technisches Features im Überblick

  • hochwertiger Class-A Mikro- und Instrumenten-Preamp
  • linearer Frequenzgang bis 200 kHz
  • mit 24 Bit / 192 kHz AD-Wandler
  • 60 V Technik – 125 dB Dynamik bei 30 dB Gain
  • getrennt regelbare Solid-State- und Tube-Preamps für stufenlosen Übergang von cleaner Transistorvorverstärkung zu Röhrensättigung
  • Peak-Limiter
  • umschaltbare Eingangsimpedanzen: 200 Ohm, 1,2 kOhm und 10 kOhm
  • regelbares Hochpassfilter: 12 dB / 50 Hz
  • 48 V Phantomspeisung
  • ideal auch für mobilen Einsatz

Die Konstruktion der SPL Gain Station 1 AD

Die Gain Station 1 (hier in der Version AD), kommt im Gegenzug zu vielen anderen Vorverstärkern nicht im 19 Zoll Format daher, vielmehr wurde das Produkt als mobile Einheit für platzsparenden Transport in 4,525 Zoll Breite konzipiert und kann bei Bedarf durch die Verwendung von vier Gain Stations und einem optional erhältlichen Rahmen ins Rack geschraubt werden.

Durch ihre reduzierte Größe kann man den Vorverstärker zum Beispiel in der Nähe des Mikrofons verwenden und dadurch die Kabelwege kurzhalten. Zwei kräftige Tragebügel erleichtern die Transportabilität.

Bei der Gain Station handelt es sich um einen diskret aufgebauten Operationsverstärker in Class-A-Technik, bei dem beide Endtransistoren immer in einem leitenden Zustand bleiben, im Gegensatz zur Class-B-Technik, bei der jeweils ein Transistor eine Halbwelle übernimmt.

Als Röhrentyp kommt eine 12AX7 LPS des russischen Röhrenspezialisten Sovtek zum Einsatz.

SPL hat bei der Gain Station besonderen Wert auf ein hochwertiges Netzteil gelegt, ein Punkt, der in seiner Wertigkeit gerne auch mal zu niedrig angesetzt wird. Der Trafo liefert sieben verschiedene Spannungen, die alle einzeln gesiebt und geregelt werden.

Rückseitig empfängt uns ein spartanischer, aber funktioneller Monoaufbau. Neben dem Kaltgerätestecker und dem On/Off-Schalter verfügt die SPL Gain Station 1 AD über einen XLR-Mikrofon-Eingang, einen Line-Klinke-Eingang, einen symmetrischen XLR-Out sowie einen symmetrischen Klinke-Out. Die AD-Version der Gainstation verfügt zusätzlich über einen Digitalwandler in Form eines optischen Ausgangs sowie eines IN/Outs S/PDIF-Anschlusses mit einem Clock-Eingang.

Vorderseitig verfügt die Gain Station über 3 Regler, 6 Mini-Switches und 9 LEDs, deren Funktion sich wie folgt gliedert:

  • Clean Gain: bestimmt die Vorverstärkung der Class-A-Transistorstufe, Regelbereich bis +63 dB.
  • Tube Gain: bestimmt die Vorverstärkung der Röhrenstufe. Die Stufe liegt hinter der Transistor-Vorverstärkerstufe, so dass sich die beiden Verstärkungswerte addieren.
  • -Output Level: erklärt sich von selbst. Regelbereich von -26 dB bis +6 dB.
  • Source: dienst zur Anwahl der Eingangsquelle (Mikrofon oder Klinke)
  • High Pass: Trittschallfilter bei 50 Hz mit einer Flankensteilheit von 12 dB (6 dB vor und 6 dB hinter der Clean Gain Stufe)
  • Phase: kehrt die Polarität des Mikrofonsignals um
  • Imped.: stellt eine Vorauswahl für die Eingangsimpedanz des gewählten Mikrofontyps (dynamisch / Kondensator) bereit
  • Phantom: aktiviert die 48 V Phantomspeisung
  • Limiter: aktiviert bei Bedarf zwei unterschiedliche Limiter-Typen (Peak: Diodenlimitierung für schnelle Ansprache und dezente Pegelbegrenzung), (Fet: Feldeffekttransistoren für die Röhrenstufe für eine Kompressor-ähnliche Limitierung)

