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Test: Tube-Tech MEC 1A, Channelstrip

27. Juni 2018

Klangfärber für Profis

tube-tech mec1a

Vorwort der Redaktion

Auch dieser Klassiker hat nun fast genau 10 Jahre auf dem Buckel und wird nach wie vor unverändert gebaut. Die bewährten Schaltungen und der musikalische Sound des Tube-Tech MEC 1A haben sich weltweit etabliert. Thorsten Walter hat sich den Boliden für uns angesehen:

Qualität aus Dänemark

Liebhabern von echtem Röhrenequipment zaubert allein der Name Tube-Tech ein Glänzen in die Augen. Hinter der Marke Tube Tech verbirgt sich die dänische Firma Lydkraft, die bereits 1977 von John Peterson gegründet wurde. Hatte Lydkraft sich zunächst auf den PA-Markt fokussiert, wechselte man die Ausrichtung ab 1980 auf den Studio- und Recording-Markt. Von da ab erhielten die Geräte auch ihre heute bekannte und markante blaue Farbe. 15.000 Tube-Tech Units verließen seitdem das dänische Werk und stehen heute für anspruchsvolle, hochwertige Audio-Produkte.

Look & Feel

Wie auch die gesamte Tube-Tech Linie, so ist auf der Tube-Tech MEC 1A Channelstrip in einem schlichten blauen 19″-Industriegehäuse ohne Schnörkel untergebracht. Zusätzliches Vintage-Flair wird durch die Kunststoffknöpfe in Bakelit-Optik und metallene Schalter vermittelt. Die Verarbeitungsqualität und das Design bewegen sich auf Bundeswehr-Niveau, was verschraubte Potentiometer und Schalter einschließt. Die Tube-Tech Geräte werden übrigens in Handarbeit gefertigt, was neben den teuren Bauelementen den hohen Preis ausmacht.

Der MEC 1A ist ein „klassischer“ Channel-Strip mit Line-, Mikrofon- und DI-Eingängen. Der Kompressor lässt sich vor oder nach den EQ schalten.

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Mikrofonvorstufe des Tube-Tech MEC 1A

Der Preamp im Tube-Tech MEC 1A besteht aus einem Eingangstransformator, der 10 dB Gain liefert und zwei Röhrenstufen, von der die erste Röhre in 10 dB Schritten und die zweite in 1 dB Schritten gepegelt werden kann. Die Gain-Regelung (20 dB bis 70 dB) wird hier mit Schaltern getätigt, die in der Regel einen geringeren Einfluss auf die Audioqualität haben als Potentiometer. Obligatorisch sind 48 V Phantomspeisung, -20 dB PAD-Schalter sowie ein zwischen 20 Hz, 40 Hz und „aus“ schaltbares Hochpassfilter.

Die Mikrofonvorstufe ist fähig, auch Line-Signale entgegenzunehmen. Der DI-Input ist ein hochohmiger Instrumenteneingang, der ebenfalls über den Eingangstransformator geführt wird.

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Equalizer des Tube-Tech MEC 1A

Der dreibandige Equalizer besteht aus einem High-Shelf, einem Low-Shelf sowie einem parametrischen Mittenband. Alle drei Bänder sind jeweils um einen Röhren-OpAmp aufgebaut. Der Gain lässt sich von 0 bis 20 dB regeln, die Auslenkungsrichtung wird dabei aber geschaltet. Auch das Mittenband wird in der Frequenz geschaltet. Das hat zum einem den Vorteil einer besseren Klangqualität durch die Vermeidung eines Potis, andererseits aber ein Nachteil, da man Frequenzen nicht exakt ansteuern kann.

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Kompressor des Tube-Tech MEC 1A

Kommen wir zum Kernstück, dem Kompressor des Tube-Tech MEC 1A. Der Kompressor ist ganz im Stil des LA2A mit einem optischen Pegeldetektor ausgestattet, was ein besonderes Regelverhalten zufolge hat. Dennoch kann man Attack und Release frei bestimmen oder auch auf feste Werte schalten. Ratio und Threshold können ebenfalls frei eingestellt werden. Ob man den Kompressor vor oder nach dem EQ betreibt, ist Geschmacksfrage. Für beide Varianten gibt es genügend Einsatzbereiche. Während der Einsatz des EQs vor dem Kompressor das Regelverhalten je nach Einstellung beeinflusst, so wird dies in Post-Stellung vermieden. Im zweiten Fall kann man also mit dem Low-Shelf mehr Bauch geben, ohne dass das Signal leiser geregelt wird. Das Ergebnis klingt dann im Tiefenbereich dynamischer.

