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Workshop: Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern

27. Juni 2019

Wie klingt der Gitarrensound besser?

Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern. Wir alle wissen, es gibt unzählige Arten, Instrumente mit Mikrofonen abzunehmen, sprich zu mikrofonieren. Es gibt vergleichsweise einfach zu mikrofonierende Instrumente wie z. B. eine Trompete und entsprechend das andere Ende der Skala, als da wären z. B. aufwändige Schlagzeug-Sets. Der absolute Spitzenreiter in Sachen Komplexität hingegen ist eine verzerrte Gitarre, die nicht nur in Sachen Obertonverhalten das wohl größte Spektrum im Musikalienbereich bietet, sondern auch geschmacklich geradezu extreme Formen annehmen kann. Um etwas Klarheit in die klanglichen Möglichkeiten zu bringen, soll sich dieser Workshop mit der Mikrofonierung der E-Gitarre beschäftigen und einen Vergleich mit den immer beliebter werdenden Amp- und Speaker-Simulationen ziehen.

Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern und Lautsprecherboxen

Widmen wir uns doch direkt einmal der größten Schlammschlacht vorneweg, dem Vergleich einer Mikrofonaufnahme vor einem Lautsprecher mit der eines Speaker-Simulators. Ich lehne mich einmal weit aus dem Fenster und frage in die Runde. Wir nehmen ein Studio der Spitzenklasse mit Top-Leuten hinter den Reglern, wir haben keine Budget-Einschränkung oder Zeit-Limitierung. Wie viele Speaker-Simulationen werden auf dem Album Verwendung finden?

Antwort: keine!

Warum: Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern, beziehungsweise Mikrofonierung von echten Lautsprechern, ist in letzter Konsequenz klanglich IMMER die bessere Wahl!

Oha, jetzt kann ich das Geschrei im Sinne von „mein Kemper klingt super und ist nicht vom Original zu unterscheiden“ bzw. „warum spielen dann all meine Lieblingsbands Simulatoren, wenn es angeblich bessere Lösungen gibt. Bei deren Gage ist doch genug Geld vorhanden.“ O.k., gehen wir die Punkte einmal in Ruhe durch. Fangen wir mit dem Live-Bereich an.

mikrofonierung versus lautsprechersimulation

Hier wird das Marshall Fullstack mit zwei Mikrofonen abgenommen – und die fette Ampeg Box rechts im Bild hat ebenfalls ein Mikrofon vor der „Brust“ (hier verdeckt durch den Bassisten).

Es stimmt, auf nahezu allen Festivals, auf den ich auch selber spiele, arbeiten bis zu 80 % der Kollegen mit Kemper oder Axe-Fx, darunter auch international bekannte Größen, die es auch problemlos hinbekommen würden, einen entsprechenden analogen Fuhrpark aufzufahren. Der entscheidende Grund für die Verwendung von Simulationen besteht aus zwei Punkten, die sich in den vergangenen Jahren zum Teil komplett diametral zu früheren Live-Situationen entwickelt haben. Zum einen ist es die Verwendung von In-Ear-Monitoring und zum anderen die vermehrte Verwendung von kleinen, leicht zu transportierenden Verstärkersystemen.

Durch die Verwendung von In-Ear-Systemen ist der Bühnenschall als Monitorquelle primär obsolet geworden. Vorausgesetzt, man hat einen hervorragenden Monitormix, ist jede Art von Bühnenlautstärke nicht nur nicht mehr von Nöten, nein, sie stört viele Musiker regelrecht. Klar, wer hat nicht schon mal davon geträumt, den Bassisten/Gitarristen auf Knopfdruck auf seiner Bühnenseite leiser zu drehen, ohne die nervigen „das-ist-kein-Rock-n-Roll mehr“ Plattitüden durchzukauen.

Zum Zweiten müssen professionelle Musiker heutzutage um ein Vielfaches beweglicher in ihren Reisemöglichkeiten sein, sprich Berge von Equipment zu bewegen, lohnt sich nur noch bei den Wenigsten und wenn, wird der Platz im Truck/Bus lieber für optische Punkte wie Bühnenaufbauten, Egoriser o. ä. verwendet, denn alle Musiker wissen es, aber niemand will es wahrhaben. Augen hören mehr!

