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Workshop: 13 Tipps für guten Proberaumsound

24. Februar 2018

Pimp my Proberaum

Mit 13 Tipps für guten Proberaumsound geht es nun in die zweite Runde der Workshop-Reihe, die sich vor allem um Möglichkeiten zur Klangverbesserung dreht. Nachdem im ersten Workshop 13 Tipps für guten Bühnensound die Live-Situation behandelt wurde, soll es nun um die intimsten Sphären des Musikers gehen, nämlich um den Proberaum und wie man den Klang und damit die Spielfreude beim Proben verbessern kann. Die Klangqualität im Proberaum hat maßgeblichen Einfluss auf das Zusammenspiel und die Effektivität der Probe, denn wenn Spielfehler oder Unstimmigkeiten im Arrangement in einem Klangbrei untergehen, kann man auch nichts verbessern. Das böse Erwachen kommt dann zumeist im Studio, wenn man das erste Mal genau hört, was die anderen spielen. Schon so manche Band ist an solch einer Situation zerbrochen, nur weil der Klang im Proberaum keine objektive Beurteilung zugelassen hat. Wer die nachfolgenden 13 Tipps beherzigt und umsetzt, der kann den Proberaumsound und damit die Qualität der Musik signifikant verbessern.

Bass und Bässer

Tipp 1: Lautstärke

Die Gesamtlautstärke im Raum ist ein entscheidender Faktor für die Klangqualität. Denn je lauter ein Instrument ist, desto lauter sind auch die Reflektionen an den Begrenzungsflächen, d.h. an den Wänden, am Boden und an der Decke. Auch stehende Wellen, sogenannte Raummoden, werden mit steigender Lautstärke stärker angeregt. Der Klang wird dadurch undurchsichtiger und matschiger und macht eine Beurteilung des gerade Gespielten immer schwieriger. Je besser ein Raum durch Akustikmaßnahmen optimiert ist, desto lauter kann darin musiziert werden, ohne dass der Raumklang störend in Erscheinung tritt, doch dazu später mehr. Das Schlagzeug ist in der Regel die Lautstärke-Referenz, denn es lässt sich nicht leiser drehen. Hier ist der Schlagzeuger gefragt. Ein guter Schlagzeuger beherrscht das Spiel mit der Lautstärke und kann sich anpassen, Musikstile wie Rock oder Metal lassen sich ohne eine gewisse Anschlagstärke jedoch nur schwierig umsetzen. Trotzdem sollte das oberste Ziel sein, nur so laut wie nötig und so leise wie möglich zu proben. Eure Ohren und der Proberaumsound werden es danken.

Tipp 2: Schlagzeug

Das Schlagzeug bestimmt in der Regel die Gesamtlautstärke der Band

Es gibt mehrere Methoden, das Schlagzeug leiser klingen zu lassen. Zum einen ist es nicht nötig, die dicksten Sticks zu benutzen und zum anderen sollten dicke, laute Becken vermieden werden. Becken strahlen ein sehr breites und dichtes Frequenzspektrum ab. Man könnte es auch mit Rauschen vergleichen, das eine tonale Komponente besitzt. Becken haben also das Potenzial, alle anderen Instrumente zu überdecken, deshalb sollte man darauf achten, sich eher dünne, leisere Becken anzuschaffen, auch wenn diese in Katalogen nicht unbedingt als Rock-Becken angepriesen werden. Die Trommeln sollten gestimmt sein. Trommeln können dabei nicht nur tonal auf den Grundton von Songs abgestimmt werden, auch die Länge und die Art des Ausklangs kann durch die Stimmung verändert werden. Vor allem die Toms sollten nicht zu lange ausklingen, um unnötigem Klangmatsch vorzubeugen. Das erreicht man dadurch, dass das Schlagfell und das Resonanzfell in der Tonhöhe annähernd gleich gestimmt sind. Das Resonanzfell sollte aber minimal höher oder tiefer gestimmt sein, sodass beide Felle im Nachklang gegeneinander schwingen, wodurch sich die Schwingungen neutralisieren und der Klang kürzer wird. Schlagzeugstimmung ist eine Wissenschaft für sich und es gibt viele Ansätze dabei. Trotzdem sollten sich Schlagzeuger davon nicht abschrecken lassen und sich unbedingt damit befassen. Es gibt z.B. von der Firma DW ein lehrreiches Video auf YouTube zu dem Thema. Ein gut gestimmtes Schlagzeug klingt überall besser und druckvoller, ob im Proberaum, im Studio oder Live. Erst im letzten Schritt und nur als Notbehelf sollte man Trommeln abkleben oder dämpfen. Am besten eignen sich dafür Dämpfungsringe oder selbstklebende Gel-Pads. Für preisbewusste Schlagzeuger reichen auch Teile von Gel-Fensterbildern, die vor allem zu Weihnachten günstig in großen Mengen verkauft werden.

