Test: Fender Mirror Image Delay, Marine Layer Reverb Pedal

27. Februar 2018

Die zwei neuen Raumgestalter von Fender

Fender Mirror Image Delay title

Auf der NAMM 2018 stellte Fender zum ersten Mal einen Schwung selbstentwickelter Effektpedale vor. Dazu heißt es in der Pressemitteilung: „In 2018, Fender marked its official entrance into the pedals category with six new effect pedals featuring all-original circuits designed by in-house experts – not mere copies or clones of existing designs„. Das Angebot umfasst dabei die klassischen „Brot-und-Butter-Effekte“, vertreten durch zwei Verzerrer (Pugilist Distortion und Santa Ana Overdrive), einen Compressor (The Bends), den Buffer Level Set Buffer sowie die beiden Raumeffekte Fender Mirror Image Delay und Marine Layer Reverb, die wir uns zunächst im heutigen Test betrachten werden. In Kürze folgen dann in jedem Fall noch die beiden Zerrer in einem separaten Artikel.

Facts & Features der beiden Pedale

Bevor wir uns das Fender Mirror Image Delay und das Marine Layer Reverb im Einzelnen betrachten, gilt unser Blick zunächst den Gemeinsamkeiten der beiden Pedale. Denn bis auf die Anzahl der Regler, das Mirror Image Delay besitzt ein Poti mehr als das Marine Layer Reverb, erscheinen beide Kandidaten im exakt gleichen einteiligen Gehäuse aus poliertem Aluminium mit einer Größe von 90 x 140 x 45 mm und einem Gewicht von rund 500 g. Lediglich in den Farben Grün und Blau unterscheiden sie sich, wobei beide Farbgebungen zusammen mit dem glitzernden Alugehäuse schon sehr edel und vor allem sehr viel teurer ausschauen. Da hat man anscheinend ganz genau zu den Edelkisten von Strymon rübergeschaut. Dabei sind beide Pedale mit einem Ladenpreis von 125,- Euro recht erschwinglich, trotz der vielen Features, die sie bieten.

Beide Gehäuse besitzen am unteren Ende einen Batterieschnellverschluss, der mit einem Magnetmechanismus arbeitet und so einen Batteriewechsel in kürzester Zeit ermöglichen soll, Fender hat dieses neue System sogar patentieren lassen. Man kann die beiden Pedale somit auch mit einem 9-Volt-Block betreiben, geraten sei aber natürlich bei solchen Modulationseffekten und deren zu erwartendem Energieverbrauch zum Betrieb mit einem Netzteil. Das befindet sich zwar bei keinem der beiden Probanden im Lieferumfang, muss aber auch kein Besonderes sein, der Ibanez/BOSS Standard findet nämlich auch hier seine Verwendung.

Fender Mirror Image Delay battery slot

— Patentierter Batteriefachverschluss, hier beim Mirror Image Delay —

Der Netzanschluss befindet sich an der Stirnseite der Gehäuse, zusammen mit zwei weiteren, etwas zerbrechlich wirkenden Minischaltern. Der Schalter mit der Bezeichnung „Dry Kill“ nimmt das Originalsignal komplett aus dem Signalweg raus, während der Zweite („LEDs“) die Beleuchtung der Potis an- bzw. abschaltet. Ein nettes Feature und sicher ganz nützlich, noch praktischer wäre jedoch eine Abdunklung der zentral angeordneten Power-LED gewesen. Die ist nämlich so hell, dass selbst mit beleuchteten Reglern in etwas dunklerer Umgebung kaum noch etwas zu erkennen ist. Immerhin erblindet man fast  in einem Flutlichtkegel der entsprechenden Farben, beim Fender Mirror Image Delay in Blau und beim Marine Layer Reverb eben in einem entsprechenden Giftgrün. Rein und raus geht es an den Gehäuseseiten, aber das bei beiden Pedalen leider nur in Mono. Somit dürften beide Kandidaten für den Einsatz im Studio oder in der Tastenwelt nur bedingt interessant sein.

Die letzte Gemeinsamkeit beider Pedale betrifft die Metallschalter, von denen der Größte natürlich den Effekt aktiviert. Die drei kleineren Schalter im Schatten der Regler erfüllen bei jedem Gerät unterschiedliche Funktionen – und damit sind wir bei den Einzelheiten angelangt.

