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Test: Prism Sound Atlas, USB-Audiointerface

21. Oktober 2019

Alles andere ist Hi-Fi

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas ist ein klassenkompatibles Audiointerface mit USB 2.0 Anschluss, 10x 12-Kanälen und 192 kHz Sampling-Rate bei 24 Bit. Wer sich in den letzten 30 Jahren um eine gehobenere Wandlerqualität bemüht hat, stolperte zwangsläufig über den Namen Prism und ebenso zwangsläufig auf entsprechende Verklärung in diversen Internetforen. Doch was sich tatsächlich hinter dem Prism Sound verbirgt, erfährt der geneigte Home-Recording-Studiomensch kaum. Im Test gehen wir dem Mythos auf den Grund.

Auspacken des Prism Audiointerfaces

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas

In dem überaus großen Karton befindet sich das 5 kg schwere Atlas selbst, zwei Rack-Ohren, zwei Cinch-XLR-Adapter (S/PDIF nach AES), zwei USB-Kabel, eins auf USB, Typ A und eins auf USB, Typ C, Kaltgerätekabel und eine Kurzanleitung. Es liegt zwar eine Installations-CD bei, aber man lädt sich am besten wie üblich gleich die neusten Software-Version sowie das 74-seitiges englischsprachiges PDF von der Website herunter.

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas

Der nominale Stromverbrauch liegt bei 15 W, das Gerät wird während des Betriebs handwarm und zeigte keine Auffälligkeiten bezüglich Wärmeproblemen, wenn auch bei einer Außentemperatur von 35º C Schluss ist.

Prism Sound Atlas Zubehör

Prism Sound Atlas Zubehör

Das Atlas hat eine Standardbreite von 19 Zoll (44 cm) und ist mit 2 Rack-Höheneinheiten und 37 cm Einbautiefe kein Problem fürs Studio. Das Atlas gibt es in Schwarz und Weiß, wobei die letzter Variante, zusammen mit der konvexen Blende und den minimalistischen Kontrollelementen, direkt aus Kubricks 2001 Space Odyssey gefallen sein könnte.

Das Atlas verfügt über ein internes Netzteil und besitzt einen „Soft-Netzschalter“, der leider immer blinkt, wenn das Gerät an ist und durchgehend leuchtet, wenn es aus ist. Das ist ein Zustand, der wirklich nerven kann, wenn das Atlas die ganze Zeit im Blickfeld ist.

Prism Sound Atlas - Weis

Prism Sound Atlas

Der Minimalismus hat aber leider auch den Nachteil, dass sich am Gerät, außer Ausgangslautstärke für den Hauptausgang und die beiden Kopfhörer, sonst nichts einstellen lässt. Berührungsempfindliche Bedienelemente finden sich ebenso wenig. Zwar erfreut die Kompatibilität zu iOS, aber nur unter Vorbehalt, da sich hier nichts konfigurieren lässt.

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas

An analogen Ausgängen gibt es 8 symmetrische analoge 6,3 mm Klinkenbuchsen, die per Software zwischen +4 dBu (Studio-Level) und -10 dBV (Consumer-Level) umgeschaltet werden können. Die Eichung der analogen Ausgänge ist 0 dBFS bei +18 dBu symmetrisch und +6 dBu unsymmetrisch.

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas

Für die analogen Eingänge 1 & 2 gibt es sogar ein per Software zuschaltbares RIAA-Filter, um daran Plattenspieler anschließen zu können.

An digitalen Ein- und Ausgängen gibt je einen optischen TOSLINK- und einen elektrischen Cinch-Anschluss. Der TOSLINK kann per Software zwischen ADAT mit SMUX bis 96 kHz sowie optischem S/PDIF bis 192 kHz umgeschaltet werden. Die Cinch-Anschlüsse können per Software zwischen S/PDIF und AES3/EBU bis 192 kHz umgeschaltet werden. Entsprechende XLR-Adapter zum Anschluss von Standard-AES-Kabel liegen dem Atlas bei.

