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Test: UnderToneAudio MPEQ-1, Channelstrip

10. Juni 2019

Flexibler Class-A Channelstrip fürs Studio

undertoneaudio mpeq1

UnderToneAudio MPEQ-1

Bei dem UnderToneAudio MPEQ-1 handelt es sich um einen analogen Class-A Channelstrip im 19 Zoll Format, dessen Technik auf den Kanalzügen der UTA LC Custom Konsole beruht.
Neben einem äußerst flexiblen Vorverstärker, der auch in der 4-Kanal Version MPDI-4 zum Einsatz kommt, beherbergt der MPEQ-1 einen vollparametrischen Equalizer mit vier Bändern und zwei Hoch- und Tiefpassfilter.

Da AMAZONA.de bereits ausführlich den UnderToneAudio Vorverstärker getestet hat, liegt der Fokus dieses Artikels nun auf der Equalizer-Sektion, über die es alleine schon viel zu berichten gibt.
Wer erst einmal mehr über den Preamp erfahren möchte, sollte zunächst folgenden Artikel lesen:

AMAZONA.de Test: UnderToneAudio MPDI-4, Vorverstärker

UnderToneAudio MPEQ-1

Channelstrip mit Vorverstärker und Equalizer

UnderToneAudio MPEQ-1 auf den ersten Blick

Der UnderToneAudio MPEQ-1 hat ein 19 Zoll breites Gehäuse mit einer Höheneinheit, das sehr solide wirkt. Wie schon bei dem MPDI-4 macht die Verarbeitung fast aller Komponenten einen robusten Eindruck, sämtliche Regler fühlen sich hochwertig an, nur die kleinen Metallkippschalter fallen etwas wackelig aus.

Die Bedienelemente auf dem Frontpaneel ordnen sich wie folgt an: Ganz links ist die Vorverstärkersektion untergebracht, in der Mitte der Equalizer und rechts ein VU-Meter, um den Ausgangspegel zu kontrollieren.

UnderToneAudio MPEQ-1

Anschlüsse

Rückseitig befinden sich fast alle Audioanschlüsse, die eine vielseitige Nutzung des MPEQ-1 erlauben. Die Buchsen haben alle ein XLR-Format und stammen von der Firma Neutrik. Neben dem Mikrofoneingang liegt ein separater Ausgang für den Vorverstärker, mit dem sich bei Bedarf das Preamp-Signal vor dem Equalizer abgreifen lässt. Ebenso kann auch die EQ-Sektion mittels eines Line-Einganges losgelöst von dem Vorverstärker verwendet werden. Zusätzlich bietet der MPEQ-1 gleich zwei Outputs, um ein Signal wahlweise mit oder ohne Ausgangstransformator auszugeben.

Ansonsten ist auf der Rückseite noch der obligatorische Anschluss für ein Kaltgerätekabel am Netzteil eingelassen, ebenso wie die Groundlift-Schaltung, die mittels eines kleinen Metallhebels aktiviert wird.

Der Preamp des UnderToneAudio MPEQ-1

Kurz zusammengefasst, verfügt der Preamp über eine maximale Verstärkung von 60 dB, die mit einem in 5 dB Schritten gestuften Drehregler eingestellt wird. Neben dem Mikrofoneingang auf der Rückseite, ist er auf der Vorderseite mit einer Neutrik Kombibuchse ausgestattet, um entweder ein Mikrofon per XLR-Kabel anzuschließen oder die DI-Funktion mittels eines 6,3 mm Klinkenkabels zu nutzen. Vorsicht ist mit günstigen Klinkensteckern geboten, da diese sich gerne mal in den Neutrik Kombibuchsen verkeilen.

Neben den üblichen Ausstattungsmerkmalen wie der 48 Volt Phantomspeisung, Phasendrehung und einem -20 dB Input-Pad besitzt der Preamp zwei wählbare, unterschiedliche Eingangsimpedanzen sowie die Möglichkeit, den Eingangstransformator komplett zu deaktivieren. Per Schalter lässt sich bestimmen, ob der Vorverstärker separat oder mit EQ verwendet werden soll.

UnderToneAudio MPEQ-1

Die Preamp-Sektion

Ein schönes Feature, um das Ausgangssignal im Bereich von +/-10 dB anzugleichen, ist der Trim-Regler. Mit ihm kann zum Beispiel eine erhöhte Lautstärke, die durch eine Equalizer-Einstellung entsteht, kompensiert werden. Ebenso ist es möglich, den Ausgangstransformator bei Bedarf mehr in die Sättigung zu fahren.

