Workshop: Stompbox Effekte für Keys, Teil 1 – Chorus & Flanger

11. Mai 2016

Tretminen für Keyboarder

Keyboards und Effekte, das ist eine heilige Allianz. Echo, Reverb, Phaser, Chorus – damit bekommen die Sounds oft den letzten Feinschliff verpasst. Oft? Nein, eher sogar fast immer. Schon in den 70er und 80er Jahren war das der Normalfall für jeden Tastenmeister, auch für die mit goldenem Umhang und respekteinflößender Keyboardburg um sich rum. Jeder hatte seine Rezeptur für eigene charakterstarke Genialsounds, manchmal war das eine ganze Armada externer Effektmaschinen von voluminöser Echoplatte bis klitzekleiner Phaser-Blechbox. Später erkannten Tastenhersteller die Bedeutung von Effekten, und ab Roland D50 baute man das regelmäßig als Effect-Section gleich mit ein.

BodentreterXGroessenvergleich

Bodentreter im Größenvergleich

Sprung ins Heute: Manche Einsteiger der Generation Millennium sind zwar bestens vertraut mit allem, was die Computerindustrie hergibt, haben Plug-ins gleich dutzendweise auf dem Rechner. Doch das gewisse Etwas der Kategorie Heiliger Gral in Sachen magische Sounds für Synthesizer, Piano und Orgel ist manchmal trotzdem ein Buch mit 7 Siegeln, besonders für die ohne eingebaute Effekte. Und bevor es allzu mystisch wird, denn auch jede Geheimgesellschaft kocht nur mit Wasser, machen wir Sie in dieser neuen Artikelreihe damit vertraut und schauen uns eine spezielle Gattung Effektgeräte an:

Die Bodentreter

Mit denen nahm die Geschichte nämlich seinerzeit ihren Anfang. Man findet sie heute eigentlich vorwiegend in ihrer natürlichen Umgebung, und das ist die Gitarrenabteilung. Meistens sind das kleine Blechboxen, die nur einen einzigen Effekt erzeugen und wenige Regler haben. Sie werden auf dem Boden platziert und buchstäblich mit Füßen getreten, denn so lassen sie sich ohne Hand anzulegen ein- und ausschalten. Weil diese Effektgeräte manchmal erstaunliche klangliche Resultate hervorbringen, nennt man sie im Proberaumjargon gelegentlich auch Tretminen.

Electro Harmonix Werbung aus den 70ern

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Das Angebot ist mehr als reichlich, zahlreiche Hersteller bauen welche mit ebenso zahlreichen Effekttypen. Es gibt sie teilweise bereits zum Spaßpreis Größenordnung Pizza plus Bierchen für zwei Personen. Ok, manchmal wird’s auch dreistellig, aber dann kriegen Sie dafür auch was auf die Ohren, das sich erst recht hören lassen kann.

Klangbeispiele
Forum
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    gutzufuss  

    Find ich klasse, den neuen Workshop. Oftmals nutze ich Effekte einfach nach Gehör, ohne mich mit deren Wirkungsweise detailliert zu beschäftigen. Auf der Suche nach einem geeigneten Chorus für meinen Korg Minilogue bin ich übrigens auf den analogen Ibanez SC10 gestoßen. Der zusätzliche Regler für die Delay-Time (leider recht selten) birgt tolle Eingriffsmöglichkeiten. Auch der allgemeine Klangeindruck hat mich schnell überzeugt. Da geht die Sonne auf! Er ist aktuell mein Lieblingschorus.
    Den gibt es zwar nur gebraucht, aber mit 30-40 Euronen recht günstig.

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      k.rausch  RED

      Dann passt es ja, dass in der nächsten Workshopfolge zufällig der Korg Minilogue im Zusammenspiel mit Bodentretern seinen Auftritt hat. Und danke für die Hinweise!

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        Joghurt  AHU

        Minilouge trifft es somit gleich doppelt: Ableton hat vor einiger Zeit ein Portrait von Minilouge (der Band) gezeigt (sollte immer noch online sein), bei welcher sie unter anderem ihr recht grosses Arsenal von Bodentretern vorgstellt haben. Gleich als ich den Titel dieses Workshops gesehen hatte, musste ich an dieses Video denken.

        Und: sehr klasse gemachter Artikel, danke!

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      dilux  AHU

      guter tip! habe gerade ein paar yt-vids geschaut, hört sich wirklich gut an.
      bin ich eigentlich der einzige, der jahrelang dachte, ibanez sei eine spanische firma? :D

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          dilux  AHU

          au mensch, die hab ich ja total vergessen, die waren total klasse! danke für die aktivierung verschütt gegangener jugenderinnerungen :)

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          Atarkid  AHU

          Hrhrhr… Fred Clever und Jeff Smart.. Frl. Ophelia und Bakterius wären auch klasse Namen für Bodentreter :)… Ophelia wär natürlich irgendwas zum „anfetten“…

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    dilux  AHU

    kann mich meinen vorpostern nur anschliessen, bodentreter sind für keyboards/synthies absolut unersetzlich.
    zwei dinge wollte ich noch anmerken: die meisten synthies haben eigentlich einen mastervolume, den darf man ruhig mal anfassen, wenns in der effektkiste zerrt :)
    und wenn man es gerne ein wenig experiementell mag, kann man den chorus auch gerne mal auf atonale sounds (drums/fx/noise etc.) anwenden, da springen manchmal interessante klänge bei raus.

