Workshop: 13 Tipps für guten FOH-Sound

28. Oktober 2018

Pimp your Live-Sound

13 Tipps für guten FOH-Sound

13 Tipps für guten FOH-Sound

Ein guter und druckvoller FOH-Sound ist bei bei einer Veranstaltung mehr als wünschenswert und trägt maßgeblich zum Erfolg bei. Damit das in der Praxis auch klappt mit dem guten Sound, präsentiere ich im Folgenden 13 Tipps, die den FOH-Sound maßgeblich verbessern können. Für alle, die es noch nicht wussten: FOH steht für Front of House und bezeichnet in der Regel den Tonmann oder die Tonfrau, die sich am Mischpult um den Mix für das Publikum kümmert.

13 Tipps für guten FOH-Sound

Auch der Ort an dem die Mischtechnik steht, wird zumeist als FOH bezeichnet. Die Tipps beziehen sich nur bedingt auf den reinen Mischprozess, sondern eher auf die gesamte Kette an Einflussfaktoren, angefangen bei der PA und dem Raum über die Aufstellung der Lautsprecher und die Vermeidung von Feedback. Der Sound lässt sich nämlich niemals isoliert von seinen Umgebungsfaktoren betrachten. Wer ein paar Tipps für guten Sound auf der Bühne sucht, findet diese im ersten Workshop 13 Tipps für guten Bühnensound.

Tipp 1: PA

PA steht für Public Adress und bezeichnet üblicherweise die Beschallungsanlage, bestehend aus Lautsprechern und Verstärkern. Hier wird das Fundament für einen möglichst guten Sound gelegt. Entscheidend für das klangliche Resultat ist hier die Übertragungsqualität und die Leistungsfähigkeit der PA. Werden bestimmte Frequenzbereiche von der Anlage nur unvollständig wiedergegeben, dann hilft auch ein Equalizer nicht oder nur bedingt. Möchte man z.B. Hosenbein-Flattern erzeugen, dann muss die PA-Anlage auch unterhalb von 40 Hz noch nennenswerten Pegel abgeben können. Auch die Leistungsfähigkeit der PA spielt eine entscheidende Rolle. Je größer der zu beschallende Raum und je größer das Publikum, desto leistungsfähiger muss die gesamte Anlage sein. Dabei ist es generell besser, die Beschallungsanlage überzudimensionieren.

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Große Reichweite durch ein Line Array – perfekt für Open Air-Konzerte und Festivals

Eine PA, die am Rande ihres Leistungsvermögens betrieben wird, erzeugt Verzerrungen und ist in der Dynamik nach oben hin eingeschränkt. Der Klang wird dadurch als ermüdend und rau, bisweilen auch als schrill empfunden. Kurze Signalimpulse wie Bassdrum und Snare können sich nicht durchsetzen und obwohl der Sound von den meisten Zuhörern in diesem Fall als zu laut wahrgenommen wird, fehlt trotzdem der gefühlte Druck. Dieser Fall ist zu vermeiden, da es nicht nur den Ohren, sondern auch den Lautsprechern und Verstärkern schaden kann.

Tipp 2: Veranstaltungsraum

Für die Klangqualität bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen spielt der Veranstaltungsraum eine große Rolle. In der Regel werden Räume nach praktischen Gesichtspunkten errichtet, weshalb parallele Wände und 90-Grad Winkel die Regel sind. Besitzt der Raum dazu noch glatte, schallharte Begrenzungsflächen, dann wird es nichts mit dem guten Klang. Flatter-Echos, ausgeprägte Raummoden und je nach Raumgröße eine lange Nachhallzeit lassen selbst die beste PA schlecht dastehen. In solchen Momenten fällt dann oft der Spruch: „Mit Publikum klingt es nachher viel besser.“ Und es stimmt, Menschen sind gute Absorber. Viel Publikum ist also auch aus klanglicher Sicht vorteilhaft, eine abgehängte Decke aber auch.