Mikrofon versus Lautsprechersimulation

Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern: Jede Menge Mikrofone sorgen für jede Menge Sounds

Nachweislich können 70 % aller Musikhörer am Radio ein dreckig gespieltes Tenorsaxophon nicht von einer verzerrten Gitarre unterscheiden, was glaubt ihr, was solche Leute Unterschiede im Gitarrensound interessiert? Auch weit über 95 % der Konzertbesucher können nicht unterscheiden, ob es sich bei dem Gitarrensound um eine Speaker-Simulation oder eine mikrofonierte Gitarrenabnahme handelt. Die gleichen Leute können übrigens auch nicht heraushören, wie viele Instrumente live von Backing-Tracks vom MacBook übernommen werden oder es ist ihnen schlichtweg egal, aber das ist eine andere Geschichte.

Fazit: Es gibt gute Gründe, warum sich so viele Musiker mittlerweile auf eine synthetische Reproduktion ihrer Sounds festgelegt haben, zumal viele jüngere Musiker überhaupt keine andere Art der Klangerzeugung mehr kennen und wahrscheinlich noch nie selber an einem Verstärker herumgeschraubt haben. Also, warum sollte man sich überhaupt noch auf den Old-School-Weg begeben und die für allerlei Probleme wie Verschieben, Umstoßen, Im-Weg-Stehen anfälligen Mikrofone in Erwägung ziehen? Der Grund wird bereits im Wort „Lautsprechersimulation“ beschrieben. Ein elektronisches Bauteil tut so als ob! Und genau das ist der Punkt, wo das Mikrofon ansetzt.

Die Interaktion des Instrumentes mit der bewegten Luft eines Lautsprechers ist durch keine Simulation zu ersetzen. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen den einzelnen Gliedern der Soundkette, die sich ständig gegenseitig beeinflussen und den Ton entsprechend variieren. Das Gleiche gilt für die dynamische Arbeitsweise der Bauteile Verstärker/Lautsprecher/Box, die sich dermaßen komplex gestaltet, dass es selbst der beste Algorithmus nicht wirklich hinbekommt.

Hört jemand im Publikum diesen Aufwand? Nein! Ist dieser Aufwand wirtschaftlich gerechtfertigt? Nein! Spielt der ausführende Musiker durch diesen Aufwand besser? Auf jeden Fall! Nehmt einen Kemper User, setzt ihn vor einen hochwertigen Fullstack, lasst ihn einen Powerchord seiner Wahl spielen und schaut euch sein Gesicht an. Nehmt euch einen Sansamp Inear Bassisten, setzt ihn vor einen Ampeg Classic mit 8×10“ Box, lasst ihn das tiefe E spielen und schaut euch sein Gesicht an.

Warum werden dann Simulatoren im Tonstudio eingesetzt?

In einem professionellen Studio gibt es letztendlich nur einen Grund, auf Simulatoren zurückzugreifen und dieser Grund heißt Zeit in Verbindung mit Geld. Homerecording.Studios scheitern hingegen meistens an adäquaten Räumlichkeiten, um einen hochwertigen Gitarrensound zu erzeugen und schätzen daher die Sounds aus der Retorte. Daher einfach ein Profile vom Sound der letzten Platte anlegen, Kemper einschalten, loslegen, Sound nahezu identisch. Schnell, problemlos und ohne eine Weiterentwicklung des Künstlers. Will man ja auch meistens von der Plattenfirma und vom Fan aus, am besten das erfolgreichste Album immer und immer wieder in leichter Abwechslung aufnehmen, alle glücklich … bis auf den Künstler, der sich selbst irgendwann nicht mehr hören kann und sich zu Tode langweilt – aber auch das ist eine andere Geschichte.

Wie nimmt man eine E-Gitarre am besten ab?

Und schon wieder eine von diesen Fragen, auf die es im Prinzip keine Antwort gibt, da die Auswahl so riesig ist, dass man Bücher verfassen müsste (was ja schon viele Kollegen gemacht haben). Allerdings kann man eine Art Guideline erstellen, was den Großteil der praxisgerechten Lösungen abdeckt und was ich hiermit versuchen möchte.

Für die Praxis gehen wir von einer „Close Mike“ Situation aus, sprich, wir positionieren alle Mikrofone so nah wie möglich am Lautsprecher, um Übersprechung von anderen Instrumenten zu vermeiden und den Sound so direkt wie möglich zu bekommen. Typische Raumaufnahmen sind noch mal eine ganz andere Welt für sich, die wir in diesem Workshop nicht weiter behandeln wollen.

