Test: Drawmer CMC2, Monitorcontroller

16. Oktober 2017

Britische Abhörstation

Der neue Drawmer CMC2 gehört zur Gilde der Monitorcontroller, die es ja mittlerweile von 25,- Euro bis zum Kontosprenger gibt. Mit seinen knapp 300,- Euro liegt er in einem sehr stark vertretenen Bereich, wollen wir doch mal sehen, was er so bietet.

Die Ausstattung

Ausgeliefert wird der Engländer (der auch tatsächlich „Made in England“ ist) in einer schlichten, aber stabilen Verpackung, die auch das externe Netzteil beinhaltet. Dieses besitzt tauschbare Vorsätze für viele Länder der Welt.

Zentral in der Mitte des stabilen Blechgehäuses befindet sich der große Lautstärkeregler, der sich angenehm drehen lässt, nicht zu schwer und nicht zu leicht. Um diesen herum sind dann die verschiedenen Regelungs- und Schaltmöglichkeiten angeordnet, beginnend oben links mit dem Aux-Input-Regler, der mit dem Miniklinkeneingang auf der Vorderseite des Drawmer CMC2 korrespondiert.

Schön übersichtlich

Gleich daneben befindet sich die Speaker-Select-Abteilung, mit der zwei unterschiedlichen Lautsprecherpaare plus einem Subwoofer angesprochen werden können. Rechts davon finden wir den Lautstärkereglern für den sich ebenfalls auf der Frontseite befindenden Kopfhörerausgang in Form einer großen Stereoklinke.

Im unteren Bereich links sind die Wahlschalter für die beiden rückseitigen Stereoeingänge sowie den frontseitigen Aux-Eingang angebracht, im rechten Bereich finden wir die Schalter für Phasenumkehr, Wiedergabe in Mono sowie den Dim-Schalter, der die Lautstärke per Knopfdruck um 20 dB absenkt.

Rückseite

In der Praxis

habe ich den Drawmer CMC2 während einer aktuellen Rock-Produktion verwendet, die sich bereits in der Mischphase befand. Ich montierte ihn anstelle meines langjährigen Controllers Samson C-Control. Wie bei diesem wurde der Drawmer CMC2 direkt an den Monitorausgang meines Mischpultes TL-Audio M4 gehängt.

DRAWMER CMC2 am TL-AUDIO M4

Ein Aha-Erlebnis hatte ich nach Anschluss des CMC2 und dem ersten Anhören meines Mixes vom Vortag, den ich noch über meine Samson C-Control abgehört hatte: Alles war plötzlich eine merkliche Spur transparenter und wertete meinen Mix hörbar auf, obgleich er auch auf meiner C-Control schon gut klang. Die Bassläufe konnte ich nun besser wahrnehmen, die über die C-Control tendenziell immer etwas weich wiedergegeben wurden und sich stellenweise etwas zu sehr mit anderen „Bassträgern“ vermischten. Alle aufgenommenen Stimmen und Instrumente hatten plötzlich mehr Kontur und Griffigkeit, etwaige Unsicherheiten vom Vortag, ob der Mix denn passt, waren wie weggeblasen. Wenn man den Grundklang des CMC2 beschreiben soll, treffen die Worte „trennscharf“ und „knackig“ am besten, eine Färbung in eine bestimmte Richtung hat er erfreulicherweise nicht.

Im ersten Moment meint man, das Gerät hätte einen gewissen „frischen“ Klang, dieser resultiert aber lediglich aus der sehr transparenten und weitestgehend unverfälschten Wiedergabe des eingespeisten Signals und nicht an einer verschobenen Höhenwiedergabe des Drawmer CMC2. Im Laufe der Arbeit habe ich festgestellt, dass meine Ohren über die Lautsprecher länger „durchhalten“, da sie weniger schnell ermüden.

Knackgeräusche beim Umschalten sind dem Gerät fremd, auch machen die Schalter einen zuverlässigen Eindruck.

Der eingebaute Kopfhörerverstärker ist hier nicht nur eine lieblose und schwachbrüstige Beigabe, er klingt richtig klasse. Genauso knackig und transparent wie das gesamte Gerät kommt er durch die satte Leistung auch mit hochohmigeren Kopfhörertypen klar.

Ein Kopfhörerverstärker der kräftigen Sorte

Was gibt es zu meckern?

Nun ja, eigentlich nichts, was einen Minuspunkt rechtfertigen würde. Nur verstehe ich einfach nicht, warum es keinen Lautsprecherschalter gibt, sondern nur normale Ein- und Ausschalter. An einem professionellen Recording-Mischpult gibt es meist einen Schalter, der per Knopfdruck von Lautsprecherpaar A auf Lautsprecherpaar B umschaltet. Beim Drawmer CMC2 muss ich erst Pärchen A abschalten und dann Pärchen B zuschalten. Mich nervt das.

