Workshop: Slide Guitar spielen, was ist ein Bottleneck?

16. August 2018

Neuer Sound durch Slide-Technik

Slide Guitar spielen, was ist ein Bottleneck?

Slide Guitar spielen, was ist ein Bottleneck?

Heute wollen wir uns mit dem Einsatz des Slides oder auch Bottlenecks beschäftigen. Das Teil kommt gerne beim Blues oder auch Country (Dobro, Lapsteel) zum Einsatz, eignet sich aber grundsätzlich für alle Genres. Das kleine Röhrchen aus Glas oder auch Metall ermöglicht ein sehr emotionales Spiel. Der so genannte „Bottleneck“ oder auch „Slide“ ist in verschiedenen Größen und Längen für kleines Geld zu erstehen. Er kommt normalerweise nur bei Verwendung von Stahlsaiten in Betracht. Diese dürfen gerne auch etwas dicker sein, da der Ton dann schön fett wird. Je massiver das Bottleneck, desto satter der Ton, auch das Sustain verbessert sich mit Zunahme an Masse. Mein erstes Slide fertigte mir ein Freund aus einem massiven Messingrohr. Ich setze dieses bis heute noch immer ein, da dessen Ton ultrafett ist.

Slide Guitar spielen, was ist ein Bottleneck?

Bekannte Slidespieler sind neben Muddy Waters u.a. Duane Allman, Ry Cooder, Derek Trucks, Chris Rea, George Harrison, Johnny Winter, Joe Bonamassa, Bonnie Raitt, Sonny Landreth, Billy Gibbons, Warren Haynes, Lowell George, und Rory Gallagher. Diese Musiker bzw. deren Werke sollte man sich unbedingt anhören, wenn man tiefer in die Materie eindringen will!

Auch ein Verzerrer (und gerne auch Delay) leistet gute Arbeit, wenn wir mit dem Bottleneck arbeiten. Der Bluespurist wird vermutlich keine Effekte einsetzen, aber das Slide-Spiel mit Effekten kann Räume öffnen und ggf. sehr sphärische Momente schaffen. Musik sollte ein kreativer Prozess sein und keinen gedanklichen Beschränkungen unterliegen, alles ist möglich.

Bottleneck aus Glas oder Messing. Schwer mit fettem Ton

Anbei eine kleine Anekdote aus dem Munde des weltbekannten Bluesmusikers Muddy Waters. Dieser war stets auf der Suche nach einem optimalen Arbeitsgerät. Um dieses zu finden, zerbrach er vor den Clubs, in denen er gastierte, häufiger Flaschen an der Bordsteinkante, in der Hoffnung, dass die Einzelteile, die nach dem Zerbrechen der Flasche übrig blieben, einen entsprechend gut geformten Flaschenhals abgaben. Als die Polizei in dabei beobachtete, wurde er in Gewahrsam genommen und musste die Nacht zur Strafe im Knast verbringen. Krass, aber wahr.

Voraussetzung für ein erfolgreiches Spiel mit dem Slide ist eine gute Intonation. Hört man nicht wirklich genau, ob man zu tief oder hoch intoniert, wird es schwierig. Da die Bünde der Gitarre beim Spiel mit einem Slide keine Rolle spielen (außer eine optische Kontrolle zu ermöglichen) müssen wir quasi wie ein erfahrener Geiger oder Cellist, sehr sauber intonieren, damit das Ganze nicht wie Katzengejammer klingt. Der gesuchte Ton befindet sich exakt oberhalb des Bundstäbchens, also nicht dort, wo wir gewöhnlich unsere Finger platzieren, um den gewünschten Ton zu erzeugen. Durch den sogenannten Parallaxenfehler, der entsteht, weil der Hals sich links unserer Augen (bei Rechtshändern) befindet, neigen wir dazu, nicht genau zu sehen, wo der Slide sich genau befindet. Die richtige Positionierung des Slides sollte unbedingt von unseren Ohren als von unseren Augen bestimmt werden.

Wie spielt man Slide-Gitarre?

Da der Slide meist mehrere (bis zu sechs) Saiten abdeckt, ist gleichfalls wichtig, die nicht benötigten Saiten abzudämpfen, da nur die Noten erklingen sollen, die wir auch wirklich spielen wollen. Platziert man einen Finger hinter dem Slide, werden unerwünschte Obertöne wirkungsvoll unterdrückt. Welchen Finger der linken Hand (bei Rechtshändern) für das Slide eingesetzt wird, ist Geschmacksache. Ich persönlich bevorzuge den Mittelfinger, da ich dann mit den anderen Fingern noch gut Akkorde ohne Slide spielen kann. Ich bin da aber eher eine Ausnahme. Die meisten Slidespieler benutzen den kleinen Finger oder den Ringfinger für den Bottleneck.

Was die rechte Hand betrifft, so spielen viele bekannte Slidespieler mit den Fingern, setzten also kein Pick ein. Der Klang wird hierdurch „süßer“ und das Abdämpfen der Saiten wird dadurch etwas vereinfacht. Meist öffnet die rechte Hand nur die zu spielende Saite, gerade beim Spiel einzelner Noten. Ich würde unbedingt empfehlen, dies beim Slide-Spiel auszuprobieren und zu kultivieren.