Was „hört“ das Mikrofon?

Denkt immer dran, was euer Gehör im Proberaum oder auf der Bühne von eurem Verstärker wahrnimmt, hat NICHTS mit dem Klang zu tun, was ein Mikrofon in ca. 10 cm Abstand vom Lautsprecher „hört“. Viele Musiker sind regelrecht entsetzt, wenn sie den Klang ihres Instruments im Regieraum aus den Monitoren hören und sich über den harten, direkten Klang wundern, der so gar nichts mehr mit dem liebgewonnen Proberaumsound gemeinsam hat. Das ist normal, verunsichert aber ungemein, zumal man plötzlich auf jeden noch so kleinen Spielfehler, jedes Kratzen, Rutschen oder Quietschen hört, was wiederum noch mehr verunsichert. Lösung? Keine! Dran gewöhnen und so sauber wie möglich spielen!

Welches Mikrofon für welchen Sound?

Im Vergleich zu Gesangsmikrofonen, wo man mittlerweile vor lauter Bäumen den Wald kaum noch erkennen kann, haben sich für Gitarrenaufnahmen vergleichsweise wenige Protagonisten etabliert. Die beiden Klassiker, die im Live-Bereich nach wie vor bei ca. 99 % aller Signalübertragung bevorzugt werden, sind das Shure SM57 und Sennheiser E 906. Neu in der Phalanx ist die amerikanische Firma Heil, die durch konsequente Produktpolitik als der neue heiße Geheimtipp insbesondere durch ihre Modelle PR30 und PR31 im Gitarrenbereich gilt. Die genannten Typen werden primär für den „Close Mike“ Einsatz genommen, sprich unmittelbar an der Membran des Lautsprechers positioniert und sind allesamt dynamische Mikrofone.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit Kondensator-Großmembranmikrofonen, gerne auch auf Röhrenbasis, sowohl in der Close Mike Position, als auch mit etwas Abstand vom Lautsprecher unter Berücksichtigung des Raumklangs abzunehmen. Im Gegensatz zu den dynamischen Mikrofonen, die zumeist mit einem klassischen Mittenanteil in Sachen Durchsetzungsfähigkeit punkten, klingen die Kondensator Vertreter durchweg weicher und „edler“, was je nach Musikrichtung Vor- und Nachteile haben kann. Generell, erlaubt ist was gefällt, gut klingt und genügend Schalldruck aushält.

Wie wird das Mikrofon optimal positioniert?

Der heikelste Punkt der Gitarrenabnahme! Jeder Zentimeter beeinträchtigt den Sound immens, insbesondere wenn der Gain-Anteil des Gitarrensounds den Lead-Bereich oder höher besitzt. Generell lässt sich sagen, je mehr das Mikrofon sich in der Mitte des Lautsprechers befindet, umso mehr Höhen und umso weniger Bässe werden aufgenommen. Die beiden Extreme wären demnach die Mitte des Konus, die nur sehr scharfe Höhen wiedergibt oder aber der Rand des Lautsprechers, der allein für sich genommen nur dumpf und undifferenziert klingt.

Je nach persönlichem Geschmack empfiehlt es sich, als Basis das Mikrofon direkt an der Frontbespannung in Richtung des Kalottenrandes zu positionieren, um dann je nach Geschmack das Mikrofon im Millimeterbereich zu verschieben. Wie gesagt, kleinste Veränderungen ergeben bereits einen großen klanglichen Unterschied.

Mikrofon versus Lautsprechersimulation

Fredman Methode

Die Fredman Methode

Im Normalfall bekommt der Toningenieur bei der Verwendung von zwei Mikrofonen an unterschiedlichen Lautsprechern, die aber das gleiche Signal erhalten, grüne Pickel, da er sich zumeist mit riesigen Phasenproblemen auseinandersetzen muss. Anders sieht es bei der Fredman Methode aus, bei der zwei gleiche Mikrofone (wird gerne mit SM7 gemacht) in unterschiedlichen Winkeln auf unterschiedliche Flächen des Lautsprechers zeigen.

Der Standard sieht eine ca. 45 Grad Positionierung eines Mikrofons Richtung des Randes der Kalotte vor, während das andere Mikrofon die in Einzelabnahme unbrauchbare Positionierung direkt auf den Konus vorsieht. Das richtige Mischungsverhältnis dieser beiden Signale sorgt in ihrer Kombination für einen der besten Hard- und Heavy Sounds, den man erzeugen kann. So wurde z. B. das erste Van Halen Album in Sachen Gitarre aufgenommen, einem DER Gitarrensounds schlechthin.

