Test: SPL Mercury, Mastering DAC

6. April 2020

120 Volt musikalische Elektrizität

test spl mercury dac

SPL Mercury, Mastering DAC

SPL Mercury ist ein Mastering-Digital-Analog-Konverter mit bis zu 768 kHz bei 32 Bit, ausgestattet mit der SPL-eigenen 120-Volt-Technologie zur Signalaufbereitung. Das Rennen um den „besten“ Klang ist noch lange nicht beendet und SPL schlagen mit dem neuen Mercury nun nicht nur eine ganz andere Richtung ein als zuvor mit dem Director MK1, sondern verschieben mit dem neuen Wandler auch gleich noch mal die Linie im Sand mit. Was uns dazu gebracht hat, so zu urteilen, erläutern wir im Test.

Auspacken

SPL Mercury Rot

SPL Mercury Rot

Der SPL Mercury kommt in einem riesigen Karton, rutschfest zwischen zwei Schaumstoffplatten verpackt. Neben einer gedruckten deutschsprachigen Anleitung befindet sich ein Kaltgerätekabel im Karton, mehr nicht. Angenehmster Minimalismus! Zum Handbuch ist zu sagen, dass es ein 17-seitiges Messprotokoll enthält, das offenbar für jeden Mercury individuell erstellt wurde.

Der Mercury kommt im 19“-Rackformat und beansprucht dort eine Höheneinheit. Eine weitere HE zur Wärmableitung bereitzustellen, wäre sicherlich nicht falsch, auch wenn das Gerät nicht mal handwarm wird. Das massive Stahlblechgehäuse erweckt Vertrauen und ist mit 4,8 kg dennoch nicht zu schwer. Der Mercury beherrscht PCM-Ausgabe mit bis zu 768 kHz (bis 32 Bit) (nur USB)) und kann damit auch DSD4-Datenströme verarbeiten.

SPL Mercury Tasten

SPL Mercury Tasten

Auf der Vorderseite befinden sich neun beleuchtete Taster und ein Lautstärkepotentiometer. Mit den Tasten lässt sich zwischen den Eingangsquellen, je 2x AES, S/PDIF Coax und optisch (TOSLINK) und 1x USB 2.0, umschalten. Der MUTE-Schalter schaltet nicht nur die Ausgänge stumm, indem er einfach die Lautstärke auf Null setzt, nein, er trennt diese elektrisch komplett von der Signalkette.

Die Tasten machen einen sehr wertigen Eindruck und weisen einen satten Widerstand sowie einen definierten Druckpunkt auf und schalten zwischen den Eingängen fast knacksfrei um. Da hätte sich der Dangerous Music Convert-2 eine Scheibe abschneiden können.

Sind mehre digitalen Audioquellen angeschlossen, so kann durch mehrmaliges Drücken des SYNC-Schalters festgelegt werden, welcher der Eingänge als Synchronisationsquelle dient. Ist als Eingang jedoch USB ausgewählt, dann gibt es diese Option nicht.

Digitale Eingänge

SPL Mercury Rückseite

SPL Mercury Rückseite

  • USB 2.0 bis 768 kHz @ 32 Bit, USB-klassenkompatibel und damit auch mit einem Apple iTouch zu betreiben. Und das sogar ohne zusätzlichen Power-Port-Anschluss, d. h. der USB-Chip meldet keinen Phantasiestrombedarf an
  • Optical 1 und Optical 2 (TOSLINK) je bis 192 kHz @ 24 Bit
  • Coaxial 1 und Coaxial 2 (S/PDIF) je bis 192 kHz @ 24 Bit
  • AES 1 und 2 je bis 192 kHz @ 24 Bit – wobei AES2 zusätzlich zu einem üblichen AES3-Signal auch mit einem getrennten digitalen L/R-Signal (DW L und DW R) beschickt werden kann

Abschließend gibt es noch einen Wordclock-Eingang. Auf einen Wordclock-Ausgang oder gar eine Atomic-Clock-Option muss man aber leider verzichten.

SPL Mercury Rückseite Digital

SPL Mercury Rückseite Digital

Nebenbei angemerkt: Für die TOSLINK-Verbindungen empfiehlt SPL ausdrücklich „hochwertige“ Glasfaserkabel. Da es bei mir knackte, dachte ich zuerst mein preiswertes MUTEC Standardkabel sei nicht hochwertig genug, bis ich den ganz leicht schräg hängenden Stecker an meinem Gaming-PC bemerkte. Da ich bis dahin nur das andere Ende des Steckers von meinem Mytek in den SPL umgesteckt hatte, gehe ich mal davon aus, dass der SPL recht kritisch ist, was Signalstabilität angeht, denn der Mytek hatte sich bisher nicht beschwert. Nachdem ich den Stecker aber am PC richtig eingesetzt hatte, war aber alles okay.

