Test: SPL Volume 2, Volume 8, Monitorcontroller

Anwendung von SPL Volume 2 und SPL Volume 8

Um die Frage der Anwendung zu beantworten, sollten wir erstmal die Probleme beleuchten, die bei analoger und digitaler Lautstärkeregelung auftreten, denn genaugenommen ist das Problem alles andere als trivial.

Das Problem beginnt mit dem Potentiometer an sich. Passive Potentiometer tendieren dazu, ihre Impedanzwerte über den Reglerweg hinweg zu verändern, was zu Veränderungen des Stereobildes und Phasenlage des Signals führen kann. Das Problem ist immanent für jedes Potentiometer, egal wie teuer, auch beim SPL.

SPL_Volume2_FFT (Handbuch)

SPL Volume 2 FFT (Handbuch)

Eine Abhilfe stellt ein gerasterter Drehregler dar, der über Widerstandskaskaden fixe Lautstärkewerte durchschaltet. Das Problem ist hier natürlich, dass einem nur Lautstärkeänderungen in Schritten von 2 dB – oder gar größer – zur Verfügung stehen. Allerdings haben Widerstände von Haus aus eine erheblich geringere Toleranzstreuung als Potentiometer. Der passive GoldPoint SA2X wäre hier zu nennen. Ideal wäre es aber auch hier gleich ganz auf ein Potentiometer zu verzichten und stattdessen Taster oder Relais zu benutzen. Nur wollen das die wenigsten Nutzer.

SPL_Volume2_Phase (Handbuch)

SPL Volume2 Phase (Handbuch)

Zuletzt gibt es noch die Möglichkeit, die Lautstärke digital zu regeln. Dieser Möglichkeit hängt jedoch ein schlechter Ruf an, der noch aus der 16 Bit-Ära stammt. 1 Bit entspricht einer Lautstärkeanhebung von 6 dB. 24 Bit sind inzwischen Standard und die Tendenz geht zum 32 Bit Wandler.

Damit ergeben sich bei 24 Bit ein Dynamikumfang von 144 dB, die kein bisher verfügbares analoges und digitales Gerät erreicht. Locker 24 dB vorher geht das Signal im Rauschen der Eigenwärme des Gerätes unter, egal ob analog oder digital. Ok, das sind erstmal 3 Bit, die von vornherein fehlen. Doch rein digital bedeutet das, dass ein Signal in CD-Qualität erstmal um 48 dB herunter geregelt werden muss, bevor die 16 Bit der Signalinformation angetastet werden. Dazu befindet es sich dann in einem Bereich, der schon sehr leise ist. Bis man die effektive Hi-Fi-Qualitätsgrenze von 12 Bit erreicht, ist das Signal schon mal um 72 dB leiser. Also in Bereichen, die musiktechnisch keine Rolle spielen.

Bei einer digitalen Wandlung mit 32 Bit, also mit einen Dynamikumfang von 192 dB (32 x 6dB), ist ein 16 Bit Signal bei einer Absenkung um 16Bit bzw. 96 dB schon lange nicht mehr hörbar, bevor dessen Bits überhaupt angetastet werden. Wenn der Lautstärke-Controller dann auch noch Zugang zum Datenpfad des Wandlers hat, also meistens innerhalb des DACs selbst ist, verhält sich ein 32 Bit-Regler praktisch ununterscheidbar zur einer analogen Lautstärkereduktion, ganz ohne Phasen- und Impedanzprobleme, bis das Grundrauschen des DACs erreicht ist.

Das prinzipielle Problem der digitalen Lautstärkeregelung liegt darin, dass sich der verhältnismäßige Signal/Rauschabstand ändert, wenn die Lautstärke reduziert wird.
Das heißt je leiser das digitale Signal wird, desto lauter wird im Verhältnis dazu der Rauschanteil.
Wobei im Analogen der  Signal/Rauschabstand mit der Lautstärkeregelung wandert. das Verhältnis bleibt gleich.

SPL Volume 2 Gleichlauf (Handbuch)

SPL Volume 2 Gleichlauf (Handbuch)

Das bedeutet, dass ein analoger Lautstärke-Controller immer noch besser sein kann als ein digitaler, wenn sein Signal/Rauschabstand höher ist als der des Digitalwandlers. Von daher gesehen machen SPL ihre Sache mit 120 dB Dynamikumfang schon sehr gut.

