Workshop: MIDI für Gitarristen – Tipps und Tricks

22. August 2018

Unser MIDI-Workshop für Gitarristen!

MIDI für Gitarristen

MIDI für Gitarristen

Ein MIDI Workshop? Schon wieder? In der Tat, doch diesmal mit dem Augenmerk auf die Gitarristen! MIDI ist und bleibt ein Thema, bei dem sich viele Saitenzupfer zunächst den Kopf kratzen. Musical Instruments Digital Interface, wofür MIDI steht, ist eher Nutzern von Synthesizern, Analog-Keyboards und DAWs geläufig und den meisten Saitenzupfern nur in Verbindung mit manchen Anschlüssen ihrer Pedale ein Begriff. Doch das soll sich ändern: Was MIDI genau ist, welches Potential es für Gitarristen und Liveperformances als solche birgt – diese Grundlagen wollen wir euch hier vermitteln. Nicht nur lassen sich Live-Auftritte für Gitarristen und Pedaltreter erheblich vereinfachen, planen und strukturieren – durch intelligente Nutzung der MIDIKompatibilität lassen sich völlig neue, flexible Welten erschließen.

Die zentralen Punkte, die hier in unserem Workshop MIDI für Gitarristen näher gebracht werden sollen, sind zum einem der Umgang mit Presets und Control Change Parametern sowie Möglichkeiten zur Synchronisation von Equipment in einem Live-Setup. Doch wie immer gilt auch hier: Let’s start at the beginning!

Weitere informative Midi-Workshops findet ihr übrigens hier:

Was genau ist MIDI?

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei MIDI um ein Übertragungssystem für Steuersignale. Einfacher ausgedrückt handelt es sich um eine Universalsprache, die alle Instrumente oder Geräte sprechen können, die mit den entsprechenden Schnittstellen ausgestattet sind. Das Bedürfnis nach dieser universalen Schnittstelle, die über die Grenzen einzelner Analog-Synths hinausgeht und eine grenzenlose Vernetzung unterschiedlichster Geräte ermöglicht, brachte den „Father of MIDI“, Soundgenie Dave Smith dazu, das System erstmalig auf der Winter NAMM 1983 zu demonstrieren – und der Rest ist Geschichte. Das Potenzial von MIDI geht selbstredend über Genre- und Instrumentengrenzen hinaus – das merkt man mitunter daran, dass inzwischen fast jeder zweite Fußtreter mit MIDI-Schnittstellen versehen ist.

Aber der Reihe nach. Welche Anschlüsse genau gibt es und welchen Zweck erfüllen sie? Die grundlegende, praktische Idee hinter MIDI war es zunächst zu ermöglichen, dass die Tasten eines Keyboards Befehle an ein anderes schicken konnten. Oder für den Fall, dass die Einheiten Tastatur und Klangerzeugung voneinander getrennt waren, eine kommunikative Schnittstelle zwischen beiden geschaffen werden konnte. Dieses Prinzip verlangte nach drei grundlegenden Anschlüssen:

  • MIDI IN – hierüber werden vom Gerät die Signale empfangen
  • MIDI OUT – hierüber werden vom Gerät die Signale ausgesendet
  • MIDI THROUGH – eine Durchschleifbuchse für die Signale, z. B. wenn mehrere Geräte miteinander kombiniert werden.

Ein einfaches, aber geniales Prinzip, das die Musikwelt revolutionierte – eine Universalsprache für Steuersignale war gefunden. Für jedes Gerät, das in der Lage ist, MIDI-Signale zu empfangen, gilt zusätzlich Folgendes: Es ist mit einer bestimmten Anzahl von MIDI-Kanälen ausgestattet. Damit die Signale, die aus dem MIDI-OUT beim MIDI-IN eingehen, vom empfangenden Gerät auch gelesen werden können, muss es sich auf dem gleichen MIDI-Kanal befinden wie das sendende Gerät – sonst reden die Geräte, vereinfacht ausgedrückt, quasi einander vorbei.

MIDI für Gitarristen 1

Das ist ja alles schön und gut – aber wo genau ist da jetzt der Mehrwert bei MIDI für Gitarristen? Der versteckt sich vor allem in der grundlegenden Frage, wie man sein Equipment – vom Preamp über den Effektweg bis hin zum Pedalboard – grundsätzlich handhabt. Das Ansteuern von Presets und die Echtzeitkontrolle von Effektparametern sind hier nur einige Beispiele von Gebieten, in denen MIDI enorme Abhilfe verschaffen kann.

Presets, MIDI-Befehle und Effektschleifen

Die Sinnhaftigkeit von MIDI ist natürlich auch abhängig von dem Equipment, das man nutzt. Besitzer eines Strymon, einer Eventide Wundermaschine oder eines Chase Bliss Audio Pedals sind hier beispielsweise angesprochen – einfach alle, die es kurz über lang in die Arme einer MIDI-kompatiblen Effekt-Station verschlagen hat. Eine grundlegende Vereinfachung für die Liveperformance bringen ja bereits Looper mit sich, wie beispielsweise der Octaswitch oder die Harley Benton FXL-Reihe. Mit ihnen lassen sich Effektschleifen programmieren, jedoch ohne unmittelbaren Zugriff auf die Pedalparameter. Man kann aber mit einem einzigen Footswitch zwischen mehreren Pedalen gleichzeitig schalten – eine erhebliche Vereinfachung und eine Herangehensweise, die man immer häufiger in einem Live-Setup antrifft.

