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Jeff Beck: Seine Gitarren, seine Musik, seine größten Erfolge

14. November 2020

The Story of Jeff Beck

Jeff Beck 2010 während eines Pressetermins (© by Shutterstock)

Unter den ganz großen englischen Gitarristen pflegt der 1944 in Wallington geborene Geoffrey Arnold Beck ein Schattendasein. Er setzt Maßstäbe für Generationen von Gitarristen  und überschreitet dabei sämtliche Genregrenzen. Die Kompromisslosigkeit des Briten sowie sein revolutionärer Stil prägen Hard-Rock, Fusion, Jazz, Funk, Blues-Rock über Heavy-Metal bis hin zu elektronischer Musik. Der kommerzielle Durchbruch bleibt ihm jedoch verwehrt, was sicherlich der Eigenwilligkeit seiner Person und Musik, aber auch dem mangelnden Hitpotential seiner Songs zugeschrieben werden kann.

 “I don’t care about the rules. In fact, if i don’t break the rules at least 10 times in every song then i’m not doing my job properly.” Jeff Beck.

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Trotzdem ist Beck alles andere als erfolglos: Seine Alben gelten in unterschiedlichsten Stilistiken als prägend und wegweisend. Er belegt Platz 5 im Top 100 Ranking der besten Gitarristen aller Zeiten (Rolling Stones Magazin), sackt 4 Grammys ein und wurde 2009 in die Rock ’n‘ Roll Hall of Fame nominiert.

Beck bleibt sich und seinen experimentierfreudigen musikalischen Visionen treu und ist seiner Zeit damit stets weit voraus. Er ebnet den Weg für instrumentale Gitarrenmusik à la Satch und Vai, nimmt eine Vorreiterposition für die einsetzende Heavy-Metal-Bewegung in den 70ern ein und beeinflusst Musiker wie Bluesrocker Gary Moore gleichermaßen wie die Ausnahmegitarristin Jennifer Batten, mit der er Ende der 90er die von Drumbeats und Samples dominierten Alben „Who Else!“ und „You had it Coming“ aufnimmt.

Jeff Becks musikalische Entwicklung

Inspiriert durch Muddy Waters greift Beck in seiner Jugend zur Gitarre. Mit der Liebe zum Blues legt der junge Engländer gleichzeitig den wichtigsten Grundstein für sein musikalisches Schaffen. Nachdem er sich einige Zeit als Kunststudent auf dem Wimbledon Art Collage versuchte, verdiente er seine Brötchen schon bald als Studiogitarrist in London. Diese Tätigkeit verhilft ihm schließlich auch zu Kontakt zu Jimmy Page, der ihm hilft, in den frühen 60ern bei den Yardbirds das Erbe Eric Claptons anzutreten. Mit dem Einstieg Becks beginnt die Blütezeit der Band: Es folgten Charterfolge und einige überaus erfolgreiche Platten, bis den Yardbirds aufgrund eines Besetzungswechsel das Leadgitarrenduo Page/Beck beschert wird.

Doch diese Besetzung wärt nicht lange, denn der exzentrische Beck wird kurz darauf im Jahre 1966 von den Yardbirds gefeuert und erklärt darauf seinen kompletten Rücktritt aus der Musikwelt. Kaum ein Jahr später kehrt er jedoch zurück, um mit Kneipenbekanntschaft Rod Stewart die erste Jeff Beck Group aus der Taufe zu heben. Die beiden Alben Truth und Beck-Ola werden zu Klassikern der Rockmusik. 1968 wird er beinahe der neue Leadgitarrist bei Pink Floyd, die sich jedoch letztendlich für David Gilmour entscheiden. 1969 steigen Stewart und Wood aus, die Jeff Beck Group löst sich auf. Mit Stevie Wonder hat er schließlich den Hit Superstition und spielt die Lead-Gitarre in Lockin‘ for another Pure Love auf Steve Wonders Album Talking Book von 1975.

Jeff Becks erstes Soloalbum von 1975 „Blow by Blow“

Im selben Jahr gelingt ihm mit dem Album „Blow by Blow“ der erste Erfolg als Solist. Das vom Jazz stark beeinflusste Album wird auch von Kritikern hoch gelobt.

Nur wenig später entgeht Jeff Beck bei einem Autounfall nur knapp dem Tod und erleidet schwere Kopfverletzungen, die ihn  zwingen, eine größere Pause einzulegen.

„The way Jan used technology really turned my head around and opened up a new world for me. […] He made me realize that things are always changing und you can’t sit still.” Jeff Beck

Beide Alben gelten als Meilensteine des Jazzrock und werden mit Platin ausgezeichnet. Doch der eigensinnige Engländer reagiert auf den Erfolg, indem er sich von der Musik abwendet, um sich stärker dem Herumschrauben an seinen Hot Rods  zu widmen. Es brechen ruhigere Zeiten  an, in denen Beck jedoch mit diversen Alben, dem Solo-Hit „People Get Ready“ oder als Gastsolist bei zahlreichen Produktionen (u. a. Mick Jagger, Tina Turner) nie völlig von der Bildfläche verschwindet.