Was ist mit Reamping?

Gerne als die „Geheimwaffe in der Not“ angepriesen, basiert Reamping auf dem Prinzip, dass ein parallel aufgenommenes, cleanes Gitarrensignal über ein Interface nebst D.I. Box für einen Gitarrenverstärker aufgearbeitet wird, um dann in einen zusätzlichen Verstärker geschickt und nochmals neu aufgenommen zu werden.

Bei vergleichsweise undynamischen Sounds, wie sie im High-Gain des Öfteren auftreten, in Kombination mit einer flächigen Spielweise mag dieses Prinzip gut funktionieren, allerdings ist auch hier die Interaktion der Gitarre mit dem Verstärker/Lautsprecher durch die mehrfache Wandlung und Signalangleichung nicht mehr die gleiche, wie bei der direkten Verbindung mit einem Kabel. Ein guter Gitarrist, der möglichst direkt mit dem Verstärker verbunden ist, passt seine Spielweise auch immer dem verwendeten Equipment an, eine Besonderheit, die bei dem Reamping zwangsweise komplett auf der Strecke bleibt.

Mikrofon versus Lautsprechersimulation

Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern – besser gesagt Lautsprecherboxen. Hier eine Wall Of Sound.

Fazit

Es ist eigentlich wie immer in der Musik, erlaubt ist was gefällt. Es gibt Bands, die ein ganzes Album nur mit einem iPhone aufnehmen und alle Freunde und Bekannten sind begeistert. Auf der anderen Seite kann man auch zahllose Mikrofone vor zahllosen Lautsprechern, kombiniert mit zahllosen Verstärkern positionieren (siehe der Autor dieses Artikels), um auch noch das letzte Quäntchen Soundqualität aus dem Signal zu pressen.

Wenngleich alle Versuche, eine Mikrofonabnahme einer Gitarre synthetisch zu emulieren, noch so wirtschaftlich sinnvoll, finanziell reizvoll und von der Handhabung her aufgrund ihrer Einfachheit auch bei Hobby-Tontechnikern  willkommen sein mögen, es sind und bleiben immer nur Versuche, dem bestmöglichen Sound so nahe wie möglich zu kommen und der kommt nun mal von einer perfekten Mikrofonaufnahme.

Ich kann nur empfehlen, sich bei der Gitarrenabnahme viel Zeit zu nehmen und regelmäßig Pausen einzulegen, um das Gehör frei zu bekommen. Im Übrigen, das WAS und WIE ihr spielt, ist immer noch um ein Vielfaches wichtiger als die Anzahl der Zentimeter eures Mikrofons zum Kalottenrand.

Forum
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    Dirk Walter

    Für mich zählt zu den Vorteilen einer Mikrofonaufnahme auch das Übersprechen und der Raumanteil. Ob dies ein Vorteil ist hängt allerdings auch immer vom gewünschten Sound bzw. dem Genre ab.

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    psv-ddv  AHU

    Auf den Punkt. Sehr gut beschrieben.
    Ich bin mir allerdings sicher, dass auch der unbedarfteste Zuhörer den Unterschied zwischen Simulation und mikrofoniertem Amp wahrnimmt. Die Rückkopplungsschleife Finger-Gitarre-Amp-(Mic, etc.)-Ohr hat entscheidenden Einfluss auf die Spielweise des Gitarristen. Im besten Falle wird ihm die hohe Variabilität und Interaktivität dieser Schleife ermöglichen mehr Emotionen in sein Spiel einfliessen zu lassen. Das nimmt der Hörer am Ende war, weil die Musik ihn emotional stärker anspricht, ob es ihm nun bewusst ist oder nicht.
    Gleiches gilt auch für den Klang selber, der bei jeder mir bekannten Simulation entscheidendes an Tiefe und Lebhaftigkeit einbüsst. Bewusst oder unbewusst gehört spielt das eine größere rolle Rolle für den Erfolg einer Produktion als man im Allgemeinen annimmt. Wobei Emotionslosigkeit als Stilmittel natürlich auch seine Berechtigung hat, jedoch immer vom Kontrast lebt.

