Test: SPL Frontliner, Channelstrip

10. Februar 2020

Bewährte Vielfalt und gutes Preis-Leistung-Verhältnis

SPL Frontliner

SPL Frontliner, Channelstrip

Das deutsche Unternehmen SPL hat eine längere Tradition, als vielen bewusst sein mag. Seit weit über 30 Jahren entwickelt und vertreibt die Firma Geräte und Technologien unterschiedlichster Art im Audiobereich. Damals noch gefertigt in der eigenen Garage, fuhr Gründer Wolfgang Neumann eigens von Studio zu Studio, um seine Geräte an den Mann zu bringen. Der nun als feste Unternehmenssäule bekannte Hermann Gier kam hinzu, später in den 90er Jahren dann auch Peter Waschke, der Dritte im Bunde.

Die ersten internationalen Verkäufe ließen nicht lange auf sich warten. In den 90er Jahren wohl für ihren Vitalizer am bekanntesten, brachte die Firma im Laufe der Zeit einiges an technischen Neuerungen an den Markt, die sich durch absolute Innovation und großen Erfindungsgeist auszeichneten. Seien es die Filter im Vitalizer, der Umschwung auf die 120 Volt Technologie, die mal eben rund 30 dB mehr Headroom als die Konkurrenz aus den Konsolen der Marke kitzeln konnte, SPLs Transient Designer oder die eigens entwickelte DeEssing-Technologie, die sich in den Geräten der Marke findet.

Zwei Dinge merkt man auf Anhieb, wenn man sich mit den Produkten eingehender befasst: Technologie und Objektivität stehen absolut oben auf – angesiedelt sind sie jedoch preislich immer eher am unteren Ende der Konkurrenz. Das meiste rausholen können, für einen fairen Preis, dabei aber keinerlei Abstriche in der Fertigungsqualität zu machen und für jeden Anwendungsfall etwas in petto zu haben, das scheint die Philosophie der Marke.

SPL Frontliner

Der SPL Frontliner schräg von vorne

Im Falle des SPL Frontliner (Modell 2800) zeigt sich das alleine schon durch die Konfigurierbarkeit des Gerätes: So lässt sich der Channelstrip mit optional vorgerüsteter A/D-Wandlung, Clocking und somit digitaler Ausgangsquelle kaufen. Ebenfalls zur Auswahl stehen hochwertige Lundahl Ein- und Ausgangswandler als zusätzliche Option zu einem extrem fairen Preis. Broadcast? Budget-Studio? Top of the Line Profianwender? Live-Rack? Alles kein Problem für ein und dasselbe Gerät. Widmen wir uns unserem heutigen Testobjekt, das nun mittlerweile seit über einer Dekade vertrieben wird.

Der SPL Frontliner und seine Features

Entscheidet man sich für den Kauf des SPL Frontliner Channelstrips, so erhält man folgendes: einen Röhren-Transistor-Hybriden mit separaten, diskret aufgebauten Mikrofon- und Line- Vorverstärkern und einem zusätzlich auf der Front angebrachten Instrumenteneingang. Per Knopfdruck lässt sich die eine der beiden im Gerät befindlichen Röhren, die am Eingang sitzt, nicht nur auf den normalen +6 sondern mit 15 dB auch deutlich heißer anfahren – was sich fortan in einer Verkürzung der Slew-Rate bemerkbar macht und sie etwas responsiver klingen lässt.

SPL Frontliner

Tut man das, gibt es ein bisschen mehr „impact“, vielleicht ein Mü mehr Harmonische – das Signal an sich bleibt jedoch trotzdem glasklar.

Das lässt sich ändern: Mit einer zweiten Röhre am Ausgang lässt sich das Signal noch einmal zusätzlich mit harmonischen Obertönen und einer ummantelnden wie verdichtenden Sättigung verzieren. Der hier zu erzielende Effekt kommt eher einer stauchenden und texturierenden Bandsättigung nahe als einer klassischen Obertonanreicherung à la Class-A und lässt wenige Fehler bei der Einstellung zu.

Diskrete Vorverstärker, zwei Röhren an unterschiedlichen Punkten der Schaltung mit frei regelbarer Sättigung? Andere Hersteller des Highend-Segments würden bereits für diesen Funktionsumfang wohl mindestens den vollen Einkaufspreis des SPL Frontliners fordern. Wir haben allerdings bisher nicht einmal die Hälfte des Funktionsumfangs des Frontliners beleuchtet, befinden sich in dem Gerät doch auch noch SPLs legendärer „Set and Forget“ DeEsser, ein Shelfing-Equalizer mit drei Bändern mit samt Air-Band, ein extrem variabler Kompressor, ein großartiges VU-Meter, das in diesem Sektor seinesgleichen sucht sowie variable Schaltungs- und Zuweisungsmöglichkeiten.

