Workshop: Die wichtigsten Gitarrenakkorde für dutzende Hits

5. März 2019

4 Gitarrengriffe für große Hits

Workshop: Die wichtigsten Gitarrenakkorde für dutzende Songs

Workshop: Die wichtigsten Gitarrenakkorde für dutzende Songs

Four chords that made a million – diese Textzeile von Porcupine Tree kommt nicht von ungefähr. Es dürfte dem einen oder anderen beim Lauschen von Radiohits oder Playlists mit bekannten Popliedern direkt aufgefallen sein, andere werden das Ganze nur unterbewusst registriert haben: Diese oder jene Strophen ähneln sich stark, diese Melodie will man schon woanders gehört haben, Parts von vermeintlich frischen Songs, die einem enorm bekannt vorkommen. Bevor sich jetzt der gängige Vorwurf manifestiert, die moderne Musik sei nicht mehr als ein langweiliger Einheitsbrei, dem sei gesagt: Hinter dem Ganzen steckt System. Ein System, das älter ist als die moderne Popmusik, das von vielen Songwritern erkannt wurde und Anwendung gefunden hat.

Kann mit nur einer Handvoll Akkorde ein ganzes Arsenal von Pop- und Rocksongs gespielt werden? In der Tat – ohne zu sehr in die Musiktheorie abzudriften, wollen wir uns hier anschauen, wie das sein kann, die wichtigsten Akkorde für Gitarre, die diesem universellen Anspruch gerecht werden und welche Songs aus diesen Bausteinen bestehen. Warnung: Eine akute Demystifizierung bestimmter Songwriter-Genialitäten kann hierbei nicht ausgeschlossen werden!

Die wichtigsten Gitarrenakkorde – ein System hinter der Statistik!

Die wichtigsten Akkorde für Gitarre: Um ihnen auf die Spur zu kommen, sollte man sich vielleicht zunächst anschauen, was die populärsten und häufigsten Tonarten sind, in denen sich das popmusikalische Geschehen abspielt. Dave Carlton von Hooktheory hat dazu eine erstaunliche Statistik aufgestellt: Er analysierte über 1300 Lieder und stellte dabei fest, dass die populärste bzw. am häufigsten verwendete Stimmung C und deren parallele Molltonart A-Moll ist – fast ein Drittel der über tausend Songs war demnach in dieser Stimmung geschrieben, gefolgt von G und seiner Parallelen E-Moll.

Daraus resultiert eine einfache Faustregel, die jeder gewiefte Songwriter mit einem mäßigen Background in Sachen Musiktheorie verinnerlicht hat: Die zwei populärsten Stimmungen, C und G, harmonieren maßgeblich und ausdrucksstärker mit ihren jeweiligen Minors, A und E. Das dürfte einer der Hauptgründe sein, weshalb beispielsweise A-Major vergleichsweise selten in der Musiklandschaft anzutreffen ist. Doch die wichtigsten Akkorde der C-Stimmung besitzen eine ganz eigene Kraft.

Was dahinter steckt, ist ein einfacher Gedanke – man nehme die Töne der populären C-Stimmung und spanne über jeden Einzelnen quasi einen Akkord auf. Entlang C, D, E, F, G, A, H entsteht dann Folgendes:

Die wichtigsten Gitarrenakkorde für dutzende Songs

Dreimal Dur, Dreimal Moll, einmal vermindert = eine Million Hits? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Auf die Sequenz kommt es an, auf die Kadenz! Wem der Begriff nichts sagt, ganz schnell: Eine Kadenz ist eine Gliederung bzw. Abfolge von Akkorden, die dafür sorgt, dass sich die Sequenz organisch, ja man möchte sagen, richtig anfühlt. Die Ursprünge dieses Prinzips reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Aber was bedeutet das für uns? Nun, in diesem Falle: Wenn man sich die wichtigsten Akkorde der C-Dur Tonleiter ansieht, stellt man recht schnell fest, dass sich die eingangs erwähnten bekannten Akkorde herauskristallisieren: C-Dur, F-Dur, G-Dur, A-Moll. Und auch diese ergeben in der richtigen Abfolge eine logische und eingängige Kadenz, welche die Grundlage unzähliger Lieder bildet. Was also sind die four chords that made a million?

Entlang der populärsten Progression ganz einfach: C-Dur – G-Dur – A-Moll – F-Dur.