Auch Weihnachtsdekoration kann dem guten Klang dienlich sein

Tipp 3: E-Drum

Das E-Drum (Im Bild: Yamaha DTX 760k) muss nicht gestimmt werden und kann vor allem leiser gedreht werden

Ist das Schlagzeug trotz aller Maßnahmen zu laut für den Proberaumsound, dann kann ein E-Drum abhelfen. Es lässt sich komfortabel in der Lautstärke regeln und es muss nicht gestimmt werden. Ein typisches E-Drum sieht optisch in der Regel eher bescheiden aus im Vergleich mit einem richtigen Schlagzeug. Doch das muss nicht sein. Schon für wenig Geld kann man das akustische Schlagzeug nämlich auch in ein leises E-Drum verwandeln. Alles was man dafür braucht, sind Drum-Trigger, ein Drum-Modul und Kabel. Wer es besonders leise will, nimmt anstatt normaler Schlagzeug-Felle sogenannte Mesh-Felle. Mit richtigen Becken anstelle von Becken-Pads lässt sich solch ein E-Drum-Hybrid kaum von einem akustischen Schlagzeug unterscheiden. Für einen möglichst originalgetreuen Klang sind Sample-Librarys aus dem Rechner das Mittel der Wahl, z.B. Addictive Drums, BFD oder die neueren Schlagzeug-Kits aus der Library von Logic Pro X. Um möglichst kurze Verzögerungszeiten zwischen Trommelanschlag und dem Klang aus dem Rechner zu erreichen, benötigt man einen halbwegs aktuellen Rechner mit ausreichend Arbeitsspeicher. Die Latenzzeit im Rechner sollte 128 Samples nicht überschreiten, besser sogar bei 64 Samples oder niedriger liegen. Wer im Rechner auf eine höhere Sample-Rate wie 96 kHz oder 192 kHz umstellt, verkürzt damit die Latenzzeit weiter, vorausgesetzt der eigene Rechner besitzt genug Rechenleistung und das Audiointerface unterstützt hohe Sample-Raten.

ddrum DDTI – E-Drummodul ohne Sounds

Beim Drum-Modul kann dadurch wieder Geld eingespart werden, da hier ein einfaches Trigger-Modul ohne interne Sounds wie das DDrum DDTI, das Roland TM-2 oder ein altes gebrauchtes Drum-Modul wie das Roland-TD7 ausreichen. Hauptsache, es ist eine MIDI- oder USB-Schnittstelle zur Verbindung mit dem PC oder Mac vorhanden. Wer partout nicht mit einem Rechner arbeiten möchte und trotzdem möglichst natürliche Sounds bevorzugt, kommt auch sieben Jahre nach seiner Markteinführung nicht am Drumit Five-Modul von 2Box vorbei. Die beiden japanischen Platzhirsche im E-Drum Markt haben anscheinend kein Interesse klanglich nachzuziehen und begnügen sich lieber mit Samples, die zum Teil noch aus dem vorigen Jahrtausend stammen.

