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Test: Roland E-4 Voice Tweaker, Vocal-Harmonizer und Scatter-Effekt

25. Juli 2022

Die Dreifaltigkeit der Stimmverbiegung

Test: Roland E-4 Voice Tweaker, Vocal-Harmonizer und Scatter-Effekt

Test: Roland E-4 Voice Tweaker, Vocal-Harmonizer und Scatter-Effekt

Mit dem Roland E-4 Voice Tweaker testen wir das zweite Gerät der noch jungen Roland AIRA Compact Linie. Als Voice Tweaker wird der Roland E-4 bezeichnet und – das vorweg – trifft es eigentlich ganz gut. Rolands Geschichte mit Vocodern alleine ist lang und reicht bis zum VP-330/SVC-350 zurück. Die neuste Inkarnation ist der Boutique VP-03. Aber der Roland E-4 Voice Tweaker will nicht nur ein Vocoder sein – er will und kann mehr.

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In dem handlichen Gerät mit den Abmessungen 18,8 x 10,6 x 3,6 cm findet man zunächst drei Effekte, die allesamt der Manipulation oder Verfremdung der menschlichen Stimme dienen. AUTO PITCH, HARMONY und VOCODER. Für den direkten Zugriff gibt es dafür hintergrundbeleuchtete Gummitaster, die etwas schwimmen, aber einen guten Druckpunkt besitzen. Bemerkenswert ist, dass es sich bei dieser Auswahl nicht um eine entweder/oder Wahl handelt – man kann alle drei Effekte in einer beliebigen Kombination nutzen. Und dann wäre da ja noch der Looper …

Roland E-4 Voice Tweaker - Titel

Roland E-4 Voice Tweaker

Die Oberfläche des Roland E-4 Voice Tweakers

Aber zunächst zurück zum Pflichtteil. Der Roland E-4 Voice Tweaker bietet MIDI In/Out über die beiden Miniklinken-Buchsen wie auch über die USB-Verbindung. Das USB-C-Kabel wird mitgeliefert, die Adapter auf DIN-MIDI nicht.

Für diese Preisklasse erstaunlich ist die class-compliant Audioverbindung über USB 2.0 mit 44,1 kHz und 24 Bit. Das gilt aber nur für die Ausgabe des Roland Roland E-4 Voice Tweaker selber. Geräte, die über den MIX-IN angeschlossen sind, werden nicht übertragen.

Roland E-4 Voice Tweaker, Vocal-Harmonizer und Scatter-Effekt

Es gibt allerdings die Option, entweder das MIX-OUT- oder das MIC-IN-Signal an den Rechner zu übertragen. Der Roland E-4 Voice Tweaker bietet übrigens zwei Mic-Anschlüsse, den offensichtlichen vorne am Gerät und wenn man am Mix-Out ein Head-Set anschließt, das Headset-Mikrofon. Die Auswahl kann in den Optionen gemacht werden.

Zur Synchronisation mit analogen Geräten besitzt der Roland E-4 Voice Tweaker auch analoge Clock-Sync-I/O. Die PPQ (Pulses Per Quarter Note) können dabei auf 1, 2, 3, 4, 6, 8, 12 und 24 eingestellt werden. Die analoge Clock hat dabei immer Vorrang vor der MIDI-Clock. Das Synchronisation-Cycle des Loopers kann in Achtel-, Viertel-, Halb- und Ganzen-Noten eingestellt werden.

Das vierstellige numerische Display gibt ausreichende Informationen über den Zustand der Parameter und Menüeinstellungen. Typisch Roland eben.

Roland E-4 Voice Tweaker - Display

Display

Über die beiden Looper-Taster können Loops und Overdubs aufgenommen werden, wobei es eine Ebene der Undo-/Redo-Funktion gibt. Gefällt einem der Take nicht, einfach über HOLD + REC/PLAY wieder wegnehmen. Entscheidet man sich kurz danach um und möchte das Gegenteil behaupten, kann man die Aufnahme wieder herstellen. Eine komplette Löschung des insgesamt 24 Sekunden langen Sample-Speichers gelingt über das Halten des Stop-Tasters.

