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Test: Antelope Amari, USB-Audiointerface, ADDAC-Wandler

23. September 2019

Referenz-Wandler und Audiointerface

antelope audio amari

Antelope Amari, USB-Audiointerface/DA-Wandler DAC

Antelope Audio stellen mit dem Amari ihr neues USB3.1 Gen1 „Reference-Grade“ 24 Bit, 384 kHz Audiointerface in Mastering-Qualität vor. „Amári“, ein Eigenname, nicht zu verwechseln mit dem japanischen Begriff „amari“ der „nicht viel“ bedeutet. Stattdessen kommt der Name aus der Yoruba-Sprache und bedeutet „Stärke“. Dabei versprechen uns Antelope ein Klangerlebnis, das selbst anspruchsvollste Audioliebhaber zufriedenstellen soll. Ob wir nun tatsächlich zufriedengestellt wurden, haben wir im Test festgehalten.

Auspacken des Antelope Audio Amari

Antelope Amari unboxed

Antelope Amari unboxed

In dem mit PU-Schaum ausgekleideten Karton befindet sich das Amari Interface mit einer Größe von 31 x 9 x 23 cm und einem Gewicht von 3 kg, was recht leicht anmutet. Das Gerät wurde nicht im 19-Zoll-Format konstruiert, woraus man schließen könnte, es wäre wohl für den Tischbetrieb bzw für das audiophile HiFi-Rack konzipiert. Warum dann aber keine IR-Fernbedienung vorgesehen wurde, ist dann allerdings eine andere Frage. Das Amari  ist eines der wenigen Interfaces mit einem echten USB3.1 Gen1 / 5.0 GBPS Anschluss.

Antelope Amari Frontal

Antelope Amari Frontal

Daneben gibt es noch ein ca. 2 Meter langes  USB 3.1 Gen1-Kabel und ein Staubtuch. Für die Stromzufuhr liegt ein Standard 18 Volt, 2 Ampere Schaltnetzteil aus tschechischer Produktion bei, was bei einem 3000,- Euro Interface für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Ich hatte leider kein entsprechen starkes besseres Netzteil da, doch hier sollten sich die Interessenten dringend überlegen, beim Kauf ein entsprechend hochwertiges HiFi-Netzteil gleich mit einzuplanen.

Es kann sich nur positiv auf den Klang auswirken, wie auf dem Bild weiter unten zu sehen ist. Wer 3.000,- Euro für ein Interface übrig hat, kann auch 300,- Euro in ein besseres Netzteil investieren. Saubererer Strom ist sowieso niemals eine Fehlinvestition.

Das Gerät wird im Betrieb auch recht warm. Zwar nur gut handwarm, aber dass es über keinerlei Lüftungsschlitze oder besondere Wärmeableitung verfügt, sollte man ihm genügend Möglichkeiten der Luftzirkulation drumherum gönnen.

Anschlüsse des Amari DA-Wandlers

Antelope Amari Rückseite

Antelope Amari Rückseite

Analoge Eingänge

Das Amari bietet als Interface analoge unsymmetrische Cinch- (RCA) und symmetrische XLR/Klinken-Kombo-Eingänge, die eine maximale Eingangslautstärke von +24 dBu an den XLR und +8,2 dBu an den Cinch-Anschlüssen vertragen. Im AD-Pfad kommen zwei AK5778-Wandler mit einem Dynamikumfang von 128 dB und einem Rauschabstand von 124 dB zum Einsatz und es kann bis 384 kHz bei 24 Bit A/D gewandelt werden.

Ausgänge

Antelope Amari Rückseite

Antelope Amari Rückseite

Die analogen symmetrischen XLR-Ausgänge liefern eine maximale Ausgangslautstärke von +24 dBu. Diese kann über ein digital gesteuertes  Trimming in 1 dB-Schritten zwischen +12 und +24 dBu eingestellt werden kann.

Hinzu kommen noch zwei getrennt regelbare und zuweisbare Klinken-XLR-Komboausgänge für die Kopfhörer. Daran können zwei unsymmetrische oder ein symmetrischer Kopfhörer an Ausgang 1 (auf max. +20 dBu beschränkt) angeschlossen werden. Es kann sogar die Ausgangsimpedanz für jeden Kopfhörer einzeln zwischen -4,6 und 85,3 Ohm in 17 Schritten angepasst werden.

