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Test: Radial Engineering Vocoloco, Effekt-Switcher mit Mic-Preamp

Die Fusion zweier Welten!

27. November 2023
radial engineering vocoloco test des effektgeräts für mikrofonsignale

Radial Engineering Vocoloco, Effekt-Switcher mit Mic-Preamp

Als Gitarrist kennt man das Problem. Wenngleich viele musikbegeisterte Zuhörer die Gitarre als ein mehr oder minder cooles Instrument bezeichnen, so erfährt man von den Musikerkollegen bisweilen eine eher geringschätzende Bewertung. Während alles was aus dem Piano-Bereich kommt, Gitarristen in der Regel in Sachen Harmonielehre für harmonisch eher dezent bewanderte Steinzeitmenschen hält und Sänger generell die Funktion eines Gitarristen nur darin sehen, ihre Herrlichkeit zu begleiten, gibt es einen Bereich, um den alle Instrumentalisten die Gitarristen beneiden. Die Rede ist von der schier gigantischen Auswahl an Pedalen, um den persönlichen Klang zu finden und zu definieren, die den meisten Instrumentalisten schon aus technischen Anpassungsproblemen verschlossen bleiben. Hier kommt die kanadische Firma Radial Engineering ins Spiel, die einmal mehr mit einem eher unspektakulären, aber extrem sinnvollen Tool für dieses Problem Abhilfe schaffen will und den Radial Engineering Vocoloco ins Feld führt.

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Radial Engineering Vocoloco Test

Radial Engineering Vocoloco Aufsicht

Das Konzept des Radial Engineering Vocoloco

Wann immer man sich im professionellen Bereich mit der Abteilung Schaltern, Impedanzwandlern und DI-Boxen auseinandersetzen muss, trifft man früher oder später auf die Firma Radial Engineering. Die kanadische Firma, die ihre Produkte ebenfalls in Kanada herstellen lässt, besticht generell mit einer sehr guten Verarbeitung und teilweise schon absurd einfachen Lösungen für technische Probleme, wo man sich sonst die Haare büschelweise ausreißen möchte. Zudem baut Radial Engineering seine Produkte für die Ewigkeit, das heißt, jedes Produkt ist extrem massiv angelegt, so auch das zum Test vorliegende Radial Engineering Vocoloco, dessen Stahlgehäuse trotz der geringen Abmessungen von 14,5 x 9,5 x 5 cm (B x T x H) ein Gewicht von fast 1 kg auf die Waage bringt. Sollte man den Radial Engineering Vocoloco nicht auf einem Floorboard befestigen, liegen dem Produkt 4 aufklebbare Gummifüße bei, die auch auf glatten Flächen einen vergleichsweise gute Haftung bieten.

Laut Produktbeschreibung handelt es sich bei dem Vocoloco um einen Effekt-Switcher mit eingebautem Mikrofon-Preamp, was meines Erachtens allerdings die Möglichkeiten des Produktes nur sehr marginal wiedergibt. Vielmehr erlaubt das Produkt die Verbindung des durchweg symmetrisch gehaltenen Mikrofonsignals, in welcher Form auch immer, mit den durchweg unsymmetrisch gehaltenen Pedalen aus dem Gitarren-Bass-Bereich in eine gemeinsame Signalkette einbinden zu können. Es ist somit offensichtlich, dass auch hier mit Impedanzwandlungen gearbeitet werden muss, um die beiden Welten der Signalführung fusionieren lassen zu können.

radial engineering vocoloco test des effektgeräts mit mic preamp

Der Vocoloco muss vom Prinzip her in zwei Bereiche unterteilt werden, die auf der Oberseite des Gehäuses auch optisch voneinander abgesetzt sind. Hier wäre zum einen der Mikrofon-Preamp, der über einen Gain-Regler, einen Bassregler und einen Höhenregler verfügt und sich erwartungsgemäß um das Signal des eingespeisten Mikrofons kümmert. Der andere Bereich hingegen kümmert sich um die Loop-Funktion, wo die jeweiligen Pedale eingeschleift werden. Hierbei kann man separat regeln, wie viel Signalstärke in die Effektpedale ausgegeben wird und wie stark der Pegel ist, der aus den Geräten zurückkommt. Zudem hat man einen Tonregler, um die Klangfarbe der Effekte leicht zu beeinflussen und man bietet zusätzlich einen Mix-Regler, um den Anteil zwischen dem Effektsignal und dem trockenen Signal einzustellen.