Noch beim Thema „hochwertige TOSLINK-Kabel“ sind: Bei den allermeisten optischen Kabeln kommt nur Polymethyl-Methacrylate (PMMA)-Acrylglas zum Einsatz. Diese Kabel unterliegen einer Signaldämpfung, bei der 0,15 dB/m schon zu den besseren Werten gehören. Es ist also egal, wie „robust“ optische Kabel aussehen, oder mit dickem Mantel oder Goldstecker-Blödsinn versehen sind. Ein dicker Mantel kann einzig vor Lichteinfall und zu kleinem Biegeradius schützen, muss aber nicht und Goldstecker sind hier völlig sinnfrei. Jedenfalls solange die optischen Kabel nur aus PMMA sind, kann man sich höhere Ausgaben sparen. Echte, mehrfaserige optische Glasfaserkabel, beispielsweise aus „Boro-Silicate-Glass“, haben eine Signaldämpfung von 0,03 dB/m (und weniger) und beginnen ab empfindlichen 100,- Euro pro Meter. Ob das allerdings jetzt wirklich einen klanglichen Unterschied macht, habe ich bisher nicht getestet, da es mir das Geld nicht wert ist.

Analoge Ausgänge

SPL Mercury Rückseite Analog

SPL Mercury Rückseite Analog

  • XLR – FIXED – lautstärkefixierter Ausgang – nicht regulierbar, der Signalpfad umgeht den Lautstärkeregler auf der Vorderseite
  • XLR – VAR OUT – wird über den analogen Lautstärkeregler auf der Vorderseite kontrolliert.

Laut Internet kommt hier ein ALPS-RK27-Potentiometer zum Einsatz. Sollte das zutreffen, ist das leider ein Standardbauteil ohne nennenswerte audiophile Eigenschaften und mit den üblichen Phasen- und Impedanzproblemen versehen, die alle Potentiometer mit sich bringen. Im Test zum SPL Volume 2/8 habe ich ausführlich über die Probleme und Lösungen audiophiler Lautstärkeregelung berichtet.

Tatsächlich empfand ich den Klang über die variablen Ausgänge auch „gedrückter“ und weniger körperlich und über die fixen Ausgänge mehr „3D“ und lebendiger. Eine Spur nur, aber bemerkbar.
Da dieser Ausgang aber wohl eher zum sekundären Abhören benutzt werden wird, ist das Problem weniger kritisch, als es sich hier anhört. Aber bei einem 2.500,- Euro DAC darf man schon mal ein wenig pingeliger sein.

Zuletzt gibt es noch einen Ground-Lift, um Brummschleifen entgegenzuwirken.

Besonders positiv zu vermerken ist die zweifache Beschriftung am Mercury. Einmal „normal“ und einmal kopfüber. So ist von jeder Position aus gut Kabelstecken.

SPL Mercury 0dBFS-Eichung

SPL Mercury 0 dBFS Eichung

Wo SPL aber keineswegs gekleckert hat, ist die 0 dBFS Kalibrierung des Ausgangspegels. Wird die SYNC-Taste zwei Sekunden lang gedrückt, gelangt man in das Kalibrierungsmenü. Durch jedes weitere Drücken der SYNC-Taste wird zur nächsten Referenzstufe weitergeschaltet. Zur Auswahl stehen +14 dBu, +15 dBu, +16 dBu, +18 dBu, +20 dBu, +22 dBu, +24 dBu. Damit wären dann alle Standardwerte vereint. Das ist aber auch das einzige Sekundärmenü des Mercury!

SPL gibt die maximale Ausgangslautstärke mit +32,5 dBu an! Also Vorsicht mit der Lautstärke!
Der Dynamikumfang wird mit 127,5 dB (analog) und 120 dB (digital) bzw. 119 dB gemessen (bei +24 dBu/0 dBFS) angegeben, wobei die Werte des Rauschabstands (A-weighted) von -95 dBu und des THD+N von -101 dB (bei +20 dBu) doch sehr gering erscheinen.

Der Stromverbrauch ist mit 0,7 Amp, 17 Watt 32 VA bei 230 V, 50Hz und 0,14 Amp, 17 Watt, 32 VA bei 115 V, 60Hz erfreulich niedrig. Weniger erfreulich ist dagegen, dass sich der Netzschalter mal wieder hinten befindet.