Der D/A-Pfad besteht aus acht CS43198 Wandlern mit einem Dynamikumfang von 138 dB. Die Wiedergabe erfolgt mit maximal 24 Bit bei 384 kHz PCM oder nativem DSD over PCM (DoP) bis DSD 128.

An digitalen Schnittstellen stehen jeweils ein AES/EBU und ein elektrischer S/PDIF bis 192 kHz und ein optischer S/PDIF (TOSLINK) bis 96 kHz zur Verfügung. Zur Synchronisation zu anderen digitalen Geräten gibt es einen Wordclock- und einen 10 MHz Atomic-Clock-Eingang. Einen Wordclock-Ausgang gibt es leider nicht.

Liegt keine externe Wordclock vor, kann das Amari auch über den internen „Ofen“ synchronisiert werden. Die Oven-Technologie ist ein temperaturkontrollierter Oszillator (Quartz) der in einem isolierten Gehäuse immer auf konstanter Temperatur im Bezug auf die Außenwelt gehalten wird, um thermisch bedingte Schwankungen zu unterbinden. Das Amari wird aber während des Betriebs trotzdem nie mehr als handwarm, was sehr positiv zu vermerken ist.

Zuletzt gibt es noch einen echten USB3-Port mit 5 GBPS mit bidirektionaler Full-Duplex-Anbindung an den Computer. Die USB-Anbindung ist nicht USB-klassenkompatibel und benötigt einen Treiber, der von der Antelope Homepage herunterzuladen ist. Über ein USB 2.0-Kabel angeschlossen meldet sich das Amari als sauber als 480 MBPS USB 2-Gerät an.

Inbetriebnahme des Interfaces Amari

 

Antelope Amari Quickstart

Antelope Amari Quickstart

Offensichtlich möchte einem Antelope Audio die Registrierung des Amari nahelegen. Also bei Antelope ein kostenloses Konto angelegt, worauf es dann dort doch wieder heißt, das Amari bedarf derzeit keine Registrierung – im Gegensatz zum restlichen Produktkatalog von Antelope. Somit kann ich dem Prozedere, das Kollege Thilo Goldschmitz in seinem Test zum Discrete 4 angekreidet hat, nichts weiter Erhellendes hinzufügen.

Antelope Amari Registrierung

Antelope Amari Nicht-/Registrierung

Nach diversen Neustarts während der Installation des Antelope Unified-Treibers und des Antelope Launchers ist es endlich soweit.

Während des Tests offenbarte sich eine Eigenheit des USB-Treibers, der es überhaupt nicht mochte, wenn der Mac mini (2018) vor dem Amari kaltgestartet wurde. War das der Fall, half kein An- und Abstecken des USB-Kabels, noch ein Trennen des Amaris vom Stromnetz, um die USB-Verbindung herzustellen. Nur ein Reboot des Mac konnte hier Abhilfe schaffen. Wurde das Amari aber vor dem Mac kaltgestartet, lief die USB-Verbndung zum Mac durchweg stabil und reibungslos.

Das Amari läuft direkt am Mac auch  stabiler als über einen 5 GBPS USB-Hub. Aber immerhin klingt das Amari über USB genau so, wie über die digitalen Audioausgänge, was bei den allermeisten preiswerteren Interfaces nicht der Fall ist. In der Regel klingen die Interfaces über AES/EBU, S/PDIF  oder TOSLINK besser!

Antelope Amari Installation 1

Antelope Amari Installation 1

Antelope Amari Launcher

Antelope Amari Launcher

Nach der Installation öffnet sich der Software-Launcher, über den die Hardware, Firmware-Updates und eventuelle Software-Zusätze verwaltet werden können. Der Launcher ist minimal und stört weiter nicht und ist zum Arbeiten mit dem Amari auch nicht notwendig.

Antelope Amari Launcher Server

Antelope Amari Launcher Server

Die Fernsteuerungs-Software ist hingegen ein Paradebeispiel dafür, wie Software nicht programmiert werden sollte! Unwichtige Anzeigen sind riesengroß und platzverschwenderisch aufgebauscht und wichtige Anzeigen und Menüs zum Aufklappen sind so klein, dass sie sogar Native Instruments in den Schatten stellen.

Statt professioneller Bildschirmergonomie gibt es disfunktionale Vintage-Bitmap-Reminisenzen. Softwaredesign aus dem letzten Jahrtausend und ergonomisch nicht durchdacht.

