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Test: Drawmer MC 3.1, Monitorcontroller

19. Dezember 2016

Abhören im großen Stil

Rund 1 1/2 Jahre ist es her, dass ich den Monitorcontroller Drawmer MC 2.1 für AMAZONA.de getestet habe. Auf der diesjährigen Frankfurter Musikmesse stellte das britische Traditionsunternehmen das nächst größere Modell Drawmer MC 3.1 vor. Deutlich opulenter im Auftreten und entsprechend mit mehr Anschlüssen und Funktionen ausgestattet kommt der Drawmer MC 3.1 daher. Schauen wir mal, wie dieser sich im Test schlägt.

Drawmer MC 3.1

Drawmer MC 3.1

Erster Eindruck

Hatte ich mit dem MC 2.1 noch ein kompaktes Desktop-Gerät vor mir, handelt es sich beim Drawmer MC 3.1 schon fast um eine komplette Kommandozentrale. Dabei sind die Maße mit 22 x 27,5 x 10 cm gar nicht viel größer als beim MC 2.1, aber durch die abgeschrägte Bedienoberfläche und das leicht höhere Gehäuse wirkt der MC 3.1 einfach deutlich massiger. Im Gegensatz zum MC 2.1 lässt sich der größere Bruder somit auch nicht in ein Rack einbauen, ist also ein waschechtes Desktop-Gerät. Das Gewicht des Drawmer MC 3.1 liegt bei 2,5 kg. Neben den beiden bereits genannten Monitorcontrollern gehört seit Kurzem auch der MC 1.1 zur Drawmer Familie. Bei diesem handelt es sich entsprechend der Bezeichnung um eine kleinere Monitorcontroller Variante mit zwei Ein- und Ausgängen, ein Testgerät werden wir hoffentlich bald bekommen.

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Die Verarbeitung des Drawmer MC 3.1 ist sehr gut. Das Gehäuse ist voll und ganz aus Metall gefertigt und besteht aus zwei miteinander verschraubten Teilen. Auf der Unterseite sorgen vier ebenfalls verschraubte Gummifüße für einen sicheren Stand und eine kratzerfreie Arbeitsplatte, sehr gut. Bei den Bedienelementen erkennt man sofort die Verwandtschaft zum MC 1.1/2.1, hier kommen die gleichen Potis und Taster zum Einsatz. Betrieben wird der Drawmer MC 3.1 mit einem externen Netzteil, was ebenso zum Lieferumfang gehört wie eine englischsprachige Bedienungsanleitung.

Anschluss, Anschluss

Starten wir zunächst mit den Anschlüssen, die fast allesamt auf der Rückseite untergebracht sind. Einzige Ausnahme sind zwei Kopfhöreranschlüsse, die Drawmer zwecks einfacherer Erreichbarkeit auf die Vorderseite verfrachtet hat, beide natürlich separat in der Lautstärke regelbar, sowie ein 3,5 mm Aux-Eingang für Zuspieler à la Smartphone oder MP3-Player. Rückseitig stehen beim MC 3.1 vier Eingangsmöglichkeiten zur Auswahl. Zwei Mal symmetrische XLR/TRS-Kombibuchsen, ein unsymmetrisches RCA-Pärchen sowie ein kombinierter AES-S/PDIF Digitaleingang in Form einer ebenso kombinierten XLR/TRS-Buchse.

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Maximal drei Studiomonitore kann man am Drawmer MC 3.1 anschließen, allesamt einzeln oder gleichzeitig auswählbar und mit den Trimm-Optionen auf der Unterseite des Monitorcontrollers individuell in der Lautstärke anpassbar. Zusätzlich verfügt der Monitorcontroller über einen Mono-/Subwoofer-Ausgang.

