Test: SPL Channel One MKII 2950 Röhren-Vorverstärker

16. September 2020

All Time Classic

SPL Channel One MKII

SPL Channel One MKII

Wie versprochen, bemühen wir uns „All-Time-Classics“ fürs Studio vorzustellen, die sich im Laufe der Zeit bewährt haben und immer noch im Handel erhältlich sind.

Diesmal hat es den SPL Vorverstärker Channel One erwischt, der bereits seit 2003 (damals noch mit goldenem Gehäuse) zu haben ist.

Jedes Studio, dass sich mit der Aufnahme von akustischen Signalen beschäftigt, sollte zumindest ein gutes Mikrofon und einen guten Vorverstärker besitzen. Der SPL Channel One geht noch einen Schritt weiter und bietet neben dem Vorverstärker einen Equalizer einen Kompressor ein Noisegate einen DeEsser und sogar eine Verzerrerstufe. Somit wird er einem Kompletten Mono-Kanalzug eines Mischpultes gerecht.

SPL Channel One MKII

Die Facts des SPL Channel One MKII im Überblick:

  • De-Esser/Kompressor/Limiter mit ARC Noise Gate und Drei-Band-EQ mit FET-Verzerrer
  • schaltbar: 48V Phantomspeisung, Phase-Reverse, Hochpass-Filter
  • separater Distortionregler
  • Instrument-Eingang 6,3 mm Klinke frontseitig
  • Insert Send/Return 6,3 mm Klinke
  • XLR/Klinke Line Ein- und Ausgänge
  • Playback-Eingang 6,3 mm Klinke (L/R)
  • Stereo-Kopfhörerausgang 6,3 mm Klinke
  • optional erweiterbar mit 24bit / 96 kHz A/D Konverter und Lundahl-Übertrager
  • Format: 19″/ 2HE

SPL Channel One MKII

Das Konzept des Channel One

Der konzeptionelle Ansatz des Channel One kann von zwei Seiten aus betrachtet werden. Studios, die auch heute noch ein großes oder kleines analoges Mischpult im Einsatz haben, werden den Channel One genauso attraktiv finden, wie diejenigen, die auf rein nativer Ebene arbeiten.
Zu ersteren sei gesagt, dass es auf die Ausstattung des analogen Pultes ankommt. Meistens verfügen die Pulte der unteren und mittleren Preisklassen nicht über Kompressoren und Gates im Kanalzug, und auch der EQ dürfte nicht von überragender Qualität sein. Somit bietet sich ein Channelstrip an, um schon bei der Aufnahme das Signal auf hohem Niveau zu entzerren, angenehm zu färben oder leicht zu komprimieren. Bei der späteren Nachbearbeitung oder Abmischung im Mischpult können dann alle Signale von der guten Aufnahmequalität profitieren. Zudem kann ein Signal beim Abmischen nochmals durch den Channelstrip geführt werden.
Die reinen Computer-User, die jegliche Bearbeitungen im Computer vornehmen, werden von den analogen Stufen des Channel One profitieren, klingen sie doch um Längen besser als die meisten verfügbaren PlugIns. Im Verbund mit der optionalen AD/DA Karte (s.u.) bietet sich auch DAW-Usern die Möglichkeit, den Channel One während der Abmischung auf digitalem Wege einzuschleifen.

Auch die Kostenrechnung geht auf, denn um hervorragende PlugIns nutzen zu können, die an die Qualität des SPL Channel One heranreichen, muss ebenfalls tief in die Tasche gegriffen werden. Hier kann man auch gut und gerne bis zu 1.000,-€ ausgeben.

SPL Channel One MKII

Röhren-Vorstufe

An den Channel One können neben Dynamischen und Kondensatormikrofonen auch Instrumente hoher Impedanz (Gitarre, Bass) oder Line-Signale angeschlossen werden. Die Umschaltung erfolgt dabei auf der Frontplatte. Die Vorstufe ist als Transistor/Röhren Kombination aufgebaut. Nachdem das Signal also per Transistor Verstärker auf einen bestimmten Pegel gebracht wurde, verläuft der Signalpfad durch eine Röhrenstufe (12AX7-LPS mit 250V), die je nach Eingangspegel unterschiedliche Obertöne erzeugt. Die Röhre ist hierbei nicht für die eigentliche Verstärkung verantwortlich, sondern wird als klangfärbende Stufe eingesetzt. Die produzierten Obertöne geben dem Signal eine sehr angenehme Färbung.