Prism Sound Atlas

Prism Sound Atlas

Des Weiteren gibt es zwei in der Lautstärke unabhängig regelbare unsymmetrische Kopfhörerausgänge, die per Software mit einem beliebigen Submix beschickt werden können. Da der Submix direkt im Atlas geschieht, ist die Latenz beim Monitoring mit maximal 0,57 ms (44 k) entsprechend gering. Die Potis sind alle gerastet und regulieren die Lautstärke in 1 dB Schritten.

Es gibt 8 analoge Eingänge mit XLR/TRS-Kombobuchsen, die selbständig erkennen, ob ein Mikrofon oder eine Line-Level-Quelle am Atlas angeschlossen wird. Für die ersten beiden Eingangskanäle gibt es alternativ auf der Vorderseite auch zwei Hi-Z-Instrumenteneingänge, bei denen ebenfalls erkannt wird, wenn ein Instrument angeschlossen wird. Auch werden, sobald vorne Instrumente angeschlossen werden, die hinteren Mikrofoneingänge abgeschaltet und umgekehrt.
Für Mikrophone gibt es einen satten 65 dB Gain.

Außerdem gibt es auf der Rückseite noch ein MIDI-DIN- und ein BNC-Wordclock-Pärchen. Letzteres kann ein normales Wordclock-Signal entsprechend der Sample-Rate eine Base-Clock, also ein ganzzahliges Vielfaches von 44,1 oder 48 kHz, oder eine Super-Clock mit 256-facher Genauigkeit zur ausgewählten Samplerate generieren und verstehen.

Das Atlas ist auch mit einem MDIO-Erweiterungsschacht ausgestattet. MDIO heißt Multi-Channel-Digital I/O und es werden von Prism derzeit optionale Karten zum Anschluss an die Systeme Avid PTHDX und Audionate Dante angeboten. Eine MADI-Karte fehlt noch im MDIO-Katalog.

Es gibt auch noch eine RJ45 100BaseT-Buchse, die zurzeit aber nicht genutzt wird.  AvB-Anbindung war zwar schon mit dem Lyra 2 (2013) geplant, wurde aber bisher nicht umgesetzt.

Prism Sound Atlas - Anzeigen

Prism Sound Atlas – Anzeigen

Nebenbei kann das Atlas auch noch als standalone Sample-Ratenkonverter benutzt werden und stellt dafür auch drei Dithering-Algorithmen fürs Down-Sampling zur Verfügung

Atlas Software im Tonstudio-Einsatz

Um das Atlas zu bedienen, bedarf es einer Kontroll-Software, die mindestens seit den Tagen des Prism Orpheus ihren Dienst verrichtet. Über diese werden auch eventuelle Firmware-Updates aufgespielt.

Von der Oberflächengestaltung ist die Kontroll-App zwar keine Meisterleistung und nicht für 4K+-Bildschirme ausgelegt – größenskalierbar sollte mittlerweile schon drin sein – aber zumindest ist sie stabil programmiert und funktional sinnvoll angelegt. Während der ganzen Testphase ist die App unter MacOS Mojave nicht ein Mal abgestürzt.

Prism Sound Atlas App

Prism Sound Atlas App

 

Im INPUT-Panel können alle Einstellungen der Eingänge gemacht werden, wie das Zuschalten des Soft-Limiters „Overkill“ für die Mikrofoneingänge, Hochpassfilter und Phantomspeisung. Es kann auch für jedes Kanalpaar festgelegt werden, ob es in Stereo oder Mid+Side-Konfiguration arbeiteten soll. Auch die Eingangsformate für die digitalen Eingänge werden hier festgelegt.

Prism Sound Atlas App

Prism Sound Atlas App

Auf dem OUTPUT-Panel wird festgelegt, für welche Kanäle der Lautstärkeregler zuständig ist, welche Kanäle and die Kopfhörer, physikalischen Ausgänge oder in die DAW zurückgespeist werden. Das Ganze gibt es auch noch einmal als Niedrig-Latenz-Einstellungen im Kopfhörer-Panel.

Prism Sound Atlas App

Prism Sound Atlas App

Die restlichen Submix-Panelen für die Ausgänge sind alle identische aufgebaut und es lässt sich einstellen, welche Eingänge im Submix anliegen und wohin das Summensignal dann geschickt wird.

Damit lassen sich recht komplexe Signalwege erstellen und es bedarf schon einer gewissen Einarbeitung, um sich im Kontrollpanel zurechtzufinden. Lieblingskonfigurationen können einfach per Preset gespeichert und geladen werden.