Antelope Amari Panel

Antelope Amari Panel

Antelope Amari Panel

Antelope Amari Panel – Vver Menüs ganz klein

Bedienung des Antelope Audio Amari

Zum Glück kann das Amari völlig autark am Gerät bedient werden und man muss sich nach der Installation so gut wie gar nicht mehr mit der Software abgeben. Leider erklärt das englischsprachige PDF-Handbuch nur die Bedienung anhand der Software. Wir zeigen deshalb die Funktionalität am Gerät selbst.

Antelope Amari Menu Hauptseite

Antelope Amari Menü Hauptseite

Die Bedienung am Gerät ist denkbar einfach. Zunächst einmal sind unten im Display die Signalziele aufgereiht, als da wären der Monitor (Hauptausgang), die beiden Kopfhörerausgänge, AES/ EBU, S/PDIF (elektrisch) und Toslink (optisch). Jedem dieser Ziele kann nun eine der Quellen Analog, USB, AES/ EBU , S/PDIF oder Toslink zugeordnet werden. Das war’s.

Antelope Amari Menu Eingaenge

Antelope Amari Menü Eingänge

In der Kopfzeile lässt sich noch die Wordclock-Quelle aus denselben Optionen auswählen wie bereits genannt, plus dem internen Oven und natürlich dem Wordclock-Eingang.

Antelope Amari Menu Clock

Antelope Amari Menü Clock

Im MENU werden diverse Einstellungen vorgenommen, die z. B. die Wahl der analogen Cinch- oder XLR-Eingänge, die Ausgangsimpedanz der Kopfhörer und die fünf Presets umfassen.

Antelope Amari Menu Analog-In

Antelope Amari Menü Analog-In – symmetrisch oder unsymmetrisch?

Persönlich finde ich es etwas umständlich, jeden Preset-Wechsel noch mal extra bestätigen zu müssen, schließlich sind Presets zum schnellen Wechsel da, aber was soll‘s.

Antelope Amari Menu Monitor

Antelope Amari Menü Monitor

 

Antelope Amari Menu HP1

Antelope Amari Menü HP1

Mit einem Drehen oder Drücken (was keine Verstellung der Lautstärke zur Folge hat) auf einen der Regler am Amari wird die Anzeige der Monitorlautstärke für den Hauptausgang und die beiden Kopfhörer erreicht.

Antelope Amari Menu Ausgangslautstaerke

Antelope Amari Menü Ausgangslautstärke

Hier lässt sich auch die Ausgangslautstärke zwischen +12 und +24 dBu in 1 dBU-Schritten einstellen, denn manche Endverstärker oder Aktivboxen mögen zu hohe oder zu niedrige Pegel nicht. Sehr schön!

Antelope Amari Menu HP-Impedanz

Antelope Amari Menü HP-Impedanz

Ansonsten befinden sich am Gerät noch ein sehr praktischer Mono-Schalter sowie zur Stummschaltung und zum Dimmen der Lautstärke. Ausgeschaltet wird das Amari über den Power-Option am Touch-Display und so wird es auch wieder eingeschaltet.

 

Latenzen & Frequenzen zum Amari

Selbst unter Volllast mit einem 0 dBFS Testsignal bricht das Amari nicht ein und liefert kaum harmonische Verzerrungen. Allerdings sieht man auch ganz deutlich die 50 Hz Einstreuungen des Schaltnetzteils.

(Ableton Live 10)

  • 44 kHz, 64 Samples Pufffer: Eingang: 8,39 ms Ausgang: 8,05 ms
  • 44 kHz, 256 Samples Pufffer: Eingang: 3,86 ms Ausgang: 3,59 ms
  • 96 kHz, 64 Samples Pufffer: Eingang: 2,99 ms Ausgang: 2,72 ms
  • 96 kHz, 256 Samples Pufffer: Eingang: 4,99 ms Ausgang: 4,72 ms
  • 192 kHz, 64 Samples Pufffer: Eingang: 2,86 ms Ausgang: 2,59 ms
  • 192 kHz, 256 Samples Pufffer: Eingang: 3,86 ms Ausgang: 3,59 ms

Dabei ist es absolut unerheblich, ob das Interface über USB 2.0 oder USB 3.1 Gen1 betrieben wird. Die Werte bleiben gleich.