Darüber hinaus steht ein Stereo Cue-Ausgang bereit, um Musiker/Sänger entweder direkt oder wahlweise über einen Kopfhörerverstärker mit Signalen zu versorgen. Zu guter Letzt finden sich auf der Rückseite noch der Anschluss für ein externes Talkback-Mikrofon (Klinke) und ein Pedalanschluss. Der Drawmer MC 3.1 verfügt über ein integriertes Talkback-Mikrofon, dessen Signal auf Wunsch auch extern ausgeführt werden kann, so dass man die Ansagen des Mixers/Produzenten unabhängig vom Cue-Mix für die Musiker/Sänger in andere Räumlichkeiten führen kann. Spätestens hier merkt man, dass der Drawmer MC 3.1 wahrlich kein Spielzeug ist und gegenüber dem MC 2.1 für weitreichendere Aufnahmen bzw. Anforderungen konzipiert wurde. Ungeachtet der Qualität befinden wir uns hier also schon bei einem Produkt, das vornehmlich in größeren Tonstudios oder dem Broadcasting-Bereich à la Funk und Fernsehen seinen Einsatz finden wird.

Innenansicht 1

Innenansicht 1

Innenansicht 2

Innenansicht 2

Kommandozentrale

Entsprechend der rückseitigen Anschlüsse präsentiert sich die Bedienoberfläche des Drawmer MC 3.1 mit einen Vielzahl von Bedienelementen und Zuweisungsmöglichkeiten. Zentraler Blick- und Arbeitspunkt ist der Lautstärkeregler, rund 4 cm breit und sauber in seinen Bahnen laufend. Laut Hersteller handelt es sich hierbei um die gleichen Komponenten wie beim MC 2.1, der in unserem Test ja klanglich voll überzeugen konnte. Neben dem eigentlichen Regeln der Lautstärke verfügt das Lautstärkerad über eine besondere Funktion, es lässt sich nämlich ein festes Lautstärkeniveau speichern, das unabhängig von der Stellung des Rads per Knopfdruck aufgerufen werden kann.

Somit kann man sich entweder ein Lautstärkeniveau festlegen, mit dem man stets abhört bzw. das Zielniveau der Produktion sein wird (beispielsweise Vorgaben bei Film, Funk oder bei einer Musikproduktion) oder man speichert sich ein Lautstärkeniveau für leisere Passagen oder ähnliches ab.

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Oberhalb des Lautstärkerads befinden sich die vier Auswahlmöglichkeiten der Speaker A-C und Sub, rechts daneben befinden sich die Lautstärkeregler für die beiden Kopfhöreranschlüsse. Neben der Lautstärke kann man hier auch auswählen, ob die Kopfhörerausgänge das Main- oder Cue-Signal führen sollen.

Die linke Seite der Bedienoberfläche ist dem Steuern und Zuweisen von Signalen vorbehalten, dabei lassen sich die Eingangsquellen getrennt für die Monitorausgänge A-C und den Cue-Ausgang selektieren. Zugehörige LEDs zeigen an, welche Eingänge aktuell ausgewählt sind, das steigert die Übersichtlichkeit.

Wie bereits erwähnt, befindet sich der Aux-Eingang auf der Bedienoberfläche, die zwei Potis rechts davon steuern die Lautstärke des Talkback-Mikrofons, was sich hinter dem kleinen Gitter verbirgt. Ebenso kann hier die Lautstärke des Cue-Ausgangs geregelt werden.

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Neben dem eigentlichen Regeln und Steuern von Monitorsignalen bietet der MC 3.1 weitere nützliche Funktionen, die weit über das hinaus gehen, was man normalerweise bei einem Monitorcontroller vorfindet. Das Stummschalten aller Ausgänge bzw. wahlweise nur des linken/rechten Kanals gehört da genauso dazu wie eine Mono- und Dim-Funktion, die das Signal um 20 dB absenkt. Darüber hinaus erlaubt es der Drawmer MC 3.1 aber auch, nur einzelne Frequenzbänder solo abzuhören. Low, Mid und High stehen zur Auswahl und die Übergangsfrequenzen liegen laut Hersteller bei 250 Hz (Low-Mid) und 3,5 kHz (Mid-High). Ein Swap L/R-Schalter erlaubt es, beide Stereoseiten umzudrehen, die Phase Reverse-Funktion dreht die Phase des linken Kanals um Phasenprobleme aufzudecken.

