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Workshop: Pedale für Keyboarder, Teil 2 – Delay & Phaser

18. Mai 2017

Spacesound für Keyboards

Weiter geht’s in unserer Artikelserie „Stompbox Effekte für Keys“, diesmal betrachten wir die beiden Typen Delay/Echo und Phaser. Falls Sie den vorherigen Teil 1 „Chorus & Flanger“ verpasst haben, denn dort gibt’s in der Einleitung grundlegende Hinweise zu Bodentretern, dann klicken Sie hier zum Artikel:

Hier eine Übersicht zu allen Teilen dieser Serie:

Delay/Echo und Phaser

EchoXSpaceXAtmosphaere

Diesmal wird’s spacig. Echo Effekte verleihen Sounds die Weite eines ganzen Universums. Na ja, nicht ganz und auch nicht immer. Man kann nämlich auch kleine Räume damit simulieren. Und mit Phaser ist nicht die Energiewaffe aus Star Trek gemeint, sondern ein Effekt, bei dem Phasenverschiebungen genutzt werden. Wodurch es schwebt und schimmert. Auch diese beiden Effekttypen sind in Workstations häufig bereits eingebaut, bei Synthesizern und Pianos manchmal, in Orgeln kaum. Welche Gründe es gibt, zu Bodentretern zu greifen, lesen und hören Sie hier.

Effektauswirkung auf den Klang

Was macht eigentlich ein Delay/Echo, und was in aller Welt soll ein Phaser sein?

Hören Sie einfach in die beiden Soundbeispiele rein, schon wissen Sie Bescheid. Wie bereits gewohnt, kommt zuerst der trockene Klang, anschließend ist jeweils der Effekt zugeschaltet.

SyncLead trocken:

 

SyncLead mit Echo/Delay:

 

Vintage String Ensemble trocken:

 

Vintage String Ensemble mit Phaser:

Das Delay/Echo

Wird eine Schallwelle reflektiert, etwa von einer Steinmauer oder gar einem Bergmassiv, dann werden eine oder mehrere Kopien davon erzeugt, die man als separates Hörereignis wahrnimmt. Genau dieses Phänomen täuscht ein Delay/Echo Effektgerät vor. Da dieser Effekt also technisch simuliert wird, hat man obendrein Einflussmöglichkeit auf eine Menge Details. So kann die Zahl der Echos gewählt werden, genauso wie die Geschwindigkeit, mit der die einzelnen Klangkopien wiederholt werden. Ebenfalls die Lautstärke und Klangfarbe der Echos, und man kann die Signale bei Bedarf auch noch im Stereopanorama verteilen. Und wenn wir schon dabei sind, mit den Echokopien zu hantieren, dann auch gleich im musikalischen Kontext verwertbar, nicht wahr? Das ist dann der Fall, wenn die Echos mit dem Timing eines Songs übereinstimmen, man sie in die gewünschte Tonhöhe bringt, eine taktgenaue Anzahl definiert. Und sie nebenbei im Stereobild von links nach rechts hüpfen lässt.

Aber das ist noch lange nicht alles, denn weil es bei Echos im echten Leben auch auf die Beschaffenheit der reflektierenden Flächen ankommt, deren Material und Bauweise Einfluss auf die Diffusität haben, wird sogar das mit den Bodentretern simuliert. Natürlich nicht mit jedem, denn das bedeutet technischen Aufwand, der sich im Preis niederschlägt.

Sie merken also schon anhand der Beschreibung, dass ein Delay ein ziemlicher Zauberkasten ist, mit dem sich wahrlich eine ganze Menge anstellen lässt. Das Spektrum reicht dabei von der Simulation natürlicher Phänomene von Alpenbergen Jodelecho bis zum Gegenteil, den ganz kleinen Räumlichkeiten, und selbstredend auch völlig fantasiegetriebenen Experimenten.

Und wie passiert das genau? Das Originalsignal des Klanges wird mit zeitlich verzögerten Kopien davon gemischt. Ob eine oder unendlich viele ist dann Einstellungssache. Damit diese Signalverarbeitung stattfinden kann, erkennen Sie am Bodentreter Ein- und Ausgangsbuchsen. Den Audio Output Ihres Keyboards verbinden Sie mit dem Input des Effektgerätes. Und dessen Output mit dem Verstärkersystem, das war’s dann schon. Oder eben alternativ die Effektwege des Mixers dafür benutzen.