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Roland E-4 Voice Tweaker - Looper Funktion

Roland E-4 Voice Tweaker – Looper-Funktion

Das Tor zur Welt – der Mic-Eingang des E-4

Praktischerweise vorne am Gerät befindet sich der MIC-IN, als 6,3 mm Klinkenbuchse ausgeführt. XLR und Phantomspeisung waren definitiv nicht zu erwarten. Über das SENS-Poti lässt sich die Vorverstärkung einstellen. Eine Angabe über die Verstärkung konnte ich im englischen PDF-Handbuch nicht finden, dass es auch als Online-Version gibt. Grobe Messungen ergaben eine nicht gerade überwältigende Verstärkung von ca. 30 dB. Dafür hat man die Möglichkeit, ein digitales Low-Cut-Filter und ein Noise-Gate zu aktivieren.

Roland E-4 Voice Tweaker - Gain und Peak-Anzeige

Gain und Peak-Anzeige

Wie alle tiefergreifenden Einstellungen, muss man dafür einen der Taster halten und dann einen der Fader verschieben. In diesem Fall hält man AUTO PITCH und verstellt über den REVERB-Regler das Filter von 10 bis 100 Hz Grenzfrequenz. Das Noise-Gate bietet die Einstellungen OFF; -9 dB, -18 dB und -Inf – zu erreichen über die Kombination HARMONY + REVERB-Regler.

Der Mic-Eingang ist dabei wirklich auf Mikrofone, am besten robuste der Tauchspulenart, abgestimmt. Speist man ein Line-Signal ein, so muss man vorsichtig sein mit dem Pegel. Dieser sollte nicht zu heiß sein, sonst gibt es unschöne Verzerrungen. Außerdem hört man bei maximaler Verstärkung durchaus ungewollte Nebengeräusche. Und obwohl in der Anleitung der Eingang als Stereo-Jack angegeben ist, handelt es sich weder um einen Stereo- noch um einen symmetrischen Eingang. Mit ein bisschen Probieren kommt man aber auf gute Resultate, möchte man den Roland E-4 über ein Audiointerface einschleifen. Wobei ich allerdings finde, dass der Peak-Indicator zu schnell eine Übersteuerung signalisiert, wo hörbar noch keine auszumachen ist.

Input, Output

Die Dreifaltigkeit der Stimmverbiegung

Der Roland E-4 Voice Tweaker bietet die Vokal-Effekte Auto-Pitch, Harmonizer und Vocoder an, einzeln und auch alle in Kombination.

Der Auto-Pitch des Roland E-4 Voice Tweaker

… ist ein Auto-Tune oder Pitch-Correct, mit dem man die geliebt-gehasst typischen Gesangslinien hinbekommt. Es stehen mehrere Modi zur Verfügung. Fixed-Pitch kreiert eine Roboterstimme, deren Tonhöhe über den 2 cm langen Pitch-Fader eingestellt wird. Der Fader fühlt sich gerade nicht zu leichtgängig ein und hat mir bei der Bedienung keine Probleme gemacht. Variationen zum Fixed-Pitch sind die Einstellungen eine oder zwei Oktaven unter und eine über dem eingestellten Pitch.

roland e4 test

AUTO ist dann der besagte berüchtigte Auto-Tune Effekt. Und da dieser im aktuellen Pop-Geschehen ja sehr wichtig ist, gibt es auch noch eine Einstellung von OFF bis 100 %, wie stark das Auto-Tune zuschlagen soll. Natürlich darf dann auch nicht die Auswahl der Tonart fehlen; zur Verfügung stehen die 12 (natürlich) Moll- und Dur-Tonarten sowie die chromatische Tonleiter.

Der Spaß beginnt aber erst so richtig, wenn man über ein externes MIDI-Signal eigene Tonfolgen nutzen kann, dazu muss FIXED PITCH und die Option KEYINPUT im System-Menü aktiviert sein. Denn dann kann man auch den …

Harmonizer

über MIDI spielen. Ansonsten ist man ohne MIDI auf die gleiche Auswahl wie oben beschrieben beschränkt. Zusätzlich können dann bis zu drei Harmonie-Stimmen hinzugefügt werden. Hier eine Auflistung.