Prism Sound Atlas App

Prism Sound Atlas App

Prism Sound Verifile

Seit 2014 entwickelte Prism Sound das Verifile-System und stellt es erstmalig in ihren Geräten Atlas, Titan und Lyra zur Verfügung. Dieses System erkennt Sample-Dropouts, die nicht unbedingt hörbar sind, während der analogen Aufnahme und Wiedergabe und warnt die Benutzer entsprechend.
Der Prozess kann deaktiviert werden, ist aber laut Prism für die Anwender völlig unhörbar, was ich soweit bestätigen kann.

Wie der Prozess grundlegend funktioniert, steht ausführlich im Handbuch beschrieben und spricht von einer „fragilen Steganographie“ und einem zeitfensterabhängigen Prüfcode („Rolling Hash“). Diese Option gibt es allerdings nicht für die digitalen Eingänge, da andere Dateiformate als PCM dann nicht mehr Bit-akkurat verarbeitet werden können.

Es lassen sich mit der App auch Dateien, die mit einem Prism aufgenommenen, im Nachhinein überprüfen.

Atlas CleverClox

Diese Wordclock ist auf maximale Stabilität, unabhängig von der Signalquelle, getrimmt und ist ganz besonders dazu gedacht, aus jeder Art von jittrigen und verrauschten Audiodaten und Synchronisationsquellen ein stabiles und sauberes Clock-Signal zu generieren, ohne dabei einen entsprechend schmalbandigen Quartz-Taktgeber zu benötigen.

Auch dem Thema Jitter und Phasenkorrelation widmen Prism einen großen Abschnitt ihres lesenswerten Handbuchs.

Latenzen und Frequenzen des Atlas Interfaces

Latenzen

(Live 10.1.1.) 44 k 64 Sample Puffer: Ein: 4,76 ms Aus: 3,51 ms Loop: 8,28 ms

44 k 256 Sample Puffer:

  • Eingang: 9,12 ms
  • Ausgang: 7,87 ms
  • Loop: 17,0 ms

96 kHz, 64 Samples Puffergröße:

  • Eingang: 3,92 ms
  • Ausgang: 2,68 ms
  • Loop: 6,59 ms

96 kHz, 256 Samples Puffergröße:

  • Eingang: 5,92 ms
  • Ausgang: 4,68 ms
  • Loop: 10,6 m

192 k 64 Sample Puffer:

  • Eingang: 3,58 ms
  • Ausgang: 2,34 ms
  • Loop 5,92

192 k 256 Sample Puffer:

  • Eingang: 4,58 ms
  • Ausgang: 3,34 ms
  • Loop 7,92

MIDI-Loop bei 44 k: 28 Samples Latenz (Reaper 5,983)

Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass dies die exakt gleichen Werte sind wie beim Test des Presonus 1810c, was wohl der treiberlosen USB-Klassenkompatibilität in MacOS geschuldet ist.

Frequenzen

Die Daten wurden mit DDMF Plugin Doctor ermittelt.

rism Sound Atlas THD N -1dBFS

Prism Sound Atlas THD+N -1dBFS

Prism Sound Atlas THD+N 0dBFS

Prism Sound Atlas THD+N 0dBFS

Prism Sound Atlas Linear Freq-Sweep -0dBFS

Wie an den Bilder sieht, ist das Atlas nicht übermäßig übersteuerungfest. Ein Rauschabstand von knapp 150 dB macht das aber wieder gut. Der Frequenzdurchlauf ist ohne Beanstandung.

Prism Sound Atlas Phasenlage 78in 78out 192k

Prism Sound Atlas Phasenlage 7/8in 7/8out 192 k

Obwohl das Atlas unter 50 Hz deutlich von der 0º-Linie abweicht, sind alle Kanäle in der Abweichung identisch.