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An der Decke aufgehängte Segel verbessern die Akustik und bieten eine Projektionsfläche

Der Frequenzgang im wichtigen Grundtonbereich gleicht in Räumen eher einer Berg- und Talfahrt, bei der benachbarte Frequenzberge und -Täler durchaus 20 dB und mehr auseinander liegen können. Das Problem dabei ist, dass diese Unebenheiten im Frequenzgang je nach Hörposition im Raum variieren. Wer schon einmal ein Konzerthaus oder eine Philharmonie besucht hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass es dort kaum oder keine parallelen Wände und glatte Flächen gibt. Unsere „typisch deutsche“ Geradlinigkeit ist dem guten Klang also abträglich. Doch wie können wir diese Raum-Probleme bekämpfen?

Tipp 3: Akustikmaßnahmen

Flatter-Echos lassen sich recht einfach verhindern, indem parallele Wände und ggf. auch Decken mit Molton abgehängt werden. Der Molton sollte dabei möglichst dick sein und etwas entfernt von der Wand in Schlaufen gehängt werden. Das erhöht die Effektivität und die Bandbreite der Absorbtion. Auch die Nachhallzeit wird zumindest bei den hohen bis mittleren Frequenzen verringert. Im Artikel 13 Tipps für gute Proberaum-Sound könnt ihr mehr darüber erfahren. Raummmoden lassen sich nur schwer bekämpfen, da in der Regel nicht genug Platz zur Verfügung steht, um genug Dämmmaterial oder ausreichend dimensionierte Helmholtz-Resonatoren für einen sauberen Bassbereich unterzubringen. Plattenschwinger oder simple abgehängte Holzplatten nehmen wenig Platz im Raum ein, müssen aber auf den Raum abgestimmt, d.h. berechnet werden und man braucht viel davon. Das macht also nur Sinn, wenn ein Veranstaltungsraum akustisch optimiert werden soll. Mit der Art und Aufstellung der Lautsprecher lässt sich hingegen einiges ausrichten, doch dazu später mehr.

Tipp 4: Einmessung

Manche Digital-Mischpulte wie der QSC TouchMix-30 und viele Lautsprecher-Management-Systeme bieten eine automatische Einmessfunktion, die mithilfe eines Messmikrofons den Soll-Frequenzgang mit dem tatsächlichen Ist-Frequenzgang im Raum vergleichen und mithilfe von Filtern korrigieren kann.
Dabei sollte beachtet werden, dass dies nur die Symptome, aber nicht den Ursprung des Übels bekämpft. Um den Frequenzgang zu begradigen, sollten vor allem im Bassbereich Frequenzen nur abgesenkt und nicht oder nur wenig angehoben werden. Zu starke Anhebungen können die PA nämlich unnötig belasten und den Headroom herabsetzen. Dadurch sinkt der maximal mögliche Schallpegel. Einmess-Funktionen berücksichtigen das in der Regel, alternativ lässt sich auch die maximale Anhebung für die Filter vorher festlegen.

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Automatische Einmessfunktion im QSC TouchMix-30

