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Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten

16. Dezember 2018

Die Meister des Blues

Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten

Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten

In der 2009 erschienen Dokumentation „It might get loud“, in der Jack White, Jimmy Page und The Edge über Blues und Gitarrenspiel philosophieren, gibt es ein sehr bezeichnendes Intro.

Jack White ist da auf seiner Farm bei New Hampshire anzutreffen. Ganz stilgerecht trägt der gute Mann Hut, Frackweste und Kippe im Mund und demonstriert, wie er aus einem Stück Holz, einem alten Tonabnehmer, einer Colaflasche und einem Draht die denkbar archaischste Form einer „Gitarre“ zusammenhämmert. Was folgt, sind ein paar Töne, die er per Bottleneck raushaut und dabei mühelos sein Jack-White-typisches Feeling erzeugt. Als er dann grinsend einen weiteren Zug nimmt, in die Kamera guckt und frech fragt: „Who says you need to buy a guitar?“ beginnt man zu ahnen, dass die besten Blues Gitarristen aller Zeiten vor allem Feeling im Blut hatten.

Es ist auch in derselben Dokumentation, als Jack White auf seinen Lieblingssong angesprochen wird. Er lädt das Kamerateam zu sich nach Hause ein, klappt einen alten Plattenspieler auf und legt eine Platte von Son House ein. Der Song, den er vorspielt, „Don’t You Mind People Grinnin‘ In Your Face“ besitzt ebenfalls keine Gitarre – nur ein alter Mann, der die Zeile aus tiefstem Herzen zum Besten gibt und den Rhythmus dabei mit einem Klatschen und Stampfen hält. Trotzdem wird man dabei das Gefühl nicht los, Zeuge der Essenz zu sein, die die besten Blues Gitarristen aller Zeiten über weite Teile ausmacht.

Spielerische Brillanz ist in diesem Handwerk nämlich, wenn überhaupt, nur die zweite Miete. Die Nomenklatur des Blues, sei es die Moll-Pentatonik, die Moll-Bluesskala, Dur-Pentatonik oder die mixolydischen Skalen wollen und müssen selbstredend beherrscht werden. Es gibt unzählige Gitarristen, auf die das zutrifft, unzählige Spieler, die sich sicher über das Griffbrett bewegen können. Doch was die besten Blues Gitarristen aller Zeiten von den Millionen sehr guten Gitarristen unterscheidet, ist die Art, wie sie ihre gefühlte Geschichte, den Kummer, die Energie und die Tragödien in ihre Fingerspitzen transportieren. Die großartigen verwandeln die Nomenklatur des Blues nämlich in ihre ganz eigene Sprache – das ist es, was viele Zuhörer über die Jahrzehnte hinweg immer wieder zu ihnen zurückbringt.

Robert Johnson – der King des Mississippi Delta-Blues

Er war alles andere als ein schüchterner Junge, denn die Welt war brutal mit Robert Johnson verfahren – und er hatte sich behaupten müssen. Ein prügelnder Stiefvater, elf Halbgeschwister und ein grauer Star im linken Auge schon zu Schulzeiten – Robert Johnson bekam das Leben schon früh mit geballter Kraft zu spüren. Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten jedoch blicken zu diesem Mann und seiner Geschichte mit einer gehörigen Portion Respekt. Aufgewachsen in Hazlehurst, Mississippi, war es vor allem seine ältere Halbschwester Carrie, die nach ihm sah und ihm zum Beispiel seine erste Brille kaufte. Doch dieser Funken Liebe konnte den getriebenen jungen Mann nicht halten. Er zog wie ein Vagabund durch die Staaten, traf in Arkansas auf Howlin‘ Wolf und Memphis Slim – und beeindruckte niemanden mit seinem Spiel. Doch die Legende besagt, dass Robert Johnson sich anschließend für neun Monate in die Hügel von Greenwood und Helena zurückzog und dort sein Gitarrenspiel wie ein Wahnsinniger übte – zurück kam er mit neuen Techniken, die noch nie jemand zuvor gesehen hatte.

Eine kürzere und damals vielfach gemunkelte Lesart des Quantensprungs war jedoch: Robert Johnson has sold his soul to the devil!

Robert Johnson war die Blaupause und der Archetyp des suchenden Poeten, ein Getriebener, dessen Stücke den alltäglichen Kampf und Schmerz mit einer Intensität einfingen, die immer noch, fast 100 Jahre später, als absolute Referenz für authentischen, gefühlvollen Blues gilt. Es war die Zeit der großen Depression, als der kleine Mann auf der Straße nach Essbarem suchte, als der amerikanische Traum sich über Nacht in einen Albtraum verwandelte, als der Blues von Robert Johnson seine raue, ungestüme Form annahm. Das Leben des Mannes war kurz – mit 27 wurde Robert Johnson, so will es zumindest die Legende, Opfer eines Komplotts eines eifersüchtigen Ehemannes, der das Bluesgenie vergiftete.

Doch vergessen wurde der Mann nie. “You want to know how good blues can get?” In den Augen von Keith Richards geht es nicht besser: “Well, this is it.” Und auch Eric Clapton fand in Robert Johnson den denkbar gefühlvollsten Vertreter dieser Musikrichtung: “I have never found anything more deeply soulful than Robert Johnson.”

