Workshop: Delay-Pedale richtig kreativ einsetzen

4. April 2019

Über den kreativen Einsatz von Delaypedalen & Co

Workshop: Delay-Pedale richtig kreativ einsetzen

Wir von AMAZONA.de haben uns in der Vergangenheit immer wieder mit der für Gitarristen vielleicht interessantesten Effektklasse beschäftigt. Best of Listen, Features und das regelmäßige Testen von Neuerscheinungen verstehen sich von selbst.

Die Gründe liegen auf der Hand – das Thema ist und bleibt interessant. Wer ein gutes Delay-Pedal mal benutzt hat und weiß, wie sich das eigene Spiel dadurch transformieren lässt, versteht auch, wie unerschöpflich das Potenzial ist. Das gilt nicht nur für Gitarristen, sondern auch für Nutzer von Eurorack.

Rhythmische Kaskaden, die seit Brian Enos ersten Gehversuchen zu einer festen Größe der modernen Musik geworden sind, haben nachhaltig geprägt, wie Musiker an ihre Kompositionen herangehen. Zuletzt hat bei uns das Volante  Anklang gefunden – eine Retrowunderkiste, die einen nostalgischen Touch auf ein zeitgemäßes Level hievt. Echorec-Emulation lautet das Zauberwort – Binson Echorec, um genau zu sein, und da gehen die Lauscher auch schon auf. Denn einer der großen Reize, die zuletzt das Volante ausgemacht haben, war die individuelle Kontrolle über die Tonköpfe und die damit verbundenen Möglichkeiten zur rhythmischen Variation.

Klar, es kann ungemein einladend sein, sich mit Delay-Pedalen einzudecken und sich einlullen zu lassen, zu fachsimpeln, wie viel wärmer ein Tape-Delay im Vergleich zu seinem digitalen Bruder ist oder wie ungemein einzigartig diese Echorec Variation doch klingt! Was dabei auf der Strecke bleiben kann, ist konkretes, musikalisches Handwerk. Und das ist vor allem in Hinblick auf Delays eine spannende und herausfordernde Angelegenheit.

Deshalb wollen wir uns in diesem Workshop dem kreativen Arbeiten mit Delays widmen. Was uns vor allem interessieren wird, sind rhythmische Variationen, mit deren Hilfe sich jedes noch simple, ja bisweilen langweilige Lick in etwas Interessanteres verwandeln lässt. The Edge von U2 kann davon ein Lied singen, doch mit ihm hört das Ganze nicht auf. Was bieten sich für Möglichkeiten beim Delay einstellen?

Delay einstellen – Subdivisions!

Über den Begriff dürfte so ziemlich jeder Gitarrist mal gestolpert sein – Subdivisions. Und Tatsache ist, wenn man ordentlich eintaucht, kann einem bei den vielen rhythmischen Aspekten, die mit Delays einhergehen, auch durchaus schwindlig werden. Den Anfang machen wir mit einer einfachen Frage:

Was ist eine Subdivision?

Eine Subdivision ist der Raum, in dem die Wiederholungen des Delays rhythmisch variiert werden können, ohne dass dabei das Tempo der Wiederholungen verändert wird – streng genommen. Einfach übersetzt heißt das: Subdivision = Unterteilung. Ist das rhythmische Raster 4/4, läuft das Tempo entlang 1 2 3 4. Arbeiten wir jedoch mit Sechszehntelnoten, haben wir 16 Einheiten. Für Drummer beispielsweise kann das bedeuten, die Sechszehntelnoten entlang der Subdivisions als „Ghostnotes“ zu nutzen, um den Takt zu stabilisieren. Bei Gitarristen findet das gepresste Sechszehntelnoten vor allem Verwendung beim Spielen von Country Musik: Viele gepresste Sechszehntelnoten erzeugen den im Genre durchaus verbreiteten Slapback-Effekt.

Delay einstellen

Aber was ist mit Viertelnoten? Am Beispiel einer Quarter-Subdivision würde das also bedeuten: Auf jede Viertelnote kommt ein Repeat. Das ist vor allem dann nützlich, wenn man sich an Arpeggios heranwagt, bei denen die Abstände zwischen den Noten gleichmäßig bleiben. Aber wir schießen über das Ziel hinaus: Bevor wir überhaupt zur Anwendung der Subdivisions kommen, sollten wir im Kern klären, welche drei Formen besonders häufig vorkommen:

Delay einstellen – gerade Subdivisions

Hier kommt es beim Delay einstellen ganz konkret zur gleichförmigen Allianz zwischen Song-Tempo und Delay-Zeit. Ein Viertelnoten Delay setzt auf jeden Beat einen Repeat. Das heißt beispielsweise: Bei einem Song mit 80 bpm muss die Delay-Zeit auf 40 bpm (oder wie wir mit der Formel unten sehen werden: 750 Millisekunden) gelegt werden. Die Wiederholungen bleiben also im Tempo mit allem, was gespielt wird. Das ist genauso denkbar für Achtelnoten und Sechszehntelnoten – Hauptsache der „Offbeat“ bleibt unangetastet. Was die Anwendung angeht: Gerade Subdivisions in Viertelnoten zum Beispiel ergeben vor allem dann Sinn, wenn man „träge“ Klangteppiche erzeugen und einzelne Noten auf einem Beat „stapeln“ möchte.