SPL Frontliner

Diskreter Mic- und Line-Pegel und DeEsser am SPL Frontliner

SPL Frontliner

VU-Meter und Relaisschaltung für die externen Eingänge hinten am SPL Frontliner

Einzelne Komponenten und wie diese einsetzbar sind

Alle Einzelkomponenten hängen an Schaltungsrelais und sind somit einzeln aktivier- wie deaktivierbar. Tut man Letzteres, sitzen die deaktivierten Komponenten auch nicht mehr irgendwo im Signalweg. Der Clou: Hat man den Frontliner im Recording-Status zur Genüge genossen und versetzt sein Projekt in den Mixdown-Status, so erhält man fortan ganze vier Outboard-Geräte in einem, da auf der Rückseite Preamp ohne Effektkette, DeEsser, Kompressor sowie der Equalizer mit Röhrensättigung in voller Gänze und „echt“ einzeln via XLR abgreifbar sind – für unterschiedliche Spuren innerhalb der DAW gleichzeitig – ein absolut genialer Mehrwert.

SPL Frontliner

Die Rückseite des SPL Frontliner im Ganzen

Rechts auf der Front lassen sich die hierfür angebrachten externen Eingänge per Knopfdruck alle einzeln externen Eingängen zuweisen. Mit einer Geschmacksfrage räumt der Frontliner gleich vorweg auf: Ebenfalls per Knopfdruck lässt sich der Equalizer bequem entweder vor- oder hinter die Dynamikbearbeitung im Signalweg schleifen.

SPL Frontliner

DeEsser und Kompressor am SPL Frontliner

Apropos Equalizer: Die drei Shelfing-Bänder sind ebenfalls variabel einzusetzen, Mid-High- und Low-Mid-Band lassen Boosts und Cuts bis 12 dB zu, das Air-Band noch einmal zusätzliche +/- 10 dB. Die Grenzfrequenzen des Low-Mid-Bandes reichen von 30 bis 700 Hz und sind (genau wie beim Mid-High-Band auch, dessen Grenzfrequenz von 680 Hz bis 15 kHz stufenlos justierbar ist), über gerasterte Potentiomete einzustellen.

Die Einstellung der Aufholung bzw. Absenkung erfolgt über ungerasterte Potis. Durch seine Weichheit lädt er den Nutzer dazu ein, beherzt in die Potis zu greifen und bereits To-Tape sein Signal in die Richtung zu zwängen, in diee es sich bewegen soll. Gerade Air-Band und Sättigung stellen jedoch ebenfalls Parameter dar, die in der Postproduction absolut großartige Helfer sein können.

Der verbaute Kompressor arbeitet mit zwei VCAs und atmet somit SSL oder API ähnlich punchy, druckvoll und frei von Artefakten auch in extremeren Settings – und ist für weit mehr als nur Stimmen nutzbar. Die Komponenten und Verarbeitung des Gerätes spiegeln generell eine absolute Wertigkeit und Durchdachtheit wider und die clevere wie aufwertende Charakteristik des SPL Frontliners bringen ihn mit Leichtigkeit auf die vorderen Plätze, was die Anwendungsvielfalt und all-in-one Kapazitäten anbelangt.

SPL Frontliner

EQ und Sättigung am SPL Frontliner

Der Allrounder in der Praxis

Sei es eine elektronische Kick-Drum, Gitarre und Bass oder natürlich Stimmen, sämtliche Komponenten funktionieren mit sämtlichem Material. Hinzu kommt, dass sich auch Signale verschiedenster Art verarbeiten lassen: Line- und Mic-Eingang basieren auf zwei verschiedenen und diskreten Schaltungen, sodass keine künstliche Pegelabsenkung erfolgen muss und man sauber pegeln kann.

Vorne ist zusätzlich noch ein Instrumenteneingang angebracht. Der verbaute Locut wirkt sich auf beide Eingänge aus, das Gerät bietet zudem Phasendrehung, Pad und Phantomspeisung.

SPL Frontliner

6 dB/Okt Trittschallfilter, Phantomspeisung, Phasendreher und Pad-Schaltung am SPL Frontliner

Die Attack-Zeit des Kompressors lässt sich von 0,1 ms bis zu einer Sekunde variieren, Relaese lässt Zeiten von 0,03 ms bis zu zwei Sekunden zu, was dem Frontliner ebenfalls extreme Vielfalt einräumt – dessen Ratio reicht von 1,2 bis eins zu unendlich.

Ein Highlight der Dynamikbearbeitung im Gerät stellt die Möglichkeit dar, Attack und Release per Automatikschaltung variabel zu gestalten: Drückt man den „Auto“-Knopf, wird das Eingangssignal analysiert und in Echtzeit pegelabhängig die Attack- und Release-Zeit justiert.

SPL Frontliner

Ein Blick auf den „One Knob“ DeEsser am SPL Frontliner

Diese Art der Kompression hört man deutlich weniger als die per Hand eingestellte und eignet sich für mein Empfinden besonders gut, um eigentlich dynamisches Material wie Stimme oder Kontrabass auf natürlichere Art und Weise nach vorne zu holen. Trotz aktivierter Automatikschaltung lässt sich fortan mit Attack und Release noch generell definieren, ob man ein eher weicheres oder schnelleres Ansprechverhalten vorzieht.