Antelope Amari Frequenzgang 384kHz

Antelope Amari Frequenzgang

Antelope Amari Phasenlage

Antelope Amari Phasenlage

 

Antelope Amari Hammerstein

Antelope Amari Hammerstein-Analyse

 

Antelope Amari THD N 50Hz Brummen

Antelope Amari THD+N + 50 Hz Brummen des Netzteils

Wie man an den Bilder unschwer erkennen kann, zeigen die Standardtests offensichtlich eine große Ingenieurleistung. Absolut linearer Frequenzgang und lineare Phasenlage und einen absolut fantastischen THD+N Wert – bis auf die Einstreuungen des mitgelieferten Netzteils – und praktisch kein sonstigen harmonischen Verzerrungen (Hammerstein). Ich habe die Test mehrfach wiederholt, weil ich die Ergebnisse selbst nicht glauben wollte.

Antelope Amari ADDA USB EIN-AUS

Antelope Amari ADDA-Loop USB EIN-AUS weißes Rauschen

Auch bei der AD/DA-Wandlung im Looptest gibt das Amari das aus was es aufnimmt bzw. umgekehrt. Die Abweichungen in den Bildern sind lediglich Messfluktuationen im Averaging-Zeitfenster (besonders unter 70 Hz beim Test mit weißem Rauschen). Das Amari ist wandlungs-technisch effektiv unsichtbar!

Klang

Auch hier traf man sich wieder zu dritt für eine Hörsession mit dem Amari im Standalone-Modus, wie sie schon beim Brooklyn DAC+ und dem SPL Director stattgefunden hatte. Zum Einsatz kam diverses CD-Material. Das Ergebnis in der Kurzversion: Der Klang bei 44 kHz ist überragend, aber dennoch noch nicht das ultimative Ende.

Das Amari ist auch hier ein Interface mit vielen „Aber“. Zunächst einmal ist das Amari das „unsichtbarste“ Interface, das ich bisher gehört habe. Kein anderes Interface war bisher so nahe an dem Gefühl, dass sich nichts mehr zwischen der Musik und den Hörern befindet, so durchlässig ist der Klang! Aber das Amari ist auch eindeutig auf der analytischen Seite zu Hause und besonders bei Akustikaufnahmen fehlt es beim audiophilen Hören mitunter doch an Musikalität und und Lebendigkeit, wenn man sich ansieht, was z.B. der Brooklyn DAC+ oder Dangerous Music Convert-2 bieten kann.

Der Klang des Amari seine Eingenheiten. Das Amari ist zwar über das ganze Spektrum überaus linear exakt, doch das resultiert auch in strengen Mitten und noch strengeren d. h. hervortretenden Höhen. Diese sind zwar oftmals sehr scharf, aber niemals harsch und bei weitem nicht so aufdringlich und unnatürlich wie beim Crane Song Solaris Quantum.

Wie gesagt enthüllt das Amari alles. Wenn die Höhen unausgeglichen sind, hört man das sofort. Wenn der Bass matscht, hört man das sofort, wenn die Mitten schlecht sitzen, dann hört man das sofort, genau so wie die Panoramapositionen, wenn es sie gibt.

Tiefenstaffellung und Phantombühne

Das sind zwei Paar Schuhe. Bei ersterem zeigt das Amari der Konkurrenz deutlich, wo es langgeht. Bei NIN „We‘re in this togeher now“ kann man sich durch jede Instrumenteneben in diesem Soundkonvolut durchhören und ihm folgen, es wird alles offenbart.

antelope audio amari

Auch bei „Making of Cyborg“ vom 1995 Anime Soundtrack von „Ghost in the Shell“ hört man erst, wie lange die Hallfahne der initialen Schellen eigentlich geht! Nämlich bis kurz vor den ersten Gesangseinsatz. Die allermeisten Interface machen hier auf halber Strecke schlapp. Hier zahlen sich die linearen Höhen des Amari aus.

Bei der Räumlichkeit ist es hingegen ein wenig komplexer. Das Amari scheint die Räumlichkeitsinformationen besonders aus dem Mitten und Höhen zu beziehen. Das merkt man ganz besonders bei Stimmen und Chören. So hatten wir z. B. bei Leonard Cohen „The Future“ (Natural Born Killers, Soundtrack) das tasächliche Gefühl, im selben Raum mit dem Hintergundchor zu stehen und bei Alison Krauss‘ „Down To The River To Pray“ (O Brother, Where Art Thou, Soundtrack) war dieses Gefühl noch intensiver.