  • UdP5 (UpDownP5) +12 -12 +7
  • Updn (UpDown) +12 -12
  • -Oct (-Octave) -12
  • Oct (Octave) +12
  • P5 (P5) +7
  • 3rd (3rd) +4 (+3)
  • 5th (5th) +4 (+3) +7
  • -5th (-5th) +4 (+3) -5
  • 7th (7th) +4 (+3) +7 +11 (+10)
  • -7th (-7th) +4 (+3) +7 -1 (-2)

Die Erweiterungen ändern sich entsprechend der gewählten Tonart, Dur oder (Moll). Entsprechend sind auch maximal vierstimmige Akkorde möglich, wenn man die Harmonisierung über MIDI vornimmt. Eine Schippe drauf packt nun noch der …

Roland E-4

Roland E-4

Kundenbewertung:
(2)

Vocoder des Roland E-4 Voice Tweaker

Dieser verfügt über die gleichen Einstellungen wie auch die anderen Vokal-Effekte; zusätzlich kann die Carrier-Schwingungsform aus einem recht beachtlichen Fundus ausgewählt werden. Es handelt sich zwar immer um Variationen der Grundschwinungsformen Sägezahn und Rechteck, dafür gibt es davon aber 400 Variationen, wenn man die 100 Noise-Varianten mitzählt – eine Menge Holz zum Ausprobieren.

Looper und Scatter-Effekte

Also ich finde das schon mal eine ganz nette Sammlung an Vokal-Effekten, aber der Roland E-4 macht hier noch lange nicht Halt. Er enthält ja noch den Looper, mit dem man Schicht für Schicht Klanggebilde aufbauen kann. Die aktiven Vokal-Effekte werden dabei im Loop-Audio übernommen, im Gegensatz zu den Scatter-Effekten.

Roland E-4 Voice Tweaker – Loop-Aufnahme

Denn diese wirken immer auf den aktuell laufenden Loop und können (leider) nicht Loop-für-Loop aufgenommen werden. Aber die haben es in sich und sind der Grund für das recht ausladende Poti, das mit einem großen Abstand von den Fadern auf der Oberfläche platziert wurde. Das Poti ist in drei Bereiche eingeteilt, jedem Bereich kann man eine von 19 Scatter-FX-Bänken zuweisen. Das geschieht ganz einfach über halten von Auto-Pitch für den Bereich 1 und den weitern beiden Tastern für die Bereiche 2 und 3. Jede dieser Bänke hat dann 10 Presets, die der Reihe nach ausgewählt werden können.

Und hier geht der Spaß erst richtig los, wenn man den Roland E-4 Voice Tweaker synchron mit einer DAW oder mit analogen Gerät laufen hat. Hier bekommt man allerlei Kombinationen zu hören, die allesamt sowohl den Live-Input als auch den Loop kräftig in die Mangel nehmen. Für Roland recht untypisch gibt es hier wirklich kaputte Sounds zu erkunden.

Roland E-4 Voice Tweaker, Vocal-Harmonizer und Scatter-Effekt

 

Im Handbuich steht zwar lediglich, dass der Scatter-Effekt Steps vertauscht, die Gate-Länge ändert oder das betreffende Segment rückwärts abspielt; hier geht aber noch viel mehr ab, wie z. B. Bitcrushing, Sample-and-Hold-Filterung oder Time-Stretching – und alles im Takt zur Clock. Selbstredend kann man dem Roland E-4 Voice Tweaker auch andere Signale als Stimmen präsentieren – diese zerhackt er ebenso zuverlässig.

Roland E-4 Voice Tweaker - Signal Flow

Roland E-4 Voice Tweaker – Signaflow

Der Roland E-4 Voice Tweaker in der Praxis

Ja – das Ding macht Spaß. Allerdings gibt es ein paar Kleinigkeiten zu erwähnen. Wenn man z. B. die Scatter-Bank auswählt, gerät man damit oft in den Bereich einer der anderen Poti-Zonen. Beim Loslassen ist man dann also irgendwo dort und muss schnell mit dem Poti gegenkorrigieren.

Bei allzu heftigem Experimentieren und Ausprobieren ist es mir manchmal passiert, dass die Eingabe des Roland E-4 Voice Tweakers nicht mehr richtig reagiert; dann musste ich kurz den Netztschalter betätigen. Es kann aber auch sein, dass ich nur die Übersicht verloren hatte.

Ich finde vom Klang her geht das Gerät völlig in Ordnung, man darf halt keinen 1.000,- Euro Vocoder/Hamronizer/Auto-Tune-Klang erwarten – aber schlecht klingt der Roland E-4 Voice Tweaker keinesfalls. Vor allem, wenn er mit den Scatter-Effekten als Glitch-Maschine eingesetzt wird, spielt die HiFi-Qualität eine untergeordnete Rolle.