Die Gesangsphrase wurde über eine Genelec 1030APM und das SPL Nugget abgenommen (Siehe Mikrofon PreAmp Vergleichstest). Das Rauschen stammt in erster Linie von der Monitorbox. In den weiteren Klangbeispielen wurde die Phrase direkt über den Line-Eingang in den Channel One geführt.

SPL Channel One MKII

DeEsser und Insert

Der DeEsser ist hier sehr einfach aber effektiv ausgeführt, so dass es kaum zu Bedienfehlern kommen kann. Ein einziger Regler bestimmt das Ansprechen der Reduktion der Zischlaute. Die Resultate sind sehr brauchbar. Durch den Insert-Weg können zudem weitere Geräte eingeschliffen werden, falls die Bearbeitungsmöglichkeiten des Channel One nicht ausreichen sollten.

Der DeEsser in der Position „6“. Ein DeEssing wäre eigentlich nicht nötig, aber zu Demonstrationszwecken finden sie hier das Beispiel.

SPL Channel One MKII

Kompressor/Gate

In der Bedienung gestaltet sich der Kompressor und das Gate genauso simpel wie der DeEsser. Nachdem man mit dem Gate das Grundrauschen ausgeblendet hat, wird man mit per Gain Reduktion das Signal mehr oder weniger stark komprimieren und mit dem MakeUp Regler den Pegelverlust ausgleichen. Attack, Ratio und Release, sowie einen Knee Schalter sucht man hier vergeblich. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass man in der Regel auch darauf verzichten kann, da die signalabhängige interne automatische Anpassung dieser Parameter sehr gut arbeitet. Jedoch kann die Dynamikstufe bei diffizilen Signalen auch mal die Weiße Flagge hissen. Optimal wäre hier die Wahl zwischen manueller und automatischer Kontrolle. Schlussendlich kann man den Kompressor als Limiter einsetzen, hierbei wird die Ratio intern auf einen sehr hohen wert gesetzt.

Das Noisegate hatte in der alten Version leider vor allem bei Atemgeräuschen Probleme. In der MKII-Version hat man sich diesem Problem angenommen und es deutlich verbessert.

Leichte und stärkere Kompression mit entsprechendem MakeUp Gain. Der Kompressor hat einen runden und vollen Klang, und passt sich sehr gut an das Audiomaterial an.

Semiparamterischer Equalizer

Der Equalizer besteht aus zwei semiparametrischen Bändern und einem einfachen Air-Band, dass es aber in sich hat. Das Mid- und das Low-Band arbeiten nach dem proportional-Q Verfahren, d.h. bei höherer Gain Einstellung verringert sich die Bandbreite. Hiermit kann man also leichte Anpassungen des Frequenzgangs vornehmen, aber auch bestimmte Frequenzbereiche dämpfen oder boosten, wobei hier die benachbarten Frequenzen durch die geringere Bandbreite weniger beeinflusst werden. Sie fragen sich vielleicht, warum es hier keine Vollparametrik gibt? Seien sie unbesorgt, der EQ klingt so gut, dass man dies in der Regel nicht benötigt. Das Air-Band fügt dem Signal durch die hohe Eckfrequenz von 17, 5kHz einen Glanz in den hohen Frequenzen zu. Hierdurch entsteht ein sehr präsenter Klang, der vor allem gegenüber digitalen EQs besonders weich klingt. Als kleines Schmankerl hat sich SPL noch den Verzerrer einfallen lassen, der aus einem Feldeffekt (FET) Transistor besteht und vor dem EQ ansetzt. Besonders wichtig ist auch die Möglichkeit, den EQ vor oder hinter den Kompressor zu setzen, da beim Einsatz vor der Kompression jede Einstellung am EQ das Kompressionsverhalten ändern würde. Ist dies nicht erwünscht, so entzerrt man das Signal einfach nach der Dynamikbearbeitung. Nach dem EQ wir das Signal nochmals durch die Doppeltriodenröhre geleitet.