Das VU-Meter des Tube-Tech MEC 1A kann das Regelverhalten des Kompressors oder den Ausgangspegel anzeigen. Eine Saturation-LED für den Preamp oder den EQ gibt es nicht. Tube-Tech zwingt den Toningenieur also, sich auf sein Ohr zu verlassen, was ich durchaus begrüße. Dass wir es hier mit einem echten Soundmacher zu tun haben, dürften genutzte Begriffe wie doppelte Röhre, Übertrager und optischer Kompressor bereits klargemacht haben. Die Tube-Tech Geräte sollen also alles andere als neutral und clean klingen. Hier sind Nichtlinearitäten gefragt. Nichtharmonische Verzerrungen und nichtlineare Phasen werden hier bewusst zur Klangfärbung eingesetzt.

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Über sieben Röhren musst Du geh’n!

Die Ausstattung des Tube-Tech MEC 1A ist für einen Channelstrip komplett. Der EQ ist kein chirurgischer, d.h. er soll zur Soundfärbung beitragen und nicht etwa Störfrequenzen absenken. Dadurch fällt auch der Minuspunkt weg, dass sich die Frequenzen nicht genau einstellen lassen. Wir haben den Tube-Tech mit einem Audio Technica 4050 getestet. Klangbeispiele finden Sie unten. Der Sound klingt einfach genial, druckvoll und professionell. Ich würde vom Charakter her jedoch sogar behaupten, dass man SPL in die eine High-End Ecke stellen kann und Tube-Tech in die gegenüberliegende Ecke. Beide Firmen sind technisch auf höchstem Niveau, vom Klangcharakter aber grundsätzlich verschieden. Während SPL für meinen Geschmack hochmodern klingt, lässt Tube-Tech stets Vintage-Feeling aufkommen – wohl bemerkt auf technisch hohem Niveau.

Besonders interessant ist die Anwendung des Tube-Tech während der Mischung. Man nimmt zunächst besonders clean über einen modernen Wandler und Preamp auf Festplatte auf. Später schleift man den Tube-Tech in den digitalen Signalweg ein und verwendet ihn entweder als Insert oder sogar als Send. In letzterem Fall muss man natürlich penibel auf den Latenzausgleich achten, da sonst durch die parallele Bearbeitung (Parallelkompression) Kammfiltereffekte auftreten können. Die Send-Struktur hat den Vorteil, dass man den Vintage-Sound und den cleanen gefühlvoll ineinander blenden kann.

Fazit

Der Tube-Tech Tube-Tech MEC 1A bietet einen professionellen Channelstrip an, der einfach erstklassig verarbeitet ist. Die vielen Röhrenstufen und der Übertrager verändern das Eingangssignal durch wohldosierte und gut klingende nichtharmonische und harmonische Verzerrungen, so dass ein ganz eigener Charakter aufgeprägt wird. Manch einem wird ein Tube-Tech Gerät also schon zu viel des Guten sein. Bei einigen extremen Einstellungskombinationen kann er auch mal aufrauschen, was aber ebenfalls zu seinem Grundcharakter gehört. Wer genug vom allzu cleanen Sound der modernen Technik hat, wird am Tube-Tech größten Gefallen finden.

Plus

  • erstklassiger Vintage-Sound
  • sieben Röhren
  • Übertrager
  • aufwendige Spannungsversorgung
  • Kompressor Pre&Post-EQ schaltbar

Minus

  • hoher Anschaffungspreis

Preis

  • Ladenpreis: 4.550,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Danke auch hier für den Bericht! Es freut mich immer riesig, wenn auf Amazona ab und zu auch die high-endigen Geräte besprochen werden.
    Für mich ist der Tubetech ME-1a ein Traumchannel. Schade nur, daß die Preise für Tube-Tech Gerätschaften in den letzten 10 Jahren astronomisch gestiegen sind. Die waren früher noch einigermassen erschwinglich. Jetzt tut der Preis richtig weh.
    Ein Vergleich zu den separaten EQ/Comp. Klassikern PE 1C und CL 1b wäre interessant gewesen, die sind ja sehr ähnlich im MEC verbaut.
    Es ist übrigens eine urbane Legende, dass Röhrengeräte immer einen starken Hang zur Klangfärbung haben. Man kann mit Röhren sehr verzerrungsarme Schaltkreise bauen. Die Klangphilosophie von Tube-Tech geht auch eher in die Richtung sauber und Hifi mit einem feinen Röhrenklang als in Richtung Röhrenzerre. Schliesslich stellten die Klassiker, die hier als Vorbilder dienten (Pultec/La2A) früher mal den Stand der Technik dar was saubere EQs und Kompressoren angeht.

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