Was auch noch schön gewesen wäre: Zwei Potis zur Anpassung des Ausgangspegels zu den Monitorboxen. Dieses Feature ist aber den teureren Monitor-Controllern von Drawmer vorbehalten.

Bei dem CMC2 muss man also den Abgleich an der aktiven Monitorbox bzw. dem Verstärker (bei passiven Lautsprechern) bewerkstelligen.

Für wen ist der Drawmer CMC2 das Richtige?

Von der Audioqualität ist dieser Monitorcontroller durch und durch professionell. Man muss sich nur bewusst sein, dass man mit dem CMC2 ein Studiotool ausschliesslich für das Abhören und Beurteilen der Mischungen erhält, aber keinerlei Zusatzfunktionen zur Verständigung mit den Musikern oder Ausspielwege für selbige. Wer dieses braucht, muss zu den teureren Drawmer Modellen wie MC 2.1 oder MC 3.1 greifen, wobei der 3.1 schon ein ziemlicher Konto-Burner ist. Die ebenso brandneue MC 7.1 ist dann auch noch für Mehrkanal-Mischungen geeignet. Die Controller MC 2.1 sowie 3.1 wurden bereits auf AMAZONA getestet.

Zudem gab es kürzlich von meinem Autorenkollegen Chris Pfeil einen interessanten Vergleichstest diverser Monitorcontroller.

Das ganze Gerät ist simpel zu verstehen und dürfte nach einer kurzen Einarbeitungszeit auch einem Anfänger leicht zugänglich sein, so dass es bezüglich des Einsatzbereiches keine Einschränkungen zwischen Home und Pro gibt. Das Gerät ist sehr gut verarbeitet und dürfte nicht so schnell seinen Geist aufgeben, zudem ist es ein „Made in England“-Produkt, was dem Gerät in Anbetracht der ansonsten meist in China hergestellten Produkte durchaus ein exklusives Merkmal verleiht.

Was besonders aufgefallen ist

Man bekommt für um die 300,- Euro von einigen Mitbewerbern viel mehr Ausstattung geboten, ob aber diese Geräte mit der exorbitant guten Audioqualität des Drawmer CMC2 mithalten können, möchte ich bezweifeln. Zudem ist das Gerät sehr kompakt und auch bei beengten Platzverhältnissen eine gute Wahl. Wer also keine Talkback-Funktion sowie Ausspielwege für die Musiker benötigt, erhält für sein Geld einen klanglich extrem hochwertigen Monitorcontroller.

Die Anleitung ist prima geschrieben, leicht verständlich und mit guten Grafiken mit Anwendungsbeispielen. Nur auf Englisch halt, aber ja mei …

By the way

habe ich mich nach dem Test entschlossen, meine sehr geschätzte Samson C-Control demnächst gegen ein Drawmer-Gerät auszutauschen. Da ich aber unbedingt eine Talkback-Funktion benötige, wird es für mein Studio höchstwahrscheinlich der MC 2.1 werden.

Einfach nur prima: Der Drawmer CMC2

Der Drawmer CMC2 ist tatsächlich ein Sahnestückchen, der eine Mischung ungeschönt und äußerst transparent an die Lautsprecher bzw. den Kopfhörer weiterschickt. Durch die unverschleierte Signalverarbeitung sitzt man auch längere Zeit ohne größere Ermüdungserscheinungen vor den Monitorboxen. Die Ausstattung ist zwar magerer als bei der Konkurrenz in dieser Preisklasse, dafür ist aber die Klangübertragung beispielhaft neutral.

Fazit

Der Drawmer CMC2 ist tatsächlich ein Sahnestückchen, das eine Mischung ungeschönt und äußerst transparent an die Lautsprecher bzw. den Kopfhörer weiterschickt. Durch die unverschleierte Signalverarbeitung sitzt man auch längere Zeit ohne größere Ermüdungserscheinungen vor den Monitorboxen.

Die Ausstattung ist zwar magerer als bei der Konkurrenz in dieser Preisklasse, dafür ist aber die Klangübertragung beispielhaft neutral. Ein echtes Profitool im kompakten Tischformat.

Plus

  • äußerst transparente Wiedergabe
  • sehr kräftiger Kopfhörerverstärker
  • sehr solide verarbeitet

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Eine Sache die fast alle Hersteller (Mackie z. Bsp.) falsch machen, so auch hier: Unter dem Hauptregler ist ein Knopf, wo doch die Handauflage ist!
    Für mich jedes mal ein ko-Kriterium. Dabei ist Platz genug vorhanden.
    Auch schade das es keine versenkbaren Controller für den Tischeinbau gibt.

    • Profilbild
      Onkel Sigi  RED

      Hallo Franz,

      also ich bin mit meinen Pratzen (bayrisch für „Hände“) niemals nicht auf dem „Mute“-Knopf gelandet. Man hat die Hand meist versetzt etwas links oder rechts vom Lautstärkeregler.

      Musikalische Grüße

      Onkel Sigi

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