Workshop: Guitar Know-how – Oktavreinheit justieren

14. Juli 2011

Workshop: Oktavreinheit justieren

Guitar

Unser aller Lieblingsinstrument besteht überwiegend aus Holz und somit aus einem Werkstoff, der 24 Stunden am Tag und 365 Tagen im Jahr Umwelteinflüssen ausgesetzt ist. Kälte, Wärme, Zugluft, Feuchtigkeit und dann und wann auch mal einen Stoß aus Unachtsamkeit muss die Konstruktion verkraften – und tut dies auch in der Regel problemlos. Aber wie wir ja alle wissen, bestätigen Ausnahmen diese Regeln und so kann es sein, dass das Instrument irgendwann mal die „gute Stimmung“ verliert und Akkorde und Voicings auf dem Griffbrett plötzlich schräg und kakofonisch klingen.

Der Grund: Die Oktavreinheit besteht nicht mehr. Jenes Setting, welches dafür sorgt, dass die Saiten exakt über dem Griffbrett und somit der Mensur des Instrumentes ausgerichtet sind. Und fast jeder kennt das Problem, dass die Gitarre im unteren Bereich des Halses bei gegriffenen Akkorden und mit einem Tuner exakt gestimmten Saiten noch gut klingt. Aber je weiter man am Hals nach oben rückt, wandelt sich das Bild und die Akkorde/Voicings fangen mehr und mehr an, „zu leiern“. Also höchste Zeit, sich diesem Problem zu widmen!

Dieser Amazona-Workshop befasst sich im Detail primär mit den Einstellungen der Bundreinheit an elektrischen Gitarren, allerdings kann man die nötigen Arbeitsschritte und Tipps auch an allen E-Bässen verwenden, da das Prinzip mit den über Saitenreitern geführten Saiten und deren Einstell-Mechanismus nahezu identisch ist.

-- Gibson-Style Steg mit Tailpiece --

— Gibson-Style Steg mit Tailpiece —

Los geht’s!

Zu Beginn der Prozedur ist zu empfehlen, dass man möglichst neuwertige Saiten verwendet. Denn sollten die Drähte auch schon mehrere Monate auf der Gitarre gespannt sein, könnte dies die Einstellarbeiten erschweren. Wie wir alle wissen, besitzen auch die Saiten eine nur begrenzte Haltbarkeit und werden jeden Tag aufs Neue mit Ziehen und Drücken, Kälte und Wärme, durch Handschweiß und vielleicht sogar noch mit extremen Bendings durch ein Vibrato-System belastet. Dies alles wirkt sich auf die „Drähte“ aus und sorgt für seinen Teil ebenfalls dafür, dass das Instrument nach einer gewissen Zeit ganz schön schaurig klingen kann. Wer’s also genau und gut machen will, besorgt sich einen Satz neuer Saiten!

Und auch ein gutes, möglichst genau arbeitendes Stimmgerät sollte auf jeden Fall für unser Vorhaben vorhanden sein, denn schon 1-2 Cent Abweichung auf der Skala des Tuners wirken sich auf die Bundreinheit aus. Auch wenn eine Menge Effektgeräte und Verstärker heutzutage über einen in der Praxis ausreichenden, eingebauten Tuner verfügen, reicht dieser in der Regel nicht aus, um so detaillierte und feine Unsauberkeiten in der Stimmung auszumachen. Und sicherheitshalber sollte man vorher noch mal überprüfen, ob der Tuner auch wirklich mit 440 Hz (Kammerton A) kalibriert ist!

Beginnend mit der tiefen E-Saite wird diese penibelst sauber gestimmt und dann im 12. Bund niedergedrückt. Zeigt die Nadel des Tuners nun nach links (also in den Minus-Bereich), ist die Saite zu lang über dem Griffbrett tariert und muss durch Verschieben des Saitenreiters in Richtung Sattel korrigiert bzw. verkürzt werden. Dies geschieht bei Gitarren bzw. Bässen mit fester Brücken-Konstruktion durch Drehen der Schraube am Saitenreiter nach links, bei Instrumenten mit einem montierten Vibrato-System (i.d.R. auf Basis des Floyd Rose-Systems), geschieht dies durch Lösen der Inbus-Schraube, welche den Saitenreiter auf dem Vibratoblock fixiert. Der Saitenreiter wird bei diesem System dann in Richtung Sattel verschoben. Um wie viel, ist reine Erfahrungssache und man muss sich vorsichtig und gefühlvoll an den gewünschten Wert herantasten.

Ebenso gefühlvoll sollte man aber auch mit der Inbus-Schraube des Saitenreiters hantieren, denn oftmals sind diese winzigen Schrauben (gerade bei günstigeren Instrumenten) sehr weich und dann passiert es schnell, dass die Schraube „rundgedreht“ ist und sich so weder ein- noch ausschrauben lässt. Also bitte ganz genau auf festen Sitz des Inbus-Schlüssels achten, und wenn möglich nur hochwertige Schlüssel für diese filigrane Arbeit verwenden!

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