Messungen sollten an mehreren Plätzen im Raum durchgeführt werden (Zuschauer-Bereich, FOH-Platz etc), sodass eine gemittelte Frequenzgangkorrektur für den ganzen Raum errechnet werden kann. So lässt sich verhindern, dass einzelne lokale Raummoden das Messergebnis zu stark beeinflussen. Die gemittelte Korrektur ist für eine einzelne Position im Raum betrachtet zwar weniger effektiv, dafür aber im ganzen Raum gleichmäßiger. Wer keine Messautomatik besitzt, kann auch einen Mac oder PC mit angeschlossenen Messmikrofon und der kostenlosen Software Room EQ Wizard oder einfach seine Ohren benutzen.
Dafür braucht man nur einen grafischen Terzband-EQ oder einen vollparametrischen Equalizer auf der Mischpult-Summe und einen Sinus-Sweep-Generator. Es reicht dabei aus, den Sinus-Sweep von 20 Hz bis ca. 400 Hz durchlaufen zu lassen. Darüber hinaus machen sich Raummoden in großen Räumen nicht mehr stark bemerkbar. Der Sinus-Sweep hat immer die gleiche Lautstärke, aber über die Lautsprecher wiedergegeben, werden die Raum-bedingten Lautstärke-Unterschiede sehr gut hörbar. Es ist von Vorteil, wenn der Sinus-Generator (wie z.B. der Tongenerator in Logic Pro) die aktuelle Frequenz anzeigt. Dann kann man nämlich genau hören und sehen, bei welcher Frequenz ein Loch oder eine Anhebung im Klang vorliegt und entsprechend mit dem EQ ausgleichen. Auch hier sollte man an verschiedenen Stellen im Raum hören und nicht oder nur wenig anheben.
Es ist zu beachten, dass Equalizer nur auf der Pegel-Ebene eingreifen können, aber nicht auf der Zeit-Ebene. Frequenzüberbetonungen gehen nämlich auch mit einer verlängerten Nachallzeit vor allem im Bass einher. Das lässt sich mit einem Equalizern nicht korrigieren. Am Ende würde ich das Messergebnis mit Musikstücken, die ich sehr gut kenne, in der Praxis testen und gegebenenfalls anpassen. Letztlich müssen die Ohren entscheiden.

Tipp 5: Lautstärke beim FOH-Sound

Die richtige Lautstärke bei einer Veranstaltung ist ein kontroverses Thema und hängt stark von der Veranstaltung und dem Publikum ab. Es ist in jedem Fall sinnvoll, etwas leiser zu beginnen und im Laufe des Abends lauter zu werden. Das liegt allein schon daran, dass das menschliche Gehör sich an Lautstärke anpassen kann. Ist es über einen gewissen Zeitraum sehr laut, wird das Gehör automatisch unempfindlicher. Kommt dann noch Alkohol ins Spiel, verstärkt sich dieser Effekt.

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Alkohol beeinflusst das Hörempfinden

Es ist also nicht unüblich, dass sich die Lautstärke eines Konzertes oder einer Tanzveranstaltung im Laufe des Abends steigert. Es ist wichtig, das vorher einzuplanen und nicht bei vollem Pegel zu beginnen. Dazu sollte die PA auch bei erhöhtem Pegel noch sauber klingen. Hier haben viele Party-DJs großen Nachholbedarf, denn wer nicht hört, dass seine Anlage zerrt, sollte die Berufswahl überdenken. Wer die PA in der Leistung von vorn herein überdimensioniert, ist hier klar im Vorteil.
Wie weit man die Endstufe generell aufdreht, ist wiederum Erfahrungssache. Da gibt es zwei Möglichkeiten. 1. Man dreht die Endstufe von vornherein voll auf und regelt am Pult den Master zurück. So hat man im Zweifel den maximalen Pegel zur Verfügung, zieht aber eventuell auch das Rauschen stark mit hoch. Oder man dreht 2. die Endstufe nur soweit auf, wie es der kalkulierte spätere Maximalpegel verlangt plus eine kleine Extra-Reserve und freut sich über weniger Rauschen. Das Vorgehen hängt hier auch stark von der Leistungsfähigkeit der PA ab.