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    costello  RED

    Sehr schöner Workshop, danke! Ich hatte an meinem Wurlitzer 200A immer den Boss Chorus CE-2 und einen Boss-6-Bandequalizer. Aber mein Wunschtraum war immer das legendäre CE-1 von 1976. Eine Weile habe ich mit der virtuellen Nachbildung, dem Boss CE-20, getröstet. Nett; aber nicht das Wahre. Und dann konnte ich endlich ein CE-1 ergattern – das Teil ist wirklich ein Traum. In Sachen Chorus sogar immer noch das Maß aller Dinge, würde ich sagen. Damit kann ich meinem 1-VCO-Synth ARP Axxe herrlich subtile und warme Schwebungen mitgeben. Es klingt nicht aufdringlich nach Chorus, sondern breit und wirklich fast nach einem zweiten, minimal verstimmten VCO.

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      TobyB  RED

      Hallo Costello,

      klingt gut, mein Chorus Äquivalent wäre der Boss RCE-10 und der Boss RGE-10. Technisch gesehen ein sehr spezieller 80er 1/2 Rack Effekt. Aber ich persönlich finde den Chorus/Ensemble Effekt sehr gut und ist mein Mass allerdinge um schöne warme Schwebungen zu erzeugen.

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        costello  RED

        Hallo Toby, habe mir daraufhin gleich Deine Leserstory zum RCE-10 angesehen. In den Soundbeispielen ist ja auch E-Piano dabei. Genau, wie Du schreibst – die 12 Bit-Technik hat wirklich Charme. Ein anderes Teil, was nicht so subtil klingt (aber ziemlich geil) ist auch das gute alte Yamaha SPX-90. Noch öfter als Chorus verwende ich da den „Symphonic“-Effekt. Damit „veredle“ ich gerne Flächensound vom Moog Opus 3 oder meinem Matrix-1000.

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          TobyB  RED

          Hallo costello,

          danke für den Tipp mit dem SPX-90, ich hab dann gleich mal GAS gehabt ;-) Ich will nicht sagen das ich den RCE-10 gesucht hab. Aber als ich das System 1m gekauft habe, fehlte eben ein passender Chorus. Und das ergänzt sich gut. Ich setze ihn auch gerne mit dem Matrix1000 ein, da der RCE schön schwebt, aber nicht zu sehr vintage verfärbt, wie die EHXe. Nicht das ich das schlecht finde aber es muss passen und nicht immer ist ein JMJ Gedächnissound angebracht. Mittlerweile habe ich auch noch das RDD-20, eigentlich ein klassischer Delay. Aber, er kann auch Flange und Chorus. Desweiteren hat er einen Modulationseingang. Derzeit setze ich ihn mit dem EHX Crash Pad, der Super Space Drum und dem Random Ton Generator ein. Für Lasersweeps, Bleeps und sehr perkussive Synthsounds geht da die Sonne auf.

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    polyaural  AHU

    Vielen Dank für die Serie. Zum Thema Chorus/Flanger möchte ich die Electric Mistress von Electro Harmonix ins Rennen werfen, die gleichzeitig Flanger und Chorus liefert, und zudem ein Mono-Signal in Quasi-Stereo verwandelt. Mein Little-Phatty geht nicht mehr ohne.
    .
    Sehr gespannt bin ich auf den Teil, der die Abteilung Overdrive/Distortion/Fuzz abhandelt. Ich habe zwar inzwischen eine sehr angenehme Lösung zum „warmen anzerren“ eines Synthesizers gefunden, aber da muss doch noch mehr drin sein wenn man den Synthsound nicht völlig zerstören will, sondern nur etwas mehr „drive“ verpassen will.
    .
    Oder?

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      TobyB  RED

      Hallo Thomas,

      für eine Roland TB 3 ist z.b. das Boss Blues Driver BD-2 sehr genial. Waldorf Rocket geht gut mit Big Muff Bass in der Grünen Version. Ansonsten bekommt man einen cremigen Fuzz mit einem ollen dbx166 gut hin oder mit dem WA 76 in der Mojo Stellung. Okay nicht dafür gedacht geht aber ;-).

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        polyaural  AHU

        Hey Toby! Wie kann ich einen Kompressor wie den dbx 166 zum zerren bringen? Einfach die Eingangsstufe übersteuern? Warum sollte der 166er das so schön cremig hinbekommen?

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          TobyB  RED

          Hallo Thomas,

          jepp, ich hab das mal fehlerhaft gemacht und dann halt rumgespielt. Mit cremig meinte das die Zerrung anders klingt als bei einem Verzerrer. Also es ist keine harte Verzzerrung und von daher ist das für mich cremig.

