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Test: SPL Goldmike MK2, Mikrofonvorverstärker

28. September 2018

Altes Gold

Seit 20 Jahren bereits produziert der deutsche Hersteller Sound Performance Lab, kurz: SPL, den Goldmike, einen professionellen und dennoch preiswerten Mikrofonvorverstärker in hybrider Technologie auf Transistor-Basis mit zusätzlicher für die Klangfärbung entwickelten Röhrenstufe (hier geht es zum Test bei AMAZONA.de). Nicht zuletzt durch den sehr attraktiven Preis von mittlerweile lediglich 479,- Euro kann man das gülden schimmernde Gerät in unzähligen Studios jeglicher Kategorie sichten, sodass man hier sicherlich von einem Klassiker sprechen darf. Angespornt durch diesen Erfolg hat SPL im Jahr 2004 eine verbesserte und auch deutlich höherpreisige Version (aktueller Ladenpreis: 1229,- Euro) entwickelt und SPL Goldmike MK2 getauft.

Äußerlichkeiten und Lieferumfang des SPL Goldmike MK2

Dem Testkandidat liegt ein Netzkabel sowie eine ausführliche gedruckte (!), deutsch/englische Bedienungsanleitung bei, was in Zeiten meist nur noch online verfügbarer Handücher keine Selbstverständlichkeit ist.

Das in Stereo ausgeführte Gerät im 19-Zoll-Format verfügt über zwei identisch aufgebaute Kanäle mit einigen Bedienelementen auf der mattgolden schimmernden Frontplatte. Auffällig hierbei geben sich zunächst die durch ein Gitter geschützten Vorstufenröhren vom Typ 12AX7 des renommierten russischen Herstellers Sovtec sowie die durch ein schwarz gefärbtes Oval sich optisch absetzenden VU-Meter. Letzteren zugeordnet sind jeweils 4 Status-LEDs, die über Clipping, Phantom-Power und die Aktivitäten des integrierten Limiters informieren. Die vierte Leuchte zeigt ein eventuelles Übersteuern des optionalen AD-Wandlers an und ist beim Testgerät außer Funktion, da hier kein Wandler verbaut ist.

SPL goldmike MK2 vu meter

Alles unter Kontrolle: VU-Meter und Kontroll-LEDs

Die beiden schwarzen Drehregler pro Kanal regeln die Vorverstärkung („Gain“) bis 67 dB stufenlos und die Ausgangslautstärke gerastert von -22 bis +6 dB. Alle Potis verfügen über angenehme Drehwiderstände und fühlen sich wertig und professionell an.
Ebenfalls hochwertig präsentieren sich die insgesamt 10 Kippschalter pro Kanal. Die Ausstattung kann man getrost als recht umfangreich bezeichnen: Neben den konventionellen Funktionen wie Phantomspeisung, Hochpassfilter, Pegelabsenkung, Phasenumkehrung oder Kalibrierung des VU-Meters bietet der SPL Goldmike MK2 mit einem dreifach schaltbaren Limiter, der „Flair“-Schaltung, die wie eine Art Höhenanhebung funktioniert oder der dreifach schaltbaren „Tube Amp“-Funktion, welche die Röhre unterschiedlich stark ansteuert, einige  Spezialfunktionen, die man sonst eher selten bis gar nicht bei vergleichbaren Geräten findet. Der Schalterreigen wird durch den „Source“-Schalter, mit dem man wahlweise den frontseitigen Instrumenteneingang im Klinkenformat oder den Mikrofoneingang anwählt sowie dem Schalter für den Insert-Weg komplettiert.

Ebenfalls ganz und gar nicht spartanisch präsentiert sich die Rückseite des SPL Goldmike MK2, hier befindet sich der Großteil der Anschlussmöglichkeiten: Neben den Eingängen für Mikrofone, selbstredend als XLR-Buchse ausgeführt, findet man hier pro Kanal noch einen Line-In (Klinke), den Insert-Weg mit den Klinkenbuchsen für Send und Return und natürlich die Ausgangsbuchsen, die lobenswerterweise sowohl im XLR- wie auch im Klinkenformat vorliegen. Die Ausstattung wird dann schlussendlich von einem Druckschalter für den Groundlift sowie dem Power-Schalter komplettiert. Sehr gut gefällt mir das nette Detail, dass die Anschlüsse zweifach beschriftet sind, sodass man, wenn man sich von vorne über das Gerät beugt, um hinten an den Anschlüssen herumzufummeln, deren Beschriftungen problemlos erkennen kann.

spl goldmike mk2

Insgesamt überzeugt der Preamp aus deutscher Fertigung durch hochwertige und robuste Verarbeitung, bei der sämtliche Bedienelemente mit dem Gehäuse verschraubt sind und aus hochwertigen Bauteilen bestehen.

Die inneren Werte des SPL Goldmike MK2

Die größten Unterschiede zwischen den beiden Goldmike-Versionen liegen sicherlich im Schaltungsdesign des Transistor-Preamps: Während die Urversion auf preiswerte integrierte Schaltkreise setzt, baut SPL beim MK2 voll auf diskrete Class-A-Technik. 12 Folienkondensatoren sorgen pro Kanal für die Verstärkung des Mikrofonsignals um bis zu 67 dB, bevor das Signal durch die Röhrenstufe gejagt wird, deren rauscharme Röhren mit vollen 250 Volt betrieben werden. Somit haben wir es hier mit einer vollwertigen Röhrenausgangssektion zu tun und nicht mit einer der berüchtigten „Dekorationsröhren“, deren Aufgabe es meist ist, etwas Verzerrung hinzuzufügen, wobei man oft eher eine Verschlimmbesserung des Signals erreicht und keine Aufwertung.
Mit dem „Tube Amp“-Schalter wird die Röhrenstufe mit drei wählbaren unterschiedlichen Pegeln (6, 12 oder 18 dB) angefahren, je höher dieser Wert gewählt wird, umso mehr fährt die Röhre in die Sättigung und verzerrte und komprimierte Signalanteile rücken mehr in den Vordergrund.

Eine weitere Möglichkeit zur klanglichen Gestaltung des Eingangssignals bietet die „Flair“-Schaltung, die aus Spulenfiltern im Zusammenspiel mit der Röhrenschaltung für eine natürliche, unaufdringliche Präsenzanhebung sorgen soll, die mit herkömmlichen Equalizern laut Hersteller so nicht machbar ist. Mit einer Mittenfrequenz von 6 kHz wird der Bereich zwischen 1,5 und 20 kHz wahlweise um 1,5 oder 2,5 dB angehoben.

Auf Diodenbasis arbeitet der vor dem Ausgangsregler geschaltete Limiter. Laut Hersteller soll er für angenehme analoge Sättigungseffekte sorgen und selbst die schnellen Transienten perkussiver Signale unauffällig glätten und so die nachfolgenden A/D-Wandler vor Übersteuerungen schützen.

Rauschabstände, Frequenzbereich und Dynamik liegen laut Datenblatt nahe am Machbaren, man darf also gespannt sein, wie sich der SPL Goldmike MK2 in der Praxis schlägt.

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