Tipp 6: Aufstellung Topteile

Das Ziel bei der Lautsprecher-Aufstellung ist es, an jedem Punkt im Zuhörer-Raum möglichst das gesamte Frequenzspektrum hörbar zu machen. Im Gegensatz zu den Basslautsprechern strahlen die Topteile in der Regel alle Frequenzen oberhalb von ca. 80 bis 100 Hz ab. Ihre Ausrichtung beeinflusst maßgeblich die Sprachverständlichkeit und musikalische Transparenz. Je höher die Frequenz, desto leichter wird sie durch Menschen und Gegenstände absorbiert oder abgeschattet. Werden die Topteile also auf Kopfhöhe aufgestellt, können nur die ersten Reihen wirklich guten Sound hören. Versucht man das mit Lautstärke zu kompensieren, wird es auch in der ersten Reihe schnell unangenehm. Besser ist es, die Topteile auf Überkopfhöhe und dafür leicht nach unten gewinkelt aufzustellen. Dadurch verteilen sich die hohen Frequenzen gleichmäßiger im Raum.

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Topteile sollten lieber etwas höher und dafür leicht nach unten geneigt aufgestellt werden

Ist der zu beschallende Raum sehr groß, sollte die Nutzung eines Line-Arrays oder zusätzlicher Lautsprecher im Raum in Erwägung gezogen werden. Auch bei sehr halligen Räumen ist das Verteilen mehrerer Lautsprecher ein probates Mittel, da dadurch das Verhältnis zwischen Direkt- und Diffusschall verbessert werden kann. Damit die Schallquellen-Ortung trotzdem von der Bühne kommt, können die zusätzlichen Lautsprecher entsprechend ihrer Entfernung von der Haupt-PA verzögert werden.

Tipp 7: Aufstellung Bässe

Die einfachste Aufstellung und bei kleinen Veranstaltungen auch die meist-verwendete ist klassisch links-rechts. Dabei stehen die Boxen-Türme einfach gestapelt links und rechts von der Bühne. Der Vorteil liegt im einfachen Aufbau und der Möglichkeit, im gesamten Frequenzbereich ein Stereo-Schallfeld aufzubauen.
Die Bass-Abstrahlung ist aufgrund von Auslöschungen dabei eher unausgewogen. D.h. vor der Bühne entstehen regelrechte Bass-Löcher oder genauer gesagt keulenförmige Bereiche, in denen wenig bis kein Bass zu hören ist. Eine Alternative ist der Mono-Bass. Dabei werden mehrere Bass-Lautsprecher vor oder unter der Bühne in einer Zeile zusammengestellt. Die Verstärker werden dabei alle parallel mit dem gleichen Mono-Signal beschickt. Die Bassabstrahlung wird dadurch kugelförmig und erfolgt in alle Richtungen gleichmäßig ohne Bass-Löcher. Bei einer DJ-Beschallung oder nicht-akustischer Musik ist das eine adäquate Lösung. Sobald eine Bühne und Musiker im Spiel sind, kann es aber problematisch werden, da der Bassdruck auf der Bühne genauso hoch ist wie davor, was zu Feedback und unangenehmen Klangverhältnissen auf der Bühne führen kann. Doch das trifft in gleichem Maße auch auf die klassische Links-Rechts-Beschallung zu.

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Oft gibt es keine andere Möglichkeit, als die Bässe links und rechts von der Bühne aufzustellen

Abhilfe schafft hier der sogenannte Cardiod-Bass, auch Nieren-Bass genannt. Das Prinzip entspricht in etwa dem Nieren-Mikrofon. Durch Laufzeitverzögerung und Phasen-Invertierung wird die Bassabstrahlung gerichtet. D.h. vor der Bühne kommt mehr Bass an als dahinter. Dabei werden zwei Bass-Lautsprecher in einem definierten Abstand hintereinander aufgestellt, wobei der hintere in der Phase invertiert und entsprechend dem Abstand zeitlich verzögert wird. Dafür wird entweder ein separater Verstärker- u. Controller-Kanal oder aktive Basslautsprecher mit integriertem, einstellbarem Delay und Phasenumkehr benötigt. Das Ganze lässt sich als Mono-Bass oder auch Stereo-Links-Rechts bewerkstelligen. Daneben gibt es weitere Aufstellungsmöglichkeiten für die Bässe wie End-Fired, Zahnlücke oder Curved, die alle darauf abzielen, die Abstrahlcharakteristik im Bassbereich zu verändern, doch das ist ein Thema für einen eigenen Artikel.