Wirklich schade finde ich in diesem Zusammenhang allerdings, dass der Roland E-4 Voice Tweaker keinen Stereoeingang besitzt.

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Fazit

Das kleine japanische Taschenmesser für alles Vokaloide und darüber hinaus macht wirklich Spaß und kann, ganz Roland-untypisch, sehr kaputte Glitch-Sounds erzeugen. Durch die Auswahl gleich drei der Scatter-Bänke, die auf einem Poti liegen, wird man geradezu aufgefordert, den Klang noch mehr durch die Mangel zu drehen.

Aber auch sauber kann er und die MIDI-Steuerung der bis zu vier Stimmen im Harmonizer- oder Vocoder-Modus empfinde ich in dem Fall als absolut ausreichend.

Hier stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis und für 199,- Euro bekommt ihr eine satte Auswahl an inspirierenden Effekten.

Plus

  • extern durch MIDI steuerbar
  • viele Scatter-Effekte und Carrier-Schwingungen

Minus

  • Preamp mit lediglich 30 dB Verstärkung
  • kein Stereoeingang

Preis

  • 199,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
    • Profilbild
      t.goldschmitz RED

      Hi teofilo,
       
      … ich fürchte ich verstehe nicht ganz – bei keinem der Beispiele kam ein externes Gerät zum Einsatz.

      • Profilbild
        Filterpad AHU

        t. goldschmitz: Er meint das man die Vocalspur einmal ohne Gerät zu hören bekommt damit man einschätzen kann, wie sich das Gerät anhört, wenn es die Voices verzerrt. Es handelt sich immer um ein ursprüngliches Ausgangsmaterial und dieses wird mit Effekten beigemischt. Somit ist das Ausgangsmaterial immer die zu hörende Basis. Wie eine E-Gitte mit und ohne Treter oder ein purer Sägezahn mit und ohne Chorus.

        • Profilbild
          t.goldschmitz RED

          Ach sooo.
           
          Ich denke vor allem an das Piano-Beispiel. Denn wie die Stimme clean klingt, kann man ja sehr gut (paradoxerweise) im Reverb-Beispiel hören.
           
          Kann ich vlt. noch nachliefern.

    • Profilbild
      teofilo

      Kleine Bitte: immer auch das uneffektierte Original-Sample (dry) den Klangbeispielen beifügen.😁

  1. Profilbild
    AntonAmazona

    Mehr Klangbeispiele mit reinen Vocodersounds würden den Beitrag aufwerten, denn die gibt es überhaupt nicht…..

  2. Profilbild
    Thomas Mehl

    Ich bin eher unterwältigt von dem Gerät, leider. Habe ihn nur behalten, weil er als Vorverstärker und Looper mit eingebautem Akku trotzdem sinnvolle Funktionen hat, die man so leicht nicht findet.

    Die Scatter-Effekte sind für meinen Geschmack durch die Bank viel zu übertrieben. Hier hätte es geholfen, eine Auswahl von weniger starken Verfremdungen und stärkeren in die Bänke zu laden. Oder Optionen anzubieten, die Parameter anzupassen. Ich nutze übrigens gerne auch stark verfremdende Glitch-Effekte auf Vocals, das hier ist aber selbst im Vergleich zum Hologram Microcosm sehr extrem.

    In der Praxis sehr schade auch, dass der Reverb die Lautstärke stark erhöht. Bei den Fadern für Pitch und Formant fehlt eine Mittelstellung für den Null-Wert, so muss man genau aufs Display schauen und den Finger sehr langsam bewegen, um die Effekte rauszunehmen.

    Außerdem schade, dass es für die unterschiedlichen Parameter keine Mix-Einstellung zum Regeln von Dry/Wet gibt, wobei das beim Pitch laut Rezension wohl doch geht. Die Sub-Menüs sind bei diesem Mini-Display und wenigen Tasten leider sehr schwer verständlich.

    Für den Preis und die Größe sollte man natürlich auch nicht zu viel erwarten. Gerade der riesige Scatter-Knopf ist aber m.E. komplett nutzlos, ein Fokus auf Verbesserungen in anderen Bereichen wäre da besser gewesen.

  3. Profilbild
    Behringer

    der wievielte VT ist das eigentlich
    (Boss mal nicht mitgerechnet) ?

    Ich nenne das Resourcenverschwendung.

    Mal ehrlich, wer es einmal ausporbiert hat weiß
    dass er das Teil nicht braucht.

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