Klang des SPL Volume 2 und SPL Volume 8

Noch ein Wort zur Teststrecke. Da es immer besser ist, ein starkes Signal abzuschwächen, als ein schwaches Signal zu verstärken, sind meine Eindrücke vorwiegend darauf gegründet. Die Idee, den Volume zu Lautstärkeanhebung zu benutzen, schien mir aufgrund seiner Position in der Abhörkette ziemlich absurd. Das heißt also, dass der DAC mit voller Lautstärke sendete, der Volume auf 100% war und maximal gewünschte Lautstärke an der Endstufe angepasst wurde. Von da an wurde am Volume heruntergeregelt.

SPL Volume 2 wie auch Volume 8 haben absolut keinen Eigenklang und keine Färbung irgendeiner Art, die ich feststellen konnte. Was die Qualität der Lautstärkeregelung anbetrifft, kann ich aber sagen, dass selbst noch ein 2.000,-Euro Mytek Brooklyn DAC+ von den Volumes profitieren kann. Das Signal war bei extrem geringen Lautstärken an der Hörgrenze ein klein wenig klarer, definierter und durchlässiger, wenn der Lautstärkeregler am Mytek auf Maximum war und stattdessen die Lautstärke über den Volume geregelt wurde. Keineswegs weltbewegend auf irgend eine Art und Weise, aber doch wahrnehmbar und ein wenig einfacher zum Lauschen. Aber auf dem Level arbeite ich nicht tagtäglich.

Beim SPL ProFi Director war hingegen absolut kein Unterschied im Klangbild der Lautstärkeregelung zum Volume wahrzunehmen, egal wer die Lautstärke regelte. Alles andere wäre bei einem 3.200,- Euro DAC von derselben Firma aber auch nicht zu entschuldigen gewesen.

Allerdings war auch der Unterschied in der Durchlässigkeit beim meinem McMillen K-Mix, dessen Lautstärke komplett 24 Bit digital geregelt wird, bei kleinen Lautstärken so marginal, dass es fast ununterscheidbar war. Wer nicht gerade intensives, ambisonisches Fieldrecording von Flohhusten betreibt, für den werden diese Unterschiede niemals relevant sein.

Fazit

Ich höre und erkenne die Qualität, erkenne die technische Expertise und den Vorteil, den SPL Volume 2 und Volume 8 darstellen können. Ich erkenne nur nicht so recht die Zielgruppe. Produzenten auf Einsteigerbasis werden kaum zusätzliche 400,- Euro ausgeben, um die Nachbarn nicht zu stören, obwohl der SPL Volume hier noch am ehesten was bringen könnte.

Am anderen Ende des Spektrums, bei den High-End-DACs, bringt der Volume fast nichts bis gar nichts. Bliebe also das Drittel der Ambitionierten und Semiprofis dazwischen, die keine 2.000,- Euro für einen reinen 2-Kanal-DAC ausgeben wollen, aber trotzdem noch etwas „mehr“ haben wollen. Oder einfach einen neutralen, praktischen Lautstärkeregler in Reichweite haben möchten, weil das Audiointerface an einer ungünstigen Stelle platziert ist.

Wobei aber das Beispiel mit dem Mittelklasse K-Mix zeigt, dass auch hier nicht alle Interfaces gleichermaßen von den Volumes 2 und 8 profitieren. Der Weisheit letzter Schluss ist der Volume also auch nicht und ein persönliches Antesten sollte hier die letzte Entscheidung bringen. Im Zweifelsfall eher lieber noch mal das Geld in die Raumakustik investieren.

Um das aber noch mal zu betonen: SPL Volume 2 und Volume 8 sind hervorragende Geräte, die das leisten, was auf der Packung steht! Doch stünden sie für mich erst ganz weit hinten auf der Anschaffungsliste. Auch wenn das „Problem“ Lautstärkeregelung universell und permanent ist, liegt der praktische Nutzen meist doch eher in einem kritisch wenig relevanten Bereich und vor allem vermisse ich die Fernbedienung.

Plus

  • keine Klangfärbung
  • solide Verarbeitung

Minus

  • keine Fernbedienung

Preis

  • Ladenpreise:
  • SPL Volume 2: 399,- Euro
  • SPL Volume 8: 529,- Euro
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