Jedoch scheint das Amari generell künstliche Räume den natürlichen zu bevorzugen bzw. besser zu verarbeiten, denn hier ist die Phantombühnenschwelle deutlich niedriger. Bei diversen akustischen Jazzaufnahmen und Singer/Songwriter-Material, die weniger in hellhalligen und eher in akustisch trockenen, optimierten Tonstudios oder Aufnahmekabinen erstellt wurden, konnte das Amari dagegen weniger auftrumpfen und erinnert mehr an den 2D-haften Sound von Focusrite.

Entsprechend klebte der Sound hier auch etwas an den Boxen und wirkte damit bemühter. Auch z.B. Tori Amos (I can‘t see New York, Winter, Rattlesnakes) musste hier Einbußen erfahren. Das hatten wir schon lebendiger gehört. Hier zieht der Mytek Brooklyn oder ein auch älterer Lake People F45/ F46 musikalisch unverhohlen und leichten Fußes vorbei.

Bei elektronisch erzeugtem oder sonstigem elektrisch abgegriffenem Material, wenn es gut aufbereitet war, erreicht das Amari dagegen durchgehend lebendigere Ergebnisse.

Impulstreue

Bei der Impulstreue und den Transienten sieht es wiederum anders aus. Hier liefert das Amari wohl die exaktesten Ergebnisse, die ich bisher gehört habe. Der R-Test von „Making of Cyborg“ wurde noch nie zuvor so präzise ausbuchstabiert wie hier, im wahrsten Sinne des Wortes. Silbentrennung bzw. -verschlucken wurde perfekt dargestellt.

Bei dem Implus-Teststück „Fragment“ von Emptyset, das quasi nur aus Impulsen und Transienten komponiert ist, war es zum ersten mal so, dass ich mir dachte „ JA! So klingt das Stück wirklich“. Bei allen anderen Interfaces hatte ich bisher immer das Gefühl, als fehlte da noch was an Dynamikbewegung. Nun, das Amari lieferte es schließlich. Die ganzen spektralen Impulsspielereien, die hier ablaufen, wurden selbst von einem Convert-2 oder Brooklyn nicht so sauber reproduziert. Was das Amari hier abliefert, ist absolut „Referenz Grade“ – ich möchte „Fragment“ nur noch auf dem Amari hören und das täglich!

DSD

Zum ersten Mal führte ich auch einen Test mit DSD-Material durch, weil ich endlich einen brauchbaren, einfachen und preiswerten DSD-Player für MacOS gefunden habe, der mich nicht mit nutzlosen Online-Features zumüllt wie andere Player: der Bit-akkurate (soweit das bei einem nicht-fehlerkorrigierenden Protokoll überhaupt möglich ist) Colibri von Gabor Hargitai aus dem Mac App-Store.

Als Teststücke kamen folgende kostenlos erhältlichen akustischen Aufnahmen vom norwegischen 2L-Label zum Einsatz:

  • Vivaldi – Cantata RV 679, Aria (Katalog-Nr. 2L 0-56)
  • Arnesen – „MAGNIFICAT 4“. „Et misericordia“ (Katalog-Nr. 2L-106)
  • Finzi – „Come Away, Death“ (Katalog-Nr. 2L-064)

Bei 44 kHz unterscheiden sich die Interface noch sehr stark. Das scheint sich mit Anstieg der Sampling-Raten aber zu nivellieren oder vielleicht liegt es am DSD-Format, das dann vielleicht doch audiophiler und exakter ist als PCM-Formate. Oder die neueren Konverter sind tatsächlich mehr auf hohe Auflösungen optimiert als die alten. „CD-Qualität“ ist wohl ein Auslaufmodell.

Auf jeden Fall wurde der Unterschied zwischen dem Amari und meinem Mytek Stereo192 bei DSD 128-Aufnahmen (192 kHz) deutlich geringer, um nicht zu sagen nahezu ununterscheidbar. Der Amari punktete lediglich noch mit mehr natürlicher Räumlichkeit und machte den „Raum“ noch etwas erfahrbarer, verortete sozusagen die Aufnahmeposition der Mikrofone und integrierte die Vivaldi-Sängerin noch etwas „tiefer“ in den Raum. Da bei diesen Aufnahmen offensichtlich auch mehr heller Raumhall im Spiel war, kann das Amari hier natürlich brillieren.

antelope audio amari

Aber das, was an „Musik im Gesamten“ geboten wurde, hätte ich im Blindtest zwischen den beiden Geräten bei DSD128-Aufnahmen niemals unterscheiden können. Zumindest bei 44 kHz muss das Amari die Phantombühne aber noch dem Dangerous Music Convert-2 (das aber kein DoP beherrscht) überlassen.