Der UnderToneAudio MPDI-4 ist an dieser Stelle etwas spartanischer ausgestattet, da er nur über ein schaltbares -10 dB Output-Pad verfügt. Dafür besteht bei ihm die Möglichkeit, die Ausgangsimpedanz von 47 auf 600 Ohm umzustellen, wodurch der Klang einen obertonreicheren Vintage-Charakter erhält. Diese Option hat der MPEQ-1 leider nicht.

Der Equalizer des UnderToneAudio MPEQ-1

Für sämtliche Regler der EQ-Sektion werden, ähnlich wie bei einem Neve 1073 / 1080 / 1081 Kanalzug, Doppelpotis mit einer konzentrischen Achse verwendet. Das heißt, jedes Potentiometer hat zwei Regelwege in Form eines normalen Knopfes, der von einem weiteren Ringregler gesäumt wird. Alle vollparametrischen Bänder sind mit zwei Doppelpotis ausgestattet, sprich vier einstellbaren Parametern (Gain, Frequency, Shape und Q). Bei dem Hoch- und Tiefpassfilter lassen sich die Frequenz und die Bandbreite bestimmen. Leider fällt die Beschriftung des Frontpaneels so minimal aus, dass die Bedienung des Q- und Shape-Reglers erst einmal nicht selbsterklärend und ein Blick in die Bedienungsanleitung notwendig ist.

Per Bypass-Schaltung kann schließlich noch die gesamte EQ-Sektion und jedes einzelne Band separat ein- und ausgeschaltet werden.
Wie schon bei dem MPDI-4, gibt UnderToneAudio kaum Informationen über die verwendeten Bauteile des MPEQ-1 preis. Dem Manual lässt sich lediglich entnehmen, dass für jede aktive Verstärkungsstufe im EQ ein Class-A Verstärker zum Einsatz kommt, sprich für alle Integrator-, Puffer- und Summierstufen.

UnderToneAudio MPEQ-1

Die EQ-Sektion

Jedes der vier vollparametrischen Bänder des MPEQ-1 bietet jeweils drei verschiedene Filtercharakteristiken, Peak und zwei unterschiedliche Shelving-Formen. Dank einer Blende können sie miteinander gemischt werden, wodurch sich eine hohe Flexibilität ergibt. Ihre normale Spanne für Anhebungen und Absenkungen liegt bei +/-15 dB, je nach Mischform und Bandweite reicht sie sogar bis 30 dB, wobei die Filter durchaus zur Eigenresonanz fähig sind. An dieser Stelle wird bereits deutlich, dass der MPEQ-1 bei Bedarf nicht nur für normale Anwendungen, sondern auch für extremere Effekte ausgelegt ist.

Das Einsatzgebiet der vier Bänder gliedert sich wie folgt:
LF (Low Frequency) und LMF (Low Mid Frequency) sind für den Bassbereich und die unteren Mitten bestimmt, währen HMF (High Mid Frequency) und HF (High Frequency) in den oberen Mitten und Höhen eingreifen. Selbstverständlich verfügen die beiden unteren über ein Low-Shelving-Filter und die beiden Oberen über ein High-Shelving-Filter.

UnderToneAudio MPEQ-1

Das VU-Meter

Je nach Wahl der Bänder lässt sich der MPEQ-1 seriell oder parallel verwenden, was klanglich einen deutlichen Unterschied ausmacht. Entweder können alle vier Bänder in Reihe oder zwei Bänder parallel genutzt werden. Wahlweise sind das LF und HMF, oder LMF und HF.
Im Gegensatz zu einer parallelen Schaltung, beeinflussen sich die Bänder einer seriellen Schaltung gegenseitig, vor allen Dingen der Bereich zwischen zwei Filtern wird deutlich stärker angehoben oder abgesenkt.

Auch mit dieser Option setzt UnderToneAudio auf eine maximale Flexibilität, da beide Schaltungstypen je nach Anwendung ihre Vorzüge haben.