Prism Sound Atlas Hammerstein -1dBFS

Prism Sound Atlas Hammerstein -1 dBFS harmonische Verzerrungen

Prism Sound Atlas Hammerstein 0dFBS

Prism Sound Atlas Hammerstein 0 dFBS harmonische Verzerrungen

Was die harmonischen Verzerrungen nach Hammerstein angeht, so sieht das schon bedenklich aus und wie ich im Nachfolgenden erläutere, bin ich hier immer etwas in Verwunderung von dem, was ich höre und in dem, was sich sehe. Datenblätter und Messungen sind eben nicht alles, auch wenn die ästhetische Klangkomponente irgendwo ein Resultat dieser Werte ist.

Prism Sound Atlas Signaltreue

Prism Sound Atlas Signaltreue Out 1/2 In 1/2 rot: Audiodatei in der DAW grün: Atlas Eingangssignal

Dennoch trotz allem nimmt das Atlas die Signale, die es ausgibt, auch wieder genau so auf.

Klang – Musikkonsum ODER Musikproduktion

Der Atlas ist extrem musikalisch, aber für Musikkonsum ungeeignet. Alles klar? Nein? Ok, dann die Langversion.

Prism Sound Atlas Panel

Prism Sound Atlas Panel

Konsumption

Eigentlich müsste ich nach jedem neuen Wandlertest alle meine vorherigen Test immer neu schreiben, um alles wieder erneut in Relation zueinander zu setzen. Da das aber rein zeitlich nicht möglich ist, muss man halt mit diversen Widersprüchen in den Eindrücken leben. So ist z. B. die Aussage über das Antelope Amari als „das unsichtbarstes Interface“ schon wieder zu relativieren. Den Platz muss es nun an das Atlas abtreten.

Für die audiophile Hörsession traf man sich wieder mit zwei Freunden, nennen wie sie man J und N zum Testhören, um einen Konsenus zu verhandeln, darüber was wir hören. Dabei ist es noch witzig festzuhalten, dass über die Anlage von J ziemlich genau die Unzulänglichkeiten, die bei meinem bescheidenen Set noch verhalten daher kommen, eine ganze Ecke deutlicher ans Licht treten zu lassen. Das hat sich bisher von den Myteks bis jetzt zum Atlas konsequent durchgezogen.

Das Atlas scheint insbesondere dem Amari im Klangcharakter fast diametral gegenüber zustehen. Das Amari ist absolut detailversessen und recht analytisch, schwächelt aber im diesen Details, einen Zusammenhalt zu geben. Beim Atlas geht es hauptsächlich genau um diese Gesamtmusikbild, was sich auch irgendwie in die Formulierung dieses Tests hineingeschlichen hat.

prism sound atlas

Messtechnisch bei Weitem nicht so ideal wie z. B. das Amari, liefert das Atlas aber das deutlich natürlichere Klangbild. Auch wenn die Messbilder anderes vermuten lassen, beim Atlas hört sich kein Frequenzbereich über- oder unterbetont an. Trotzdem betont es irgendwie den mittleren Bassbereich, wo sich vorwiegend die Rhythmussektionen tummeln. Daher bietet das Atlas eher ein üppiges „Bottom End“, das vielleicht nicht 100 % neutral ist, aber dafür ein permanentes Spotlight auf einen überaus sensiblen Audiobereich lenkt. Darauf sollte man beim Aufnehmen mit den sehr sauberen Mikrofonvorverstärkern und Instrumenteneingängen auch achten.

Insgesamt würde ich sagen, das Atlas ist bis dato einer der unaufdringlichsten und ehrlichsten Wandler, denen ich begegnet bin. Es kommt nur so die Musik oder das akustischen Ereignis heraus, wie man diese hineingetan hat. Müll rein, Müll raus.

prism sound atlas

Eine vergleichbar natürlich klingende Darstellung kann ich bisher nur dem Dangerous Music Convert 2 bescheinigen. Das kann durchaus etwas langweilig klingen, aber wenn dem so ist, dann liegt es hier am Mix und nicht am Wandler.

Das bringt uns aber auch zu dem eingangs angedeuteten „Problem“ des Atlas beim normalen Musikhören. Trotz der musikalischen Transparenz und Natürlichkeit ist das Interface überaus exakt in der Darstellung und offenbart nicht nur Fehler und Unbalancen im Mix, sondern er bestraft sie regelrecht. Das ist für die allermeisten Musikkonserven das Todesurteil und macht das Testhören mit fremdem Quellenmaterial (Musikkonserven) äußerst schwierig.