Leichte Anhebung des Air-Bandes, der Kompressor, DeEsser und das Gate sind aktiv. Alle drei Bänder bearbeiten die Vocal-Phrase. Man kann gut den weichen Charakter des Equalizers hören. Der Kompressor, DeEsser und das Gate sind ebenfalls aktiv.

Hier hören sie die FET-Verzerrung in Kombination mit den anderen Bearbeitungsstufen. Bei lauten Stellen klingt der Gesang schon unangenehm. Möchte man dies vermeiden, so hilft evtl. eine stärkere Kompression. In der Regel wird man die Verzerrung aber auf Drums anwenden. Für Vocals ist es doch eher die Ausnahme.

Signalführung des SPL Channel One MKII

Als besonderes Feature werte ich die interne Kopfhörersektion. Man kann für den Musiker direkt am Gerät die Lautstärke von Playback und Aufnahmesignal mischen. Leider hört sich der Musiker dabei komplett trocken, d.h. ohne Effekt, dafür aber auch ohne Latenz, was interessant ist, sofern man mit einem sequenzerinternen Mischpult arbeitet. Zwar kann man auch im Rechner einen Hall auf das Signal legen, jedoch wird der Hall dabei stets mit einem PreDelay versehen sein, was bei hohen Latenzwerten den störend wirken kann. Generell gibt es aber ein dickes Plus für dieses Feature. An Anschlussmöglichkeiten bleiben keine Wünsche offen.

Der SPL Channel One mit Digital-Option

Optionale Wandler

Es gibt zwei optionale Wandlerplatinen, die in den Channel One eingebaut werden können. Die A/D-Platine besitzt ausschließlich einen stereo A/D-Wandler, wobei der zweite Kanal für ein weiteres Signal genutzt werden kann. Der AD/DA Wandler ermöglicht entweder das Einschleifen des Channel One auf digitalem Wege, oder das gleichzeitige D/A-Wandeln z.B. des Summensignals. Gut ist auch, das sich die Wandler über Wordclock synchronisieren lassen, somit steht der Integration in ein bestehenden digitales Setup nichts im Wege. Obwohl der AD/DA Wandler mit rund 600 Euro nicht gerade billig ist, eignet er sich mit den beiden symmetrischen Ausgängen hervorragend für Monitoringzwecke.

Fazit

Der SPL Channel One MKII ist ein extrem hochwertiger Channelstrip, der in fast allen Bereichen überzeugen kann. Klanglich überzeugt der SPL One MKII auf ganzer Linie. Die Verarbeitung ist hervorragend und die Ausstattung komplett. Der Channel One ist also ein rundum professionelles Gerät. Anspruchsvolle Musiker und Toningenieure sollten sich den Channel One auf jeden fall näher ansehen, denn der Kauf wird durch sehr guten Klang belohnt. Neben dem normalen Modell gibt es noch die Premium-Variante mit eingebauten Lundahl-Übertragern für die Ein- und Ausgänge.

Plus

  • sehr guter Klang
  • sehr Gute Verarbeitung
  • komplette Ausstattung
  • Playback kann durchgeschleift werden

Preis

  • SPL Channel One MKII: 1.222,-€
  • SPL:Channel One MKII Premium: 1.658,-€
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer  RED 11

    Hi Max,

    da hast du den Klassiker ja sehr gut beschrieben. Ich habe meinen, noch in Gold, schon seit Ewigkeiten und nutze ihn immer noch gerne.
    Bei mir ist die A/D Karte drin, die ich aber nie benutze. Der Grund: Du hast ja im Fazit die Premium Variante erwähnt, die im Ein- und Ausgang je einen Lundahl Übertrager sitzen hat. Ich hatte das damals so bestellt und konnte bei Auslieferung direkt mit dem normalen Modell vergleichen.
    Die Lundahls lohnen sich, das Signal ist besser aufgelöst und das Gerät rauscht noch weniger. Mit dem digitalen Ausgang würde ich den Ausgangsübertrager umgehen, also analog raus und mit der RME gewandelt.