Sprechen wir zur Vertiefung des Themas über einige wichtige Details. Es gibt mehrere Delay Typen: Stereo, Filter, Modulation, Multi-Tap mit mehreren Echos unterschiedlicher Zeiten für komplexe Rhythmusstrukturen, Reverse für rückwärts abgespielte Echos, Slapback als besonders kurzes Delay. Deren wesentliche Einstellparameter lauten Delay, womit die Verzögerungszeit gemeint ist und die wird meist in Millisekunden angegeben, sowie Feedback, also die Rückkoppelung des Ursprungssignals, dessen Werte typischerweise in Prozent eingestellt werden. Abschließend werden beide Signalanteile in einer Mischstufe beliebig vermengt.

Manche Delay/Echo Bodentreter bieten neben den Grundfunktionen noch trickreiche weitere an. Dazu zählen Ping Pong, wo die Echos wie Tischtennisbälle im Stereopanorama hin und her springen. Aktiviert man eine Hold Funktion, dann werden die bis auf Widerruf dauerhaft wiederholt. Mit Tap Tempo lässt sich die Echogeschwindigkeit manuell bzw. mit dem Fuß tappen, um es z.B. direkt einer gewünschten Song-BPM anzupassen. Auch der Sound früherer Tape- oder Scheiben-Echogeräte bilden manche nach. Lesen mehr zu diesen alten Geräten weiter unten.

Entsprechend der Flexibilität eines Delay sind die Einsatzmöglichkeiten extrem vielfältig. Und das gilt auch für die Sounds, denen man damit zuleibe rücken kann. Leadsynths, Flächen, Perkussives, E-Piano, Bässe – Grenzen gibt es da eher gar keine.

Anhand all dieser Optionen merken Sie schon, dass es eine lange Liste an Delay Effektgeräten geben muss. Und genau so ist es. Es könnte also dazu führen, dass Sie sich gleich mehrere davon anschaffen wollen oder den vorhandenen Bestand zumindest gezielt ergänzen möchten.

Delay/Echo Effektgeräte gibt es, den genannten Optionen zufolge, in unterschiedlichen Gehäusegrößen. Bei Bodentretern ist die Zahl der Regler jedoch meistens überschaubar. Da aber richtig viele verschiedene Effektsounds möglich sind, ist man gut bedient, sich die jeweiligen Settings mit Papier und Stift zu notieren. Vielleicht fotografieren Sie das Gerät auch mit den Favoriteneinstellungen und drucken sich das dann aus, als Gedächtnisstütze.

So, das war es im Wesentlichen in Sachen Delay/Echo. Nun zu den vielen verschiedenen Delay/Echo Effektgeräten. Weil es durchaus unterschiedliche Auffassungen davon gibt, welche Möglichkeiten jemand mit dieser Art Effekt haben will, welche Einstellparameter es sein sollen und wie die kontrolliert werden sollen, dafür gibt es eine entsprechende Auswahl bei den Herstellern. Um Ihnen den Einstieg zu erleichtern, stellen wir Ihnen nun einige Delay/Echo Bodentreter mit einigen Audio Tracks vor.

Aktuelle Referenzmodelle

Wie schon beim Teil 1 „Chorus & Flanger“ haben wir auch diesmal drei Modelle verschiedener Hersteller herangezogen, um Ihnen das nahezubringen.

Harley Benton D-Seed

HarleyBentonXD_SeedXDraufsichtXAusschnittXdiagonal

Für gerade mal 75 Euro liefert dieses Echogerät eine Menge Leistung. Vier verschiedene Delay Typen bieten Copy, was eine simple Signalreproduktion darstellt, dann Analog, was das ist, was man mit frühen Bodentretern dieser Gattung erreichte. Weiterhin Modulation, bei dem das Echosignal in einen ausgebreiteten Raum geschickt wird, sowie Reverse, wo die Phase des Delay-Signals umgedreht wird. Die maximale Verzögerungszeit 1.000 Millisekunden kann mit einem Trick auf 6.000 verlängert werden: Einfach den Tap Tempo Mode verwenden. Mit vier haptisch sehr schön an Vintage Geräten orientierten Reglern wird das alles eingestellt.

