Harmonielehre verstehen, anwenden 04: Kadenzen

10. August 2019

Harmonielehre 4: Akkordfolgen bzw. Kadenzen

In dieser Folge wollen wir uns damit beschäftigen, in welcher Reihenfolge wir unsere Akkorde aus der letzten Folge am besten aneinander reihen. Außerdem werden wir sehen, wie wir diese Aneinanderreihung, die man auch „Kadenzen“ nennt, noch optimieren können.

Wiederholen wir zunächst einmal kurz die letzte Folge. Wir haben gelernt, dass man aus Tönen einer Tonleiter Akkorde bilden kann. Diese Akkorde ergeben auf den unterschiedlichen Stufen der Tonleiter durch das Übereinanderschichten von Terzen entweder Dur- oder Moll-Akkorde. Außerdem hat jeder Dur-Akkord einen verwandten, parallelen Moll-Akkord, mit dem er sich zwei Töne teilt.
Es liegt nun nahe, dass man Akkorde, die auf die oben beschriebene Weise entstehen, zu Songs kombinieren kann.

Kadenzen

Die Verbindung von 3 oder 4 Akkorden, wie man sie z. B. typischerweise in einem Popsong verwenden würde, nennt man wie oben schon erwähnt eine Kadenz.

Wenn man sich Songs anhört und analysiert, wird man immer wiederkehrende Akkordfolgen erkennen. Einige davon wollen wir nun einmal genauer anschauen und untersuchen, warum sie funktionieren.

Wichtig ist es dazu, dass man einige Grundkenntnisse über die Funktion der einzelnen Akkorde hat.
Eine Akkordfolge wird, ähnlich wie eine Melodie meistens mit dem Grundakkord der Tonart beginnen und immer damit enden. Versucht mal, in C-Dur eine Kadenz auf F oder G enden zu lassen. Das wird immer komisch klingen. Man erwartet als Zuhörer immer noch den letzten Akkord C-Dur, der das Ganze auflöst und beendet.
Akkorde wie F-Dur und G-Dur dagegen erzeugen Spannung und sorgen so für eine Entwicklung innerhalb eines Musikstückes. Gleiches gilt natürlich auch für die entsprechenden parallelen Moll-Akkorde.

Um zu verdeutlichen, wie eine Akkordfolge NICHT enden sollte, gibt es Hörbeispiel 1.

Bsp. 1: C-Dm-F-G

Bsp. 1: C-Dm-F-G

Die hier gehörte und gezeigte Akkordfolge lautet C-D-F-G. Wie bereits angedeutet, klingt das Ende etwas seltsam. Nicht direkt falsch, aber irgendwas fehlt eben doch noch. Man erwartet als Zuhörer einfach noch den Schlussakkord, der logischerweise C-Dur sein muss und die Kadenz auflöst.

Das hängt unter anderem auch daran, dass der im G-Dur-Akkord vorkommende Ton H nach Auflösung zum C hin strebt. Hören wir uns deshalb einmal eine Kadenz mit den Akkorden C-F-G-C an. (Hörbeispiel 2)

Bsp. 2: C-F-G-C

Bsp. 2: C-F-G-C

 

Ausgehend von C wird mit dem zweiten Akkord F die Spannung gesteigert, ehe G so etwas wie den Höhepunkt darstellt. Schließlich wird der Durchgang durch das letzte C abgerundet und aufgelöst. Eine Variante dazu wäre, die folgende Kadenz mit den Akkorden Am-F-G-Am, bei der im Gegensatz zur vorherigen Abfolge lediglich der Akkord C durch seine parallelen Moll-Akkord Am ersetzt wurde. (Hörbeispiel 3)

Bsp. 3: Am-F-G-Am

Bsp. 3: Am-F-G-Am

Man kann also anscheinend die einzelnen Akkorde durch ihre parallelen Moll-Akkorde ersetzen. Diese haben die gleiche harmonische Funktion wie ihre Dur-Verwandten, klingen aber etwas anders. Dazu gleich noch ein Beispiel. (Hörbeispiel 4)

Harmonielehre verstehen - Teil 4 - Kadenz4 AmDmGC NOTEN_neu

Bsp. : Am-Dm-G-C

Harmonielehre verstehen - Teil 4 - Kadenz4 AmDmGC ROLLE_neu

Harmonielehre verstehen – Teil 4 – Kadenz4 AmDmGC ROLLE_neu

Hier habe ich auch die zweite Stufe unserer ursprünglichen Kadenz durch den parallelen Mollakkord ersetzt. (Dm für F). Die Akkorde lauten Am-Dm-G-C.