Tipp 8: Feedback vermeiden

Mikrofon-Feedback ist in vielen Filmen zwar ein gängiges Mittel, um eine gleich folgende Mikrofon-Ansprache anzukündigen, bei einer Veranstaltung zeugt es in der Regel aber von mangelnder Professionalität. Davon abgesehen kann es hörschädigend sein und ist zu vermeiden.

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Feedbackunterdrückung im QSC-TouchMix-30

Um Feedback-Probleme zu vermeiden, sollten die PA-Lautsprecher generell mindestens an oder vor der Bühnenkante, also räumlich vor den Gesangsmikrofonen stehen, damit möglichst wenig Direktschall von der PA in die Mikrofone zurückgeführt wird. Sonst ist die Feedbackgrenze früher erreicht als die nötige Lautstärke und die Stimme kann sich im Mix nicht behaupten. Gesangsmikrofone mit Supernieren-Charakteristik (z.B. Beta 58) unterdrücken seitlichen Schall wesentlich stärker als Mikrofone mit Nierencharakteristik (SM58) und können in diesem Fall auch gegen Feedback-Probleme helfen.
Oftmals sind es nur 2-3 Frequenzen, bei denen es zu Feedback kommt. Diese lassen sich über einen grafischen Equalizer in der Summe absenken. Manche Digitalpulte besitzen sogar eine Feedbackunterdrückung, die sich aufschaukelnde Töne in Echtzeit erkennen und über einen dynamischen Equalizer unterbinden kann.

Tipp 9: Monitore einpfeifen

Es ist das ewige Dilemma des Tontechnikers. Ein Sänger, der im schlimmsten Fall auch noch viel zu leise singt, möchte sich maximal laut über die Bühnenmonitore hören, um sich gegen eine laute Band durchzusetzen. Das ist der Alptraum bei jeder Veranstaltung. Wenn der Sänger dann noch meint, den Mikrofonkorb mit den Händen zuhalten zu müssen, weil es ja cool aussieht oder gekonnt das Mikrofon in Richtung Monitor baumeln lässt, dann sind ungewollte Feedback-Orgien und Beschwerden von Seiten des Publikums und des Veranstalters vorprogrammiert. Doch dem lässt sich vorbeugen.

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Sänger brauchen ihre Stimme in der Regel sehr laut auf dem Monitor

Wir benötigen dazu pro Monitor-Weg einen grafischen Equalizer, ein Hand-Mikrofon und einen Assistenten mit Gehörschutz. Der Assistent platziert sich mit Mikrofon vor dem Monitor. Der zugehörige Aux-Weg wird am Mischpult in dem Mikrofonkanal nun soweit aufgedreht, bis sich das Feedback langsam aufzuschaukeln beginnt. Wir bleiben bis hierhin aber noch unterhalb der Feedbackgrenze. Nun hebt man am grafischen Equalizer die einzelnen Frequenzbänder vorsichtig an. Bei Frequenzen, die kein Feedback auslösen, wird der Regler wieder auf Null zurückgesetzt. Frequenzen, die Feedback auslösen werden entsprechend der Feedback-Neigung abgesenkt. Das Prozedere wiederholt man mit jedem Monitor. Am Ende kann der Monitor-Pegel nun insgesamt ein ganzes Stück lauter gefahren und Stress und graue Haare vermieden werden. Lässt sich der Sänger auch so nicht zufriedenstellen, ist der letzte Ausweg ein Placebo-Trick, bei dem der Tontechniker mit der Hand am Aux-Regler den Sänger fragend anschaut. Allein dadurch dass der Sänger erwartet, mehr Gesang auf dem Monitor zu bekommen, hört er sich schon besser, ohne dass sich etwas verändert hat.