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    monopuls   1

    Super Thema,
    es gibt zu wenig davon im Netz – geschweige denn Soundbeispiele auf YT.
    Ich selbst verwende gern Muff, Stone und Clone von EHX und die Moogerfooger Clusterflux und 12 Stage Phaser.
    Wegen der fehlenden Soundbeispiele und der Unsicherheiten, was die Pegelverträglichkeit angeht, ist man natürlich auch nicht sehr experimentierfreudig.
    Schön wäre eine Fusion Serie ‚Synth&Mine‘ – jeder, der eine gute Tretmine ausgemacht hat, stellt eine kurze Beschreibung ein.

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    Pflosi  

    Danke für den hübschen Bericht. Ich würde bei Bodentretern (wie bei Modular Synths) noch anfügen: Achtung Suchtgefahr! :)

    Wer auf der Suche nach DEM Roland Sound ist (CE1, Dimension D), soll mal den Oakley SE330 als Alternative in Betracht ziehen. Ist zwar DIY und keine Stomp Box, macht aber ja nichts… Kommt jedenfalls sehr nahe an den Sound ran. Das schöne „Vibrato“ Setting vom CE1 ist allerdings etwas schwieriger zu ersetzen…

    Etwas vermisst habe ich einige einleitende Worte zu Impedanzen. Die sind IME das grössere Problem als die Levels (wie jemand schon gepostet hat, Levels lassen sich meist einfach am Synth runterdrehen), weil idR ebenfalls für Gitarren und Amps optimiert. Idealerweise würde man Bodentreter immer mit Reamp > FX > DI > Mic Pre einbinden… Klar, etwas Overkill für einen 20 Euro Bhrngr Klon :) Aber eine Überlegung wert, wenn man ein CE1 usw. hat…

    Cheers!

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    SpotlightKid  

    Das mit den Tretminen ist ja so ein Modeerscheinung. Waren bis vor 5-6 Jahren Multieffekte auch bei den Gitarristen noch hoch im Kurs, wird heute zusammen gestöpselt, was das Zeug hält. Hängt wohl auch mit dem momentanen Analog-Wahn zusammen, denn Effektboxen über Klinkenkabel zu verketten, mutet irgendwie analoger an. Dabei sind die meisten Pedale heute digital, wenn sie nicht nur „One-Trick-Ponies“ sein wollen. Die Hersteller freut die Modularisierung, denn so kann man mehr Geld pro Effekt verlangen und das ganze Zubehör (Kabel, Netzteile, Pedalboards) wird ja auch noch gebraucht.

    Ich empfehle, nicht immer nach dem neuesten Gerät zu lechzen, sondern zu schauen, was man schon im Gerätefuhrpark hat und zweckentfremden kann. So kann ist z.B. vlt. der Kompressor im alten Line6 Pod für Drums oder die Synth-Bassline brauchbar oder der Roland Minicube Amp gibt dem Synth-Lead den richtigen Crunch. Gute Effektprozessoren verstecken sich an vielen Stellen. Ich verwende gerne die Effekte meines digitalen Multitrackrecorders, einem fast 10 Jahre alten BOSS BR-600. Chorus, Phaser u. Hall darin sind besser als viele in Synths Eingebaute und als die der 30-Euro Bodentreter allemal. Die Anschlüsse sind nicht ideal, aber im Studio ist das mit entspr. Adaptern kein Problem. Der fehlende direkte Parameterzugriff wird dadurch kompensiert, dass man eigene Presets speichern kann.

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      Atarkid  AHU

      Multi-FX mochte ich noch nie. Zu meiner „Guitar-Hero“-Zeit hatte ich ein A3 von Korg. Dafür hab ich praktisch meine Boss-Tretminen entsorgt. Was für ein Fehler. Seitdem kommt mir sowas 19″-mäßiges nicht mehr ins Haus. Gibt heutzutage bestimmt gutes Zeug, aber ein gebranntes Kind usw… Was Du da über deinen Multitracker schreibst, ist witzig. Sollte ich vielleicht mal ausprobieren. Auch das mit dem Line6 Pod, der nur rumliegt. Hey, das ist überhaupt ne saugute Idee, der hat ja alles an Bord was man so brauchen kann… Ich kram den sofort raus!!! ;). Soweit ich mich erinnere, hat das Ding auch ein sehr angenehmes Delay.

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    DANIEL FISCH

    Benutze den Boss Chorus CE-2 seit Jahren. Werde die Neuauflage CE-2w von Boss/Waza Craft kaufen, mit Stereo Output und, besonders interessant: CE-1 Modus!

  9. Profilbild
    pol/tox

    EHX Epitome + Pigtronix Echolution 2 sind die Gründe warum ich meine Arturia Drumbrute nicht viel eher verkauft habe. Grade Epitome kommt gut um langweiligen Drums Leben einzuhauchen.

  10. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Meine positive Überraschung war der FL-100 Flanger von Harley Benton. Für wenig Geld erhält man einen schön tiefen Stereo-Flange-Effekt…

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