TEST: BOSS VE1 und VE2, Vocalprozessoren

13. Oktober 2017

Shouters Tretminen!

Die Firma BOSS hat ihr Portfolio im Bereich Vocaleffekte nach unten erweitert. Unsere beiden smarten Tretminen siedeln sich unterhalb des VE20 beziehungsweise der VE5 Serie an. Hatten wir es bisher mit Alleskönnern, sprich Multi-Effekten zu tun, so haben wir hier tendenziell eher Spezialisten. Das BOSS VE1 ist auf Doubling, Echo und Delay fokussiert, während das VE2 in der Hauptsache Harmony-Effekte generiert. Beide Geräte kommen in einem sehr stabil wirkenden Gehäuse, welches oben von einem U-förmigen Stahlblech abgedeckt wird. Unsere zwei Stimmverschönerer werden beide mit vier Reglern und Tastern bedient und bieten neben dem Mikrofoneingang auch ein USB-Interface zum einfachen Aufnehmen. Der große FX-Taster macht außerdem einen für die Bühne soliden Eindruck. Das BOSS VE1 und VE2 werden entweder mit neun „externen“ Volt per BOSS PSA Netzteil gespeist oder verlangen nach vier frischen AA-Batterien.

— Rückansicht VE1 —

Herz und Nieren des BOSS VE1

Mit Begrifflichkeiten kann man schon mal durcheinander kommen, gerade in der „Denglischen“ Sprache. Das „Echo“ des VE1 ist eher als Hall zu verstehen, das Delay sowie Doubling können zusätzlich aktiviert werden. Prinzipiell ist die Oberfläche intuitiv zu bedienen, jedoch kommt man ohne Handbuch schnell an Grenzen. Unter der Haube des BOSS VE1 verstecken sich noch sehr viele Parameter. Neben den Lautstärkeverhältnissen sowie Feedback für unser Delay können außerdem externe Fußschalter angeschlossen und in ihrer Funktion definiert werden. Des Weiteren gibt es eine Abteilung „Correct“, welche eine Tonhöhenkorrektur vornimmt, die in Modus und Intensität regelbar ist. Eine tonleiterabhängige Korrektur ist hier nicht möglich.

Aus dem BOSS VE8 bekannt, gibt es die „Enhance“-Funktion, welche der Hersteller mit „Stabilisierung der Lautstärke des Mikrofonsignals“ betitelt. Für mich klingt das nach einer Prise Kompressor oder eventuell Multiband-Kompressor. Einstellen lässt sich das Ganze mit einem leichten und einem stärkeren Eingriff in das Gesangsgeschehen („Green“ und „Red“). Beim „Red“-Modus kommt noch ein wenig „Luft“ im oberen Frequenzbereich dazu und kann einer Stimme zu mehr Schmeicheln und Direktheit verhelfen. Jedoch kommt man nicht umher, sich trotz allem an die „Mikrofon-Disziplin“ zu halten.

— BOSS VE1 mögliches Setup mit Schalter und Taster —

Also doch kein „One-Trick-Pony“, sondern  ein Effektgerät mit vielen Optionen und sogar der Möglichkeit, drei komplette Einstellungen zu sichern. Noch mehr Spaß macht die ganze Sache, wenn man noch einen Schalter und einen Taster als externe Steuerungsoption hinzuzieht. Ich habe mir ein kleines Probe-Setup gebastelt und verschiedene Möglichkeiten durchgespielt. Letztendlich bin ich hängen geblieben bei der Steuerung für „Doubling“ auf dem externen Schalter sowie „Tap Tempo“ auf dem Taster. Der FX-Schalter am VE1 hat dabei das Delay beziehungsweise den Effekt Master aktiviert. Hiermit kann man in einer Livesituation schon mal verschiedenste Effektkombinationen abrufen.

— BOSS VE2 —

Stimmband Multiplikation mit dem BOSS VE2

Mit den Harmony-Effekten ist das so eine Sache. Ich muss gestehen, dass ich kein „Fan“ derartiger Effekte bin, weil es bestimmte Menschengruppen davon abhält, selbst Harmoniegesang zu erarbeiten oder sich damit zu beschäftigen. Denn es geht auch darum, nicht den „Roboter“ alles Erledigen zu lassen, sondern selbst die musikalischen Zusammenhänge auszuloten. Das will ich aber erst mal grundsätzlich niemandem unterstellen und bin bemüht, vorurteilsfrei an die Sache ran zu gehen. Der grobe Aufbau des VE2 ist seinem blauen Bruder prinzipiell sehr ähnlich. Die „Enhance“-Funktion ist identisch zum VE1. Der rote Kandidat bietet auch drei Speicherplätze und hat darüber hinaus noch rudimentär editierbare Delay- und Reverb-Effekte zu bieten.