Fender Mirror Image Delay top

— Stirnseite mit den zwei Minischaltern und dem Anschluss für das Netzteil (hier beim Marine Layer Reverb) —

Fender Marine Layer Reverb Pedal

Fender Mirror Image Delay Marine Layer Reverb

Drei Grundsounds bietet uns das Marine Layer Reverb: Hall, Room und Special, ausgewählt über den linken der drei Minischalter. Der mittlere Schalter bietet zwei Variationen pro Preset, macht unterm Strich also sechs Hallsounds. Der Schalter rechts außen schließlich aktiviert ein Lowpass-Filter, das zusammen mit dem Damp-Regler eine Frequenzbeeinflussung des Hallsignals ermöglicht.

Neben den Potis für Effektstärke (Level) und Halldauer (Reverb Time) finden wir noch einen Pre-Delay-Regler, der für ein möglichst realistisches Einsetzen der Hallfahne sorgt. Die Potis laufen mit einem gesunden Drehwiderstand auf ihren Achsen, lassen sich allerdings aufgrund ihrer Knöpfe aus glattem Kunststoff nur bedingt gut greifen. Kurz gesagt: Es ist etwas rutschig, was bei einem schnellen Zugriff in Livesituationen zu Schwierigkeiten führen könnte. Zudem sind die Regler nicht mit dem Gehäuse verschraubt, sondern sitzen auf der Platine des Pedals, was sich in einem leichten Wackeln zeigt. Zum Glück aber befindet sich der Power-Schalter in ausreichender Entfernung, sodass man hier mit dem Fuß schon ganz schön daneben treten muss, um wirklich einen der Regler in seiner vollen Pracht zu erwischen!

Der Powerschalter ist bei beiden Pedalen übrigens ein mechanischer Typ – und daher nur mit einem deutlichen Krachen zu betätigen. Gar nicht schön für jemanden, der das Marine Layer Reverb vor sich auf dem Tisch stehen hat, in dieser Preisklasse ist das allerdings eher die Regel.

Sound & Praxis: Fender Marine Layer Reverb Pedal

Für die Klangbeispiele wurden beide Pedale in den Effektweg meines Orange Micro Dark eingeklinkt. Als Box diente die gute alte H&K 1×12″ Celestion V30 Box, als Mikro ein AKG C3000 und als Gitarre eine Music Man Silhouette Special. Zunächst die gute Nachricht zum Marine Layer Reverb: Für ein Pedal dieser Preisklasse geht der Klang absolut in Ordnung, das grüne Pedal taucht den Sound in eine weiche, ausreichend aufgelöste Hallfahne und ermöglicht durch die Filterfunktion weitere Bearbeitungen des Signals. Und das kann von knackigen Kachelräumen bis zu endlosen Bergschluchten reichen, ohne Störungen durch unerwünschtes Rauschen, damit halten sich beide Kandidaten nämlich sehr zurück!

Nun aber die weniger erfreuliche Nachricht: Wirkliche Unterschiede zwischen den einzelnen Effekten (Hall, Room und Special) sind beim Marine Layer Reverb so gut wie keine auszumachen, es klingt alles fast identisch. Klar, filtern geht in jedem Preset, ansonsten aber ändert sich beim Umlegen des Reverb-Type-Schalters so gut wie gar nichts und das Gleiche gilt auch für die Variationen, die bestenfalls minimale Veränderungen im Sound bewirken.

Als Beispiel dafür das Preset „Hall“ mit Variation 1 und 2, bei ansonsten identisch eingestellten Parametern. An der Klangqualität gibt es nichts auszusetzen, Unterschiede sind allerdings keine echten auszumachen.

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Klangbeispiel 3 zeigt das Marine Layer Reverb mit einem sehr kleinen Raum. Auch hier gibt es nichts zu meckern – aber auch nichts zu variieren.

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Und schließlich das Preset „Special“ mit einer langen Hallfahne.

