Stage Tools: Der Notfallkoffer für den Tontechniker

28. Oktober 2018

Gut vorbereitet sein ...

Der Gig steht an, das Equipment ist gepackt und steht für den Transport bereit. Im Kopf gehe ich noch einmal alle wichtigen Geräte durch. Habe ich genug Kabel dabei? Steckdosen? Verlängerungskabel? Es gibt so viele Dinge, an die gedacht werden müssen. Und doch ist es dann so, dass am Auftrittsort irgendetwas fehlt. Meistens sind das die Kleinigkeiten, die vorher nicht bedacht wurden, weil sie unwichtig erscheinen, dann aber im Notfall fehlen. In diesem Feature soll es um den Notfallkoffer gehen, der alles enthält, was im Ernstfall am Auftrittsort benötigt wird.

Der Notfallkoffer für den Tontechniker

Der Notfallkoffer für den Tontechniker hört sich zunächst einmal ziemlich medizinisch an. Das kann es auch werden, wenn der Schraubendreher beim Versuch des Aufstemmens eines verklemmten Batteriefachs in der Hand landet, während sich der Deckel keinen Millimeter bewegt hat. Pflaster oder etwas Verbandsmaterial sind grundsätzlich nie eine schlechte Idee. Doch in erster Linie meint Notfall neben der medizinischen Versorgung den tontechnischen Notfall. Kabel kaputt, Stecker passt nicht, Kabel zu kurz, Beschriftung notwendig, Batterie leer, Klemme kaputt und viele weitere Dinge, die manchmal im Bühnenalltag passieren. Der Notfallkoffer sollte neben vielen Kleinigkeiten, die sporadisch benötigt werden, auch Dinge enthalten, die man eigentlich fast immer irgendwie braucht und doch sonst vergisst. Schauen wir uns das mal gemeinsam an.

Schreibutensilien

Der Notfallkoffer für den Tontechniker sollte tatsächlich Stifte enthalten. Es kommt immer der Moment, in dem Schreibmaterial benötigt wird. Sei es nun der Stift und das TESA Krepp zur Beschriftung des Mischpults, Zettel und Stift samt Schreibunterlage zum Notieren der Stagebox-Belegung oder einfach ein Block für Notizen zur Show. Das Digitalpult hat doch ohnehin Scribble Strips für die Kanalbeschriftung? Wozu dann Klebeband zur Beschriftung? Und dann kommt die Sonne und die Displays sind schlecht lesbar – und nun? Doch auch auf der Bühne ist es oft hilfreich, zum Beispiel DI-Boxen zu beschriften oder Kabelwege, damit im Falle eines Falles schnell klar ist, wie der Signalweg auf der Bühne aussieht. Oder einfach nur, um den Musikern eine Hilfestellung zu geben, damit sie nicht beim Aufbau ständig nachfragen müssen, wohin denn nun das Klinkenkabel vom Keyboard gesteckt werden muss. Auch wichtige Infos vom Veranstalter oder Hausmeister zum Veranstaltungsort, die vorher nicht geklärt wurden, schreibt man sich besser auf, da gerade Hausmeister die Angewohnheit haben, plötzlich zu verschwinden (zum Beispiel: Wo ist der Sicherungskasten? Wie sind Steckdosen abgesichert? Wo ist der Drehstromanschluss? Wo sind Fluchtwege? Darf Kunstnebel eingesetzt werden – Stichwort Rauchmelder? Mobilnummer des Hausmeisters.)

Notfallkoffer

Gaffer Band (auch Gaffa genannt) gehört in jeden Notfallkoffer – nicht nur für den MacGyver unter uns

Gewebeband/Gaffer Tape

„Mit Gaffer kann man alles reparieren!“, diesen Satz hat bestimmt schon jeder einmal gehört. Tatsächlich ist das leicht zu handhabende Gewebeband ein praktischer Helfer in der Not. Die Mikrofonklemme hat sich gerade zerlegt und es ist kein Ersatz zur Hand? Etwas Gewebeband sorgt wieder für ausreichend Halt und die Show kann weitergehen. Gewebeband lässt sich einfach von der Rolle abreißen, ist aber zugleich extrem reißfest, sodass es auch höhere Belastungen übersteht. Die Klammer des Taschensenders ist mal wieder gebrochen? Kein Problem – etwas Gewebeband und der Sender sitzt wieder bombenfest am Gitarrengurt. Übrigens: Ob nun Gaffa oder Gaffer – da streiten sich die Bühnengelehrten. Seine Herkunft hat die Bezeichnung Gaffer vom gleichnamigen Bühnenelektriker beim Film, dessen Allroundtool eben jenes Gewebeklebeband ist. Welche Schreibweise auch immer gewählt wird, klar ist, dass ohne solch ein Klebeband MacGyver wohl nicht vorstellbar wäre.

Kabeltester ermöglichen es, schnell Defekte an Kabeln zu lokalisieren.

Kabeltester

Es knistert, knackt, knallt oder es kommt gar kein Signal – oft ist ein defektes Kabel der Verursacher. Ein Kabeltester unterstützt bei der Suche. Schon ein einfaches und günstiges Gerät wie der Behringer CT200 spart Zeit, Nerven und kann für die rund 25 Euro Straßenpreis eine Vielzahl an verschiedenen Kabel-/Steckertypen überprüfen. Also ab in den Notfallkoffer damit.