Tipp 4: Aufstellung

Die Aufstellung von Instrumenten und Musikern ist für einen ausgewogenen Klang und gutes Zusammenspiel essentiell. Jeder Musiker sollte sich selbst und die anderen gut hören und die Abstände zueinander sollten nicht zu groß werden. Am besten wird das Schlagzeug zentral positioniert, sodass alle Musiker einen ähnlichen Abstand dazu haben. So hören alle das rhythmische Fundament gleich laut und ohne unnötige Verzögerung. Gitarrenverstärker verfehlen ihren Zweck, wenn sie die Hosenbeine des Gitarristen beschallen. Stellt eure Verstärker so auf, dass möglichst viel Direktschall eure Ohren erreicht. Aber vergesst dabei nicht, dass die anderen Musiker euch auch hören müssen. Um der starken Richtwirkung von Gitarrenverstärkern im Höhenbereich entgegenzuwirken, gibt es spezielle Diffusoren wie die Produkte von Deeflexx, die vor die Box gestellt für einen gleichmäßigeren Raumklang sorgen, indem die hohen Frequenzen gestreut werden. Wer handwerklich begabt ist, kann sich solch einen Diffusor auch mithilfe von Heißluftfön und Säge aus einer handelsüblichen Acrylplatte bauen. Bassfrequenzen werden dagegen kugelförmig in alle Richtungen abgestrahlt und sind überall im Raum gut hörbar. Der Bassverstärker sollte für ein gutes Zusammenspiel aber möglichst dicht beim Schlagzeuger und auch nicht zu weit von der Wand entfernt stehen. Der Bass wird von der Wand nämlich reflektiert und sorgt am Abhörpunkt zusammen mit dem Direktschall des Verstärkers für eine Frequenzauslöschung. Je weiter die Entfernung des Verstärkers zur Wand, desto leiser ist zwar die Reflektion, desto tiefer liegt aber auch die Frequenz, die ausgelöscht wird, sodass im Zweifelsfall sogar der Grundtonbereich des Basses negativ beeinflusst werden kann. Sänger und Gesangsmikrofone sollten möglichst so aufgestellt werden, dass wenig Störschall von Schlagzeug und Verstärkern übersprechen kann. Auch die Aufstellung der Gesangsanlage ist in diesem Zusammenhang für den  Proberaumsound wichtig, denn sie sollte niemals direkt auf das Mikrofon gerichtet sein, da dadurch die Chance für Rückkopplungen ansteigt und die maximal erreichbare Lautstärke sinkt. Dabei spielt die Richtcharakteristik des Mikrofons eine wichtige Rolle. In dem Artikel 13 Tipps für guten Bühnensound habe ich diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet.

Tipp 5: PA

Günstig vs. teuer / passiv vs. aktiv (the Box und HK Audio)

In einem typischen Proberaum beeinflusst die PA vor allem den Gesangssound, nicht umsonst wird sie umgangssprachlich als Gesangsanlage bezeichnet. Als Faustregel lässt sich sagen: Je lauter die Band spielt und je leiser der Sänger im Vergleich dazu singt, desto hochwertiger und leistungsstärker muss die PA sein. Diese kann entweder aus Aktiv-Boxen bestehen oder aus passiven Lautsprechern und einem externen Verstärker. In Aktiv-Lautsprechern wurde die Endstufe in der Regel genau auf die Box abgestimmt, sodass auch technische Laien keine Probleme haben sollten. Nutzt man ein passives System, sollte man auf die Anpassung beider Komponenten achten. Bei Endstufen wird normalerweise angegeben, wieviel Leistung sie an einem bestimmten Lautsprecher-Widerstand (in Ohm) abgeben können. Der angeschlossene Lautsprecher sollte diesen Widerstand nach Möglichkeit nicht unterschreiten, das sonst die Transistoren der Endstufe bei zu großer Belastung zerstört werden können. Ein höherer Widerstandswert beim Lautsprecher ist hingegen kein Problem, nur die maximal erreichbare Lautstärke sinkt dadurch. Ein weit verbreiteter Irrglaube unter Musikern ist, dass die angegebene Verstärkerleistung nicht über der Leistungsangabe des Lautsprechers liegen darf, da sonst der Lautsprecher zerstört werden könnte. Das ist falsch, denn das Gegenteil ist zumeist der Fall. Hat die Endstufe zu wenig Leistung und wird an der Clipping-Grenze betrieben, entstehen Verzerrungen, die im Extremfall den Hochtöner der Box zerstören können. Optimal ist eine 50 Prozent höhere Verstärkerleistung als auf der Box angegeben ist. Das bezieht sich aber auf den Durchschnittswert (RMS) und nicht auf die Spitzenleistung (Peak). So hat der Verstärker genug Leistungsreserven, um auch Pegelspitzen ohne nennenswerte Verzerrungen zu verarbeiten. Die Lautsprecher selbst sollten nicht zu klein gewählt werden. Lautsprecher, die mit einem 12 Zoll Tief-Mitteltöner bestückt sind, bilden einen guten Ausgangspunkt. Wer auch Bassinstrumente darüber verstärken will, sollte eher zu Modellen mit 15 Zoll-Treiber oder separaten 15er- oder 18er-Bass-Lautsprechern tendieren. Horngeladene Hochtöner, wie sie in vielen klassischen PAs vorkommen, sind auch für den Proberaum ideal, da die hohen Frequenzen aufgrund der Bündelung kräftig genug abgestrahlt werden. Da bei der Lautsprecherwiedergabe die effektive Membranfläche den maximalen Tiefgang beeinflusst, können auch mehrere kleine, parallel betriebene Tiefmitteltöner eingesetzt werden, wie wie es bei manchen Bassboxen (Ampeg 8×10) und Linienstrahlern der Fall ist. Die momentan sehr angesagten Säulen-PAs, die quasi ein Line-Array im Miniformat darstellen, können also auch im Proberaum problemlos genutzt werden.