Et voilà. Das ist alles? Mehr bedarf es nicht? Einer Prise Musiklogik für die passende Kadenz entlang der bekanntesten und gängigsten Grundstimmung? Könnte man fast meinen, wenn man sich anguckt, wie weit der Einfluss dieser Akkorde reicht. Von Bush über Henry Rollins, bis hin zu Lady Gaga, Beyoncé, den Beatles oder Linkin Park – die berühmte  I–V–VI–IV Progression (will heißen: Der erste, dann der fünfte, dann der sechste und anschließend der vierte Akkord der Tonleiter)  ist quasi allgegenwärtig, vor allem, wenn man sich die möglichen Umkehrungen entlang der Tonika, Dominanten und Sub-Dominanten vergegenwärtigt. Am besten kann man sich das so vorstellen: Die Nomenklatur einer Tonleiter liefert die Zutaten und die passende Kadenz, Progression oder Sequenz der Akkorde in der Tonleiter gibt dem ganzen ein Gesicht. Genug gefachsimpelt? Auf bestimmte Progressionen werden wir noch mal zu sprechen kommen, aber erläutern werden wir das Ganze jetzt anhand ein paar bekannter Lieder. Du hast also eine Gitarre in der Hand, verdammt wenig Zeit und willst jetzt wissen, welche Songs du mithilfe der wichtigsten Akkorde für Gitarre spielen kannst? Dann lies weiter!

Die wichtigsten Akkorde für Gitarre – und die bekanntesten Songs!

Also halten wir fest: Wichtiger noch als die Akkorde sind die Progressionen. Kennt man diese, kann man sich durch den halben Kanon der Musikgeschichte spielen. Wie bereits gesagt: Die C-Stimmung gibt einiges her! Kombiniert man die I-V-VI-IV mit C-Dur, dann stolpert man auf Klassiker, wie etwa diesen hier:

Macht langsam Sinn, oder? Über die I-V-VI-IV Progression ist bereits viel geschrieben und gesagt worden. Lieder, die mit diesen Akkorden gespielt werden, haben oft einen tragenden, nach vorne gehenden Charakter. Ein weiteres Beispiel hierfür dürfte folgender Song sein:

Unter Rockbands also, die eingängigen Melodien nicht abgeneigt sind, ist diese Chord-Progression also weit verbreitet. Allen voran Alternative- oder Punk-Rockbands sind wohl mit ihr vertraut. Nächstes Beispiel gefälligst?

Allmählich zeichnet sich also ein Muster ab – eingängig, melodiös, nicht zu traurig, gerne mit einem Stich ins Hoffnungsvolle: Das macht diese vier Akkorde aus. Und auch wenn genannte Songs die Akkordfolge durchaus variieren, ist ein definitiv zeitloser Klassiker, der sich mit C-Dur, G-Dur, A-Moll und F-Dur als Progression spielen lässt, zweifelsohne Celine Dions „My Heart will go on.“

Speziell im C-Dur kann die Progression aber durchaus Hymnencharakter entwickeln. Ein guter Beleg hierfür ist zweifelsohne Forever Young von Alphaville, einer der größten Ohrwürmer der 80er Jahre.

Und auch Jeff Buckley war sich des hymnischen Potenzials der Progression bewusst, als er Halleluja mithilfe der wichtigsten Akkorde der Welt schrieb:

Ausgehend von C-Dur ist die I-V-VI-IV Progression also ein echter Tausendsassa. Auffällig hierbei nur: Es kann hoffnungsvoll, bisweilen ein Stück weit melancholisch zugehen. Traurige Stimmung oder gar echten Balladencharakter vermag die Progression jedoch nicht recht zu transportieren. Dies ist einer Progression anderen überlassen: I-VI-II-V. Was heißt das für unsere populäre C-Stimmung? C-Dur, A-Moll, D-Moll, G-Dur. Die zwei Moll-Betonungen in der Mitte sorgen also dafür, dass das Herzstück der Progression traurig bleibt. Ein besonders bekanntes Beispiel hierfür ist zweifelsohne Michael Jackson, dessen Balladen oftmals mit dieser Progression im C arbeiteten:

Aber damit tut man der I-VI-II-V Progression keinen Gefallen, wenn man sie einzig auf ihren Balladencharakter reduziert. Denn rein quantitativ handelt es sich um die populärste und am häufigsten genutzte Progression überhaupt. Vor allem ihr transformierender Charakter sorgt dafür, dass diese Progression gerne als „Turn-around“ verwendet wird – eine abschließende Progression, die oft das Ende eines Refrains oder Strophe markiert. Ein weiterer Klassiker, der jedoch auf diese berühmte Progression zurückgreift, ist „Baby, Baby, Baby“ von der Jahrhundertröhre Aretha Franklin.