Tipp: 10: symmetrische Verkabelung

Was ist zu tun, wenn es brummt und rauscht? Netzbrummen ist das Resultat einer Erdschleife, die entsteht, wenn zwei oder mehr geerdete Geräte miteinander verbunden werden, was im tontechnischen Bereich die Regel ist. Die Netzfrequenz in Deutschland beträgt 50 Hz, womit auch die Brummeinstreuung bei 50 Hz beginnt, aber störender sind in der Regel die harmonischen Obertöne (100 Hz, 150 Hz, 250 Hz, 300 Hz etc.)

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Kabelsalat

Dass es im Normalfall nicht brummt, liegt an der im professionellen Bereich üblichen symmetrischen Verkabelung. Die Masse wird dabei nämlich über einen separaten Leiter geführt wodurch eine etwaige Brummschleife nicht auf das Nutzsignal einwirkt. Doch nicht alle Verbindungen sind symmetrisch. Elektro-akustische Instrumente wie z.B. Gitarren oder Bässe besitzen ebenso wie die meisten CD-Player, Schallplattenspieler und Notebooks unsymmetrische Anschlüsse. Hier kann es zu Brummeinstreuungen kommen. Um diese zu unterbinden gibt es sogenannte DI-Boxen, auch Symmetrierboxen genannt. Diese wandeln das unsymmetrische Signal in ein symmetrisches und helfen Brummschleifen zu vermeiden. DI-Boxen besitzen in der Regel auch einen Ground-Lift Schalter. Falls es trotz der DI-Box zu Brummen kommt, kann damit die Masse in der Signalleitung unterbrochen und das Brummen unterbunden werden.

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Schema: Symmetrische Signalübertragung (Von Linear77 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18320936)

Symmetrierung hat noch einen weiteren Vorteil, denn durch einen einfachen Trick werden damit auch äußere Einstreuungen, die auf dem Kabelweg in das Nutzsignal gelangen können, wirkungsvoll unterbunden. Das Signal wird nämlich gleichzeitig über zwei separate Signaladern übertragen, wobei eine Signalhälfte vorher in der Phase gedreht wird. Am Ende des Kabelweges im nachfolgenden Gerät wird das invertierte Signal wiederum in der Phase gedreht und mit dem Signal des zweiten Leiters gemischt. Falls sich auf dem Kabelweg nun eine Einstreuung in das Nutzsignal geschlichen hat, dann auf beiden Signaladern gleichphasig. Da eine Signalhälfte jedoch vorher in der Phase gedreht wurde, ist das Störsignal auf den beiden Signaladern nach der zweiten Phasendrehung gegenphasig und löscht sich bei der Summierung komplett aus.

Tipp 11: eigener Bass-Weg per Aux

In den meisten Fällen bekommen die Bässe das gleiche Signal wie die Topteile, nämlich die Mischpult-Summe. Viele Instrumente und auch Stimmen besitzen aber recht starke Subbass-Anteile, die musikalisch nicht relevant sind und für Mulm sorgen. Man würde nun in jedem Kanal den Low-Cut schalten und zusätzlich bei vielen Kanälen auch die Tiefen über den Low-Shelf-Filter absenken. Nur die Kanäle, die für den Bassbereich wichtig sind wie z.B. Bass-Gitarre, Bassdrum und Toms sollten im Bass unbeschnitten bleiben oder sogar mit dem EQ betont werden.

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Post-Fader Aux-Weg zur Ansteuerung der Bässe

Eine anderer Weg wäre, die Summe nur auf die Topteile zu schicken und für die Bässe einen Post-Fader Aux-Weg zu benutzen. Nun werden alle Mix-Elemente, die nicht Bass-relevant sind, gar nicht erst zu den Bässen geschickt und man kann sich die Tiefenabsenkung sparen und hat mit weniger Mulm zu kämpfen. In den Kanälen, die ordentlich schieben sollen, wird der Bass-Aux-Weg soweit aufgedreht bis es passt. Der Gesamtmix wird durch diese einfache Maßnahme transparenter und druckvoller.

