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Test: TC Helicon Mic Mechanic 2, Vocal Effekt Pedal

31. Januar 2021

Pedal-Star für den Vokal-Sound

Ja, es gibt sie noch, wenn auch in abnehmendem Maße. Die großen Produktionen, die mit hohem technischem und personellem Aufwand riesige Mengen von Equipment transportieren, wo persönliche Techniker dein Equipment warten, der Tourmanager für einen möglichst reibungslosen Ablauf der Logistik sorgt und erfahrene FOHs ein Maximum an klanglicher Güte für den Zuhörer gewährleisten. Der Künstler darf sich ganz auf seine Darbietung und deren Umsetzung konzentrieren, die technische Seite bleibt weitgehend außen vor. So weit, so gut.

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Am anderen Ende der Skala liegt der unabhängige Künstler in kompletter Eigenverantwortung, sprich er darf sich nicht selber nur um den Transport seiner Person und seines Equipments kümmern, nein, er trifft auch öfters auf technische Gegebenheiten, die durch die Abwesenheit von kompetentem Fachpersonal im Beschallungsbereich glänzen. Singer/Songwriter, Sänger mit Playback-Beschallung in kleinen Clubs, Alleinunterhalter auf Hochzeiten oder andere Kleinevents leben von der kompakten und schnellen Einrichtung eines guten Gesangssounds, ohne dass man zu sehr auf Fremdleistungen angewiesen ist.

Eben diese Künstler sind dankbar für jedes Gramm, was sie an Transportgepäck einsparen und jeden Drehregler, den sie im Benutzermodus entbehren können. Sie benötigen eine Art Schweizer Armeemesser für die wichtigsten Bereiche, die es im Gesangsbereich zu deckeln gilt, natürlich ohne auf ein Mindestmaß an klanglicher und verarbeitungstechnischer Qualität zu verzichten. Denen kann geholfen werden. Das Tochterunternehmen des dänischen Herstellers TC Electronic, TC Helicon, hat ein in Kanada entwickelten und in Thailand gebauten Mini-Preamp im Stompbox-Format veröffentlicht, der auf den Namen Mic Mechanic hört. Maul- und Drehmomentschlüssel raus, es geht zur Sache.

Konstruktion des Mic Mechanik 2

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das TC Heliko Mic Mechanik 2 sei für den Gitarristen gedacht, könnte das Produkt aus der Voicetone Serie optisch doch auch problemlos auf dem nächsten Pedalboard eines Sechssaiters Platz finden. Allerdings lassen die Anschlüsse des Pedals keine Zweifel an dem anderweitig gelagerten Einsatzbereich aufkommen. Erster Eindruck in Sachen Verarbeitung? Sehr gut! In dezentem Rot gehaltenes massives Stahlblech trifft auf einen robusten Fußschalter. Hier darf auch mal gerne ordentlich „drauf gelatscht“ werden, ohne dass die Gefahr von Spannungsrissen besteht. Die Konstruktion ruht auf einer nahezu komplett bodenabdeckenden Kunststoffeinfassung, die auch auf glatten Oberflächen einen guten Grip gewährleistet.

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Für den ambitionierten Schrauber ist das Gehäuse mit Inbusschrauben bestückt, glücklicherweise benutzt Thailand jedoch das metrische System. Zollschlüssel wie zum Beispiel bei Digitech Produkten bleiben einem erspart. Auf der Stirnseite verfügt der Mic Mechanic über verriegelbare XLR-Buchsen für In/Out zuzüglich der Anschlussbuchse für das mitgelieferte Netzteil und eines USB-Ports zwecks Firmware-Support. Seitlich am Gehäuse befinden sich der Regler für den Aufholverstärker und ein Schalter für die optionale Steuerung des Produktes über das TC Helicon eigene MP-75 Mikrofon.