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    camarillobrillo  

    Wir nehmen ein Studio der Spitzenklasse mit Top-Leuten hinter den Reglern, wir haben keine Budget-Einschränkung oder Zeit-Limitierung. Der Gitarrist und Produzent heißt Nile Rodgers. Wie viele echte Amps/Speaker werden auf dem Album Verwendung finden?

    Antwort: Kein einziger ;-)

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        TobyB  RED

        Womit du recht hast! Gestern Abend hab ich die Kopfhörer aufgesetzt, mir eine Doku über ZZ Top angesehen. Ich war vom Rauschen der Amps beruhigt. Als die beiden Bärte anfingen zu spielen und immer schön gleichmässig vor den Amps und dem Drummer spaziert sind, konnte man Magie hören.

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      Axel Ritt  RED

      @carmarillobrillo, mit der Aussage wäre ich vorsichtig, zumindest in seiner extrem erfolgreichen 70er Zeit hat Nile Rodgers meines Wissens nach seine Strat über verschiedene Fender Amps abgenommen.

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        camarillobrillo  

        Du bist lustig ;-) Natürlich hat Nile Rodgers in den 70ern noch keine Ampsimulationen und virtuellen Amps benutzt. Wie denn auch? Aber „Le Freak“ hat er zum Beispiel bereits ohne Amp direkt ins Pult eingespielt.

        Was sein aktueller Stand ist, weiß ich in der Tat nicht genau. Er hat aber um 2000 herum bereits bevorzugt ohne Amp/Speaker aufgenommen und stattdessen auf Amp Farm gesetzt [1]. Auch 2013 berichtet er, dass er die Gitarre ohne Amp/Speaker per DI aufnimmt, um zu reampen [2]. Ob er das Reamping nun aktuell lieber per echtem Amp/Speaker oder per Software macht, weiß ich nicht. Ich meine aber auch mal ein recht aktuelles Interview gesehen zu haben, in dem er davon spricht, nur noch Software Amp Simulationen zu nutzen. Finde ich aber gerade nicht.

        Alles in allem glaube ich, dass meine Aussage nicht gewagter ist als deine, dass Mikrofonierung von Gitarrenverstärkern, beziehungsweise Mikrofonierung von echten Lautsprechern, IMMER die bessere Wahl sei.

        Dass das Einige zumindest manchmal anders sehen, zeigen eben Stücke wie „Le Freak“, „Another Brick in the Wall“, David Bowies „Heroes“, das Meiste von Neu!/Michael Rother, „Kiss“ von Prince und auch Nirvana haben schon direkt ins Pult gespielt.

        [1] https://homerecording.com/bbs/equipment-forums/guitars-and-basses/niles-rogers-recing-guitars-68684/
        [2] https://www.youtube.com/watch?v=SvSCC7qyc-Q&feature=youtu.be&t=359

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          Axel Ritt  RED

          das ist alles richtig was du schreibst, aber was haben alle deine als Beispiele genannten Sounds gemeinsam? …….. Richtig, es sind cleane Sounds, was ich in meinem Artikel ja durchaus als machbar empfinde.

          Auch ich habe bereits cleane Sounds direkt ins Pult aufgenommen und auf CD veröffentlicht und niemand hat sich beschwert ;-))) Bei verzerrten Sounds hingegen bleibe ich bei meiner Aussage.

          P.S. Hast du dir die aktuellen Produktionen und die songlichen Leistungen von Nile Rodgers einmal angehört? Einfach nur lachhaft, ein Schatten seiner selbst. Hätte er es doch nur gelassen, so demontiert man nur sein Genie …

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            Dirk Walter

            Der Sound von Nile ist aber auch kein untastbares Standardwerk welches in jedem Stil funktioniert. Es gibt viele Künstler wie auch Songs die über eine reine DI nie so eine Wirkung gehabt hätten und natürlich auch umgekehrt. Es geht um Funktion und Stil.

            Zudem geht es bei einer guten Aufnahme um das festhalten einer guten Performance und hier kann das echte Verhalten eines Amps den Künstler beflügeln und das Ergebnis direkt beeinflussen.