Übungen zu Kadenzen

Die beste Übung zum oben genannten besteht wie immer darin, sich Stücke anzuhören, die Akkorde rauszuhören und die Tonart zu bestimmen. Macht man das regelmäßig und mit den verschiedensten Stücken, so wird man schnell immer wiederkehrende Muster und Abläufe erkennen. Versteht man Töne und Akkorde als Vokabeln einer musikalischen Sprache, dann sind Kadenzen gewissermaßen Satzkonstruktionen, die immer wieder vorkommen. Popmusik kann man nur sehr schwer neu erfinden bzw. meist möchte man das ja auch gar nicht. Es ist deshalb extrem sinnvoll, sich diese Muster zu verinnerlichen und zu lernen. Man wird darüber hinaus feststellen, dass auch Weltstars nur mit Wasser kochen und Künstler aus den unterschiedlichsten Bereichen die gleichen Akkordmuster verwenden.

Abschließend hier noch ein paar Tipps zum Bestimmen der Tonart.
Als Erstes sollte man sich sämtliche Akkorde raushören und auf einem Blatt Papier notieren. Dadurch wird man meist 2- bis 4-taktige Folgen, bestehend aus meist 3-4 Akkorden, bekommen.
Hört man sich den letzten Akkord des Songs an, so kann man schon ziemlich sicher sein, dass dieser auch die Grundtonart des Songs bestimmt.
Als weitere Hilfe kann man sich dann Folgendes überlegen: Wie in der letzten Folge besprochen, bilden sich auf den einzelnen Stufen der Tonleiter durch Schichten von Terzen entweder Moll- oder Dur-Akkorde. Dabei entsteht folgendes Schema:

Nun kann man sich am einfachsten die entsprechenden Akkorde für jede Tonart in einer Tabelle notieren wie z. B. hier:

Hat man nun eine Akkordfolge, die C-D-G lautet, so wird man schnell feststellen, dass der Song nicht in C-Dur steht. Hier gibt es nämlich keinen D-Dur Akkord, sondern lediglich ein Dm. Auch in D-Dur wird man nicht alle Akkord finden. Wohl aber in G-Dur! Und zwar nur in G-Dur kommen alle drei erwähnten Akkorde vor, woraus wir schließen können, dass unser Stück in G-Dur steht.

Mit der Zeit wird man oben stehende Tabelle nicht mehr brauchen, da einem klar wird, welche Akkorde in welcher Tonart vorkommen und was ihre Funktion ist. Mir hat es z. B. geholfen, mir auf dem Gitarrengriffbrett klarzumachen, wo – ausgehend von einem Grundakkord (z. B. A-Dur) – die Subdominante und Dominante (D und E) liegen. Eine andere Hilfe ist es, sich einige Abläufe klar zu machen. Hat man z. B. zwei auf einander folgende Dur-Akkorde, die zudem noch einen Ganzton auseinander liegen (etwa C und D), so kann man davon ausgehen, dass es sich um die Subdominante und Dominante der gesuchten Tonart handelt (G-Dur), da es sonst nirgends zwei aufeinander folgende Dur-Akkorde im Abstand eines Ganztones gibt!

So, ich hoffe, das reicht fürs Erste als Inspiration und Anregung. Ideen für weitere Folgen sind weiterhin herzlich willkommen!

Klangbeispiele
Forum
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    Markus Galla  RED

    Hi,
    die Noten zu Hörbeispiel 4 stimmen nicht. Die Tabulatur ist richtig. Da wurde die falsche Grafik eingebunden.

    In der Tonartentabelle stimmt bei H-Dur der Akkord auf der 7. Stufe nicht. Da muss ein A# hin.

    Anmerkung zu den Akkordfolgen und dem Thema Tonartenbestimmung: Auch in einem Song in C-Dur kann ein D-Dur Akkord vorkommen, sogar sehr oft, nämlich als Doppeldominante oder Zwischendominante.

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