Nach mehrtägiger Nutzung des Frontliners ist es sicher: Den würde ich mir, gäbe es ihn in Stereo, auch auf die Stereosumme oder das Schlagzeug legen – der verbaute und extrem sauber- wie phasenstabile DeEsser würde sich mit Sicherheit auch sehr gut mit zu spitzen Hihats verstehen – danach mit dem Air-Band, das erst ab 17,5 kHz tätig wird, wieder etwas aufholen – ein Verfahren, von dem ich während der Testperiode auch bei elektronischen HiHats Gebrauch machen konnte.

Der Equalizer ist ein großartiges Formungstool, mit dem sich in Kombination mit der Sättigungsstufe toller, subtiler Charakter bereits To-Tape erzeugen lässt. Clean und knackig, aber auch extrem wertig, vielseitig und sehr fair. Was will man mehr?

SPL Frontliner

Extrem sinnvolle Überkopf-Beschriftungen an der Rückseite des SPL Frontliner

SPL Frontliner

Praktisch: Die Phantomspeisung am SPL Frontliner lässt sich nullen oder permanent aktivieren

Fazit

Der SPL Frontliner hat weit mehr zu bieten, als man es zu diesem Preis erwarten würde – oder gar dürfte? Von transparent bis röhrig-smooth ist alles drin, der kleine Channelstrip ist extrem vielseitig nutzbar und auch klanglich vielseitiger als man denkt. Das in Kombination mit der bombenfesten Verarbeitung und dem Anschaffungspreis macht ihn zur absoluten Kaufempfehlung.

Der Frontliner drückt dem Signal kein bestimmtes Gewand auf, sondern macht es stabil und nutzbar – was das Gerät für die verschiedensten Anwendungsfälle prädestiniert. Unbedingt reinhören!

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Preis
  • Konfigurierbarkeit

Preis

  • SPL Frontliner: 1.749,- Euro
  • SPL 24/192 AD Converter 1090: 169,- Euro
  • SPL Lundahl MIC In Kit: 169,- Euro
  • SPL Lundahl Line In Kit: 119,- Euro
  • SPL Lundahl Line Out Kit: 119,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Das Gerät kann direkt ab Werk mit dem gewünschten »Lunddahl-Übertrager« bestellt werden. Eine Nachrüstung kann sonst nur durch den Service erfolgen.
    Anders beim »AD-Wandlermodul 1090«, das man selbst einbauen kann.

  2. Profilbild
    Armin Bauer  RED 1

    Ich nutze schon seit langem den Channel One, der Frontliner ist ja die Edelvariante. Da haben sich die Luhndahls I/O sehr gelohnt. Konnte ich damals bei Auslieferung gegen ein Gerät ohne gegen hören.
    Wäre also meine Empfehlung die auf jeden Fall, zumindest für Mic, mit zu bestellen.
    Grüße Armin

  3. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Seit letztem Jahr habe ich 2 Stück vom „Frontliner“ in meinem Studio. Klanglich absolute Oberklasse! Schliesst da mal spasseshalber ein SM58 an, SO habt ihr dieses Mikro wahrscheinlich noch nie gehört……

    Es gibt faktisch kein Signal bzw. Mikrofon, mit dem der „Frontliner“ nicht zurechtkommen würde, alles klingt (bei richtiger Einstellung) maximal offen und edel. Es ist auch echt schwer, den Kompressor „ruinös“ einzustellen, er regelt stets smooth und musikalisch.

    Musikalische Grüße

  4. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    …alleine schon die längst vergessene Tradition, Anschlüsse, einmal farblich gut erkennbar und dann auch noch kopfüber zu beschriften. Haaach. Und diese SPL-Ästhetik, zum niederknien.

  5. Profilbild
    MichFisch00  

    Toller Test, danke. Ich bin immer noch am Grübeln, ob ich in einen Channelstrip investieren sollte. Wenn, dann höre ich mir den hier sicher mal genauer an. Eine harte Komkurrenz zum Tegeler Audio TCS. Eine Frage hätte ich dann mal an die Community: Wieso haben diese Geräte immer derart viel Bearbeitungshilfen an Board? OK, sie müssen/sollten sehr gut klingen und entsprechend rauscharm verstärken. Aber sonst? Mir ist trotz Einlesen in X Artikeln immer noch nicht klar, warum man im digitalen Zeitalter einen Bearbeitung des Sounds VOR der Wandlung benötigt. Ein Komp/Limiter , um die Wandlerübersteuerung zu vermeiden OK, aber sonst? Ich würde immer rein logisch annehmen, dass man eine Aufnahme benötigt, die a) sehr gut ausgesteuert ist, b) die z.B. Stimme einfach exakt genau so einfängt, wie sie ist, also neutral. c) möglichst ohne Verlust gewandelt wird. Alles was ich VOR der Aufnahme am Sound drehe, kriege ich später doch nicht mehr hinzu? Ich kann bei der Aufnahme auch meist noch gar nicht wissen, wie die optimale Einstellung im Gesamtkontext ist. Wenn es dann digitalisiert in der DAW vorliegt, kann ich doch immer noch alles mögliche dran drehen, noch dazu dann immer im Gesamtkontext. Ich hoffe, die Frage ist nicht zu doof. Aber ich sehe einfach nicht den Vorteil.

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