Über eine dreifarbige LED kann man nun den Eingangspegel kontrollieren und gegebenenfalls nachregeln. Man sollte allerdings bei der Nutzung eines Nicht-Helicon-Mikrofons darauf achten, dass der Schalter deaktiviert ist, ansonsten kann der Mic Mechanic unter Umständen ein gewisses Eigenleben entwickeln, indem er sich eigenständig aktiviert oder deaktiviert. Der Mic Mechanic liefert permanente Phantomspeisung, die sich auch nicht deaktivieren lässt. Im Normalfall sollte es diesbzgl. keine Probleme geben, dennoch finde ich eine Wahl in Form eines Druckschalters die bessere Lösung, zumal einige exotische Mikrofone es nicht gerne haben, permanent mit 48 Volt beschickt zu werden.

Die Regelmöglichkeiten des Mic Mechanic wurden bewusst rudimentär gehalten und sind streng genommen eine Ansammlung von Presets, die gerade einmal im Mischungsverhältnis verändert werden können, teilweise sogar ohne diese Editiermöglichkeiten. Da wären zum einen der Tone-Schalter, der eine fest eingestellte Filter-, Kompressor-, Noisegate- und De-Esser-Signalkette aktiviert oder deaktiviert. 3 Reverb Algorithmen (Hall, Club, Room), 2 verschieden Delays (Slap, Echo) und 3 Kombinationseffekte (Room + Echo, Club + Echo, Hall + Echo) erlauben über einen Dry/Wet-Regler mit Mittenrasterung eine stufenlose Zumischung des Raumeffektes. Zudem hat man dem Produkt eine Tonhöhenkorrektur spendiert, die ebenfalls von 0 – 100 % in den Signalweg eingreift.

HyperFocal: 0

Das TC-Helicon Voice Effect Pedal in der Praxis

Ein Mikrofon ist schnell angeschlossen, alles ist selbsterklärend, was die Fehlbedienung auch in stressigen Situationen (im Stau gestanden, auf die Bühne und los) nahezu ausschließt. Fangen wir mit dem Tone-Preset an und vergleichen das Original mit der Bearbeitung. In Sachen Filter hat man sehr viel Wert auf eine Höhenanreicherung gelegt, um dem Sound etwas Glanz zu verleihen. Die Voreinstellung ist geschmackvoll, beschneidet aber auch den Bassbereich, einhergehend mit einer Rücknahme der Poppgeräusche. Die Kompressor- und Gate-Einstellung ist dezent, der De-Esser ist global für männliche und weibliche Stimmen zu gebrauchen.

Die Raumeffekte bilden erwartungsgemäß den Höhepunkt der Effekteinheit, man hört die jahrelange Erfahrung in Sachen Hall-Algorithmen auch im Low-Cost-Bereich. Sehr schön auch die Möglichkeit, die Delay-Zeit durch eine Tap-Funktion für jeden Song individuell zu konfigurieren. Einfach, schnell, gut. Die Tonhöhenkorrektur hat natürlich mit dem Manko der fehlenden Tonarteingabe zu kämpfen, d. h. eine chromatische Vorgabe verhindert harte Bendings im Cher-Style (was aber ganz angenehm ist, denn diesen Effekt kann doch wirklich niemand mehr ertragen …). Stellt man den Regler auf 12 Uhr, bekommt man eine sehr dezente Bearbeitung, die im Großteil aller Einsatzbereiche gute Dienste leisten wird.

Die Features des Mic Mechanic 2

  • integrierter Mic-Preamp
  • 24 Volt Phantomspeisung (dauerhaft)
  • Effekte: Reverb, Delay Tone-Korrektur (mit automatisiertem Kompressor/EQ und De-Esser) und Pitch-Korrektur
  • Tap-Tempo-Funktion
  • 8 Presets
  • über optionales MP-75 Mikro fernbedienbar
  • symmetrischer XLR-Mic-Eingang
  • symmetrischer XLR-Line-Ausgang
  • USB-Anschluss
  • Stromversorgung über Batterie oder Netzteil möglich (Batterie und Netzteil nicht im Lieferumfang enthalten)

Klangbeispiele

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Fazit

Der Mic Mechanic 2 von TC Helicon ist das Schweizer Armeemesser für den unabhängigen Sänger. Ähnlich wie vorgenanntes Werkzeug trotz eingebauter Säge keinen Baum fällen, aber zumindest kleine Äste absägen kann, verfügt der Mic Mechanic über eine übersichtlich Anzahl von Tools, welche mit einfachsten Handgriffen den Allgemeinsound verbessern kann. Die Presets sind praxisnah, die Verarbeitung sehr gut, der Platzbedarf einer Stompbox angemessen.