So geschehen bei meinem Nine Inch Nails Referenzstück „We‘re in this together“. Ganz im Gegensatz zum Mytek Brooklyn, der sich nicht nur sehr viel Mühe gibt, sondern auch noch sehr souverän diesen Track als „Musik“ präsentiert, passt beim Atlas hier im Klangbild gar nichts. Der Track fällt effektiv auseinander und Einzelstimmen geistern unfokussiert – oder genau gesagt willkürlich fokussieren – durch das Klangeschehen auf der Suche nach ihrem Sinn. Das klingt einfach erbärmlich. Nach all dem Hype über den „Prism Sound“ war ich erstmal ratlos. Deswegen benutze ich diesen Track auch sehr gerne, weil sich daran Wandlereigenschaften so gut demonstrieren lassen und das nicht, weil der Track etwa so gut produziert, sondern so problematisch ist. Das lässt einen ein Mytek schon mal vergessen.

Es hat dann auch etliche weitere Hörstrecken gedauert, bis ich drauf gekommen bin, was hier eigentlich abgeht. Der Atlas scheint extrem empfindlich auf, sagen wir mal, „Signalverstümmelungen“ jeglicher Art zu reagieren. Entweder das oder der Atlas mag einfach generell keine E-Gitarren. Aber sei es von NIN oder sonstigem elektronischen oder akustischen Genre, die Art des Quellenmaterials ist dem Atlas völlig egal, dessen Spurenbearbeitung mit EQ, Kompressor oder Effekten aber nicht.

prism sound atlas

Der Atlas reagiert sehr exakt auf das Zusammenspiel der Lautstärkeverhältnisse und sonstigen Effektbearbeitungen der Einzelspuren im Mix und damit in der Summe. So kann es durchaus vorkommen, beim „normalen Musikkonsum“ das Gefühl zu haben, das Atlas würde ständig ein anderes Element im Klangbild fokussieren, so als ob ein Bühnenausleuchter ständig mit dem Spot schon zum nächsten Schauspieler wechselt, obwohl diese mit ihren Texten noch gar nicht fertig sind. Das manifestiert sich dann als ein sehr unstetes und unruhiges Klangbild und ich meine damit nicht dramaturgische Elemente wie Gitarren- oder Drum-Soli.

Auf jeden Fall hält diese Eigenschaft für einen Großteil der kommerziellen (und bisher sehr geschätzten) Musikkonserven ein böses Erwachen bereit, auch wenn sich unerwartet, auch ältere, Music-CDs finden lassen, die auch vor dem Atlas nicht einknicken. War das Amari eh schon ungeeignet zum alltäglichen Musikkonsum, vertieft der Atlas diesen Graben nochmals deutlich.

Dabei ist es auch fast unerheblich, dass der Atlas an die Impulstreue und Hallfahnendarstellung des Amari nicht herankommt und in der Höhendarstellung wesentlich sanfter ist. Damit ist dann wohl der „cremige“ gemeint, von dem im Internet oft die Rede ist, wenn es um „den Prism Sound“ geht. Aber für den R-Test, die exakte Abbildung einer schnellen Konsonantenfolge in „Making of Cyborg“ vom Ghost In The Shell-Anime Soundtrack reicht es aber locker. Wurde jedoch im Mix sauber gearbeitet, kann der Atlas fast ebenso mitreißend aufspielen wie ein Mytek.

Auch die Unterschiede zwischen CD-Qualität und denselben hochauflösenden Aufnahmen treten mit dem Atlas auch sehr entwaffnend zu Tage, was jetzt nicht besonders verwunderlich sein sollte. Der verwendete Player ist der Bit-akkurate Colibri aus dem Mac App-Store. Das Atlas kann zwar kein DoP, aber der Colibri kann DSD als PCM ausgeben.