    Grüße Armin

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    Jupiter Six  

    Sehr schmuckes Kistchen. Hatte auch die goldene Version und bin dann dummerweise auf Plug-Ins umgestiegen (bis auf den Vorverstärker). Bereue ich heute und werd mir demnächst die MKII-Version wieder zulegen.

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      MichFisch00  

      Wieso dumm? Also ich arbeite auch nur mit Plugins und finde das genial. (UAD) Ich verwende für Aufnahmen (Voice) nur einen guten PreAmp und vielleicht noch etwas Limiter zum Übersteuerungsschutz. Ansonsten gilt: so neutral wie möglich aufnehmen, alles danach entsprechend dem Mix anpassen, was aufgrund der neutralen Aufnahme auch alle Optionen offen hält. Schon vor oder während der Aufnahme sich festzulegen und zu färben hab ich auch mal gamcht…das Problem ist aber, dass man gut raten muss , wie das später im Mix klingen soll. Daher (auch biem Mik) so neutral wie möglich. Ich habe den ganzen analogen Hype um Röhre, EQ etc. während/für der Aufnahme auch nie recht verstanden, ehrlich gesagt. Ich finde das einfach nicht logisch.

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        Armin Bauer  RED 11

        Hi MichFisch00,

        auch ohne die weiteren Möglichkeiten ist der ChannelOne immer noch ein guter Preamp.
        Ich bin auch eher der Typ ohne Bearbeitung zu recorden, aber bei manchen Aufnahmen ist ein wenig Kompression schon praktisch. Der De-Esser ist bei Sprachaufnahmen ganz nützlich, da spart man sich oft viel Nachbearbeitung. Der EQ ist bei mir auch meist aus, manchmal tut so eine Prise Air und eine kleine Absenkung meiner Lieblings-Hass Frequenz bei 250 Hz ganz gut.

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          MichFisch00  

          Hi Armin, yep sehe ich auch so. Sprachaufnahmen habe ich nicht…nur mein eigenes Stimmchen :-)
          Wenn man den Rest dann meist eh nicht verwendet, ist dann nicht z.B. ein SPL Crescendo mit nem extra Komp/Lim in Reihe besser als ne All-In-One Lösung?
          Ich finde All-In-One sind letztlich immer Kompromisse. Dann lieber wenig, DAS aber mega top.
          Muss ja nen Grund haben , dass der Crescendo trotz Fokussierung nur rein aufs Gain, genauso teuer ist.

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            Armin Bauer  RED 11

            Da hast du völlig recht. Dann ist der Crescendo oder die GainStation die bessere Lösung, wenn wir rein bei SPL bleiben möchten.

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              MichFisch00  

              Hi, oder vielleicht ein VTRC? Der ist zwar auch ne All-In-One legt aber mehr Wert auf die Gain Kompressor Kombination (Varitube und Opto), auch wenn ein EQ mit an Bord ist.

  3. Profilbild
    Eibensang  

    Dem Test – der in seiner präzisen Klarheit und Übersichtlichkeit dem Gerät, das er beschreibt, bestens entspricht und gerecht wird – kann ich nur zustimmen. Ich habe mir genau dieses edle Ding vor knapp vier Jahren angeschafft (wobei es damals noch über 200 Euro billiger war) und war sofort begeistert: Endlich klang Gesang so, wie er sollte! Das Noise Gate lernte ich zusätzlich schätzen, z.B. bei Instrumentaleinsätzen, die vordem oft mit diesem oder jenem Brummen und Summen nervten, was dann in ziemlich lästige Strippenzieherei ausarten konnte, bis der Übeltäter gefunden war (im durchaus nicht in jeder Ecke höchstpreisig verkabelten Heimstudio) – und nicht immer gelang. Bei diesem Channel-Strip einfach ein Drehmoment am Poti! Auch die übrigen Einknopf-Regler reagieren hoch musikalisch und erleichtern den Betrieb enorm. Die Qualität aller verbauten Komponenten ist Spitzenklasse. Für jedes Projektstudio (in dem analoge Aufnahmesignale ein Röllchen spielen) zu empfehlen!

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