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Sound & Praxis: Fender Mirror Image Delay Pedal

Nicht viel anders verhält es sich mit dem Fender Mirror Image Delay. Auch hier geht der Grundsound absolut in Ordnung – wenn man denn auf einen sehr ambientlastigen, eher düsteren, aber dennoch irgendwie charmanten Klang steht. Das kann das Fender Mirror Image Delay nämlich ausgezeichnet und auch die Möglichkeit, das Signal in punktierten Achteln auszugeben, kann die Kreativität ungemein fördern. Klangliche Unterschiede zwischen den drei Presets sind aber auch hier nur mit viel Wohlwollen auszumachen, ebenso auch bei den Variationen, die nahezu wirkungslos sind. Gut gefallen kann jedoch die Modulationssektion, die über das Rate-Poti beigefügt wird und zusammen mit einer kurzen Verzögerungszeit einen sehr räumlichen Sound erzeugen kann – oder aber das Signal bis zur Unkenntlichkeit zum „Eiern“ bringt.

Trotz der digitalen Bauweise des Mirror Image Delay beträgt die maximale Verzögerungsdauer nur 300 ms, was sicher nicht viel ist, für viele Einsatzgebiete aber ausreicht. Für Fans von epischen Gitarrensoli mit Sekunden-Delay ist das aber definitiv nichts. Auch hier positiv: das geringe Rauschspektrum des Fender Mirror Image Delay.

Nun zu den Klangbeispielen des Fender Mirror Image Delay, im ersten hören wir das Preset „Digital“ mit der Variation 1.

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Nun dasselbe Preset mit Variation 2 und hinzugefügter Modulation.

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In Klangbeispiel 3 hören wir das Preset „Analog“ in der Variation 1 und mit hinzugefügter Modulation.

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Abschließend das Preset „Tape“ in der Variation 2, die Modulation wurde hier deaktiviert.

Fender Mirror Image Delay side

Fazit

Trotz der beschriebenen Mängel beider Pedale, und das vor allem in der Klangvielfalt, kann ich dem Fender Mirror Image Delay und dem Marine Layer Reverb nach Abschluss des Tests mit ruhigem Gewissen ein gutes Urteil ausstellen. Warum? Weil der Grundsound beider Kandidaten stimmt, die Bedienung sehr einfach ist und der Preis für das Gebotene vollkommen in Ordnung geht! Zudem überraschen beide Pedale im Test mit nur sehr geringen Nebengeräuschen, was wiederum für diese Preisklasse nicht immer selbstverständlich, für einen Hall oder ein Echo aber ungemein wichtig ist. Ein guter Einstieg, Fender!

Plus

  • schöner Grundsound
  • einfache Bedienung
  • robustes Gehäuse und Schalter
  • beleuchtete Regler

Minus

  • keine spürbaren Unterschiede zwischen den drei gebotenen Presets
  • Power-LED sehr hell
  • Potiknöpfe rutschig

Preis

  • Ladenpreise: jeweils 125,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Soundluck  

    danke für den Testbericht. wie sind denn die Teile im Vergleich gegen die strymons oder die teuren Sachen

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Bitte schön :)

      Die „teuren Sachen“, wie Strymon, Empress, Eventide, etc. klingen entsprechend teurer …

      In dieser Preisklasse (rund um die 100,- Euro) dürften die beiden Fender-Pedale aber sicher ihre Fans finden. Der Grundsound ist schon OK, nur gibt es, wie ich im Text ja beschrieben habe, kaum Unterschiede zwischen den einzelnen Presets zu hören. Dafür rauschen sie so gut wie gar nicht – und das ist ja schon mal die halbe Miete bei nem Echo/Hall.

  2. Profilbild
    Soundluck  

    Ja okay der Preisunterschied ist aber schon vorhanden aber Fender bringt ja noch andere Pedale raus soviel ich weiß ich denke das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut

    • Profilbild
      Stephan Güte  RED

      Ich bin bei der Bewertung zwischen „gut“ und „sehr gut“ hin- und hergeschwankt … aber für ein „sehr gut“ hätte ich doch gerne hörbare Unterschiede in den drei Presets gehabt … dennoch hat gerade das MID einen sehr Ambientlastigen, eher düster-traurigen Grundsound – so erwartet man das gar nicht von den Sunny Boys aus LA :D

      Ach so – und die anderen Pedale sind auch eingetroffen und stehen schon bereit für Tests ;)

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