Gesamtbild – „Audiophil“ vs. „Studio“

Im Gesamten macht das Amari bei 44 kHz aber ein dennoch durchwachsenes Bild. Der Brillanz in den Einzeldisziplinen wird durch seine analytische Charakteristik ein Bein derart gestellt, dass aus „Klangerreignissen“ nicht automatisch „Musik“ wird. Ein Beispiel dafür, dass mehr auch mal zu viel sein kann. Damit bleibt der Mytek Brooklyn DAC+ klanglich der bessere (beste) Allrounder.

Die ursprüngliche Zusatzbezeichnung „Mastering Grade“ (wurde inzwischen in „Reference Grade“ umgemünzt) ist hier wörtlich zu nehmen, denn zum Musikkonsum taugt das Amari nur bedingt, da es alles schonungslos analysiert. Wenn eine Aufnahme schlecht gemischt / gemastert wurde, dann hört man das sofort und erzeugt dann auch schnell die falsche Art von Gänsehaut. Entsprechend ist es mit dem Amari aber auch deutlich schwerer, falsche Entscheidungen beim Mixen und Mastern zu treffen als mit anderen Interfaces.

antelope audio amari

Die geringere Emotionalität ist beim Mastern eventuell auch eher von Vorteil, da man hier vorwiegend einen (wenn auch geliebten) Job zu erledigen hat, um einen Mix falls notwendig einen ausgewogeneren Schliff zu verpassen und an das Zielformat (Album, Compilation, Streaming, Film etc.) anzupassen. Wenn man das mehrere Stunden täglich macht, ist es mitunter nicht unbedingt vorteilhaft, ständig emotional angesprochen zu werden, wenn man auf Fehler- und Entscheidungssuche ist.

Dabei geht das Amari aber immer noch deutlich enthusiastischer zu Werke als der SPL Director, der an Musikalität gar nichts zu bieten hat und nur analytisch und langweilig klingt. Hätte ich die Wahl zwischen den beiden, ich würde ohne jedes Überlegen das Amari wählen.

Fazit

Zum allgemeinen Medienkonsum weniger geeignet, zum Mischen und Mastern allerdings genau das, was man sich als Tontechniker wohl immer zur Klanganalyse gewünscht hat, denn es ist das unsichtbarste Interface, das ich je testen durfte. Das Amari deckt Fehler, Schlampereien und Unbalancen schonungslos auf, allerdings auf Kosten der Gesamtmusikalität. Darüber sollte man sich bei der Anschaffung des Antelope Amari im Klaren sein.

Ansonsten ist das Amari hochwertig verarbeitet und läuft, wenn man die Kaltstartreihenfolge einhält und das Amari immer zuerst einschaltet, durchweg stabil und sorgenfrei. Der Treiber kann aber sicher noch weiter verbesseret werden, im optimalen Fall mit einem Firmware-Upgrade zu einem klassenkompatiblen USB-Interface. Mit dem derzeitigen Ist-Zustand kann man aber gut arbeiten.

Jene, die dazu bereit sind, erhalten einen Mastering-Grade AD/DA-Wandler mit einem hervorragenden Preis-Klang-Verhältnis, der sich auch vor noch teureren Konkurrenten nicht zu verstecken braucht.

Plus

  • AD/DA-Interface
  • effektiv unsichbar im Signalpfad - absolut linear!

Minus

  • Mac muss vor dem Amari kaltgestartet werden, sonst keine USB-Verbindung
  • unergonomisches Control-Panel-Design
  • kein adäquates Netzeil im Lieferumfang
  • wenig hilfreiches PDF-Handbuch

Preis

  • 2.995,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    bluebell  

    Nicht Class Compliant. Absicht oder Unvermögen?

    Bei einem Gerät dieser Preisklasse ist der Wunsch des Interessenten nach Investitionssicherung besonders groß. Eingebaute Obsoleszenz, weil der Hersteller nach ein paar MacOS- oder Windows-Versionen keine Lust mehr hat, Entwicklungsaufwand für bereits verkaufte Produkte zu betreiben (Anpassung des Treibers), passt nicht in diese Preisklasse.