Praxis

Das Einrichten des Drawmer MC 3.1 ist dank des gut geschriebenen Handbuchs sehr einfach, gerade dem Trimmen der angeschlossen Monitore wird viel gewidmet. Dafür kann man sich auf der Drawmer Website sogar Soundfiles für die Kalibrierung herunterladen, sehr schön. Das externe Netzteil ist dank des ausschließlichen Studioeinsatzes verschmerzbar, praxisnah ist die Einschaltverzögerung beim Anschalten des Monitorcontrollers.

Das Arbeiten geht genauso leicht von der Hand, wie man es von einem solchen Produkt erwartet. Die Qualität der Bedienelemente ist sehr gut, hier schabt oder knackst nichts, es lässt sich einwandfrei damit arbeiten. Klanglich gibt es absolut nichts zu kritisieren, Stereoschiebereien konnte ich genauso wenig feststellen wie sonstige Frequenzverfälschungen. Der Sound ist klar, deutlich und druckvoll. Die Kopfhörerausgänge haben ausreichend Power, um auch schwachbrünstige Kopfhörer ausreichend anzufahren., getestet habe ich hier mit dem Shure SRH940 und dem Beyerdynamic DT 880 Pro.

Während die Aktivierung des Aux-Eingangs beim Drawmer MC 2.1. noch eine Erhöhung des Gesamtpegels um ca. 4 dB hervorrief, bleibt das Niveau beim MC 3.1 glücklicherweise auf gleichem Niveau. Drawmer erklärte dies beim Test des MC 2.1 mit einem notwendigen Übel, um das Grundrauschen des Monitorcontrollers so niedrig wie möglich zu halten.

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Fazit

Mit dem Drawmer MC 3.1. hat das britische Traditionsunternehmen eine deutlich weitergehende ausgestattete Variante ihres Monitorcontrollers MC 2.1 entwickelt. Die Verarbeitung ist sehr gut, da gab es bei Drawmer aber noch nie Anlass zur Kritik. Bei den Bedienelementen erkennt man die Verwandtschaft zum MC 2.1, auch das Innenleben besteht größtenteils aus den gleichen Komponenten.

Durch die fünf Ein- und vier Ausgänge ist das Einsatzgebiet des Drawmer MC 3.1 sehr weitreichend und entspricht vor allem den Anforderungen von größeren Tonstudios mit mehreren Räumlichkeiten oder dem Einsatz bei Funk oder TV. Dahingehend muss natürlich auch der Klang einwandfrei sein und hier kann der Drawmer MC 3.1 auf ganzer Linie punkten. Keine Frequenzverfälschungen, keine Stereoverschiebungen, auch nicht im unteren Lautstärkebereich, es passt einfach und klingt einwandfrei.

Aufgrund der vielfältigen Funktionen und der großzügigen Ausstattung ist der Drawmer MC 3.1. natürlich kein Schnäppchen. Den Preis von knapp 950,- Euro muss man ja auch irgendwie wieder reinholen. Wer aber aufwändigere Produktionen fährt und seinen Mix neutral über mehrere Studiomonitore abhören möchte und zugleich die vielfältigen Möglichkeiten des Drawmer MC 3.1 nutzen kann und wird, der wird sich darüber keine Gedanken machen. Qualität hat in diesem Fall seinen berechtigten Preis.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Einsatzgebiet
  • viele Extrafunktionen

Preis

  • Ladenpreis: 949,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Sokrates  

    Ich besitze das SPL Crimson, was in etwa mit dem MC 3.1 vergleichbar ist. Für mich ist das Gerät hauptsächlich ein Midi-Interface mit Mischpult-Funktionen. Etwa 550,- Euro habe ich bezahlt. Ist im Vergleich zum MC 3.1 günstig.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Der Preis ist einfach irre, und zu schreiben dass man für den neutralen Sound einfach so viel Geld ausgeben muss, da muss ich die Luft tief anhalten.

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