Tipp 12: Bus-Kompression für die Vocals

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Gesangskompression live lieber im Gruppenbus

Kompression ist im Live-Betrieb ein zweischneidiges Schwert, zumindest beim Gesang. Einerseits können damit zu starke Pegelsprünge vermieden werden, andererseits sinkt die Feedbackgrenze, wenn der komprimierte Gesang auf dem Bühnenmonitor landet. Der Monitor kann also nicht mehr so laut gedreht werden, ohne Feedback zu riskieren.
Die Lösung des Problems liegt darin, den Gesang nicht einzeln im Insert zu komprimieren, sondern auf einem Gruppenbus. Der Gesang ist dann auf dem Bühnenmonitor unkomprimiert und maximal laut zu hören, während über die PA die komprimierte Stimme wiedergegeben wird. Im Gesangsbus lassen sich so auch mehrere Gesänge zusammen komprimieren, wozu ein einzelner Kompressor schon ausreichend ist. Einzelne Gesänge können dabei regelrecht in die Kompression gefahren werden, ohne den Gesamtpegel zu übertreiben. In der Regel beginne ich bei einer Kompressionsrate von 4:1, mittlerer Release-Zeit und ca. 10 ms Attack-Zeit und stimme das Ergebnis dann nach Gehör ab.

Tipp 13: FOH-Platz entscheidet über FOH-Sound

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Typischer FOH-Platz auf einem Festival – hier beim Méra Luna in Hildesheim

Der FOH-Techniker, also der Mann oder die Frau am Pult, wird in seinen Mix-Entscheidungen maßgeblich von seinem Standort, dem FOH-Platz, beeinflusst. Wer mit seinem Pult irgendwo in der Ecke des Raumes steht, muss sich nicht wundern, dass der Bass dröhnt und die Instrumente nicht präsent genug klingen. Für guten FOH-Sound sollte der FOH-Platz möglichst zentral liegen, sodass sich der Sound nicht oder nur wenig von dem unterscheidet, was das Publikum hört. Denn für wen mischen wir? Richtig, für das Publikum. Ist ein zentraler Standpunkt nicht möglich, sollte man wenigstens beim Soundcheck und am Anfang der Veranstaltung öfters dort hingehen, wo sich das meiste Publikum befindet und gegenhören. Auch eine zweite Person im Publikum, die mit einem Walki Talki ausgestattet ist, kann hier helfen.

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Die Fernsteuerung per Tablet ist die Rettung bei einem ungünstigen FOH-Platz

Aktuelle Digitalpulte besitzen meistens die Möglichkeit, per Tablet aus der Ferne gesteuert zu werden. Davon sollte man als Tonmann unbedingt Gebrauch machen, sofern die WLAN-Verbindung stabil ist. Ich habe schon FOH-Leute den ganzen Abend, mit dem Tablet in der Hand, im Publikum tanzen gesehen. Hauptsache der FOH-Sound passt.

Fazit

Guter FOH-Sound hängt von vielen Faktoren ab. Dabei ist eine gut klingende und leistungsstarke PA und ein gut klingender Raum schon mindestens die halbe Miete. Doch auch dann lauern einige tontechnische Fallstricke, die umgangen werden müssen, damit am Ende alles passt und die Veranstaltung ein Erfolg werden kann. Ein Pauschalrezept für guten Sound kann es nicht geben – und doch helfen einem die 13 Tipps für guten FOH-Sound einen großen Schritt weiter, da jede Veranstaltung anders ist. Doch wer sein Handwerk beherrscht und weiß, wie die einzelnen Komponenten den Klang formen, der wird am Ende des Abends mit gutem Sound belohnt.

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