Tauscht man die zweite Stelle der Tonleiter mit der Fünften, für C bedeutet das: A-Moll gegen G-Dur, erhält man die sogenannte 50s Chord Progression. Die wichtigsten Akkorde der Musikgeschichte haben also auch diese immens populäre Sequenz, die so häufig genutzt wird, dass Wikipedia eine stetig wachsende Liste mit Songs hat, die sich dieser Progression widmen.

Doch weg von den unterschiedlichen Progressionen, zurück zu den wichtigsten Akkorden der Musikgeschichte. Speziell in C-Major hat die vielleicht bekannteste und wichtigste Band aller Zeiten ein paar ihrer bekanntesten Songs geschrieben:

C-Dur, A-Moll, F-Dur, G-Dur – dass diese Abfolge jedoch zeitlos ist und, sofern sie fähig produziert und ausgeführt wird, auch in der modernen Pop-Musik für Evergreens sorgt, sieht man an Katy Perrys Firework, die lediglich das F-Dur durch ein E-Moll ersetzt und somit die berühmte Pachelbels Progression bildet:

Ob also Bubblegum-Pop oder Ballade fürs Lagerfeuer: Diese vier Akkorde können in allen möglichen Bereichen zum Einsatz kommen. Woran das liegen mag, dass das Potenzial dieser Akkorde unerschöpflich ist? Das dürfte den Rahmen dieser kleinen Zurschaustellung sprengen. So viel lässt sich jedoch sagen: Historisch gesehen hatten diese Akkorde schon immer ihren festen Platz im Kanon der Popmusik. Also von einem modernen Einheitsbrei zu reden, dem nichts mehr einfällt, trägt nicht der ganzen Geschichte Rechnung.

Klar ist: Die schiere Masse an Liedern hat in den heutigen Zeiten zugenommen und der Optimierungswahn, der aus so vielen Bereichen der Kultur und Gesellschaft bekannt ist, hat längst auch die Songwriter dieser Welt eingeholt. Ein paar kluge Köpfe machen sich dieses zeitlose Prinzip wirkungsvoller Akkordprogressionen eben hemmungslos zunutze. Und wenn dann auch nun untereinander kopiert wird, nun … dann kann es eben auch passieren, dass zwei Songs sich im Grunde genommen nicht nur ähnlich sehen, sondern mehr oder minder auch … nun ja – gleichen:

Und wer jetzt darüber staunt, dass beide Songs im Grunde genommen identisch sind, braucht eigentlich nur zu wissen, dass Dr. Luke beide Songs geschrieben und produziert hat. Da kann man nur den Kopf schütteln – denn auch wenn die Formel aufgeht und beide Songs das gewünschte Publikum erreicht haben: Mit musikalischer Finesse hat das nichts zu tun, sondern einzig und allein mit dem Verkauf eines Produktes an eine gewünschte Zielgruppe. Zynische Zeiten möchte man meinen – ehe man erkennt, dass auch schon ein Marvin Gaye ähnliche Lieder schrieb und dazu stand: Am Ende ist und bleibt eben das Feeling entscheidend, nicht die wichtigsten Akkorde der Welt. In diesem Sinne:

Forum
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    Altered  AHU

    Toller Artikel, vielen lieben Dank an den Autor. Ist schon witzig zu sehen wie simpel Musik immer wieder sein kann und doch funktioniert….

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    2late

    Sorry, aber dieser Artikel ist so dermaßen voller Fehler, dass sich mir echt die Haare sträuben…

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        2late

        Hallo,
        erstmal schön, dass sich der Autor direkt meldet! Ich kann es gerne präzisieren.

        – zunächst werden im Artikel die Begriffe „Tonart“ und Stimmung synonym benutzt. Das ist nicht richtig – eine „C-Stimmung“, wie Du schreibst, gibt es beispielsweise bei einer Mundharmonika, eine Tonart (die du wahrscheinlich im ganzen Artikel meinst) ist halt einfach etwas anderes.

        – die so populäre Akkordfolge C-Dur, G-Dur, A-Moll, F-Dur (I V vi IV) wird in dem Video danach gar nicht gespielt.

        – Under the bridge ist (in der Strophe) natürlich ein gutes Beispiel für diese Progression, aber eben in E-Dur und nicht in C-Dur (wofür du es ja als explizites Beispiel nimmst)

        – Basket Case ist kein Beispiel für diese Progression, da statt der IV die iii (oder III, sind ja Powerchords) benutzt wird.

        – Jeff Buckley hat eine wahnsinnig tolle Version von Hallelujah eingespielt, geschrieben hat er es bekanntermaßen nicht. Ach ja, und ein Beispiel für I V vi IV ist es auch nicht.