 

HarleyBentonXD_SeedXDraufsicht

D-Seed kennt keinen Batteriebetrieb, ein Netzteil ist damit obligatorisch und muss dazugekauft werden. Es ist ganz schön massiv gewichtig und robust genug für Bühneneinsatz, denn auch die Verarbeitung ist voll in Ordnung.

Marshall Echohead EH1

MarshallXEchoheadXEH1XDraufsichtXdiagonal

Der Look dieser Stompbox ist auf Anhieb einen Designpreis wert. Versenkt angebrachte sehr griffige Drehregler, cooles Logo und ziemlich gewichtig für ordentliche Bodenhaftung. Das Teil gibt’s schon seit mehr als 10 Jahren, und die Anwender melden durchweg Begeisterung. Der ich mich rundweg anschließe. Da schaden kleine Kritikpunkte wie schlecht erkennbare Reglerpositionen kaum.

MarshallXEchoheadXEH1XReglerXcloseXup

Denn der Sound ist es, der besticht. Mit nicht weniger als 6 verschiedenen Modes rückt die kleine Silberkiste an. Alle bestens beschrieben in der sehr liebevoll gestalteten Bedienungsanleitung. Ein zusätzlicher Fußschalter kann angeschlossen werden, mit dem Tap Tempo definiert wird.

 

 

MarshallXEchoheadXEH1XDraufsicht

Anzulasten ist dem Echohead allenfalls das etwas umständlich erreichbare Tor zum Batteriefach, das hier mit einem Längsschlitz-Schraubenzieher geöffnet werden muss.

MarshallXEchoheadXEH1XBatteriefach

Für dieses Delay müssen 129 Euro bezahlt werden.

Klangbeispiele
Forum
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    costello  RED

    Auch der zweite Teil über „Bodentreter für Tastenspieler“ ist wieder ganz toll geworden.
    Herzlichen Dank für diese Riesenarbeit! Viele Soundbeispiele, detailverliebt bis zu den Schrauben des Batteriefachs :-) Was nicht vorgeführt werden kann – irgendwo sind ja Grenzen – findet zumindest Erwähnung – wie die MXR-Phaser oder das legendäre Compact Phasing A. Allenfalls eine Kurzwürdigung der Strymon-Delays habe ich vermisst, die ja von Eimerkette bis Tape-Echo inzwischen so ziemlich alles digital nachbilden.

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      k.rausch  RED

      Danke für deine Hinweise. Der Workshop richtet sich in erster Linie an Einsteiger und geht zwar bereits einigermaßen in die Tiefe, manches habe ich mir aber aufgehoben für eine mögliche Fortsetzung, die sich dann an Fortgeschrittene wendet. Es liegen also noch Ideen in der Schublade und solche Sachen wie Schulte Compact A und andere könnten da ihren Auftritt haben, auch als Audio Tracks.

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    TobyB  RED

    Allons-y Klaus,

    sehr genial, Minilogue und Minibrute erhalten mit den richtigen Effekten eine 100% Aufwertung. Klasse gemacht. Ich hoffe in Teil 3 auf amtlich angezerrte Orgelsounds und massiv gezerrte Synthbässe :-) Die Soundbeispiele sind Super, Beat und Bass drunter, fertig.

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      k.rausch  RED

      Yep, die Analogen der Preiswertklasse sind zusammen mit den richtigen Bodentretern eine absolut überzeugende Angelegenheit. Ein bisschen hört man es in den Audio Tracks, trotz mp3 Format. Bei mir im Projectstudio hat das bei den Recordings ganz schön aus den Speakern gefönt. Die drei Kameraden habe ich für eine andere Workshopfolge nochmal rangenommen – und im Klangresultat natürlich noch eine Schippe draufgelegt :)

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        TobyB  RED

        Word! Ist ja auch erst der Einstieg in eine definitiv up to date Produktionstechnik. Klar kann man das heute anders abbilden aber dennoch macht der Weg den Unterschied. Diese kleinen Budget Synths sind nicht verkehrt, ich hab ja auch einige(viele) und mittlerweile auch einen JP-08. Sieht man von 4 Stimmigen Akkorden ab kann ich mit deinen Vorschlägen, den Sound massiv aufwerten. Ich warte gespannt :)

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