MIDI für Gitarristen

Was Loop-Switcher dieser Sorte nicht ansteuern können, sind wie gesagt die Parameter der Pedale – und genau hier kommt MIDI ins Spiel. Presets oder gesicherte Effekte auf Banks sind mit Einstellungen codiert, die über eine bestimmte Art von MIDI-Befehl angesteuert werden können: die sogenannten Program Change-Befehle, kurz: PC. Mit entsprechenden MIDI-Controllern lässt sich nun jedes beliebige Preset innerhalb eines Pedals direkt ansteuern. Der Controller ist also an die MIDI-In-Buchse des Pedals angeschlossen. Will man nun bei ein paar Pedalen zwischen mehreren Presets oder Einstellungen gleichzeitig schalten, mitten im Song bzw. „on the fly“ – ist dies nun mit einem einfachen Switch möglich. Beispielsweise will man den Phaser des H9 Eventide mit dem Bitcrusher-Delay des Timeline zusammenlegen, aber zwischen mehreren Grit-Einstellungen des Delays wechseln können – einfach auf den Banks der MIDI-Station die gewünschten Einstellungen speichern und nun direkt per PC-Befehl ansteuern.

Auf dem Markt gibt es unzählige MIDI-Controller, die für diesen Zweck konzipiert wurden. Die Verarbeitungsqualität schwankt zum Teil, aber hier ist eine kleine Liste von MIDI-Controllern zur anfänglichen Orientierung durch den MIDI-Dschungel.

Die MIDI-Controller der Disaster Area-Reihe sind vor allem wegen ihrer Einfachheit immer mehr im Kommen.

MIDI für Gitarristen Disaster Area

Stabiles Gehäuse, großartige Verarbeitung und hohe Flexibilität zeichnen die MIDI-Schalter von Voodoo Lab aus – der Ground Control Pro gehört zu den verbreitetsten Varianten.

MIDI für Gitarristen Ground Control

Auch die System Controller von G Lab genießen einen hervorragenden Ruf und Iterationen wie der GSC-3 System Controller können sowohl Program Changes als auch Continuous Control-Befehle aussenden – zu Letzterem später mehr.

MIDI für Gitarristen 3

 

Program-Change-Befehle sind nämlich nicht die einzige Befehlsklasse, die MIDI-kompatibel und von Interesse für Pedalnutzer sind. Was ist, wenn man beispielsweise nicht nur einzelne Presets oder Effekteinstellungen direkt ansteuern, sondern diese auch in Echtzeit verändern will? Hier kommen die sogenannten Continuous Control-Befehle ins Spiel, kurz: CC-Befehle. Prinzipiell sind im Default-Modus der CC-Befehls-Range auch erst mal nur zwei Extremwerte ansteuerbar – 0 und 127, off und on quasi. Doch ist man im Besitz eines MIDI-kompatiblen Expression-Pedals, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und man kann sich das gesamte Wertespektrum in Echtzeit zunutze machen.

Die potenzielle Flexibilität, die sich hier auftut, ist enorm: Ist das entsprechende Preset per PC-Befehl also angewählt, kann man über alle Werte eines Presets oder Effekts nun per CC in Echtzeit „sweepen“. Möglichkeiten für Pitchshifting-, Bending- oder WahWah-Effekte sind gegeben, das langsame Reindrehen eines Wet-Signals, beispielsweise für einen Reverb oder Delay, ganz zu schweigen von Modulation in Echtzeit – die Welten, die sich hier auftun, können einen grundlegenden Unterschied in der Art und Weise ausmachen, wie man Lieder oder Kompositionen konzipiert.

Expression-Pedale mit MIDI-Funktion sind schon etwas rarer als herkömmliche MIDI-Switcher, doch ist das Source Audio Expressionpedal beispielsweise ein solches Gerät, das mit einer erheblichen Flexibilität und charakteristischem Design erscheint.

MIDI für Gitarristen Source Audio Expression

Doch was in der Theorie leicht klingt, gestaltet sich in der Praxis oft schwieriger als erwartet. Die meisten Gitarristen, die man antrifft, haben frustrierende Erfahrungen hinter sich, wenn es darum ging, ein vernünftiges MIDI-Setup aufzustellen. Der geläufigste Fehler dürfte das Ignorieren der MIDI-Tafel sein. Was bedeutet das im Konkreten?

Jedes MIDI-kompatible Gerät besitzt eine Chart, die aufzeigt, welche Befehle sie erkennen und welche sie senden kann. Beim Timeline Delay von Strymon beispielsweise sieht das wie folgt aus:

MIDI Workshop

Hier können zwei Presets pro Bank gespeichert werden. Insgesamt stehen 100 Bänke zur Verfügung, also 200 Presets. In dem vorliegenden Bild ist das abgeschnitten, aber im Handbuch sieht man unter MIDI PC, dass die Befehle, mit denen sich die Positionen anwählen lassen, pro MIDI-Bank linear hochzählen und beim Wechsel der MIDI-Bank wieder von vorne beginnen. Das ist die Krux beim Ganzen, der Fehler, der am häufigsten zu der Frage „Warum reagiert mein Pedal nicht auf den MIDI-Befehl?“ führt – eben weil man den gewünschten Preset auf der einen MIDI-Bank hat, der MIDI-Controller aber eine andere MIDI-Bank ansteuert. Eine MIDI-Bank ist nichts anderes als ein Kanal und es muss gewährleistet sein, dass Controller und Pedal auf demselben Kanal kommunizieren – sonst herrscht Funkstille zwischen den Beiden.

Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.