        – While my guitar gently weeps ist auch kein gutes Beispiel an der Stelle, weder für I V vi IV noch für die 50s progression.

        Sorry für den harschen Ton in meinem Ausgangspost – ich sehe natürlich, dass in dem Artikel trotzdem viel Arbeit steckt, mir fallen diese Dinge nur auf, WEIL ich das Thema eben interessant finde und mich über derartige Artikel auf AMAZONA freue.

        LG
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          Dimi Kasprzyk  RED

          Zum ersten: Stimmt, strenggenommen ist das synonyme Verwenden von beidem irreführend.

          Under the Bridge steht in E-Dur, völlig richtig, aber die Chordabfolge der Strophe lautet: C-Dur, G-Dur, A-Moll, E-Moll, F-Dur, was explizit die erwähnte Akkordfolge ist.

          Im Text sage ich nicht, dass While my guitar gently weeps ein Beispiel für die 50s oder I–V–vi–IV Progression ist, sondern dass er sich der berühmten Akkorde bedient.

          Man verbindet den Song definitiv mit Jeff Buckley, insofern mein Fehler. In der Strophe jedoch bedient er sich in der Mitte explizit der Abfolge D-Dur, E-Moll, C-Dur, was der I V VI IV eigentlich entspricht. Er schiebt aber zwischen der I und V noch ein C-Dur ein, was die Abfolge streng genommen wieder aufhebt, da geb ich dir Recht. Vielen Dank für dein Feedback!

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            2late

            „Under the Bridge steht in E-Dur, völlig richtig, aber die Chordabfolge der Strophe lautet: C-Dur, G-Dur, A-Moll, E-Moll, F-Dur, was explizit die erwähnte Akkordfolge ist.“
            Vielleicht reden wir da gerade völlig aneinander vorbei, aber: nein. Die konkrete Akkordabfolge lautet E-Dur, H-Dur, C#-Moll, (G#-Moll), A-Dur. Das Ganze hat doch mit C-Dur gar nichts zu tun?! Falls Du meinst, dass das die selbe Akkordfolge wie C-Dur, G-Dur, A-Moll, E-Moll, F-Dur ist nur halt in einer andern Tonart, dann wird das aus der Formulierung im Artikel und auch in deiner Antwort hier (meiner Ansicht nach!) nicht ersichtlich.

            While my guitar gently weeps finde ich auf jeden Fall spannend zu diskutieren! An welcher Stelle hörst du da die „berühmten Akkorde“? Und welche Akkorde meinst Du damit genau? Ist wirklich ernst gemeint als Diskussionseinladung! :)
            Ich fand den Song immer schon spannend, aber eben gerade weil er nicht in dem üblichen Akkordebrei schwimmt, und mit dem Nebeneinander von dorischem und aeloischem Moll (bzw. harmonisch Moll) da doch ausbricht. Zumal der Song im Refrain dann sogar in die Dur-Variant-Tonart geht!

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              neoscott

              Lieber 2Late, wir befinden uns hier bei amazona auf einem Musiker-Board, und dass man (alle in Dur komponierten) Lieder auch in C-Dur spielen kann, kann der Autor durchaus als bekannt voraussetzen. Und falls nicht, spielt der unwissende das Lied eben in C-Dur. Vielleicht passt das dann sogar besser zu seiner bzw. ihrer Stimmhöhe. Es verändert dabei nicht die Melodie und Erkennbarkeit des Liedes und lässt sich durch die nummerierte Angabe der Kadenz auch wunderbar auf alle anderen Tonarten übertragen. Das hast Du ja auch selbst herausgefunden und selbstverständlich meint der Autor bezogen auf „Under the Bridge“ genau das. Ich habe das direkt beim ersten Lesen auch so verstanden. Den Sachverhalt, den er versucht zu erläutern auf eine einzige Tonart herunter zu brechen ist ein kluger Schachzug, weil mal so recht einfach versteht, worauf er hinaus will und selbst beginnen kann auszuprobieren, was noch alles möglich ist. Die Profis können dann das Ganze wieder in Ihre Lieblingstonart übertragen. Ich mag den Artikel. Lieben Dank Dimi.

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            Tista

            Aber wenn man Fehler gemacht hat, sollte man sie schon korrigieren. Ist doch kein Ding.

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          hejasa  

          Sehr klasse Artikel. Ich habe alles verstanden, was der Author meint. Meine Empfehlung an ihn wäre anstatt von Akkorden von den gebräuchstlichten Kadenzen zu schreiben, dann ist die Tonart völlig gleichgültig.

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