Punktierte Subdivisions / Dotted Eighth

Aus den Grundlagen der Musiktheorie werden noch viele wissen: Wenn hinter einer Note ein Punkt steht, wird ihr quasi die Hälfte ihres Wertes noch mal zugewiesen – eine punktierte Viertelnote wird um eine Achtelnote erweitert. Entsprechend stehen punktierte Achtel dafür, dass ihnen eine Sechszehntelnote zusätzlich zugewiesen wird. Bei einem Delay, das mit punktierten Achteln arbeitet, wird also die Illusion erzeugt, dass Sechszehntelnoten gespielt werden, ein Trick, den Edge von U2 beispielsweise äußerst gerne nutzt.

Im Falle von 4/4: Ein synkopierter Puls bringt sich hier mithilfe von Achtelnoten ins Spiel. Das sorgt für ein versetztes Feeling – die zusätzliche Achtel landet quasi auf dem Off-Beat. Dies kann auch erzeugt werden, wenn ein gewöhnlicher Delay mit Viertelnoten spielerisch so getaktet wird, dass das Delay des ersten Tons zwischen der zweiten und dritten Note landet – man ist also nicht zwangsläufig auf ein „Dotted Eight Preset“ angewiesen. Für die ganz Genauen, im Beispiel eines dotted 4/4: Die Wiederholung der ersten 4/4 Note setzt eine 1/8 Note nach der zweiten 4/4 Note ein – das erzeugt besagten Effekt, den beispielsweise The Edge von U2 so berühmt gemacht hat. Dotted-Eighth-Delays gehen nach vorne und entfalten dabei trotzdem gerne einen epischen, tragenden Charakter.

Delay einstellen – Triple Subdivisions

Inzwischen immer verbreiteter, sind Triple Subdivisions ein nicht ganz so viel genutztes Stilmittel wie die Dotted Subdivisions, haben jedoch auch absolut ihre Berechtigung. Eine Triple Division erzeugt einen pulsierenden, emittierenden Charakter, der vor allem im Postrock gang und gäbe ist. Wie der Name schon vermuten lässt, wird die Subdivision in drei gleichmäßige Teile, Triplets unterteilt. Und prinzipiell sind Dotted Triplets ebenfalls denkbar, nur gelten sie als, nun ja – (für Schlagzeuger zumindest) unspielbar. Warum das so ist, wird im hier beigefügten Video anschaulich erklärt.

Dual Delay

Was speziell bei einigen Echomaschinen der neueren Stunde ermöglicht wird, ist das Erschaffen rhythmischer Muster mithilfe zweier separater Spuren von Delays – bei manchen Geräten ist das mitunter auch das Alleinstellungsmerkmal (beispielsweise bei der JPTR FX Echo Unit Fernweh). Denkbar und möglich sind hierbei dann auch Rhythmen und Muster, die mitunter willkürlich anmuten. Aber auch hier kann sich durchaus eine gewisse musikalische Wirkung entfalten – zwei unterschiedliche Verzögerungszeiten, eine punktiert und die andere gerade, können sich beim Delay einstellen zu eigenen Melodien aufsummieren.

Das Kalkulieren von Subdivisions

Hier eine kleine theoretische Anleitung, die uns hilft zu verstehen, wie im Prinzip Subdivisions kalkuliert werden können – mit einer einfachen Formel lässt sich Ordnung in die Theorie bringen. Dafür muss man sich nur in ein paar Schritten vergegenwärtigen, welche Zeiteinheiten für eine Subdivision relevant sind.

Bei nahezu allen Delay-Pedalen ist die Einheit, derer sich das Time-Poti bedient, die Millisekunde. Doch grundsätzlich ist das Tempo von Liedern in BPM angegeben. Um anhand des Song-Tempos nun die Delay-Zeit vernünftig einstellen zu können, muss das eine in das andere umgerechnet werden. Ein Hexenwerk ist das nicht: 60.000 Millisekunden befinden sich in einer Minute. Will man jetzt wissen, wie viele Beats per Minute reinpassen, kann man ein einfaches Dreisatz-Prinzip anwenden: 60.000/Beats per Minute = ein Beat pro Millisekunde. Wenn man jetzt den einzelnen Delay-Zeiten Werte zuordnet, lässt sich das nun prima ableiten. Viertelnoten = 1 punktierte Achtel = 0,75, Achtelnoten = 0,5. Et voilà: Sagen wir, dass wir uns mit 90 BPM im Midtempo befinden und den Song mit einem Dotted-Eight-Delay spielen möchten, kommen wir mit der Formel recht zackig auf die passende Delay-Zeit: (60.000/90)*0,75 = 500 Millisekunden.

Ein wenig umständlich, klar, aber speziell für Studioaufnahmen, in denen mehrere Delay-Gitarren extrem genau aufeinander abgestimmt werden müssen, reicht es nicht aus, nach dem Gefühl zu tappen. Und sofern MIDI nicht ein integraler Bestandteil des Delay-Pedals ist und keine Clock empfangen werden kann, kann so eine simple Umrechnungsformel durchaus Abhilfe schaffen.

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