Die verwendeten frei erhältlichen Teststücke sind vom L2 Label:

Vivaldi – Cantata RV 679, Aria (Katalog-Nr. 2L 0-56)

Arnesen – „MAGNIFICAT 4“. „Et misericordia“ (Katalog-Nr. 2L-106)

Finzi – „Come Away, Death“ (Katalog-Nr. 2L-064)

Produktion

Und das soll jetzt was Gutes sein? Für die Studioarbeit definitiv ja! Mit dem Atlas ist es gar nicht möglich, nicht audiophil zu produzieren, da er in dieser Hinsicht aber auch rein gar nichts verzeiht! Das ist sicher für einige Musiker schwierig, die beim Einspielen gerade nicht in Topform sind oder mehrere Takes brauchen, die dann per Comping zusammengefügt werden etc. oder auch für Produzenten, die zu laut und zu hastig arbeiten (müssen).

Zumindest von mir verlangt das Prism eine völlig andere Herangehensweise, als ich es mit von allen anderen Interfaces bisher gewohnt war, mit denen ich bisher zu tune hatte und das sind nachweislich nicht wenige. Dennoch fühle ich mich beim Atlas wie ein Anfänger und selbst vier Wochen waren für mich nicht mal annähernd genug Zeit, sich daran zu gewöhnen oder eine jahrzehntelange „Hi-Fi-Musik-Konditionierung“ zu überwinden.

Erstaunlicherweise waren meine älteren Mixe auch mit dem Atlas dennoch durchaus größtenteils recht zufriedenstellend, einiges scheine ich also richtig gemacht zu haben. Doch bei neueren Projekten gehe ich mit dem Atlas fast automatisch völlig anders an die Bearbeitung und Fertigstellung heran als mit meinem Mytek. Ich höre aktiv mehr darauf, was eine Bearbeitung für die Gesamtmusikalität bringt und wie die Spuren interagieren. Das sollte zwar normal sein, aber mit dem Atlas geht das für mich gar nicht anders!

Die Myteks offenbaren zwar auch alles wie ein musikalisches Vergrößerungsglas, aber sie geben sich, was den musikalischen Zusammenhalt angeht, im Vergleich zum Atlas doch verzeihender. Da ruft es schon ein Zähneknirschen hervor, wenn ich sagen muss, nach dem Atlas klingen die allermeisten anderen Interfaces jetzt irgendwie nach Hi-Fi.

Da kann ich mir noch so viele Messbilder von Frequenzgängen, Impulsantworten und harmonische Verzerrungen ansehen, der Atlas klingt natürlicher, unaufdringlicher und „wahrheitsgemäßer“ als z. B. das Amari, das messteschnisch die deutlich besseren Werte liefert und ist vielleicht ebenso offen wie der Phantombühnenmeister Dangerous Music Convert-2.

Zwischen den beiden wäre ein Direktvergleich noch einmal ungemein spannend, teilen sie doch eine sehr ähnliche Klangphilosophie. Nur dass man beim Atlas gegenüber dem Convert-2 für ein Drittel mehr Euro noch 6 analoge Ausgangskanäle und 8 Eingangskanäle dazu bekommt! Oder 8 Eingangskanäle mehr gegenüber dem Convert-8 zum selben Preis.
Der Atlas klingt wie Luft zum Atmen. Hätten alle von Anfang an mit dem Atlas gemastert, hätte es den Loudness-War wahrscheinlich nie geben können, denn jeder hätte gemerkt, wie beschi***** Limiting eigentlich klingt.

 

Fazit

Der Prism Atlas ist ein lupenreines Studiogerät und man muss sich entscheiden: Musikkonsumption ODER Musikproduktion. Für ersteres gibt es deutlich besseres, jedoch für Aufnahmen, Mixing und audiophiles Mastering findest sich hier ein Meilenstein, über den es nicht viele Audiointerface schaffen. Der Atlas reagiert peinlich genau auf alles, was mit Signalbearbeitung und Spureninteraktion zu tun hat und schmiert es einem gnadenlos aufs Brot, wenn nicht sauber gearbeitet wird.
Hier lässt sich nichts im Mix verstecken. Was Impulstreue oder Räumlichkeitsgefühlt angeht, mag es messtechnisch vielleicht Bessere geben, doch näher an die „akustischen Wahrheit“ als das Atlas kommen die trotzdem nicht heran.

Im Gesamtbild und mit einer vergleichbaren Klangphilosophie wie Dangerous Music quasi zum halben Preis, sehe ich keinen Grund, dem Prism Atlas seine drei Sterne zu vorzuenthalten und ihn für das Best-Buy Prädikat zu nominieren.