Innenleben 120 Volt

Vom Direktor (Mk1) zum Mercury hat sich einiges getan. War es im Director noch die VOLTAiR-Technologie, die das Ausgangsdifferenzial des Analog Solutions AD1955 DACs in Audiospannung umwandelte, so ist nun im Director MK2 und dem Mercury die DLP120-Technologie verbaut, die mit „normalen“ DACs, wie hier dem AKM AK4490, arbeitet.

Im Handbuch steht dazu: “Das Ausgangsignal eines DAC-ICs muss immer mit einem Tiefpass gefiltert werden. Dies findet bei den meisten DACs digital auf dem Chip statt. Im Anschluss folgt noch die analoge Signalaufbereitungsstufe. Diese analoge Schaltung wird typischerweise mit derselben Spannung betrieben wie das DAC-IC, beispielsweise 5 V. Die erste Stufe, die das Analogsignal so vorfindet, ist also eine durch diese Spannung begrenzter Dynamikumfang und Rauschabstand. Beim Mercury kommt anstelle dieser Standardtechnik der DLP120 zum Einsatz. DLP steht für „Dual Low Pass“. Das sind zwei getrennte analoge Filter in 120-V-Technik. Je nach Art des Digitalsignals durchläuft das analoge Signal das PCM- oder den DSD-Filter und entfaltet sich frei in einen riesigen Dynamikumfang hinein. Die komplette Aufbereitungsstufe arbeitet mit einer Spannung von +/-60 V.“

SPL hat sich also nicht ausgeruht und die 120-V-Technologie weiterentwickelt. Das Ergebnis bzw. der derzeitige „State of the art“ lässt den Director MK1 aussehen wie einen archaischen Prototypen.

Latenzen und Frequenzen des DAC

Latenzen (Ableton Live 10.1.9)

Ausgänge:
44 k,  64 Samples: 3,51 ms
44 k, 265 Samples: 7,87 ms

96 k,  64 Samples: 2,68 ms
96 k, 265 Samples: 4,68 ms

192 k,  64 Samples: 2,34 ms
192 k, 265 Samples: 3,34 ms

Frequenzen

SPL Mercury Frequenzantwort AES (Handbuch Auszug)

SPL Mercury Frequenzantwort AES (Handbuch Auszug)

Was den Frequenzverlauf angeht, so reicht der Mercury von 20 Hz bis 20 kHz und ist dabei absolut linear.

SPL Mercury THD Handbuchauszug

SPL Mercury AES THD (Handbuchauszug)

Klang

Wie klingt der Mercury denn nun? Nachdem der Director zwar analytisch überzeugen konnte, musikalisch aber eine Schlaftablette war, hatte ich ja keine großen Erwartungen an den neuen Mastering-DAC. Doch man sollte immer offen für Überraschungen sein.

Schon von den ersten Klängen an war klar, der Mercury ist eine ganz andere Hausnummer als der Director (Mk1)! Der DAC hat Drive und Musikalität, ohne dabei vergleichbar HiFi-affin zu klingen wie das Universal Audio Apollo x6 und auch  ein Mytek Brooklyn muss sich da warm anziehen.

Im Vergleich spielt der Mercury bei mir minimal schlanker im Bass und seine Höhen sind hart, aber weder harsch noch scharf, sondern einfach nur sehr direkt, was man in gewissem Maße abkönnen muss. Die Seidigkeit eines Apollo x6 ist hier nicht zu finden. An Offenheit, Linearität und Durchhörbarkeit liefern sich die beiden aber ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf allerhöchstem Niveau.

SPL Mercury

SPL Mercury

Die Analyse beherrscht der Mercury auf vergleichbaren Niveau wie das x6 und der Brooklyn und behält dabei ebenfalls immer das musikalische Gesamtgeschehen im Auge. Die 120-Volt-Technologie stellt dabei noch ein zusätzliches Maß an Klangstabilität und -ordnung zur Verfügung und stellt damit quasi das andere Ende des Spektrums zum Prism Atlas dar – was aber auf fast jedes Interface zutrifft, der Klang des Atlas ist ganze eigen.

Wenn beim Atlas etwas in der Rhythmusbewegung oder den Dynamikverhältnissen nicht stimmt, hört man das sofort und die Musik wirkt hibbelig, unruhig und einfach unmusikalisch. Der Mercury stellt das durch die inhärente Stabilität nicht derart herausstehend dar, damit aber auch mehr HiFi-affin, ähnlich verzeihend wie das Apollo x6 oder der Brooklyn.