Mittels zweier Fußschalter kann man zum einen den Effekt-Loop für die Pedale separat aktivieren beziehungsweise deaktivieren und man hat einen Mute-Schalter mit dem man die ganze Signalkette stummschalten kann. Dies ist zum Beispiel in Spielpausen sehr hilfreich. Über einen vertieft eingebauten Druckschalter kann man den Mute-Schalter auch in einen „All Wet“-Schalter umfunktionieren.

Um den Radial Engineering Vocoloco zu betreiben, wird von Radial Engineering ein externes Netzteil mitgeliefert. Der große Vorteil dieses Netzteils ist der variable Aufsatz verschiedener Stecker, so dass das Produkt weltweit verwendet werden kann. Der Nachteil dieses Netzteils sind seine Werte. Mit einer Spannungsabgabe von 15 V Gleichstrom bei 400 mA Stromstärke verwendet das Netzteil sehr ungewöhnliche Werte, was zur Folge hat, dass man den Vocoloco sehr wahrscheinlich ohne das mitgelieferte Netzteil nicht betreiben kann. Mir ist zumindest aus dem Gitarrenbereich kein Netzteil bekannt, das über 15 V verfügt. Also merken, niemals dieses Netzteil verlieren, sonst kein Betrieb möglich. Etwas ungewöhnlich ist auch die Zugentlastung des Netzkabels, das oberhalb der Netzbuchse platziert wurde. Wie bei Radial Engineer üblich, ist selbst diese kleine Kunststofflasche sehr massiv und wird wahrscheinlich im Laufe ihres Betriebslebens niemals kaputtgehen. Der Nachteil ist hingegen, dass diese Lasche so massiv ist, dass ich sie nicht nach vorne, geschweige denn zur Seite bewegen konnte, um das Netzkabel darunter zu platzieren, sondern man muss mit einem speziellen Inbusschlüssel die Halterung lösen, das Kabel platzieren und die Halterung wieder anschrauben. Auf der einen Seite eine sehr langlebige Lösung, auf der anderen Seite vielleicht einen Hauch übertrieben was die Praxistauglichkeit angeht.

radial engineering vocoloco test des effektgeräts mit mic preamp

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Des Weiteren befinden sich auf der Stirnseite des Gehäuses drei weitere vertieft angebrachte Druckschalter, mit denen verschiedene Funktionen geschaltet werden können. Zum einen haben wir die Phantomspeisung von 48 V, deren Aktivierung über eine rote LED auf der Oberseite des Gehäuses nochmals angezeigt wird.

Ebenso befindet sich ein Groundlift-Schalter auf der Stirnseite und ein 180 Grad Phasenschalter. Wer sich jetzt fragt, warum dieses Produkt über einen Phasenschalter verfügt, sollte sich bewusst machen, dass viele Hersteller von Gitarreneffekten sich bezüglich Phasentreue einem feuchten Kehricht darum kümmern, da es schlicht und ergreifend im Gitarrenbereich nicht nötig ist, sich klanglich hierüber Gedanken zu machen. Geht das Ganze hingegen in die Mikrofonabteilung über, kann eine falsche Phasenlage schon einmal zu den berüchtigten Mittenauslöschungen führen, was den Sound grausig bis dünn erklingen lässt. Über diesen Schalter kann man unter Umständen genau dieses Problem eliminieren. Einmal mehr erkennt man an solchen Kleinigkeiten, wie sehr sich Radial Engineering um die Signalführung bis ins letzte Detail Gedanken macht.

Abschließend bietet der Vocoloco noch einen Mikrofoneingang und Mikrofonausgang, natürlich symmetrisch, und einen unsymmetrischen Effekt-Loop mit entsprechenden Klinkenbuchsen. Sehr schön auch das beigefügte englischsprachige Handbuch, das die wichtigsten Funktionsweisen der jeweiligen Bedienungselemente bis hinunter zu praktischen Beispielen, wie man den Radial Engineering Vocoloco am besten einsetzen kann, abbildet. Interessanterweise ist die Bedienungsanleitung nur in Englisch gehalten. Bei einem kanadischen Hersteller hätte ich mir zumindest gedacht, dass eine weitere Ausführung in Französisch dem Produkt beigefügt wird.

