Test: Matthews Effects Astronomer v2 Reverb, Hallpedal

21. Januar 2020

Abtauchen in unendliche Weiten mit dem Astronom

Matthews Effects Astronomer v2 Reverb

Matthews Effects Astronomer v2 Reverb

Das Hallpedal zählt nach wie vor zu den Nummer-1-Effekten auf vielen unserer Pedalboards. Platz für Raum muss halt immer sein, sei er nun klein und gekachelt, in Konzerthallengröße oder gar so mächtig und mit zusätzlichen Features ausgerüstet, dass man mit ihm interessante Klangtexturen schaffen kann. Die Geschmäcker sind eben verschiedenen und an dieser Stelle gibt es gleich vorab die Warnung an alle Fans von Spring-Reverbs oder jeglichen Retro-Hallsounds, denn das Matthews Effects Astronomer v2 Reverb Hallpedal ist nicht bloß angetreten, um den Raum zu füllen, sondern um ihn komplett neu zu gestalten. In dem typisch für ein Boutique-Pedal durchgestylten Gehäuse verbergen sich gleich zwei Hall-Engines, die mit zusätzlichen Octaver- und Shimmer-Effekten angereichert sind und per Fußdruck gewechselt werden können. Klingt interessant für Klangarchitekten und Klangforscher, von daher: Lassen wir die Astro-Show beginnen!

Astronomer v2 Reverb – Facts & Features

Zunächst einmal fallen die Anschlüsse an der Stirnseite des Matthews Effects Astronomer v2 Reverb positiv auf, dort befinden sich der Audio-Ein- und Ausgang sowie der Anschluss für das obligatorische 9 Volt Netzteil. Das sorgt für Platzersparnis, sollte man das Hallpedal etwa auf ein Pedalboard  schnallen wollen. Es sorgt aber gleichermaßen für ein wenig Enttäuschung, denn nur ein Eingang und ein Ausgang bedeutet, dass uns das Signal des Astronomer v2 Reverb nur in Mono an die Ohren geliefert wird. Den Großteil der Gitarristen sollte das vermutlich nicht weiter kümmern, die Tastenwelt hingegen dürfte sich erneut nur wieder wundern, werden doch Hallpedale ebenso gerne und oft in Verbindung mit Tasteninstrumenten eingesetzt. Oder im Studio. Oder beides.

Etwas enger könnte es dann im Fußraum doch werden, nämlich dann, wenn man die beiden Buchsen an der Außenseite des Pedals nutzen möchte. Mit dem Expression-Anschluss an der linken Seite ist es nach Anschluss eines Expression-Pedals möglich, die Tiefe des Reverbs zu beeinflussen, die Alternate-Buchse an der rechten Seite hingegen ermöglicht es, die Funktion der beiden Metallschalter fernzusteuern. Der untere der beiden Schalter aktiviert dabei den Effekt, der obere lässt den Benutzer zwischen zwei verschiedenen Einstellungen wählen: Das Astronomer v2 Reverb ist also faktisch zwei Hallpedale in einem! Und da kommen die beiden kleinen Schalter an der linken Gehäuseseite ins Spiel, denn mit ihnen lassen sich jeweils drei Effekttypen auswählen:

  • Canis Major – Vorbild war hier erstaunlicherweise gar kein Hallgerät, sondern ein Echo – das Binson Echorec nämlich. Angereichert mit reichlich Shimmer- und Swell-Effekten ist das die richtige Abteilung für alle Klangarchitekten.
  • Orion – das Preset für reine Reverb-Sounds, von kurz und knapp bis zum endlosen Decay. Bei Bedarf auch hier wieder mittels des Glow-Potis mit Shimmer-Effekt on top.
  • Ursa Major – bietet hauptsächlich kleine Hallräume und kann auf Wunsch mit dem bordeigenen Octaver gemixt werden. Das Glow-Poti bestimmt in diesem Preset die Stärke des Octaver-Effekts.
Matthews Effects Astronomer v2 Reverb Preset-Schalter

Matthews Effects Astronomer v2 Reverb Presets

Beide Engines besitzen identische Regler bzw. Bezeichnungen. Hinter den Kürzeln Mass, Glow und Travel der sechs Potis verbergen sich aber nicht nur die Standardparameter eines Hallpedals, denn Glow übernimmt gleich mehrere Aufgaben. Die Funktion der Regler sind im Einzelnen:

  • Mass – Wohl der konventionellste der drei Potis, mit ihm wird das Verhältnis Original-/Effektsignal eingestellt.
  • Glow – Da wird es schon etwas umfangreicher. Mit diesem Regler wird bei den Effekten Orion und Canis Major die Intensität des Shimmers bestimmt, im Preset Ursa Major hingegen die Stärke des Octaver-Effekts.
  • Travel – „Reise“ … Man kann es vermutlich schon erahnen. Dieser Regler sorgt für die Halldauer, also die Größe des gewählten Raumes. Über die maximale Halldauer ist seitens des Herstellers nichts herauszubekommen, in der Praxis zeigt sich aber: Es ist weit mehr als genug.