Verzeihend, aber keineswegs verschleiernd! Nein, der Mercury dürfte zu den am „ehrlichsten“ und am „natürlichsten“ klingenden DACs derzeit am Markt zählen. Es ist einfach nicht anstrengend, ihm zuzuhören und er macht trotzdem jede Menge Spaß. Eine perfekte Schnittmenge aus allen Eigenschaften, ohne relevante Kompromisse. Dies könnte die erste echte Konkurrenz zum Dangerous Music Convert-2 sein. Aber ohne direkten Vergleich wage ich das nicht zu beurteilen.

In der räumlichen Darstellung klingt der Mercury so exakt und natürlich, dass selbst Unebenheiten in der Stereoverteilung durch MID/SIDE-Bearbeitungen auffallen. Eine derart exakte Positionierung im Stereobild dürfte auch in der High-End-Klasse nicht so leicht zu überbieten sein, auch wenn er nicht mit der Tiefenstaffelung des Antelope Amari – das richtige höhenreiche Material vorausgesetzt – mithalten kann. Da ist der Mercury deutlich flacher und auch die Transiente kommen im Vergleich nicht so knackig. Dafür hat der Amari aber seinen ganz eigenen Satz von Problemen zu bewätigen.

Auch was die digitalen Audioschnittstellen angeht, konnte ich sie, dank meines Mutec MC1.2, alle gleichzeitig beschicken. Im direkten A/B-Vergleich zwischen Coax, Optical und AES ließen sich keine klanglichen Unterschiede ausmachen und im Vergleich zum selben Signal über USB auch nicht. Das ist so auch nicht unbedingt voraussetzbar, auch im High-End-Bereich nicht.

Fazit

Der SPL Mecurry macht alles richtig! Nach dem analytischen Director hat SPL eine komplette Kehrtwende gemacht. Außer der Klangstabilität durch die 120-Volt-Dynamik hat der Mercury nichts mit seinem Vorgänger gemein. Extrem musikalisch und natürlich klingend ohne jede Verschleierung oder HiFi-Anzüglickeiten durch überbetonte Frequenzbereiche stellt er das Audiomaterial durchsichtig und sowohl unangestrengt als auch unanstrengend dar, so dass er damit sehr wohl die Pole-Position unter den Masterings-DACs einzunehmen vermag.

Die einfache und schnörkellose und Software-freie Bedienung und die vielen Schnittstellen machen dabei gleich noch mal soviel Freude! Unbedingt antesten. DAC Best-buy-Anwärter!

PS: SPL, bitte, bitte noch einen Mercury Mastering-A/D-Konverter dazu!!!

Plus

  • Klang
  • Bedienung
  • Verarbeitung
  • Schnittstellenvielfalt

Minus

  • Netzschalter hinten

Preis

  • 2.499,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Danke für den Testbericht Markus,
    das scheint mir ein wirklich interessanter DA Wandler zu sein. Die Kombination von Musikalität und Transparenz ist ja so etwas wie der heilige Gral den alle Hersteller anpeilen, wenn auch die Schwerpunkte unterschiedlich gesetzt werden. Hier wäre sicherlich ein Vergleich mit der Top-Liga der Stereo DACs wie dem Bricasti M1/MC1 dem Prism Dream DA-2 oder dem Lavry Quintessence interessant auch wenn diese dann doch nochmal in einer anderen Preisklasse spielen. Der Lavry scheint übrigens was das Frontplattenlayout angeht das Vorbild für den SPL Mercury gewesen zu sein. Die Bedinelemente ähneln sich doch recht auffällig. Man sollte nochmal betonen, dass es erheblich komplizierter ist gute AD Wandler zu bauen, da hier nicht im gleichen Umfang auf hochintegrierte Bauteile aus dem Consumer-Bereich zurückgegriffen werden kann und die technische Umsetzung auch grundsätzlich höhere Anforderungen an den Entwickler stellt. Es wäre mal spannend ob sich SPL da auch ran traut.

  2. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Bei dem Absatz mit der Wordclock ist wohl ein Fehler passiert. Die Beschriftung am Gehäuse und das Manual legen nahe, das die Wordclock-Buchse ein Eingang ist. Markus, was ist denn aus dem liebgewonnenen DAC-Testparcour geworden? Kein Ghost in the Shell „R“ Test mehr? Grüsse

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hi swellkoerper,

      Du hast vollkommen recht, das ist ein Clock-Eingang, das ist wohl bei der Berarbeitung durchgerutscht.

      Was R-Test und NIN angeht, so hab ich das diesmal mehr unterschwellig in die Vergleichsaussagen mit den anderen DACs einfließen lassen, das erschien mir in dem Fall wichtiger, da er beide Tests mit Bravour bestanden hat.
      Aber ja, da hast Du recht, wenn man (also ich) mal einen Standard eingeführt hat, sollte man sich auch dran halten.

      :)

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