Von der Tonhöhenkorrektur abgesehen verfügt mittlerweile zwar auch jedes bessere Mischpult mit integrierter Effekteinheit über vergleichbare Werkzeuge, jedoch kann kein Pult mit dieser Transportfreundlichkeit und Unabhängigkeit aufwarten. Wer jetzt glaubt, er könne mit dem Mic Mechanic einen versierten Tonmann ersetzen, hat das Konzept hinter dem Produkt nicht verstanden. Weder verfügt das Produkt über umfassende Parameter einer individuellen Aufbereitung des Signals, noch können die vorhandenen Einstellmöglichkeiten die gesamte Leistungsbreite eines Vokalprozessors abdecken, aber unter dem Strich bleibt stehen, der Sound verbessert sich auf jeden Fall.

Die Raumeffekte sind erwartungsgemäß sehr hochwertig, das Tone-Preset eingeschränkt, aber gut und die Tonhöhenkorrektur konzeptionsbedingt akzeptabel, alles in allem ein klarer Gewinn für den Gesangssound.

Plus

  • Klang
  • Konzept
  • einfache Handhabung

Minus

  • -

Preis

  • 111,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Hi Axel!

    Sehr angemessener Testbericht und praxisnahe Soundbeispiele über ein nettes Gadget.

    Detail: Was ich noch gerne gehört hätte, wäre alle drei Funktionen zusammen:
    Tone On + PitchCorrection 50% + Reverb

    Gruß
    Carsten

  2. Profilbild
    h3rtz  

    Fuer mich ist das Kaestchen ein echter Live Saver, hauptsaechlich wegen der Feedback Unterdrueckung. Meine Situation ist sicher etwas speziell, da mein Vocal Signal per RME UCX nen Roundtrip durch Ableton macht. Das hat lange Zeit uebles Feedback produziert, sowohl im Proberaum, als auch auf de Buehne, zumal die Mischer, die ueblicherweise zur Verfuegung stehen, vom Tuten und Feedback killen noch weniger Ahnung haben als ich. Mit dem Mic Mechanik wurde das deutlich besser. Tone switch ist immer an (und *huestel* Pitch Correction auch ein ganz klein bisschen), Reverb und Delay kommen bei mir aber aus der DAW.

  3. Profilbild
    Archivicious  

    Wenn man wirklich nur die Funktionen des MicMechanic benötigt, dann ist man damit natürlich gut versorgt. Sobald man allerdings noch ein mehr Funktionen benötigt, ist man bei TC Helicon preislich und funktionell mit einem Multieffekt meist besser aufgestellt als mit Einzelpedalen. Zumal man dann noch in den Genuss von Presets etc. kommt. Aber für ein Minimalsetup sicherlich eine gute Wahl, von der Effektqualität hat TC gegenüber seinen (wenigen) Wettbewerben nach meiner Erfahrung noch immer die Nase vorn.

  4. Profilbild
    THEBIGBASS  

    Ich habe so ein rotes Kästchen seit sicher 2 Jahren. Sicherlich in erster Linie, um mit meiner gesanglichen Unsicherheit etwas sicherer zu werden. Quasi als Katalysator. Seit einiger Zeit bräuchte ich wegen der Intonation nicht mehr. Aber das Hammermässige Slap Back Echo, das hat schon etwas für sich.

    Ebenfalls von TC Helicon habe ich den Harmony Singer. Eine Linie Beach Boys und jede*r weiss, was ich meine. Vom besagten Beach Boys Engelschor bis hinunter zu tieferen Stimmen, welche meiner Stimme Harmonien und Volumen beisteuern können.

    Für beide Geräte: Wie gewohnt alles fein regelbar.

    Einfach nicht den Fehler machen, beim Mic Mechanic das Slap Back aktiviert und beim Harmony versehentlich ein Delay/Echo aktiviert… Das gibt eine trübe Suppe.

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