Zur Bearbeitung eines Signals gibt es drei verschiedene Modi pro Band: einen für Anhebungen, einen für Absenkungen und einen Notch-Mode für sehr spitze Absenkungen, um störende Frequenzen zu entzerren. Zusätzlich bietet der Notch-Mode eine äußerst spezielle Funktion, die laut Hersteller bisher in keinem anderen analogen Equalizer zu finden ist: Durch die mischbare Peak- und Shelving-Form besteht die Möglichkeit, die Phase nur in einem Teilbereich des Frequenzbildes zu drehen.
Dieses recht komplexe Feature wird in einem Video von Eric Valentine sehr anschaulich demonstriert:

Als Ergänzung zu den parametrischen Bändern ist der MPEQ-1 mit zwei 12 dB Hoch- und Tiefpassfiltern bestückt. Beide haben frei wählbaren Eckfrequenzen und einen separaten, aktiven Q-Regler, mit dem sich zunächst der Grad des Neigungswinkels beeinflussen lässt. Ab der Hälfte des Regelweges setzt dann eine Verstärkung der angewählten Frequenz ein, die maximal bis 10 dB reicht, bevor das Filter abfällt.

UnderToneAudio MPEQ-1 – Praxis und Klang

Trotz der teils unvorteilhaften, minimalen Beschriftung lässt sich der MPEQ-1 recht intuitiv bedienen. Gerade beim ersten Ausprobieren der Equalizer-Sektion war es erstaunlich, wie schnell man zu äußerst vielseitigen Ergebnissen kommen kann. Die enorme Flexibilität der Bänder erlaubt ein extremes Eingreifen in das Frequenzbild des anliegenden Signals, wobei der MPEQ-1 in keiner Weise steril wirkt, sondern stets sehr musikalisch agiert.

Um dies zu demonstrieren, wurden unterschiedlich gefilterte Variationen einer Bass-Drum Aufnahme erstellt, die ursprünglich, wie auch alle anderen Klangbeispiele, aus dem Testbericht des UnderToneAudio MPDI-4 stammen. Jede der vier Variationen ist einmal mit und einmal ohne Transformator zu hören. Während die Ausspielungen mit Transformator gefärbter, gesättigter und obertonreicher klingen, wirken die Transformatorlosen etwas klarer, offener und haben vor allen Dingen ein differenzierteres Lowend.

Das nächste Beispiel zeigt die Bearbeitung einer Schlagzeugaufnahme, die klassisch mit einer nah mikrofonierten Bass-Drum und Snare, einem Overhead-Mikrofon in ca. ein Meter Abstand zu den Becken und einem Ambient-Mikrofon, das in etwa einen halben Meter vor dem Drum-Kit stand, aufgezeichnet wurde.

Alleine das Hoch- und Tiefpassfilter ermöglicht nicht nur das Beschneiden des Frequenzbildes, sondern auch eine überaus schöne Betonung der Eckfrequenz, die von der leicht harmonischen Eigenresonanz des Filters profitiert. Darüber hinaus lässt sich der oft mit einem Tiefpassfilter einhergehende Verlust an Druck und Energie im Bassbereich wunderbar kompensieren. In diesem Sinne ist die Schlagzeugaufnahme zuerst bei 60 Hz beschnitten und mit einer deutlichen Betonung von 7 – 8 dB versehen, während das Tiefpassfilter bei 18 kHz greift und eine leichte Verstärkung von 2-3 dB erzeugt. Darüber hinaus erhält der Bassbereich um 100 Hz und die Höhen bei 12 kHz eine leichte Anhebung von 0,5 – 1 dB. Mit dem oberen Mittenband wird die Snare bei 1,8 kHz um 2 dB verstärkt.

Weiter geht es mit einer transformatorlosen Aufnahme von Becken. Das ursprüngliche Stereo-Signal wurde hierfür in ein Mono-Signal gewandelt und am Ende ohne Transformator ausgespielt, so dass ein äußerst klares und ungefärbtes Klangbild entsteht, wodurch vor allem die Höhen der Becken an Brillanz gewinnen.

Im Bassbereich sorgt das Hochpassfilter für einen angenehmen Roll-off bei 100 Hz, während das Tiefpassfilter bei 16 kHz einsetzt und zeitgleich eine Akzentuierung von 2,5 – 3 dB auslöst. Mit dem HF-Band wir bei ca. 6 kHz eine schmale Peak-Anhebung von 2 dB vorgenommen, um das Attack-Klingeln der Becken leicht hervorzuheben.

Damit das Signal noch etwas mehr Fundament erhält, ist der untere Mittenbereich breitbandig um etwa 1 – 1,5 dB betont.