Die SPL Gain Station 1 AD in der Praxis

Nach Aktivierung des Gerätes fällt die nahezu nicht wahrnehmbare Anzahl von Nebengeräuschen sehr positiv auf. Selbst bei weit aufgedrehten Reglern ist der Geräuschpegel so gering, dass auch die Aufnahme von sehr leisen Signalquellen kein Problem darstellt.

Zunächst wird der Clean Gain einem Praxistest unterzogen. Eine sehr gleichmäßige Vorverstärkung und eine weiche Wiedergabe ohne jede Verfärbung hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Auch bei Explosivlauten oder Signalquellen mit hoher Dynamik verfügt der Vorverstärker über genügend Headroom, um das Signal nicht „abzuquetschen“ oder es gar mit Clippings zu versehen.

Genau das Gegenteil erhofft man sich jedoch von einer Röhrenvorstufe, die im Optimalfall mit einem hohen Maß an Eigenleben der Signalquelle eine kräftige Bearbeitung in Sachen Dynamik und Sättigung offeriert.

Und siehe da, Tube Gain lässt sich nicht lumpen und fügt dem eingespeisten Signal eine sehr exakt zu dosierende Sättigung bei, die bei den Anhängern der Röhrentechnologie wahre Freudenstürme lostreten wird.

Im Zusammenspiel mit Clean Gain stehen einem nahezu alle Färbungs- und Sättigungsstufen zur Verfügung, sei es nun ein klanglich neutraler Aufholverstärker, dessen Einsatz im Optimalfall nicht wahrzunehmen ist oder aber ein bullig reingrätschender Röhren-Preamp, der bei Volllast in Sachen Sättigung, respektive Komprimierung einem Gitarren-Preamps nahekommt. Selten habe ich einen Vorverstärker gehört, der über soviel Flexibilität verfügt.

Sehr interessant ist auch die klangliche Vielfalt des im Endbereich angesiedelten Limiters. Während die Diodenlimitierung tatsächlich nur kleine Peaks eliminiert und das Klangbild weiterhin sehr offen hält, verdichtet der FET-Schaltprozess die Summe doch erheblich.

Das Ergebnis erinnert tatsächlich mehr an einen in Hard-knee eingestellten Kompressor als an den zumeist harten Halbwellen-Cut eines Limiters. Gefällt mir wirklich sehr gut, wenngleich das Werks-Preset dem einen oder anderen zu dicht eingestellt sein wird.

Fazit

Die SPL Gain Station 1 AD hinterlässt einen hervorragenden Eindruck! Sowohl ihre Konzeption als auch ihr Klang sind absolut beispielhaft.

Durch die hohe Qualität der einzelnen Bauteile und die wahlweise Transistor- beziehungsweise Röhrenvorverstärkung verfügt die Gain Station über eine große Bandbreite an signalprägenden Sounds.

So kann das Produkt sowohl als reiner Mikrofonvorverstärker, als auch als hochwertiger Instrumenten-Preamp eingesetzt werden. Bassisten zum Beispiel können das Signal direkt in ihre Endstufe einspeisen, Keyboarder oder Akustik-Gitarristen verfügen mit der Gain Station über eine Deluxe-DI-Box.

Ein hoch flexibles Produkt, das zudem aufgrund seiner kompakten Bauweise nahezu überall Platz findet. Sehr empfehlenswert!

 

Plus

  • Sound
  • Konzeption
  • Transportabilität
  • Verarbeitung

Preis

  • 1.268,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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