–Rückansicht VE2 —

Das BOSS VE2 besitzt gegenüber dem VE1 noch einen Gitarrenein- und Ausgang zwecks Tonartbestimmung. In diesem Fall muss die „Auto Harmonist“-Funktion aktiviert sein. Das Gitarrensignal wird im Übrigen nicht verändert. Nur sollte man darauf achten, dass Saiteninstrumente akkurat gestimmt sind. Apropos Stimmung, die Festlegung der Tonart kann darüber hinaus manuell festgelegt werden. Es stehen alle zwölf Dur- beziehungsweise parallele Molltonarten zur Wahl. Man sollte sich daher zumindest mal oberflächlich damit auseinandersetzen und auch keine Vorzeichen scheuen.

–12 Möglichkeiten zum „Voice-Pimping“ —

Über dem linken FX-Regler kann man beim BOSS VE2 zusätzlich noch Delay, Reverb und dessen Kombination hinzufügen und auch in der Lautstärke regeln. Prinzipiell kann man zwischen zwölf verschiedenen „Harmony-Types“ wählen sowie zusätzlich noch eine Variation der Stimmverteilung vornehmen. Die externen Steuermöglichkeiten reduzieren sich auf den „Memory“- sowie die „Variation“-Funktion. Der Hauptschalter agiert wieder als Master-FX, das ist sinnvoll. Schade nur, dass man die Delay/Reverb-Sektion nicht noch direkt ansteuern kann.

Gemeinsamkeiten der BOSS-Familie

Wie eingangs schon erwähnt, ist die Enhance-Funktion zur Lautstärkennivellierung bei beiden Geräten identisch. Außerdem gleich ist das USB-Recording-Interface. BOSS bietet hier einen kompletten ASIO-Treiber mit verschiedenen Aufnahme/Wiedergabe-Optionen. Über ein Standard USB-A/B-Kabel wird der Weg in die digitale Welt geebnet. Der bereits angesprochene Batteriebetrieb verspricht bis zu zwölf Stunden Betriebsamkeit, ja nach Batterie oder Akkutyp beziehungsweise aktivierter Phantomspeisung. Die Mikrofonempfindlichkeit wird rückseitig über einen kleinen Trimmer vorgenommen. Beide Effekte verfügen außerdem über einen Kopfhörer/Line-Ausgang im 3,5-mm-Klinken-Format.

–Teppichratten —

Soundbeispiele

Alle Klangbeispiele wurden in Cubase 9 aufgenommen. Hierbei wurde das trockene Signal über einen Aux-Bus in das VE1 beziehungsweise VE2 Lautstärke-angepasst geleitet. Über einen weiteren Eingang wurde nun der komplette Ausgang des VE1/VE2 aufgenommen. Es ist somit immer der Effektanteil zu hören, der im VE eingestellt wurde. Das trockene Gesangsbeispiel wurde selbstverständlich nicht abgespielt. Zusätzlich habe ich dem Sample noch eine Gitarrenspur aus der Konserve spendiert, um das Ganze praxisnäher klingen zu lassen. In der Gesangsspur wurde lediglich ein Lowcut bei 75 Hz benutzt, ansonsten keine EQs , Dynamikeffekte oder Sonstiges. In der Summe war noch ein Limiter, der jedoch nur den Ausgang auf -1 dB begrenzt (und im Übrigen nicht gearbeitet) hat.

Fazit

BOSS hat sich preislich und von der Größe im Bereich Vocaleffekte am unteren Ende neu aufgestellt und muss Vergleiche zur Konkurrenz nicht scheuen. Mit dem VE1 hat man eine sehr gut klingende und platzsparende Option, dem Livegesang räumliche Tiefe zu verleihen. Der Klang der blauen Kiste ist einwandfrei und für Bühne oder Proberaum mehr als tauglich. Sein roter Bruder trumpft auch mit Flexibilität und vielen Optionen auf, gemessen an der Gehäusegröße. Klar, die vielschichtigen Harmony-Effekte klingen nicht so natürlich wie ein Gesangssextett, aber das ist auch nicht der Anspruch. Wer eben mal schnell eine neue Farbe oder Tiefe für sein Mikrofon sucht, ist hier bei überschaubarem Budget gut aufgehoben.

Sehr positiv aufgefallen ist mir Möglichkeit der externen Fußschalteranbindung. Somit kann man Rot und Blau, wer will, noch effektiver in den Musikkontext einbringen. Generell gilt trotzdem: mit den Effektanteilen sinnvoll zu haushalten, egal ob Blau oder Rot!

Plus

  • stabiles Gehäuse
  • großer Schalter
  • externe Steuermöglichkeit per Fußschalter
  • Batteriebetrieb möglich

Minus

  • manche Harmony-Effekte klingen nicht immer natürlich

Preis

  • Ladenpreise:
  • BOSS VE1: 148,- Euro
  • BOSS VE2: 189,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Mein ‚befriedigend‘ ist geschmeichelt, aber ich benutze auch auch keine Treter. Irgendeine Verwendung hätte ich für den garstigen Sound nicht.

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