1989 kehrt Beck schlagartig mit dem wegweisenden „Jeff Beck’s Guitar Shop with Terry Bozzio und Tony Himas“ zurück, auf dem er sich unheimlich intensiv und virtuos  präsentiert. Zu diesem Kultalbum hat mein Kollege Christian Elena übrigens einen ausführlichen MAKING OF Report verfasst, die ihr HIER (bitte anklicken) lesen könnt.

Jeff Becks Guitar Shop 1989

An den Erfolg des Albums knüpft eine gemeinsame Tour mit Texas-Blueser Stevie Ray Vaughn an. Auch nach diesem musikalischen Höhepunkt gönnt sich Beck schon bald eine längere Schaffenspause, um wiederum mit den innovativen Alben  „You Else!“, „You Had It Coming“ und „Jeff“ eine neue experimentellere Beck-Ära einzuläuten. Auch zu „Jeff“ tourt der britische Musiker mit einer Blueslegende, dem King of the Blues: B.B. King. Auch bei anderen hochkarätigen Konzerten ist Jeff Beck mit von der Partie: Er spielt 2007 auf dem legendären „Crossroads Guitar Festival“ in Chicago und hinterlässt dort nicht nur mit seinen brillanten Auftritt bleibenden Eindruck, sondern auch durch die unheimlich versierte Bassistin Tal Wilkenfield. Der Brite scheint sich wohl zu fühlen mit jungen, hübschen Damen an seiner Seite. Noch im selben Jahr erschließt sich Beck ein Millionenpublikum, als er im Rahmen der Castingshow American Idol mit Kelly Clarkson ein Duett von Patty Griffin’s „Up To The Mountain“ zum Besten gibt.

„She’s got this maturity, you know, this fully developed soul voice that I wasn’t expecting. It just knocked me out. It was quite riveting to listen to. At one point, the audience started to stand up. They were so moved by her. She’s got that quality that demands attention, which is rare.“ Jeff Beck

Jeff Beck „Emotion & Commotion“ 2010

Jeff Beck – sein Stil

Als Einflüsse nennt Beck Hendrix, Chuck Berry sowie Country-Legende Chet Atkins. Allen voran jedoch Rock ’n‘ Roll Gitarrist Cliff Gallup. Beck ist keineswegs zimperlich, sondern packt seine Strat nach eigener Aussage ordentlich am Hals, was er mit seiner kraftvollen Spielweise eindrucksvoll belegt. Beck schwört auf den direkten, unmittelbaren Kontakt zu den Saiten und kehrt den Plektren konsequent den Rücken zu, was ihm jedoch neue Welten in punkto Ausdrucksvermögen, Dynamik und Phrasing eröffnet. Fingerpickings, die er dem Country entliehen hat, werden von dem Virtuosen jedoch gerne für schnelle Licks zweckentfremdet. Stilprägend ist zudem sein schnelles Vibrato, das er vornehmlich mit dem Hebel erzeugt. Weitere Beck Trademarks sind sein geschmackvoller Einsatz von Obertönen und Feedback sowie violinenartige Töne, die er mit Zuhilfenahme des Volume-Potis erzeugt. Aber auch durch sein Spiel mit den Tone-Potis erzielt der Gitarrist in Verbindung mit dem Vibratosystem effektähnliche Sounds. Abgesehen von Distortion und Delay-Sounds, die Beck gerne und häufig einsetzt, kommen kaum Effektgeräte zum Einsatz.

“I play the way I do, because it allows me to come up with the sickest sounds possible”.

Auch in Sachen Musiktheorie spielt Jeff alles andere als regelkonform. Zwar setzt er gerne den mixolydischen Modus ein, über den er mit Pentatonik und Blues-Skala improvisieren kann, streut jedoch stets eine kräftige Dosis Chromatik mit ein.

Gibson Jeff Beck Les Paul Oxblood VOS

Jeff Becks Gitarren

Trotz seiner Begeisterung für Technik und der Offenheit für neue Entwicklungen hat der Pragmatiker nichts für riesige Rack-Kühlschränke oder komplexe Effekt-Boards übrig. Die  Experimentierfreude und Unbeständigkeit Becks steht interessanterweise im Kontrast zu seinem Equipment. Die altbekannte Gitarristenweisheit, dass der Ton vor allem aus den Fingern kommt, trifft auf Beck im wahrsten Sinne des Wortes zu.

