Workshop: Was ist eine DI-Box? Aktiv oder Passiv?

24. Februar 2018

Di-Box

Was ist eine DI-Box?

Was ist eine DI-Box?

 

Was ist eine DI-Box?

Eine Di-Box macht ein „direct injection“ möglich – also eine Signaleinspeisung ohne Mikrofonierung. Dabei wird ein Ausgangssignal von unsymmetrisch, 2-polig in ein symmetrisches, 3-poliges Signal umgewandelt. Günstig ist außerdem der Einsatz eines Übertragers (wie beim Testgerät), der ein erdfreies Signal ausgeben kann.

Die seit 2011 auf dem Markt angebotene SC900 ist eine passive Box, kommt also ohne Halbleiter im Signalweg aus. Die Ausstattung entspricht auf den ersten Blick dem der klassischen Di-Box: zwei Klinkenbuchsen vorne zum Durchschleifen des unsymmetrischen Signals, eine XLR-M-Buchse hinten für das Ausgangssignal. Dazu kommt ein Schalter vorn für die Signalabschwächung und hinten ein Ground-Lift. Die SC900 weist aber noch eine Besonderheit auf: ein zusätzlicher Schalter mit der Bezeichnung „Ground Lift Mode“. Doch zunächst wollen wir etwas Ursachenforschung betreiben.

Was ist eine DI-Box?

Vorderseite der SC900

Warum brummt’s?

Das bekannte Brummen von Tonanlagen hat seinen Ausgangspunkt meistens in der Stromversorgung mit 50Hz-Wechselstrom. In den USA und einigen anderen Ländern wird eine Frequenz von 60Hz verwendet. Dieser Wechselstrom strahlt entweder durch die Luft in Form eines Magnetfeldes in die Tonleitung ein oder kommt durch ein zu schwach dimensioniertes Netzteil als Störsignal der Versorgungs-Gleichspannung in die Signalkette. Um die Tonleitungen unempfindlicher für Einstrahlungen zu machen wurde die symmetrische Leitungsführung entwickelt, mit dieser Methode werden Störeinflüsse weitgehend ausgefiltert.

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Die rot eingezeichnete Brummschleife ist die Ursache des Problems

Ein weiterer Problemfall sind die gefürchteten Brummschleifen. Auch gut abgeschirmte und mit gut gesiebtem Netzteil versehene Geräte fangen in bestimmten Fällen an zu brummen. Das passiert, wenn ein oder mehrere Geräte mehrfach geerdet sind. Vor allem, wenn diese Erdverbindungen zu Kreisen (oder Schleifen) zusammengeschaltet sind, was oft unbeabsichtigt passiert, entstehen an den Erdungspunkten Potentialunterschiede, die von einer Wechselspannung überlagert sind. Das macht sich dann möglicherweise als Brummen im Signalweg bemerkbar. Einige Studio- und Beschallungsgeräte haben daher eine Schalter, um an einer bestimmten Stelle die Erdverbindung zu unterbrechen, den sogenannten Ground-Lift. Diese Schalter beeinträchtigen aber nicht die Sicherheit: Anders als beim Abkleben des Steckdosenerdkontaktes bleibt die Verbindung des Gehäuses mit dem Erdkontakt erhalten.

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Sternförmige Masseleitungen verhindern Brummschleifen

Dieser Groundlift-Schalter ist auch bei allen Di-Boxen wiederzufinden. Wie der Schalter richtig steht, ist im Voraus kaum zu sagen. Es gilt die einfache Grundregel: Wenn’s brummt, den Schalter in die andere Position schalten und hoffen, dass das Brummen beseitigt ist. Eine Möglichkeit, die Probleme durch Brummschleifen zu vermeiden, ist das sog. Star-Grounding, also das sternförmige Anordnen der Masseleitungen. Diese Methode wird innerhalb der Geräteelektronik verwendet, funktioniert aber auch beim Zusammenschalten mehrerer Tongeräte im Studio und auf der Bühne.