Handhabung des Bottlenecks

Das Bottleneck sollte wenn möglich parallel zu den Saiten bewegt werden, zumindest, wenn in unsere Phrasen zwei oder mehr Saiten involviert sind. Der Druck des Bottlenecks auf die Saite sollte leicht, aber nicht zu leicht sein, sonst hört man, dass das Spiel nicht stufenlos erfolgt, sondern von den Bünden beeinflusst wird. Der Kontakt der Saiten mit den Bundstäbchen sollte unbedingt vermieden werden. Spielt man eine höhere Saitenlage, begünstigt dies das Spiel mit dem Slide, da man mehr Druck auf die Saiten ausüben kann, ohne die Bünde zu berühren. Aus diesem Grund sind die Saiten bei einer Lapsteel Gitarre, Dobro- oder Pedalsteel-Gitarre deutlich höher positioniert als bei einer herkömmlichen E-Gitarre.

Open Tunings mit dem Bottleneck

Der Slide wird gerade im Blues gerne mit offenen Stimmungen eingesetzt. Offene Stimmung bedeutet, dass alle Saiten der Gitarre auf eine Note eines (meist) Dur-Dreiklangs gestimmt werden.

Hier bieten sich zunächst drei Varianten an:

Open G:

Die Stimmung der Saiten wäre dann (von der tiefsten, also sechsten Saite bis zur höchsten (ersten Saite): D G D G H D. Beide E-Saiten und die A-Saite werden also um einen Ganzton erniedrigt. Die Leersaiten klingen dann folgendermaßen:

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Sicher habt ihr soeben auch verschiedene Akkorde gehört. Diese werden leer, im 2., 3.,  5., 7. und 12. Bund gespielt.

Open D:

D A D F# A D. Beide E-Saiten und die H-Saite werden also um einen Ganzton erniedrigt. Die G-Saite wird um einen halben Ton abgesenkt. Die Leersaiten klingen dann folgendermaßen:

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Open E:

Stimmt man die Saiten im Verhältnis zu Open-D einen Ganzton nach oben, erhält man die Open-E Stimmung. E B E G# H E (von der sechsten und tiefsten Saite angefangen). Die A- und D-Saiten werden im Verhältnis zur Standardstimmung um einen Ganzton erhöht, die G-Saite wird um einen Halbton erhöht.

Guter Ton

Wenn ich Anfängern des Bottleneck-Spiels zuhöre, fällt mir oft eine Unart im Spiel auf, die es nach meiner Auffassung unbedingt zu vermeiden oder auch abzustellen gilt. Diese heißt: „hektisches oder nervöses Vibrato“.

Um einen kultivierten Ton zu generieren, ist es enorm wichtig, nach dem „Anfahren“ der gewünschten Note(n) nicht sofort mit dem Vibrato zu beginnen, da dies einen „nervösen“ und unentspannten Eindruck macht. Man sollte die Note erst einen Moment (ca. 1 Sekunde) erklingen lassen, bevor man gelassen mit dem Vibrato beginnt. Das Vibrato sollte immer auch einen rhythmischen Bezug zum Musikstück (Achtel, Sechzehntel, Triolen) haben und nicht wahllos erfolgen, also ein „planloses Herumrühren“ sein.

Hörbeispiele Slide-Gitarre

Im Folgenden werde ich einige Beispiele demonstrieren. Zunächst spiele ich eine einzelne Note. Diese wird relativ zügig „angefahren“ und nach kurzer Definition des Zieltons mit etwas Vibrato versehen. Dieses wird durch „Umspielen“ etwas oberhalb und unterhalb der exakten Zielnote erreicht. Die restlichen oder unbeteiligten Saiten sollten hier gedämpft werden. Dies geschieht mit dem Handballen der rechten Hand und den Fingern der linken Hand.

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Nun folgt der klassische Blueslick:

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Jetzt wird es geringfügig komplexer. Der folgende Lick erfordert ein gutes Abdämpfen der Saiten. Da hier zwei benachbarte Saiten verwendet werden, die aber niemals gleichzeitig, sondern möglichst gebunden nacheinander erklingen sollen, muss immer jeweils die gerade nicht benötigte Saite abgedämpft werden. Beherrscht man diese Technik, wird man beim Slide-Spiel grundsätzlich wenig technische Probleme haben, da dieser Lick eher als fortgeschritten zu bezeichnen ist. Hat man einmal die Eagles gehört, ist man dieser oder vergleichbaren Phrasen sicherlich schon einmal begegnet.

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Grundsätzlich besteht natürlich immer die Möglichkeit, eine Gitarre, die auf ein Open Tuning gestimmt wurde, auch mit einem Kapo zu versehen, um auch in allen Tonarten spielen zu können. Je länger die Strecke der Saiten (Mensur) ist, desto satter der Ton. Wird der Kapodaster oberhalb des fünften Bundes platziert, verliert der Ton bereits ordentlich an Sustain und Charakter, insbesondere wenn man sich auch in den hohen Lagen bewegt.

Ich hoffe, dieser Beitrag konnte euch eine Hilfe sein, die Materie besser zu verstehen, gerne gemachte Fehler zu vermeiden und Spaß mit dem Bottleneck zu haben.

Stay tuned!

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