    Oder ist es keine geplante Obsoleszenz, sondern sie kriegen ihre Firmware nicht gebacken und flicken dann mit Fummeltreibern auf den Rechnern die Symptome?

    P.S.: Wäre eine besonders hochwertige Computermaus eigentlich eine Reference- oder eine Mastering-Maus?

  2. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Danke für den spannenden Test Markus. Die Wandler-ICs werden immer besser daher scheint es mir rücken High-End und mittlerer Preisbereich näher zusammen. Die Hersteller haben es immer einfacher hochwertige Wandler zu bauen. Manchmal werden sie dann anscheinend etwas übermütig. Solch ein billig Netzteil ist der anscheinend doch recht guten klingenden Kiste nicht angemessen. Den Unterschied zwischen High-End und dem mittleren Preisbereich kann mann also immer noch an der Peripherie um die Wandler herum festmachen. Wäre mal interessant zu testen ob sich der von Dir beschriebene Rückstand bei der Abbildung der Phantombühne durch ein besseres Netzteil aufholen liesse.
    Grüße,
    psv

    • Profilbild
      bluebell  

      Wenn die Spikes entfielen, wären das unglaubliche 150 dB Störspannungsabstand. Wahnsinn. Und dann wird in den unteren Frequenzen dieser tolle Wert durch ein billiges Netzteil kaputtgemacht.

      In den hohen Lagen müsste eigentlich was mit Dithering zu machen sein, dann würden die Spikes glattgebügelt werden.

      • Profilbild
        psv-ddv  AHU

        Jup. Nehme auch an, dass sich da mit einer sauberen Stromversorgung noch richtig was verbessern liesse, vermutlich sogar in den höheren Frequenzbereichen und jenseits der offensichtlichen messtechnischen Auffälligkeiten. Technisch tut sich da zur Zeit echt eine Menge. Man muss sich als Musiker nur daran gewöhnen, dass sich bei so linearen und sauberen Wandlern nichts mehr verstecken lässt. Auf einmal hört man (adäquates Monitoring vorausgesetzt) alle Unzulänglichkeiten im Quallmaterial. Macht die Arbeit nicht unbedingt immer leichter, es führt aber meiner Meinung nach kein Weg daran vorbei. Is wie mit den hohen Bildauflösungen beim Film: Auf einmal erkennt man die Gesichtsporen der Schauspieler. Ob man will oder nicht.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Danke. :)

      Leider habe ich keine guten Stromnetzteilen über 12V/ 2A. Alles was darüber geht ist doch eher selten. Ein Trenntrafo hätte ich mir noch leihen können.

      Und auch ja, hier scheidet sich Home- / SemiPro-Ausrüstung, die einfach alles (wenn auch musikalisch angenehm) kaschiert von Pro-Ausrüstung, die die (ich darf dich mal zitieren) „Signalverstümmelung“ in Medienprodukten offenlegt.

  3. Profilbild
    g.kusche  RED

    Hallo Markus, vielen Dank für den schönen Testbericht. Was versteht man unter dem Begriff Phantombühnenschwelle? Ich habe den noch nie gehört. Auch Suchmaschinen schweigen hierzu. Danke vorab für die Aufklärung.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo Gerhard,

      Wie im Test beschrieben, braucht das Amari offenstichtlich bestimmte Vorraussetzungen um überzeugend räumlich zu klingend. Der Convert-2 z.B. ist wesentlich weniger anspruchsvoll um vergleichbar räumlich zu klingen.

    • Profilbild
      bluebell  

      Klar. Sauberer Strom aus der Steckdose hat einen konstanten, sinusförmigen Spannungsverlauf mit 50 Hz bei 230 V effektiv .

      Dreckiger Strom kann aus schlechten USVs kommen (rechteckförmiger Spannungsverlauf) oder mit Störfrequenzen verschmutzt sein (meist Oberwellen).

      Kommt sowas aus der Steckdose, ist das meist nicht schlimm, weil in den Geräten gute Netzteile sitzen. Ist das Netzteil ausgelagert, sollte es von ebenso hoher Qualität sein, vor allem, wenn es Gleichspannung liefert und sich das zu versorgende Gerät auf eine saubere Stromversorgung verlässt. Kommt keine saubere Gleichspanung, dann kann das tatsächlich die Funktion des Geräts beeinflussen.

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        psv-ddv  AHU

        Eben. Müll rein = Müll raus. Insbesondere Wandler die ja mit sehr hohen Frequenzen Audiosignale rekonstruieren sind extrem sensibel was Störungen/Modulationen in der Spannungsversorgung angeht.