Dass man mit dem UnderToneAudio MPEQ-1 auch sehr chirurgisch genau arbeiten kann, verdeutlicht das nächste Beispiel. Die Aufnahme eines Yamaha CS-5 Synthesizers in Verbindung mit einem Roland Chorus/Echo dröhnt vor allen Dingen am Anfang im oberen Bassbereich. Äußerst schnell und einfach lässt sich mit einem hochverstärkten, schmalen Peakfilter die störende Frequenz bei ca. 150 Hz ermitteln und anschließend mit der Notch-Funktion präzise entzerren.
Um danach das Signal noch etwas aufzupolieren, wird ein Roll-Off bei 60 Hz erzeugt und der untere Mittenbereich bei 500 Hz breitbandig um ca. 1 dB verstärkt. Für den oberen Mitten- und Höhenanteil kommt ab 4 kHz ein Shelving-Filter mit 1,5 dB Anhebung zum Einsatz. Zusätzlich wird die Attack bei 1,2 kHz leicht akzentuiert.

Auch für dieses Beispiel wurde das ursprüngliche Stereo-Signal in Mono gewandelt.

Auf Grund der enormen Flexibilität der Shape- und Q-Parameter ist es auch möglich, den exakten Frequenzverlauf einzelner Bänder berühmter EQ-Klassiker zu imitieren. UnderToneAudio hat durch das Abgleichen von Messungen einige Presets von Equalizern namhafter Firmen wie Neve, SSL, API oder Pultec erstellt, die im Manual zu finden sind. Ausdrücklich weißt der Hersteller darauf hin, dass natürlich nur der Frequenzverlauf nachgebildet wird, nicht etwa die Eigenheiten der alten Schaltungen, wie harmonische Färbungen oder Phasenverschiebungen. Darüber hinaus sprechen die Presets natürlich nur für die Geräte, die als Vorlage dienten, da es zum Beispiel zwischen unterschiedlichen Neve 1073 Kanalzügen große Abweichungen geben kann.

Die Klangbeispiele einer Snare vermitteln ganz gut, in welche Richtungen die unterschiedlichen Presets gehen, auch wenn nicht alle Einstellungen in Punkto Frequenzwahl und Verstärkung immer optimal zu der ursprünglichen Aufnahme passen.

Klangbeispiele

Schlagzeuger: Christoph Eggener
Schlagzeug: Pearl Masters Custom Maple Shell
Snare: Sonor Special Edition
Cymbals: Custom Crash 16“, K Ride 20“, K Dark Crash Thin 14“, Oriental China Trash 16“, Sabian HHX 10“ Splash, Paiste 14“ Signature Dark Energy MK1 Hihat

Mikrofone:
Bass Drum: Electro-Voice RE 320 (Kick Drum Mode)
Snare: Shure SM 57
Overheads: Sennheiser MKH 40
Close Ambiance: Sennheiser MKH 40

Synthesizer: Yamaha CS-5 + Roland RE-501

Preamps:
UnderToneAudio MPDI-4

RME Fireface 800
Logic Pro

Die Klangbeispiele wurden nicht weiter nachbearbeitet, nur die Lautstärke wurde entsprechend ihrer Spitzenwerte angepasst.

UnderToneAudio MPEQ-1

UnderToneAudio MPEQ-1

Fazit

Der UnderToneAudio MPEQ-1 ist ein äußerst hochwertiger Class-A Channelstrip mit einer enormen technischen und klanglichen Flexibilität. Wie schon bei dem Test des MPDI-4, überzeugt der Vorverstärker durch seinen vielseitigen Sound, der von brillanter, transformatorloser Klarheit bis hinzu Vintage inspirierter Sättigung und Färbung reicht.

Das eigentliche Highlight des UnderToneAudio MPEQ-1 ist allerdings der Equalizer. Neben seiner hohen und teils speziellen Funktionsvielfalt beeindruckt vor allen Dingen der offene, edle und groß wirkende Klang.

Das Arbeiten mit dem EQ gestaltet sich intuitiv und macht einfach Spaß, da das gesamte Konzept unglaublich gut durchdacht und Praxis erprobt wirkt. Allein das Verhalten des Hoch- und Tiefpassfilters ist überaus musikalisch, ebenso wie die hochflexiblen Mittenbänder. Darüber hinaus lässt sich der MPEQ-1 aber auch wunderbar für chirurgisch präzise Entzerrungen nutzen.

Wer einen Channelstrip mit einer maximalen Vielseitigkeit sucht, sollte den UnderToneAudio MPEQ-1 unbedingt ausprobieren.

Plus

  • edler Klang
  • Verarbeitung
  • äußerst vielseitiger, musikalischer Equalizer

Minus

  • minimale Beschriftung der EQ-Sektion (Shape und Q)
  • wackelige Kippschalter
  • günstige Klinkenkabel können sich in den Neutrik Kombibuchsen verkeilen

Preis

  • Ladenpreis: 2.699,- Euro
Klangbeispiele
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