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            camarillobrillo  

            Die Beispiele sind nicht alle clean, z.B. Nirvana, Bowie. Ich bin aber im Grunde sehr bei Dir, habe mich nur an dem „*IMMER* die bessere Wahl“ gestört. Es gibt eben auch andere Fälle, dafür habe ich Beispiele genannt, und das ist dann auch schon alles :-)

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          psv-ddv  AHU

          @camarillo
          Natürlich gibt es viele berühmte saubere Di- Sounds. Der berühmteste ist vermutlich Gilmours clean Sound in „Another Brick in the Wall Pt.2“. Davon war im Artikel aber nicht die Rede. Cleane Di-Sounds und die Verwendung von Amp-Simulationen sind zwei verscheidene Paar Schuhe. Die Trafos und diskreten Eingangsstufen der damals verwendeten Pulte und DI-Boxen reagieren auch komplex auf die Impedanz von Singlecoils und lassen sich genauso wenig digital simulieren wie ein Amp/Mic Setup.

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            Dirk Walter

            @psv-ddv

            Ich kann hier nicht mehr als voll zustimmen.

            Bei den für mich als Referenz geltenden Aufnahmen die „einfach mal so ins Pult“ gespielt wurden geht meistens unter das hier legendäre Konsolen benutzt wurden die technisch die eher primitiven Amps in den Schatten stellten. Und gerade wenn z.B.: die Übertrager heiss angefahren werden fühlt sich der Sound und das Spielgefühl plötzlich auch richtig an.

            Im Prinzip kann alles gut sein. Letzten Endes entscheidet die Musik. Ein Hendrix wäre mit einer Focusrite Scarlett* z.b.: nie so bekannt geworden. Zu essentiell ist die Dynamik der aufgerissenen Amps. Die Beatles hatten ihre Amps zum Beispiel auch sehr gerne aufgedreht und gleichzeitig die Lautstärke Regler am Instrument selbst runtergedreht. Andere brauchen unbedingt Raum und Übersprechen damit die Platte funktioniert.

            *Nennung nicht abwertend gemeint

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    Jörg Hoffmann  RED

    Der Bericht spricht mir aus der Seele: Seit ich meine Gitarren über den VOX abnehme, und nicht mehr über Line Out des Boss Katana, ist da viel mehr Feindynamik und Atem in der Aufnahme. Klar, das kostet Zeit und viel Trial&Error, aber es geht genau um dieses von Dir sehr gut beschriebene Grinsen im Gesicht des Musikers. Danke Dir für den geilen Bericht!

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      Axel Ritt  RED

      danke für das Lob!

      Einen Line Out nimmt man nur, wenn es wirklich überhaupt nicht mehr anders geht, sprich man MUSS ohne Cabinet spielen (Tanzkapelle mit komplett Inear und Playbackeinspielungen o.ä.), will im Büro noch ein wenig üben oder aber eine Songidee auf die Schnelle fest halten.

      Eine cleane gezupfte Gitarre mag a noch funktionieren, aber sobald das erste Gain hinzu kommdt, ist es vorbei mit der Klangkultur.

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    Hein Bloed  

    Mir fehlt bei den den ganzen virtuellen Lösungen auch immer der Punch-In-The-Face-Effect. Mit Guitar Rig/Helix/Amplitude/Pod etc. ist man soundtechnisch zwar mit weit mehr Varianten unterwegs, als sie einem ein Verstärker mit ein paar Pedalen anbieten kann, aber die Dynamik ist nicht die gleiche.
    Ich benutze für Aufnahmen nicht einmal wirklich gutes Equipment (alter Marshall Valvestate Bi-Chorus 200, Audio-Technica MB 2K), aber die heilige Wut, die man damit generieren kann, kriege ich mit Software einfach nicht hin.

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      Axel Ritt  RED

      Virtuelle Lösungen werden niemals die gesamte Dynamik eines „echten“ Verstärkers auffangen können, es ist nur fraglich, wer diesen Mehraufwand letztendlich außer dem Künstler und seinem Produzenten noch wahr nimmt.

      Auf Platte wird der Unterschied häufig über das Ultra-Mastering platt gebügelt und live nimmt die meist viel zu laute P.A., schlechte Raumverhältnisse oder ein ungelenk agierender FOH den entscheidenen Unterschied aus dem Höreindruck. Und was viele YouTuber als „Sound“ verkaufen, gilt anderswo als Körperverletzung.

      Viele Leute hören nur im A/B Vergleich in ihrem Proberaum den eigentlichen Unterschied, der ist dann allerdings immens.