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      Markus Schroeder  RED

      MIt „sauberer Strom“ ist hier immer Strom mit extrem konstanter Leistung gemeint.

      Der 230V / 50 Hz / 16A Welchselstom kommt (hierzulande und überall sonst auch) mitnichten so konstant wie auf dem Datenblatt aus der Steckdose, sondern schwankt durchaus mal 10%. Analoge wie digitale Schlatkreise reagieren auf diese Schwankungen mitunter empfindlich.

      Für diese muss dann im internen oder externen Netzteil nun konstante 220V/50 Hz aufbereiten oder auch in z.B. 15V / 1A Gleichstrom umgenwandelt. Das ist ein erheblicher teschnischer Aufand. Und Gleichstrom ist auch nicht Gleichstrom. Es gibt den „gerichteten“ (nur die positiven Amplituden des Wechselstroms) und es gibt den „echten“, der wirklich lineare 15 V / X mAh liefert wie bei einer Batterie.

      Für den schnellen Fix vor Ort gibt es Power Conditioner. Gehst Du in eine Rundfunkanstalt, kannst Du erfahren welcher Aufwand im professionellen Bereich dafür betrieben wird.

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        TobyB  RED

        Die netten Frequenzschwankungen kommen dann noch on top. Spannungsstabilisatoren haben noch andere Vorteile Groundlift etc. Nachteil die Kiste kann man nicht auslutschen, sie muss entsprechend „über“dimensioniert sein. Die Rundfunkanstalten gehen mit der DIN Norm voran und machen dann eine Abnahme und Leistungsfeststellungsprüfung. Und wehe so ein Tonmeister-Goldohr hört Netzbrumm oder Masse-Brumm :-D

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      Markus Schroeder  RED

      PS: das Bild „Antelope Amari THD+N + 50 Hz Brummen des Netzteils“ zeigt es ja bereits. Wäre der Strom vom Netzeil „sauber“ gäbe es nicht die rot markierte 50Hz Beule in der Aufnahme und der Rauschabstand wäre über den gesamten Frequenzbereich (bis auf die THD-Spitzen halt) linear. :)

  4. Profilbild
    dAS hEIKO  

    Nach den genannten Minuspunkten sollte man in dieser Liga eigentlich nicht fragen müssen. Ich denke da gäbe es bestimmt auch andere Hersteller, die gerne 3.000 Euro nehmen würden und diese faux pas zu vermeiden wissen.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Ich bin da voll bei Dir. Aber wie geschrieben, allein die Klang / Preis-Leistung ist herausragend. Eine Brooklyn DAC/ADC-Kombo kostet auch €4000. Convert 2 DAC/ADC sogar €5000.
      Da kommen vielleicht Prism Sound Titan oder Lyra mit, wenn ich mal vom (SPOILER) Prism Atlas ausgehe, den ich grad hier habe.

      Wie beschrieben, lässt sich das Amari (bis auf 384kHz halt) auch komplett über AES/ SPDIF betreiben (was ich größtenteils getan habe). Aber die Situation ist natürlich nicht ideal.

  5. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Deutschland hat ein »230V 50 Hz Dreiphasensystem«.
    Eine gute Anschaffung ist ein »FURMAN Power Conditioner«. Je nach Ausführung bieten diese Geräte auch einen Schutz vor Überspannungen etc. und übernehmen die Stromverteilung. Bei mir sind alle Geräte damit verbunden und ich habe seither keine Probleme mehr.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Hallo Franz, ab dem Stern sind es 3 mal einphasig L1, L2 und L3. Vor dem Stern ist 400-V-Drehstromnetz als Synonym ist okay, bei Veff ~230V * Quadrarwurzel(3) = 400V 3 phasig. Hier bei mir werkelt auch ein Spannungstabilisator und Trenntrafo fröhlich. Nur ist der nicht von Furman.

      • Profilbild
        Franz Walsch  AHU

        Da wurde ich falsch verstanden.

        Deutschland hat ein »230V 50 Hz Dreiphasensystem« war nicht in Bezug zum »Furman« gemeint, sondern ist die Definition des dt. Stromnetzes. Deshalb auch der Absatz.

  6. Profilbild
    Sebi87

    Hi, mit welchem Frontend und welcher Software wurden denn die Tests (Frequenzgang, THD+N, etc.) durchgeführt?

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