„With Jeff, it’s all in his hands.“ Eric Clapton

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Bei den Yardbirds noch mit Telecaster oder seiner alten ’54er Esquire unterwegs, wechselt er schon bald zur Gibson Les Paul, denen er auch einige Jahre treu bleibt und auf „Blow By Blow“ und „Wired“ verwendet. Passend zu diesem Instrument entwickelt die Pickup-Schmiede Seymour Duncan einen maßgeschneiderten Humbucker für ihn, den SH-4 „Jeff Beck“, der bis heute das Zugpferd des amerikanischen Tonabnehmerherstellers darstellt. Doch schon bald darauf sattelt er komplett um und geht fortan eine monogame Beziehung mit der Fender Stratocaster ein. Aufgrund der physischen Belastung durch seine äußerst kraftvolle und unberechenbare Spielweise verwendet er 11er Saiten.

1991 kommt seine Signature-Gitarre mit auf den Markt, stößt jeder in der Gitarristenwelt aufgrund des Halses der Machart „halbierter Baseball-Schläger“ und dem Finish in „Surf Green“ größtenteils auf Ablehnung. Das Instrument ist mit dem American Standard Vibratosystem ausgestattet und für den extremen Hebeleinsatz mit LSR-Roller-Nut und Sperzel Locking Tunern optimiert. Die zweite Version kommt in punkto Hals deutlich abgespeckter daher und lockt zudem mit den neuen Vintage Hot Noiseless Singlecoils. In Sachen Amps spielte er zur Zeiten der Yardbirds größtenteils VOX AC30 Combos mit vorgeschaltetem Fuzz-Pedal. Später bevorzugt er Marshall, besonders gerne setzt er die moderne JCM 2000er Serie ein. Aber auch diverse Fender Amps finden immer wieder Verwendung. Seinem kräftig verzerrtem Ton hilft er zudem gerne mit einem ProCo Rat Distortion auf die Sprünge, das die singenden Qualitäten seines Sounds mit zusätzlicher Kompression und Sustain versieht.

Hörempfehlungen

“Shapes of Things” – Yardbirds Single (1966)
“Beck’s Bolero” – Truth (1968)
“Cause We’ve Ended As Lovers” – Blow by Blow (1975)
“Blue Wind” – Wired (1976)
“Where Were You” – Guitar Shop (1989)

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Forum
  1. Profilbild
    defrigge  AHU

    Zu den Hörempfehlungen sollten noch mehrere Stücke von „Live at Ronnie Scott’s“ ergänzt werden.

    Ich kann zwar das in jüngeren Jahren nervtötend vermehrte schnelle Tremolo nicht ausstehen (Zeigengemecker), finde aber den Gitarristen ansonsten fantastisch – und das besonders auf Wired und in der Zusammenarbeit mit Jan Hammer und in den letzten Jahren in der Phase mit Tal Wilkenfeld und dem fatastischen Ronnie Scott’s Auftritt, den es auch als Video gibt.

    Danke für den Artikel! An einigen Stellen enthält er noch unvollständige Passagen oder sinnentstellende Versatzstücke. Vielleicht noch mal drüber lesen.

    • Profilbild
      Fredi  

      Hallo defrigge,

      die Ronnie-Scott’s-Sachen sind auf jeden Fall empfehlenswert, beispielsweise „A Day in the Life“ von den Beatles als Coverversion, wo sogar Jimmy Page im Publikum anerkennenden Applaus spendet.
      Das Vibrato-„Ziegengemecker“ ist wahrscheinlich Altersmilde: es klingt halt gefällig. Aber das ist so ähnlich wie die Vibratoorgien von Sängerinnen in der Oper: ich steh da überhaupt nicht drauf, aber viele mögen es.
      Insgesamt ist aber der Ton von Jeff Beck extrem kontrolliert und schön. Und er nutzt die Gitarre fast ausschließlich im Instrumentalkontext (im Gegensatz zu Clapton, der eher Lieder damit begleitet).
      Auf jeden Fall ein großer Künstler, danke an m.ziegenhain für den Artikel!

      Gruß
      Fredi

      • Profilbild
        electro3000  

        Hallo m.ziegenhain, Fredi, defrigge …!

        Also, ich habe selten einen so lieblosen, oberflächlichen & falschen Bericht über einen Musiker gelesen. Viel zu kurz. Der Humbucker stammt NICHT von Jeff Beck. Einer seiner vielseitigsten Titel ist „A DAY IN THE LIVE“ (The Beatles), für das Jeff Beck einen Grammy bekommen hat. – Es zeigt aber in zig YT-Live-Versionen auch am besten wie vielseitig Jeff Beck Stimmen mit seiner Strato ersetzen kann. – Die Video-Auswahl ist völlig daneben & zeigt überhaupt nicht das wahre Potenzial von Jeff Beck.
        Ach ja, Jeff Beck ist schon seit geraumer Zeit beim ‚Rolling Stone‘ Mag auf Patz 5 Nicht 15 … Mehr folgt – THX – ☮️ + ♡

        Kein Video von „A DAY IN THE LIVE“ bedeutet Jeff Beck nicht verstanden zu haben ….

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