Über die sechs verbauten Regler muss man nicht viele Worte verlieren, sie entsprechen den Anforderungen eines Boutique-Pedals vollkommen. Sie sind fest mit dem Gehäuse verschraubt, laufen sahnig weich auf den Achsen und sind zudem so weit weg von den zwei Schaltern platziert, dass hier ein versehentlicher Tritt fast ausgeschlossen ist. Die beiden Schalter sind erfreulicherweise Softklicktypen und machen daher völlig geräuschlos ihren Job. Kritik hingegen müssen die beiden Schalter an der Seite hinnehmen, denn sie wirken ziemlich fragil und sind zudem recht fummelig zu bedienen. Recht fix ist man daher ungewollt vom ersten zum dritten Preset gesprungen, obwohl man vielleicht Nummer 2 erwischen wollte. Für zwei Minischalter, die diese Funktionen übernehmen könnten, wäre auf der Oberfläche in jedem Fall noch genug Platz übrig gewesen. Idealerweise gut geschützt zwischen den Reglern platziert.

Matthews Effects Astronomer v2 Reverb back

Wer sich die Funktionen nicht merken will/kann: Pedal umdrehen hilft!

Ein kurzes Zwischenfazit

Beim Matthews Effects Astronomer v2 Hallpedal haben wir es mit einem sogenannten „Boutique-Effekt“ zu tun – und da erwartet man schließlich auch etwas! Für die Hardware kann man hier grünes Licht geben, lediglich die beiden Programmschalter an der Außenseite bereiten mir Sorgen, da sie im Neuzustand schon keinen guten Eindruck hinterlassen und in Anbetracht der Tatsache, dass man gerne und oft zwischen den einzelnen Presets umschalten möchte, so ging es mir zumindest während der Testdauer, ist ein Ende der Lebenszeit in nicht allzu großer Ferne absehbar. Der Rest aber stimmt so weit: robuste Potis, Softklickschalter, Anschlüsse an der Stirnseite, alles bestens also! Dann wollen wir mal hören, was uns der Astronom zu erzählen hat. Ab zum Praxis-Check!

In der Praxis!

Zunächst einmal überzeugen die Rauschwerte, die hier gen null tendieren und Platz schaffen für fein aufgelöste und tiefengestaffelte Reverb-Sounds. Und die gibt es in stattlicher Anzahl, angefangen von den „echt“ klingenden Hallräumen im „Orion“-Modus bis hin zu dreidimensionalen und wabernden Klangkaskaden bei Auswahl von „Canis Major“ oder „Ursa Major“. Die Shimmer-Effekte sowie der Octaver bieten eine atmosphärisch eindrucksvolle Unterstützung des Halls, sollten aber mit Bedacht eingesetzt werden. Gerade mit einem langen Decay kann so recht schnell ein kakophonischer Brei entstehen. Wirklich schade, dass der Matthews Effects Astronomer v2 nur in Mono arbeitet, denn bei einem Stereobetrieb könnte sich hier ganz bestimmt noch mal eine ganz andere Atmosphäre breitmachen.

Ansonsten aber gilt hier freie Fahrt für freie Klangforscher in Mono, denn jede noch so kleine Bewegung des Glow- und Travel-Reglers beeinflusst den Sound bzw. das aktuell gewählte Preset des Astronomer v2 auf irgendeine Art und Weise. Apropos Preset: Das Umschalten zwischen diesen geschieht völlig ohne Latenz und vor allem ohne akustische Untermalung im negativen Sinne, einem Krachen nämlich. Das gilt im Übrigen auch generell für das Anschalten des Pedals, keine Schaltgeräusche, kein Krachen, rein gar nichts!

Matthews Effects Astronomer v2 Reverb Hallpedal

Die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele wurde das Matthews Effects Astronomer v2 Reverb in den Effektweg meines Orange Micro Dark eingeschleift. Als Box diente wie immer die gute alte 1×12″ Celestion Vintage 30 Box, ehe das Signal von einem AKG C3000 Mikrofon abgenommen und in Logic aufgenommen wurde. Als Gitarre habe ich eine FGN Boundary Tele-Kopie benutzt und vornehmlich deren Humbucker am Hals. Weitere Effekte kamen keine zum Einsatz, reicht ja auch, wenn man sich die füllende Klangästhetik des Astronomer v2 Reverb vor Augen bzw. vor die Ohren führt!

Fazit

Beim Matthews Effects Astronomer v2 Reverb haben wir es mit einem absoluten Spezialisten zu tun, der sich perfekt für Ambient-Sounds aller Art eignet und zudem mit einer soliden Hardware und sehr guten Rauschwerten überzeugt. Abzüge in der Note gibt es lediglich für die fragilen Preset-Schalter und ein leises Seufzen dafür, dass man mit dem Astronomer Hallpedal nur in Mono reisen kann!

Plus

  • Klang
  • Rauschwerte
  • Kreativitätspotenzial
  • robuste Verarbeitung

Minus

  • fragile Programmwahlschalter
  • leider nur mono

Preis

  • 227,- Euro
Klangbeispiele
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