Radial Engineering Vocoloco Test

Radial Engineering Vocoloco

Der Radial Engineering Vocoloco in der Praxis

Wenn gleich die meisten User sich vorstellen, den Radial Engineering Vocoloco in Zusammenspiel mit einem Gesangsmikrofon zu verwenden, sollte man sich jedoch immer vor Augen führen, dass das Produkt insbesondere bei der Verwendung von Bläsern oder auch beispielsweise einer Mundharmonika exzellente Dienste leisten kann. Letztendlich kann jedes Instrument, das mit einem Mikrofon abgenommen wird, von dem System profitieren. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie Stewart Copeland, seines Zeichens Schlagzeuger bei der Band The Police, in seinen Anfangstagen seine Schlagzeugrhythmen über Delay-Pedale geschickt hat, um einen räumlichen Effekt bei den Live-Konzerten zu generieren. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was es seinerzeit für ein Aufwand gewesen sein muss, die Mikrofonsignale an die entsprechenden Gitarreneffekte anzupassen.

radial engineering vocoloco test des effektgeräts mit mic preamp

Ansonsten gibt es über den Praxisteil des Radial Engineering Vocoloco so gut wie nichts zu sagen, außer dass das Produkt exzellent funktioniert, keinerlei Nebengeräusche hat, keinerlei baulichen Probleme hatte und genau das macht, für was es gebaut wurde, zudem in bester Qualität. Der Preamp kann natürlich nur dezente Nuancen setzen, was den Filterbereich angeht und auch der Tone-Regler des Effekt-Loops ist mehr oder minder eine nette kleine Dreingabe, allerdings ist das Konzept des Pedals extrem überzeugend und wird meines Erachtens mit Sicherheit seine Abnehmer und echte Fans finden.

Ich habe hier und da gehört, dass sich einige User gerne einen intern verbauten Kompressor gewünscht hätten. Natürlich wäre dies auch möglich gewesen, allerdings halte ich es für sinnvoller, auf einen Kompressor aus dem Pedalbereich zurückzugreifen und diesen einfach in die Signalkette einzuspeisen. Überhaupt würde ich damit anfangen, mir ein sogenanntes Brot- und Butter-Setup zusammenzustellen, bestehend aus einem Kompressor, einem Modulationspedal, einem Hall, einem Echo und je nach Geschmack einem Overdrive. Bei Overdrive sollte man entsprechend aufpassen, eine leichte Zerre ist eine feine Sache, sobald es aber in echtes Distortion geht, nehmen nicht nur die Nebengeräusche massiv zu, sondern auch die Rückkopplungsgefahr wird entsprechend angehoben. Aber auch hier, erlaubt ist, was gefällt und es gibt kein Limit. Natürlich sollte man sich auch immer vor Augen führen, dass es wahrscheinlich mittlerweile Hunderttausende von Effektpedalen gibt, die allesamt etwas anders klingen, somit ist die klangliche Vielfalt, die einem der Radial Engineering Vocoloco eröffnet, nahezu unbegrenzt.

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Fazit

Mit dem Radial Engineering Vocoloco führt der kanadische Hersteller ein Produkt in seinem Portfolio, das jedem Mikrofonsignal die gigantische Welt der Gitarrenpedale eröffnet. Das Konzept, ein symmetrisches Mikrofonsignal mit einem unsymmetrischen Gitarrenpedal zu fusionieren, wird in höchster Qualität mit einem hervorragenden Konzept umgesetzt.

Eine echte Bereicherung für jeden Musiker, der sein Signal mit Effekten anreichern möchte. Unbedingt antesten!

Plus

  • Konzept
  • Verarbeitung
  • Komponenten

Minus

  • ungewöhnliche Netzteilwerte

Preis

  • 379,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Tai AHU

    „Ein Bereich, um den alle Instrumentalisten die Gitarristen beneiden. Die Rede ist von der schier gigantischen Auswahl an Pedalen“

    Die gibt’s, zweifesohne. Wenn die bei einigen Saitenzupfern nur nicht alle gleichzeitig auf den Pedalboards wären. ;) Scherz beiseite, ich beneide keinen darum aus Hunderten von Tretminen die richtigen zu suchen. Ich war mehr als 10 Jahre ausschliesslich Gitarrist. maximal 3 Devices zwischen mir und dem Amp. Muss man natürlich nicht so sehen.