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        Armin Bauer  RED

        Hi Axel,

        „ungelenk agierender FOH“?
        Ich dachte schon, dass eine international fungierende Band wie Grave Digger sich eigenes Personal ihres Vertrauens an FOH und Monitor leisten können.
        Wenn dem nicht mehr so ist, gute Nacht Live Performance.
        Da finde ich es umso verwunderlicher, dass semi-professionell agierende Orchester, Chöre, Bands oder sogar Kinder-Musikals sich meine Dienste sichern, die auch nicht umsonst zu haben sind.
        Muss ich wohl sehr dankbar sein.

        Grüße
        Armin

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          Axel Ritt  RED

          Armin, du weisst doch wie es ist. Es gibt ganz hervorragende FOHs, die einen super Job machen und teilweise ganz grausige Kollegen, die dir den kompletten Sound zerschiessen.

          Leider sind selbst in der Profiliga die hervorragenden Leuten rar gesäht und sehr begehrt, von daher auch fast immer ausgebucht. Es ist wie bei den Musikern, es gibt gute und weniger gute Handwerker.

          Ich wollte ich auf keinen Fall an deiner Berufsehre packen ;-)

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            Armin Bauer  RED

            Hi Axel,

            habe ich auch nicht so wahr genommen. Wunderte mich nur, dass ihr keinen festen Pool von 3-4 Leuten habt auf die sich die Band zu 100% verlassen kann.
            Der Markt scheint wirklich zu implodieren, seit alle nur als noch „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ ausgebildet werden. Die können zwar jede DIN Norm herunterbeten, das war´s dann aber auch oft schon.

            • Profilbild
              Axel Ritt  RED

              Doch, wir haben das Glück, 2 sehr gute feste FOHs zu „besitzen“, aber ich habe schon unendliche viele gute bis sehr gute Bands gesehen, denen der FOH keine Chance gelassen hat.

              Als bestes Beispiel „Extreme“ vor ein paar Monaten in der Batschkapp. 20 Jahre nicht in Deutschland gewesen, handwerklich hervorragend mit einem „Sound“ ausgestattet, der an Körperverletzung grenzt.

              Nur den Support hatte es noch schlimmer erwischt, dort konnte man klanglich nicht einmal feststellen, welche Besetzung auf der Bühne steht.

              2 gute Bands, die in Grund und Boden gemischt wurden. Wäre ich nicht netterweise auf der Gästeliste gewesen, hätte ich mein Geld zurück gefordert.

  6. Profilbild
    Armin Bauer  RED

    Ich nehme immer ganz gern so auf:
    Box mit (nur) einem Mikro, oft und gern das Beyerdynamic M88. Durchaus ein wenig Zeit beim Platzieren lassen.
    Dann das Signal gleichzeitig mit D.I. abgreifen um evtl. mit Guitar Rig eine „Zugabe“ zu haben. Ein umgekehrtes Reamping sozusagen.
    So bleibt für den Musiker das Feeling erhalten und ich kann später noch ausgleichen. Der Marshall wird zu matschig? Einfach noch ein wenig virtuellen Fender beimischen, passt.

  7. Profilbild
    Jens "Junkie" Jungmichel

    Axel hat es in seinem Beitrag aus meiner Sicht voll auf den Punkt gebracht. Es ist einfach Leben im Sound wenn die Röhren und Speaker arbeiten, und dann kommt dieses herrliche Gefühl mit diesem breiten Grinsen.

    • Profilbild
      Armin Bauer  RED

      Ja, habe auch, nachdem ich nach Jahren wieder in einer Band als Gitarrist/Sänger angefangen hatte, erst die Idee „Guitar Rig“.
      Nee, es mussten Röhren sein. Erst ein Randall, dann ein Peavey Classic 30, zum Schluss der unglaubliche Yamaha T100. Den gab es dann irgendwann doppelt, selbst zum Proben zuhause war der Vox ModAmp keine Option mehr.
      Es geht nix über Röhren und das wird immer so bleiben.

  8. Profilbild
    p.ludl  RED

    Es freut mich, dass hier eine lebhafte Diskussion entstanden ist. Und ja, es gibt bestimmt für beide Techniken für und wider. Sicherlich spielt auch der persönliche Geschmack eine entscheidende Rolle und nicht zu vergessen die Musikrichtung, die am Start ist. Auch das oder die eingesetzten Mikrofone haben entscheiden Einfluss auf die Art der Klangformung. Vielleicht gibt es eine Leser Story, die sich mit dem Thema Cabinet-/Amp-Simulation näher auseinandersetzt.

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