Plus

  • Klang
  • Betriebsstabilität
  • Verarbeitung
  • USB-klassenkompatibel

Minus

  • nur per Control-App bedienbar

Preis

  • 4.099,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Marco Korda  

    Ein nahezu makelloser Testbericht, der wieder einmal aufzeigt, dass das Gehör und nicht das Visuelle entscheidet. Außerdem wird deutlich, dass es immer mehrere Perspektiven gibt, vor allem die des reinen Konsumenten und des Producers. Ich sehe das Prism hier als Producer-Produkt und weniger für das Wohnzimmer geeignet. Da ist das Mytek sicherlich die hübschere und bessere (?) Wahl. Definitiv scheinen die Hersteller ins Analytische abzudriften.

    Der Preis macht es dem Bedroom-Producer schwer, sodass man (Bedroom-like) weiter drüber schlafen oder träumen muss. Für Studio-Besitzer sicherlich eine gute Investition, nur sollte man das GUI der Software dabei unbeachtet lassen. Das ist ja grausam für die Augen….

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Hallo Marco,
      Erstmal danke und sorry für die späte Reaktion. :)

      Ich kann deinem Kommentar nur beipflichten. Zusätzlich habe ich auch festgestellt, dass man die Zweikanal-DACs sehr selten mit den mehrkanal-ADDACs über einen Kamm scheren kann. Das sind oft zwei völlig unterschiediedliche Klangniveaus (und Anwendungskreise).

      Beim Prism hatte ich bisher seit langem mal wieder das Gefühlt nicht den Klang für mehr Kanäle opfern zu müssen.
      (Spoiler: gerade ist das Apollo 6X bei mir gelandet. Mal sehen wie sich das schlägt.)

      Soweit ich informiert bin, unterscheiden sich die neueren Prism-Modelle Lyra 1 / 2 und Titan nur durch die Anzahl der I/Os voneinander, nicht in der Klangqualität. Somit gäge es mit dem Lyra den Prism-Sound schon ab €1700.

      Zieht man in betracht, das diese Interface in den nächsten 10 Jahren sehr wahrscheinlich nur marginal getoppt werden (können), relativieren sich die Anschaffungskosten nochmal. In der Zeit haben die meisten anderen Hersteller ihr Sortiment schon 5 bis 10 mal ausgetauscht.

      :)

  2. Profilbild
    costello  RED

    Danke für den Testbericht! Ja, Prism Sound ist eine Klasse für sich. Wem die gut 4.000,- Euro für den aktuellen Atlas zu viel sind, kann sich vielleicht über ein gebrauchtes Orpheus Gedanken machen. Das hat schon 10 Jahre auf dem Buckel und ist für rund ein Drittel des Atlas-Preises zu erstehen. Die Qualität der Wandler war damals schon extrem gut.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      Danke costello.

      Wer keinen Mac hat, dem macht die FireWire-Schnittstelle des Orpheus kein Kopfzerbrechen. Das Orpheus geht gebraucht derweil für um die 1K€ oder sogar weniger über den Tisch, was ein echtes Schnäppche ist. Ansonsten fängt beim Mac das Glückspiel an, wie lange der FW-Treiber noch mitmacht. Bei meinem Mytek 192 geht der FW-Treiber noch unter Catalina, bekommt aber auch eine Systemwarnung.

      Zu den neueren Prism-Modellen hab ich oben noch was geschrieben.

      :)

      • Profilbild
        costello  RED

        Für FW-Kompatibilität habe ich extra noch ein altes McBook mit OS 10.6.8 (auf dem ich übrigens auch iPhoto für die schönen Layouts der Mac-Fotobücher habe.)

        • Profilbild
          TobyB  RED

          Hier stehen noch eine blaue Clamshell aka Klodeckel, ein massiv gepimpter Power Mac 8600 und ein Macbook White mit Intel 2.4 Ghz Intel Core Duo rum. Meine Musik nehme ich aus Bequemlichkeit immer noch mit meinem iMac von 2009 auf. So schlimm ist Catalina nicht. Die Apple Sachen laufen, bei den AUs von Apple hab ich noch keine Ausfälle bemerkt. Und wie Markus anmerkt FW geht auch, nur je nach Modell braucht man halt Adapter.

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