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Rückseite der SC900

Di-Boxen stehen normalerweise bei Beschallungsaufträgen auf der Bühne, im Studio stehen sie hinter einer großen Glasscheibe im Aufnahmeraum. Der Tontechniker muss also ein paar Schritte laufen, wenn er an der Einstellung der Box etwas ändern will. Für diesen Fall hat sich Switchcraft etwas überlegt: Damit der Tontechniker ohne große Umstände den Ground-Lift betätigen kann, hat Switchcraft eine Fernsteuerung mithilfe der Phantomspeisung entwickelt. Bei der SC900 dient die Phantomspeisung mit 48 Volt nicht der Stromversorgung eines Vorverstärkers in der Box, sondern nur als Signal für die Betätigung des Groundlift-Schalters. Mit dem bereits erwähnten Schalter „Ground Lift Mode“ kann der Tontechniker zwischen einer manuellen und einer ferngesteuerten Betätigung des Groundlifts wählen. In der Stellung „48V Lift Pin1“ wird die Erdverbindung getrennt, falls vom Mischpult eine Phantomspeisung ankommt. Kommt keine Spannung mit 48 Volt an, ist der Schalter geschlossen. Ein Problem bekommen die Nutzer, bei denen die Phantomspeisung nicht in jedem Kanal einzeln geschaltet werden kann. Im schlechtesten Fall wird die Phantomspeisung sogar mit einem Schalter für alle Kanäle geschaltet – die Fernsteuerung der SC900 lässt sich dann kaum noch richtig benutzen. Etwas ungünstig ist auch die niedrige Eingangsimpedanz der Box. Für den direkten Anschluss von E-Gitarre und Bass müsste der Eingangsscheinwiderstand um das Zehnfache größer sein.

Bei umfangreich ausgestatteten Pulten ist die Bedienung der Fernsteuerung recht einfach und dürfte eine gewisse Arbeitserleichterung für vielbeschäftigte Fachleute darstellen.

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Sauber verarbeitetes Innenleben

Innenleben

Schon von außen fällt eine sehr aufwändige und praxisgerechte Verarbeitung auf: Die Buchsen und Schalter sind etwas versenkt – Fehlbedienung und Beschädigung sind damit so gut wie ausgeschlossen. Dieser Eindruck bestätigt sich bei einem Blick in das Innere des Geräts: hochwertige Bauteile und eine saubere Verarbeitung. Den Übertrager gibt’s in der Ausführung von Jensen und als Custom-Modell, wie hier auf den Fotos zu sehen ist. Der Custom-Transformator ist durch eine Metall-Kapselung vor Einstrahlungen geschützt und wirkt sehr solide.

Die Platine der SC900

Hochwertige Klinkenbuchsen

Vom selben Hersteller gibt es noch eine 600-er, 700-er und eine 800-er-Serie mit hochwertigen Di-Boxen. Besonders interessant ist ein kompaktes Modell mit dem Namen „AudioStix“. Das Gerät ist nur halb so groß wie eine übliche Di-Box und wurde speziell für Notebook-User entwickelt, als Eingang dient dementsprechend eine Stereo-Mini-Klinkenbuchse.

… auch für Video-Ton ist manchmal eine Di-Box von Vorteil

Fazit

Die SC900 ist eine hochwertige und sehr ordentlich verarbeitet Di-Box, deren besonderes Merkmal, der fernsteuerbare Ground-Lift, konkurrenzlos dasteht. Ein kurzer Klangtest ergab keine Auffälligkeiten, eine Soundveränderung durch das Einschleifen der Box war mit dem Gehör nicht feststellbar. Der Preis ist allerdings beachtlich, das Produkt wird daher vermutlich am ehesten professionelle Anwender ansprechen.

Ich hoffe wir konnten Euch die Frage „Was ist eine DI-Box?“ ausreichend beantworten.

Plus

  • sehr gute Verarbeitung, hochwertige Komponenten
  • fernsteuerbarer Groundlift-Schalter
  • gutes Design

Minus

  • lässt sich nicht mit allen Mischpulten richtig nutzen
  • niedrige Eingangsimpedanz
  • hoher Preis

Preis

  • UVP: 230,- Euro
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