Tipp 6: Monitore

JBL PRX7 – Monitor und PA-Lautsprecher in einem

Monitore werden normalerweise auf der Bühne benutzt, um den Musikern einen vom Hauptmix unabhängigen Monitormix zuzuspielen. Da man live sowieso auf Monitore angewiesen ist, kann man die Proberaum-PA also auch gleich gegen Monitore austauschen. Dabei ist es am praktischsten, wenn jeder Musiker seinen eigenen Monitor hat. Eng beieinander stehende Instrumentalisten, wie z.B. eine Bläsergruppe, können sich auch problemlos einen Monitor teilen. Am Unkompliziertesten ist es, die Monitore wie eine am Boden liegende PA zu betrachten und einfach den Hauptmix vom Mischpult auf die Monitore zu schicken. Monitore besitzen in der Regel einen Link-Ausgang, aus dem das eingehende Signal direkt wieder herausgeführt wird. So können alle Monitore einfach in Reihe verkabelt werden und spielen den gleichen Mix. Viele Monitore besitzen gleich zwei Eingänge, die sich mischen lassen. Dadurch wird es möglich, z.B. das eigene Gitarrensignal zusätzlich zum Monitor zu schicken, um sich auf dem eigenen Monitor lauter zu hören. Aufwändiger wird es, wenn jeder seinen eigenen Monitor-Mix vom Mischpult bekommt. Dann braucht man nämlich ein Mischpult, das genügend Aux-Wege zur Verfügung stellt. Jeder Monitor wird dann direkt mit dem Pult verkabelt, was längere Kabelwege zur Folge hat. Für einen optimalen Mix braucht es etwas Zeit, aber es lohnt sich und man hat schon bei der Probe einen ähnlichen Sound wie auf der Bühne und lernt, welche Signale man wie laut benötigt, um optimal spielen zu können. Von dieser Erfahrung profitiert man wiederum in der Live-Situation auf der Bühne. Doch eines darf nicht vergessen werden. Eine Person aus der Band sollte sich mit der Technik auch auskennen und wissen, was ein Aux-Weg ist und wie sich z.B. eine Pre- oder Post-Fader-Schaltung auf den Monitormix auswirkt. Alternativ kann man sich auch für einen Abend einen befreundeten Tontechniker zu Hilfe holen, der die Grundeinstellungen erledigt und die Musiker für spätere Änderungen einweist.

Forum
  1. Profilbild
    Sokrates  

    Ich hatte auch mal einen Proberaum, knapp 25m² ausgestattet. An die Wände hängte ich zwecks Schallisolation gebrauchte Teppiche mit dem Ergebnis, dass der Raum gleich zu Beginn „miefte“. Hat schon jemand von Euch einen 3x4m Teppich alleine gestemmt ? Ich wollte den Teppich zuerst an die Holzlatten tackern, aber die Krampen wurden durch das Gewicht rausgerissen. Würde ich nicht noch einmal machen, aber wenn gar nichts anderes zur Hand ist, würde ich den Teppich vorher in Streifen schneiden. Als Gesangsanlage hatte ich ein Komplettpaket für 400,- Euro neu vom Musikhändler gekauft. Nach 2 Monaten rauschte es aus einer Box. War die Box kaputt oder der Mixer ? Billigkram würde ich nicht noch einmal kaufen. Vor allen Dingen sind die anderen Bands im Übungsraum auf die Anlage angewiesen. Da kann man nicht einfach tauschen.
    Für das Schlagzeug hatte ich eine extra Bühne gebaut. Allerdings wollten die Schlagzeuger darauf nicht spielen und haben das Schlagzeug wieder auf den Boden gestellt. Beim Schlagzeug würde ich darauf bestehen, dass jeder Drummer seine eigene Fußmaschine mitbringt.

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