Batterien

Ohne Batterien oder Akkus kommt keine Bühnenshow aus. Ob nun in der Funktechnik, in DI-Boxen oder eben dem gerade genannten Kabeltester, Batterien sind allgegenwärtig. Leider gibt es viele verschiedene Batterietypen, die im Bühnenalltag gebräuchlich sind: AA oder AAA, 9 Volt Block oder gar die Knopfzellen verschiedener Größe für das Stimmgerät. Batterien verschiedener Ausprägung gehören in den Notfallkoffer. Umweltfreundlicher sind wiederaufladbare Akkus. Diese haben aber den großen Nachteil, dass sie nicht nur auch bei Nichtgebrauch schneller entladen werden, sondern insbesondere beim Einsatz von Funktechnik hinsichtlich ihrer Nutzungsdauer den Alkaline Batterien gnadenlos unterlegen sind. Außerdem muss man natürlich daran denken, diese auch vor dem nächsten Einsatz aufzuladen.

Batterietester

Hat die eingelegte Batterie noch genügend Saft für den Gig oder Soundcheck? Ein Batterietester gibt schnell darüber Auskunft, ob die Batterie noch einsatzfähig ist oder besser gleich umweltgerecht entsorgt wird. Schon einmal genutzte Batterien können, sofern sie noch etwas Restladung besitzen, gut für den Soundcheck eingesetzt werden. Ein Batterietester hilft hier, die noch brauchbaren Exemplare zu identifizieren.

Kabelbinder

Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und an Stabilität sind sie kaum zu schlagen. Das hat auch die Polizei für sich entdeckt und nutzt sie bei Demonstrationen oder Fußballspielen gerne als Handschellenersatz für aufsässige Bürger. Die Rede ist von Kabelbindern. Ob nun zum Befestigen des Bühnen-Backdrops, Zusammenhalten von mehreren Kabeln oder zum Basteln von Zugentlastungen, Kabelbinder gehören in verschiedenen Größen in unseren Notfallkoffer.

Kampf dem Gehörschaden: Wer auf lauten Bühnen Fehler suchen muss, benötigt einen Gehörschutz.

Gehörschutz

Ein Gehörschutz für Tontechniker? Das mag zunächst seltsam anmuten. Wer jedoch einmal beim Metal-Konzert auf der Bühne herumturnen musste, um diverse Mikrofone vor den Amps oder an den Drums wieder richtig auszurichten, wird sie sich schnell in den Gehörgang wünschen. Das Gehör ist unser Kapital und die Arbeitsgrundlage. Es muss aber nicht unbedingt ein angepasster Gehörschutz sein und auch der „fette“ Industriegehörschutz ist nicht notwendig. Kleine Ohrstöpsel aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt reichen vollkommen und werden nach dem Einsatz einfach entsorgt. Also ab damit in den Notfallkoffer.

Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  

    Schöner Artikel. Danke für die Zusammenstellung.

    Man bringt alles auf chinch mit und der mixer vor Ort hat nur klinke am Start. Dann geht der Spaß los. Adapter und zusätzliche Stromkabel sind das a und o.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Ja, genau so ist es. Ich habe auch stets lieber einen Adapter mehr mit dabei als hinterher blöd aus der Wäsche zu gucken. Das ist auch bei Kabeltrommeln, Verlängerungen und Mehrfachsteckdosen so. Und bei Mikrofonkabeln auch. Den Lötkolben brauche ich am seltensten, weil ich in der Regel immer mehr Kabel dabei habe als ich brauche. Beschriftungsmaterial, Kabelbinder, Handschuhe, Gaffer usw. braucht man eh immer.

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Wenn man/frau für alles Ersatz hat, geht (fast) nie etwas entzwei ;)).
    Eine Lötstation dabei zu haben empfinde ich als nicht sehr praktisch. Gaslötkolben sind da praktischer. Aber meine erste Wahl sind die lötfreien Reparatursets (es wird geschraubt!) für Kabel. Leider gibt es diese Sets nicht für alle Anwendungsfälle.
    Ganz wichtig finde ich eine Cree (LED)-Stirnleuchte, damit die Hände frei bleiben.
    Als Kleidung hat sich eine Anglerweste mit vielen unterschiedlich großen Taschen sehr bewährt. Auch sollten die Bandkollegen ihre Hausaufgaben gemacht haben und Ersatzsaiten und Stimmschlüssel etc. dabei haben. Ein Multitool wie das Chess Multitool & Knife kostet unter zwanzig Euros, ist praktisch und findet seinen Platz am Gürtel. Mit einer kleinen UV-Leuchte (unter zehn Euro) kann man/frau auch bei schlechtem Licht Risse in Kabeln etc. erkennen.
    Damit am Ende des Abends alles den Weg in den Technikerkoffer findet, alle Stecker, Kabel, Adapter etc. auffällig kennzeichnen. Generell sind einzelne Kabel im Havariefall schneller zu ersetzen, als ein defektes Multicore. Auch sollte es in der Band eine Techniker-Soli-Kasse geben die die Auslagen für technische Reparaturen deckt. Viele Bands schwören aber mehr auf den Inhalt des Thon Whiskey Koffers …

  3. Profilbild
    Onkel Chris

    Vorsicht bei dem exemplarisch abgebildeten XLRm -> Mini-Klinke Adapter. Natürlich spricht nix dagegen, sein Handy (oder mp3-Player) an 2 Mic-Inputs anzuschließen. Wenn da aber die Phantomspeisung an ist, gibt das angeschlossene Gerät ganz schnell Rauchzeichen und verabschiedet sich

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