Muddy Waters – der Blues-Pate von Chicago

Der Vater des modernen Chicago Blues, Muddy Waters, ist ebenfalls eine fast prophetenhafte, biblische Gestalt in der Geschichte der Blues Musik. In dem von Rassenunruhen geprägten Amerika gewann er 1971 seinen ersten Grammy, doch seine Reise begann schon 30 Jahre zuvor als Teil der musizierenden Reisegruppe der Silas Green Tent Show. Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten waren oft zu Beginn fast nomadenhafte Gestalten. Ähnlich wie  bei Robert Johnson sind auch seine Sturm und Drang-Zeiten und die vieler anderer Pioniere durch Reisen und einen fast vagabundenhaften Lebensstil gekennzeichnet. 1960 dann lieferte er die vielleicht wichtigste Performance seiner Karriere – im Newport Jazz Festival mit Otis Spann, Jimmy Rogers und Elgin Evans im Schlepptau öffnete er seinen Sound der Love Generation und gewann dadurch noch mehr an Popularität.

Muddy Waters‚ Sound war nicht geprägt durch das virtuose Beherrschen von Skalen, im Gegenteil: Er war bekannt dafür, mit seinem Daumen die Pentatonik zu bearbeiten und selten über den fünfzehnten Bund hinauszuschießen – doch die Art seiner Melodieführung, gepaart mit der unverwechselbaren Stimme und dem unverschämt lebhaften Songwriting ernteten ihn bis zu seinem Tod 1983 sechs Grammys und eine posthume Ehrung in der Rock’n’Roll Hall of Fame.

John Lee Hooker – Burnin‘ Hell in Los Altos

Muddy hatte den Anzug, John Lee Hooker den Hut. Wie die besten Blues Gitarristen aller Zeiten haderte auch John mit der Art, wie ihn sein Erfolg von seinen Wurzeln entfremdete. Er wurde der Liebling der weißen Intellektuellen Anfang der 60er, kollaborierte mit Größen wie Van Morrison und wurde so etwas wie die authentische Galionsfigur der damaligen Szene. Er feierte große Erfolge, viele seiner Lieder fanden sogar ihren Weg in die Charts. Doch das alles schien John Lee Hooker nur bedingt zu interessieren – der Mann war und blieb eine Rampensau. Die 70er und 80er tourte er ausgiebig, sein Sound war rau, war dreckig und seine Liveshows schweißgebadet und sehr intensiv!

Und je treuer sich John blieb, desto mehr feierte ihn das Establishment – ein widersprüchlicher Umstand, der ihn Zeit seines Lebens immer wieder zu kritischen Texten inspirierte. Trust, Vertrauen – das war ein großes Thema in den Lyrics dieses Mannes, von dem vor allem ein Bild in Erinnerung geblieben ist:

Ein Mann mit einem Hut, der mit dem Fuß das Tempo vorgibt, an der Gitarre improvisiert und dabei seiner unerhörten Röhre freien Lauf lässt. Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten hatten oft ein ganz eigenes Auftreten. Und bis zuletzt blieb er auch ein Mann, der Welten in sich vereinte. Als ihm im Jahre 2000 der Lifetime Achievement Grammy verliehen wurde, verbrachte John Lee Hooker gerade seinen Lebensabend damit, per Bus oder Anhalter mit seiner Gitarre nach Downtown, L.A. zu trampen, in einer Kneipe vor einer kleinen Meute ein paar Songs rauszuhauen und dann wieder nach Hause zu fahren. Bis zuletzt blieb er ein Mann, der für sein Instrument lebte – und sich nie viel aus dem Establishment und seinen Plänen für ihn gemacht hatte.

B. B. King – den König schon im Namen

Manche Männer waren regelrechte Naturgewalten. B. B. King war ein solches ungestümes Biest an der Gitarre, ein Mann, der ganze Generationen beeinflusste und eine jahrzehntelange Karriere vorwies, die bis heute ihresgleichen sucht. Die besten Blues Gitarristen aller Zeiten wähnen ihn oft als wichtigste Inspiration.

Was haben Eric Clapton, Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughn und Warren Haynes nämlich allesamt gemeinsam? Außer ihrem Jahrhunderttalent und ihrer Liebe zum Blues teilten sie allesamt eine enorme Bewunderung für einen der wichtigsten Blues Momente der Geschichte: den Einstieg in das Set der B. B. King Show „Live at the Regal“ in Chicago 1964. Von „Everyday I have the Blues“ bis „Sweet Little Angel“ – B. B. King arbeitete sich hier durch ein Medley, das sich aus diesen Klassikern zusammensetzte, und entfesselte dabei sein unerhörtes Talent. Der unglaubliche Mittelteil von ‚Sweet Little Angel‘ sei hierbei besonders hervorzuheben. Er beinhaltet eines der besten Blues-Soli aller Zeiten und darf auf keinen Fall vorenthalten werden:

B. B. King liebte seine halbresonante Gibson ES-335 namens Lucille mehr als alles andere (nun ja, fast: King galt als großer Fan des anderen Geschlechtes und zeugte mit unterschiedlichen Partnerinnen insgesamt 15 Kinder) und feierte Erfolge wie die Top-Platzierung seines ‚The Thrill Is Gone‘ mit dieser Gitarre – ein bewegtes Leben eines großen Musikers eben. Wer mehr über diesen Pionier des Blues erfahren möchte, für den ist die Dokumentation „The Life of Riley“ von Jon Brewer empfehlenswert, die sich mit B. B.s Leben auseinandersetzte.

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