  2. Profilbild
    Nvelope 11

    Zu der im Text angesprochenen Netzteil-Problematik: ich habe mehrere VESTAX-Effektgeräte, die in den technischen Unterlagen mit ’15 V‘ ausgewiesen werden.
    Die mitgelieferten Original-Netzteile haben allesamt (also jedes individuell für das Gerät, mit dem sie geliefert wurden) etwa 18,5 V Ausgangsspannung.
    Eigentlich ist dies so ja nun nicht richtig, weil sie mehr als 3 Volt ÜBER der Soll-Eingangsspannung der angeschlossenen Effektgeräte liefern.
    ABER: diese Netzteile sind NICHT stabilisiert – deswegen ist deren sog. ‚Leerlaufspannung‘ höher als die sog. ‚Nennspannung‘ der angeschlossenen Elektronik.
    In der Schaltung der Effektgeräte ist aber direkt ‚hinter‘ der DC-Eingangsspannung ein sog. Spannungsregler-IC, das die eingehende Gleichspannung auf 12 V (!) stabilisiert.
    Somit ist alles ok: der Widerspruch ist quasi ‚außen‘ – aber dank der internen Stabilisierung ist die Sache bombensicher!
    Also Axel, bitte messe mit einem Multimeter die aus dem Netzteil kommende Gleichspannung – es enthält (so sieht wenigstens die große Gehäuse aus) wohl einen herkömmlichen Trafo, und in diesem Fall KANN zwar eine interne Stabilisierung dort sein, dies MUSS aber nicht sein.
    Wenn das Netzteil nun mehr als 15 V Leerlaufspannung hat, kann als Ersatz wohl auch ein solches mit 18 V Ausgangsspannung angeschlossen werden (diese elektron. Spannungsregler-ICs vertragen bis über 30 V Eingangsspannung!)!

  3. Profilbild
    Nvelope 11

    Nachtrag zu meinem vorausgehenden Kommentar zur ‚Netzteil‘-Problematik:
    Hersteller versuchen, bei z.B. Netzteilen über möglichst exotische Lösungen (sei dies in Form der verwendeten Ausgangsspannungen, die sehr selten sind … sei dies in Form der verwendeten Steckkontakte, über die das Netzteil an den ‚Verbraucher‘ angeschlossen wird … oder sei dies in Form von Wechselspannungs-(‚AC‘)-Netzteilen – welche es heute nur noch in Ausnahmefällen gibt, da nahezu alle Netzadapter in der modernen, quasi transformatorloser ‚Switching‘ Technologie, ausgeführt sind, die IMMER eine Gleichspannung liefern …) eben IHRE teuren (!) Netzteile zu verkaufen, wenn jemand den Netzadapter verloren hat oder er doch mal durchgebrannt (so oder so!) ist.

    Ich kaufe fast alle ‚SMPS‘-Netzadapter bei einem deutschen Electronic-Versand und zahle selten mehr als 2…3 € pro Stück!
    Die passenden Stecker löte ich selber an (weniger als 1€ pro Stecker) – gibt’s ebenso dort.

    Auch auf Flohmärkten kann man alle möglichen Netzadapter finden – für ebenfalls zumeist 1-2 €. Dort finde ich immer wieder seltene AC/AC-Netzteile oder eben die AC/DC-Netzteile, die noch einen Transformator beinhalten (zumeist etwas größer und schwerer als ‚SMPS‘-Adapter) … und eben stabilisiert oder UN-stabilisiert.

    Ein Multimeter – wenigstens zum Messen von Spannungen von Netzteilen & Batterien – sollte JEDER Musiker haben!

  4. Profilbild
    Keppe

    Ein Bild von den Anschlüssen, Schaltern und der „Wilden“ Zugentlastung hätte ich noch ganz nett gefunden.
    Aber sonst guter Bericht.

    Dankeschön.

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